The Nice Guys (2016)

Nach einem frühlingshaften Tag, den ich nahezu komplett draußen verbracht habe, stand mir der Sinn nach leichter Unterhaltung. Meine Wahl ist vor allem deshalb auf „The Nice Guys“ gefallen, da ich im Sneakpod schon mindestens drei Besprechungen des Films gehört habe. Somit ging es zurück ins Los Angeles der 70er Jahre… 🧔

The Nice Guys (2016) | © Concorde Video DVD

The Nice Guys (2016) | © Concorde Video DVD

Der schlechteste Detektiv der Welt

„The Nice Guys“ ist der letzte Film von Shane Black, bevor er sich seinen guten Ruf mit „Predator: Upgrade“ kaputt gemacht hat (ich mochte den Film ja ganz gerne). Hier besinnt er sich noch einmal auf alte Stärken und kehrt zu dem Genre zurück, das er geprägt hat, wie kein zweiter. Somit ist „The Nice Guys“ eine Buddy-Komödie, die von einem ungleichen Paar profitiert, gespielt von Russell Crowe und Ryan Gosling. Mindestens ebenso wichtig, wie das titelgebende Duo, ist das Setting: Shane Black fängt das Los Angeles der Siebziger Jahre wahrlich gekonnt ein und der Film bekommt dadurch eine ganz eigene Atmosphäre. Hat mir wirklich sehr gut gefallen.

Inhaltlich verfolgen wir eine typische Kriminalgeschichte, die dadurch gewinnt, dass unsere ungleichen Helden von einer absurden Situation in die nächste stolpern. Unterstützt werden sie dabei von Holland Marchs (Ryan Gosling) Tochter, was ich zu Beginn für einen ungewöhnlichen Einfall hielt, letztendlich aber doch sehr gut funktioniert. Die Geschichte ist recht atemlos erzählt, hält sich bis zum großen Finale aber angenehm zurück, was große Action angeht. Und selbst diese ist dann wunderbar handgemacht. Wirklich modern wirkt in „The Nice Guys“ nur das Thema Abgasskandal und CO2-Ausstoß. Das fand ich einen interessanten Aspekt an diesem sonst so aus der Zeit gefallen wirkenden Film.

Fazit

Nein, wirklich neu ist an „The Nice Guys“ nichts. Wer sich aber gerne einmal wieder eine altmodische Buddy-Komödie anschauen möchte, der kann fast keinen besseren Film erwischen. Ich wurde für knapp zwei Stunden wahrlich bestens unterhalten und das ist genau das, was ich momentan brauchen kann: 8/10 Punkte.

BFG: Sophie & der Riese – OT: The BFG (2016) (WS1)

Zunächst ein kurzer Bericht aus der Quasi-Quarantäne: Die Läden sind auch bei uns ziemlich ausgeräubert, der Zwergofant und ich sind heute dennoch zum Friseur geradelt und die Kids haben den Großteil des Tages draußen verbracht. Ansonsten hatten wir keine näheren Kontakte zu Freunden oder Nachbarn und die Stimmung ist durchaus angespannt. Umso wichtiger war es uns, den Kindern mit einem Filmabend weitere Normalität zu bieten. Die Wahl ist auf „BFG: Sophie & der Riese“ gefallen, auf den sich speziell das Zappelinchen sehr gefreut hatte. Der Zwergofant war dagegen mehr als skeptisch. Ob ihm der Film dennoch gefallen hat?

BFG: Sophie & der Riese (2016) | © Constantin Film

BFG: Sophie & der Riese (2016) | © Constantin Film

Für mich auf ewig ein ganz besonderer Film

Wenn ihr Stammleser meines Blogs seid, könnt ihr euch vielleicht daran erinnern, dass „BFG: Big Friendly Giant“ der erste Film war, den ich mit dem Zappelinchen zusammen im Kino gesehen habe. Das war vor ziemlich genau vier Jahren. Seitdem folgten weitere Kinobesuche, doch dieser erste wird mir immer als etwas ganz Besonderes im Gedächtnis bleiben. Seitdem habe ich mit den Kindern zusammen auch Roald Dahls Vorlage „Sophiechen und der Riese“ gelesen und war somit für ein paar Abende selbst der BFG bzw. GuRie, wie er im Buch genannt wird. Der Zwergofant fand das Buch mit den menschenfressenden Riesen damals schon ein wenig unheimlich und hatte sich zunächst gegen den Film gesträubt. Mit zunehmender Laufzeit wurde er jedoch immer begeisterter und spätestens ab der Majonäse war jede Skepsis vergessen.

Auch mir hat „The BFG“ erneut ausgezeichnet gefallen. Vielleicht noch ein wenig besser als beim ersten Mal. Nachdem ich damals beim Kinobesuch noch auf 3D verzichtet hatte, haben wir die Geschichte heute mit der zusätzlichen Dimension gesehen, was das Eintauchen in die Welt der Riesen noch einmal intensiviert hat. Überhaupt ist der Film technisch nach wie vor extrem beeindruckend, gerade was die Ausdruckskraft der titelgebenden CGI-Figur angeht. Wirklich sehr gelungen. Auch inhaltlich mochte ich die Geschichte wieder sehr und habe mich erneut gefreut, wie gut dieses Abenteuer doch bei den Kindern ankommt.

Fazit

Nach dem damaligen Kinobesuch hatte ich noch befürchtet, dass ich „BFG: Sophie & der Riese“ nur aufgrund dieses besonderen Ereignisses so mochte. Die heutige Sichtung hat jedoch gezeigt, dass es tatsächlich ein großartiger Kinderfilm ist, der zurecht einen so wichtigen Platz in unserer persönlichen Filmgeschichte einnimmt. Wundervoller Unterhaltung für die ganze Familie: 8/10 Punkte.

Rogue One: A Star Wars Story (2016)

Nachdem ich bereits den ganzen Tag mit meiner Filmsammlung beschäftigt war, wollte am Abend natürlich auch eine Blu-ray eingelegt werden. Die Wahl ist mir nicht leicht gefallen, doch letztendlich habe ich mit „Rogue One: A Star Wars Story“ zu einem Film gegriffen, der schon viel zu lange ungesehen im Regal stand. Ob er meine Liebe zu „Star Wars“ erneut zu entfachen wusste?

Rogue One: A Star Wars Story (2016) | © Walt Disney

Rogue One: A Star Wars Story (2016) | © Walt Disney

Der bisher beste „Star Wars“-Film von Disney

Noch vor ein paar Jahren wäre das undenkbar gewesen: Es wird ein neuer „Star Wars“-Film veröffentlicht, ich verpasse ihn im Kino und selbst die Blu-ray steht seit Jahren ungesehen im Regal. Früher hätte ich mir die Finger danach geleckt. Doch heute? Es ist nichts Besonderes mehr. Spätestens seit dem teils ziemlich vermurksten „Star Wars: The Last Jedi“ ist mir die Lust endgültig vergangen. Somit hat es lange gedauert, bis ich mich an „Rogue One: A Star Wars Story“ herangewagt habe. Auch war ich skeptisch, ob denn die Details rund um die Beschaffung der Pläne des Todessterns unbedingt erzählt hätten werden müssen. Wie so oft bei Prequel-Filmen. Vielleicht hat mich der Film auch aufgrund meiner gedämpften Erwartungen so begeistert – aber ja, er hat mich ziemlich umgehauen! ❤

Zunächst einmal bin ich extrem vom Look des Films angetan. Er kombiniert wunderbar die Kostüme, Sets, ja selbst Bedienelemente und Computerbildschirme der Original-Trilogie mit modernen CGI-Effekten. Dabei hält er sich, bis auf zwei prominent platzierte CGI-Figuren (für mich nicht so störend wie oft behauptet), ziemlich zurück, was ich sehr zu schätzen wusste. Auch Handlung und Charaktere konnten mich überzeugen. Nein, nötig war es nicht, diese Geschichte zu erzählen, aber sie läuft ziemlich genauso ab, wie man es sich jahrelang vorgestellt hat: Ein bunt zusammengewürfelter Haufen Rebellen setzt alles aufs Spiel, um an die Pläne des Todessterns zu kommen. Danach wird niemand mehr von ihnen hören, doch der Plan ist aufgegangen. Die Geschichte fügt sich nahtlos vor „Star Wars: A New Hope“ ein und ich hätte nun unglaubliche Lust darauf, direkt mit diesem Film weiterzumachen. Ein größeres Lob kann ich „Rogue One: A Star Wars Story“ gar nicht aussprechen.

Fazit

Disney sollte sich viel mehr darauf konzentrieren, kleine Nebengeschichten in diesem unfassbar großen Universum zu erzählen. Weg von Skywalker, Solo und Co. Auch wenn die Verbindung zu der Original-Trilogie hier gegeben ist, so wird doch das große Potenzial neuer Geschichten erkennbar. Für mich zweifelsfrei der bisher beste unter den neuen „Star Wars“-Filmen: 8/10 Punkte.

Zoomania – OT: Zootopia (2016) (WS1)

Was für eine Woche. Sehr auslaugend. Auch meine Erkältung ist wieder auf dem Vormarsch. Hmpf. Da Frau bullion heute strawanzen ist, haben die Kids und ich die Gelegenheit genutzt und einen Filmabend veranstaltet. In den Player ist dieses Mal „Zoomania“ gewandert, den ich zuletzt vor gut drei Jahren gesehen habe. Damals konnte er mich nicht vollends überzeugen. Ob sich dieser Eindruck im Beisein der Kinder verändert hat?

Zoomania (2016) | © Walt Disney

Zoomania (2016) | © Walt Disney

Eine tierische Buddy-Cop-Comedy 🐰🦊🚔

Nachdem ich den Kids drei Filme zur Wahl gestellt hatte, konnten sie sich letztendlich auf „Zoomania“ einigen. Das ist schon einmal positiv zu bewerten. Beide kennen die Hörspielfassung, was gerade beim Zwergofanten doch einiges an Skepsis nahm. Dennoch hatte er Sorge wegen ein paar unheimlichen Szenen. Was das angeht hat er im letzten Jahr aber einen deutlichen Sprung gemacht: Zwar musste er auch während dieser Geschichte ein paar Mal wegschauen, doch insgesamt ist Spannung im Film kein wirkliches Problem mehr für ihn. Das Zappelinchen ist mit ihren neun Jahren eh schon viel weiter und konnte sich komplett auf die kunterbunte Geschichte einlassen. Auch mir ist das dieses Mal leichter gefallen, da ich ja bereits von meiner ersten Sichtung wusste, was ich von „Zoomania“ zu erwarten habe.

Was soll ich sagen? Heute hat mir der Film um das ungleiche Ermittlerduo aus Hase und Fuchs deutlich besser gefallen. Die Geschichte ist immer noch einfach und wenig überraschend, doch die unzähligen kleinen Details und auch die offensiv eingewobene Toleranzbotschaft fand ich bei der heutigen Sichtung einfach wundervoll. Zudem konnte die detailreiche Optik des Films noch mehr auftrumpfen, da die unzähligen Ebenen, durch die „Zootopia“ aufgebaut ist, durch das 3D noch eine enorme Tiefe ins Bild gebracht haben. Großartig!

Fazit

Ja, „Zoomania“ hat bei der ersten Wiederholungssichtung wirklich gewonnen. Die Kinder waren begeistert und auch ich konnte mich so richtig schön in diese Welt fallen lassen. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich Filmabende mit der Familie liebe? Gerade nach anstrengenden Wochen. Für den bereits geplanten zweiten Teil ist ein Kinobesuch schon jetzt fest eingeplant: 8/10 Punkte.

Vinyl – Die komplette Serie (Staffel 1)

Nach dem letzten großen Serienmarathon habe ich mich einmal wieder einer kürzeren Show zugewandt, die mit 10 Episoden auch mehr oder weniger abgeschlossen ist. „Vinyl“ war 2016 neben „Westworld“ einer der großen HBO-Neustarts und konnte mit großen Namen wie Mick Jagger, Martin Scorsese und Terence Winter aufwarten. Letztere hatten mit „Boardwalk Empire“ bereits abgeliefert. Wieso floppte „Vinyl“ also und lohnt sich die Sichtung trotz der frühen Absetzung? 📀🎵🎸

Vinyl | © HBO

Vinyl | © HBO

Sex, Drugs & Rock’n’Roll (and More Drugs)

Bereits die erste Episode sprengt mit knapp 120 Minuten jegliche Grenzen. Wow. Inszeniert von niemand geringerem als Martin Scorsese fühlt man sich sogleich wie in einer musikalischen Variante von „Casino“ versetzt. Obwohl einerseits viel passiert und sich andererseits auch viel Zeit gelassen wird, sind die 10 Episoden wie im Fluge vergangen. Ich habe mich komplett abgeholt gefühlt und jede Sekunde dieser herrlich altmodischen Inszenierung genossen. Auch im weiteren Verlauf hat mich die Serie sehr an das klassische Gangsterkino von Scorsese und Co. erinnert: Erzählt wird eine typische Rise-and-Fall-Geschichte, nur dass wir erst kurz vor dem Fall der Hauptfigur in sie hineingeworfen werden. Es kommt zu einem gewalttätigen Todesfall, verbaler und physischer Gewalt sowie einem völlig übertriebenem Level an Drogenkonsum. Teils war dieser Handlungsstrang schon fast zu viel des Guten und manchmal scheint es schon fast nebensächlich, dass sich die Geschichte in der Musikindustrie der 1970er Jahre abspielt, was auch mein einziger Kritikpunkt an der Serie ist.

Hauptfigur Richie Finestra wird großartig von Bobby Cannavale verkörpert. Seine Performance lässt Erinnerungen an die großen Scorsese-Darsteller wach werden. An seiner Seite spielen u.a. Olivia Wilde (als Richies Ehefrau Devon Finestra) und Ray Romano in einer für ihn sehr ungewöhnlichen Rolle als Richies Geschäftspartner Zak Yankovich. Schauspieler und Inszenierung sind über jeden Zweifel erhaben. Hinzu kommen bekannte Musikgrößen der 70er-Jahre-Rock-Geschichte, welche teils durchaus imposante Auftritte hinlegen dürfen (u.a. die New York Dolls, David Bowie oder – weniger imposant – Elvis Presley). Audiovisuell ist „Vinyl“ wahrlich ein Hochgenuss und ich hätte gerne noch viel, viel mehr davon gesehen.

„Vinyl“ wurde leider viel zu früh abgesetzt

Auch wenn die zweite Staffel schon in trockenen Tüchern schien, wurde die Serie letztendlich abgesetzt. Anscheinend gab es Differenzen zwischen Showrunner Terence Winter und HBO. Der erhoffte Erfolg war „Vinyl“ wohl auch nicht. Normalerweise sind Zuschauerzahlen für den Pay-TV-Sender nicht unmittelbar ausschlaggebend (schon gar nicht nach nur einer Staffel), doch ein Wechsel an der Spitze des Senders war letztendlich der Sargnagel für die Serie. Für solch eine ambitionierte Produktion schon fast tragisch. Obwohl die Staffel nicht mit einem großen Cliffhanger endet, so bleibt am Ende doch das unschöne Gefühl, die Figuren gerade an einem Zeitpunkt in ihrem Leben zu verlassen, der große Veränderungen mit sich bringt. Es herrscht ein Gefühl des Aufbruchs – sowohl was die Musikwelt als auch die persönlicheren Entwicklungen angeht. Davon werden wir jedoch leider nichts mitbekommen.

Fazit

Teils als „Mad Men“ der Musikwelt bezeichnet, erinnert „Vinyl“ doch mehr an klassisches Scorsese-Gangsterkino mit weniger Gangstertum und mehr Musik. Die Wurzeln sind aber unverkennbar und diese Mischung ist für mich tatsächlich sehr attraktiv. Gerne hätte ich die weitere Entwicklung verfolgt, doch bin ich sehr froh, dieser zu unrecht viel zu früh abgesetzten Serie eine Chance gegeben zu haben. Wenn ihr ein Faible für Musikgeschichte habt und klassische Rise-and-Fall-Geschichten mögt, dann schaut unbedingt einmal bei American Century Records vorbei. Es lohnt sich: 9/10 (8.9) Punkte.

Preacher – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 4)

Schon seit Mitte August habe ich nicht mehr über Serien geschrieben. Warum die lange Pause? War ich etwa abstinent? Nein, ich habe nur ein weiteres Großprojekt gestartet und die komplette Serie „Preacher“ gesehen. Eigentlich war ich dieser Serie immer eher ein wenig skeptisch gegenübergestanden, doch da mir „The Boys“ des gleichen kreativen Teams ziemlich gut gefallen hatte, wollte ich dem ungewöhnlichen Priester doch eine Chance geben. Warum das eine exzellente Entscheidung war und mir die Serie samt Charakteren doch ziemlich ans Herz gewachsen ist, lest ihr in der folgenden Besprechung… ⛪👼😈

Preacher | © AMC

Preacher | © AMC

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Central Intelligence – Extended Edition (2016)

Nach einer ziemlich anstrengenden Woche war ich Freitagabend nur noch eines: platt. Nachdem wir noch eine Runde „Ganz schön clever“ mit den Kids gespielt hatten, sind wir danach nur noch aufs Sofa gefallen. Die Abendunterhaltung sollte also nicht zu anspruchsvoll werden, weshalb „Central Intelligence“ (in der Extended Edition) eine gute Wahl zu sein schien. Ob dem auch so war, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Central Intelligence (2016) | © Universal Pictures Germany GmbH

Central Intelligence (2016) | © Universal Pictures Germany GmbH

Buddy-Cop-Comedy nach Schema F

Lustigerweise musste ich heute Nachmittag an „Lethal Weapon“ denken, die Ur-Variante aller Buddy-Cop-Comedies. Vermutlich wäre es auch sinnvoller gewesen, zu diesem Klassiker zu greifen, den ich schon viel zu lange nicht mehr gesehen habe. Doch ich hatte auch Lust auf etwas Neues und somit gab ich Dwayne Johnson und Kevin Hart eine Chance. Tatsächlich mag ich die Prämisse, dass die Voraussetzungen der High-School-Jahre umgedreht werden und beide Figuren eben dennoch unfassbar von dieser Zeit und den an sie gerichteten Erwartungen geprägt sind. Das ist sehr nachvollziehbar und ich mochte auch den Humor, der aus dieser Situation entsteht. Auch das Spionage-Setting hat mir recht gut gefallen, zumal es stets im Kontrast zum normalen Leben des Protagonisten erzählt wird.

Leider verliert sich der Film in der zweiten Hälfte vollkommen in 08/15-Action, die zudem noch unglaublich billig inszeniert wirkt. Hektisch, ohne Überblick und ausgeleuchtet wie ein Sitcom-Set. Auch die Handlung lässt an Fahrt vermissen und der Humor wird, aus welchen Gründen auch immer, zurückgefahren. Das Finale ist dann so klischeehaft, dass es fast ein wenig schmerzt. Schade um das ungenutzte Potenzial, denn die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist wahrlich ziemlich gut.

Fazit

Ich habe mich über die knapp zwei Stunden gut unterhalten gefühlt, wenngleich die zweite Filmhälfte leider deutlich abfällt. Dwayne Johnson ist abermals ein wahrer Sympathieträger, was die Geschichte letztendlich auch nicht rettet. Kann man sich als Freund von Buddy-Comedys aber ruhig einmal anschauen: 6/10 Punkte.

Wo die wilden Menschen jagen – OT: Hunt for the Wilderpeople (2016)

Das Wetter ist wieder schlechter. Einerseits schade, andererseits kommt man dadurch auch einmal wieder zum Filme schauen. Dabei geht es mir häufig so, dass ich entweder zu großen Blockbustern greife (um eben mitreden zu können) oder bereits bekannte Filme aus den 1980ern wähle (der Nostalgie halber). Dabei bleiben neuere, kleinere Filme oft leider auf der Strecke. Heute jedoch habe ich zu „Wo die wilden Menschen jagen“ gegriffen und es hätte gar keine bessere Wahl geben können… 🐗

Wo die wilden Menschen jagen (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Wo die wilden Menschen jagen (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

„That doesn’t sound very special, majestical’s way better.“

Wie bin ich überhaupt zu „Hunt for the Wilderpeople“ (so der passendere Originaltitel) gekommen? Regisseur Taika Waititi ist mit „5 Zimmer Küche Sarg“ auf meinem Radar gelandet und auch dort geblieben. Auch seinen Ausflug ins Big-Budget-Kino mit „Thor: Ragnarok“ fand sehr gelungen. Und dass sich nun ausgerechnet Waititi der längst überfälligen Realverfilmung von „Akira“ annehmen soll, finde ich gar fantastisch. Aber zurück nach Neuseeland, wo der Regisseur diese kleine Geschichte rund um den 13-jährigen Ricky Baker und seinen Pflegevater Hec inszeniert hat. Gespielt wird das ungleiche Duo von Julian Dennison, der eine unfassbar authentische Leistung abliefert, und dem großartigen Sam Neill. In Kombination unschlagbar und mit die beste Schauspielleistung, die ich dieses Jahr bewundern durfte.

„I didn’t choose the skux life, the skux life chose me.“

Schon lange habe ich keinen Film mehr gesehen, der es so gekonnt schafft, Humor und ernsthafte bis tief traurige Szenen zu verbinden. In einer Sekunde lache ich noch laut (und davon gab es wirklich etliche Momente) und in der nächsten muss ich eine Träne verdrücken. Dabei legt Waititi ein irres Tempo vor, ohne seinen Charakteren den nötigen Freiraum zur Entwicklung zu verwehren. Neben den unfassbar guten Hauptdarstellern steht die raue Landschaft Neuseelands klar im Zentrum der Geschichte und zeigt, dass das faszinierende Land auch abseits von „Der Herr der Ringe“ eine großartige Kulisse bietet (übrigens gibt es auch eine sehr witzige Referenz auf Peter Jacksons Trilogie). Einzig im Finale, das für meinen Geschmack ein wenig zu sehr auf Action setzt, schöpft Waititi mit beiden Händen aus dem Vollen. Die Stärke des Films liegt jedoch eindeutig in den ruhigeren, charakterbasierten Szenen.

Fazit

Ich sollte viel häufiger zu den kleineren, besonderen Filmen greifen. Da gibt es bestimmt noch etliche Entdeckungen zu machen. So wie „The Hunt for the Wilderpeople“, den ich euch nur dringend ans Herz legen kann. Einfach nur großartig und bei der nächsten Sichtung mit Aussicht auf die volle Punktzahl: 9/10 Punkte.

Black-ish – Season 3

Nach einem längeren Comedy-Ausflug in die heile (und ein wenig naive) Welt der 80er Jahre mit „The Goldbergs“, bin ich mit „Black-ish – Season 3“ wieder zur höchst relevanten und sozialkritischen Comedy der Gegenwart zurückgekehrt. Warum das nicht mehr ganz so gut funktioniert, wie noch in der zweiten Staffel (und dennoch ganz wunderbar ist), erörtere ich in meiner Besprechung…

Black-ish – Season 3 | © ABC Studios

Black-ish – Season 3 | © ABC Studios

Ein sozialkritisches Schlagzeugsolo später

Ich weiß nicht, ob es mir bisher einfach nicht so sehr aufgefallen ist, oder ob die Autoren den formalen Aufbau von „Black-ish“ in dieser Staffel tatsächlich stärker vereinheitlicht haben. Nahezu jede Episode beginnt mit einer Montage aus historischem Material und/oder Stock-Footage und setzt damit den inhaltlichen Schwerpunkt für die nächsten zwanzig Minuten. Meist aus Perspektive des Familienvaters erzählt, beginnt somit die Verarbeitung eines sozialpolitischen Missstandes, was zudem in eine humorige Rahmenhandlung eingebettet ist. Diese Struktur funktioniert wirklich gut, doch wenn man täglich oder auch nur alle paar Tage eine Episode schaut, dann nutzt sich dieser Kniff doch irgendwann ab. Dennoch darf man nicht vergessen, dass nahezu alle Sitcoms nach einem bestimmten Schema ablaufen und „Black-ish“ zumindest noch gesellschaftlich relevant ist.

Mit Bows Schwangerschaft und den Vorbereitungen zu Zoeys Auszug stehen auch ganz private Umbrüche bei den Johnsons an. In Kombination bekommen wir somit erneut einen unterhaltsamen Mix aus Familien-Comedy und Sozialkritik präsentiert. Das funktioniert meist recht gut, manchmal hätte ich mir jedoch mehr Fokus gewünscht. Vermutlich würde das Konzept mit einer 13-Episoden-Staffel besser aufgehen, als mit den 24 Episoden einer klassischen Network-Serie.

Fazit

Insgesamt hat mir auch das dritte Jahr mit den Johnsons viel Freude bereitet. Dennoch nutzt sich die Formel so langsam ab, was weniger den nach wie vor relevanten Themen, als der repetitiven Präsentation geschuldet ist. Reinschauen lohnt sich dennoch, da dieser Mix aus gesellschaftlich relevanten Themen und oft quatschiger Familien-Comedy doch recht einzigartig ist: 8/10 (7.7) Punkte.

Das Belko Experiment – OT: The Belko Experiment (2016)

Nach einer Woche mit zweitägigem Strategie-Workshop und einem viel zu vollen normalen Arbeitstag samt anschließendem Arztbesuch (wieder über eine Stunde im Wartezimmer verbracht) war ich heute viel zu spät zu Hause. Und durch. Einfach nur durch. Da ich ich mir bereits morgen einen extra freien Tag gegönnt habe, stand abends natürlich ein Film auf dem Programm: Mit „Das Belko Experiment“ habe ich mich für eine Geschichte entschieden, in der sich die Angestellten eines Unternehmens gegenseitig umbringen müssen. Was will mir das nur sagen? 🤔

Das Belko Experiment (2016) | © MGM

Das Belko Experiment (2016) | © MGM

Wenn „The Office“ auf „Battle Royale“ trifft…

Welch schöner, kleiner Schocker. Eine simple Prämisse, schöner Spannungsaufbau, viel Humor und teils überharte Splatter-Einlagen. Nichts Besonderes und doch ein Film, der viel Spaß macht und bei dem es mich ein wenig wundert, dass er auf diesem Level produziert wurde. Vermutlich hatte James Gunn nach dem Erfolg von „Guardians of the Galaxy“ einfach komplett freie Hand bei seinem nächsten Projekt – und das ist auch gut so. Inszeniert von Greg McLean (bekannt für „Wolf Creek“), macht „The Belko Experiment“ keine Gefangenen, wenn es um die Gewaltdarstellung geht. Dabei fängt alles so harmlos an…

Während des ersten Drittels lernen wir die Belegschaft von Belko Industries kennen. Kollegen, Führungskräfte und Mitarbeiter, wie man sie aus dem eigenen Berufsleben kennt. Klischeehaft und doch nachvollziehbar geschrieben. Der zweite Akt legt den Schwerpunkt auf Psychospiele innerhalb der Belegschaft, welche in den ersten Morden gipfeln. Das große Finale ist dann nur noch ein fieser Splatter-Streifen, der noch einmal an der Gewaltschraube dreht. Die ersten beiden Segmente fand ich wirklich wunderbar: Mit viel satirischem Humor erzählt genau die richtige Menge an WTF?!? bzw. „Wie würde ich hier handeln?“

Was den Film über den 08/15-Horror-Splatter hebt, sind neben dem schmissigen Drehbuch eindeutig die tollen Schauspieler: John Gallagher Jr. (bekannt aus „The Newsroom“ oder „10 Cloverfield Lane“) spielt die Hauptrolle, John C. McGinley (Dr. Cox aus „Scrubs“) einen fiesen Psychopathen und die James-Gunn-Regulars Michael Rooker und Sean Gunn sind ebenfalls mit von der Partie. Ein wirklich runder Cast.

Fazit

Auch wenn ich nur positive Worte für „Das Belko Experiment“ gefunden habe, so ist es letztendlich doch nur ein weiterer Battle-Royale-Streifen, nur eben im Büro-Setting. Die Auflösung am Ende war zudem unnötig erklärend und hat viel von den satirischen Elementen im Vorfeld genommen. Für Genre-Freunde insgesamt aber definitiv einen Blick wert. Macht auf perfide Art und Weise Spaß: 6/10 Punkte.