Junior (1994)

Nach einem vollen Tag sind wir abends recht zeitig aufs Sofa gekommen. Die Kinder haben sich eine weitere Arnold-Schwarzenegger-Komödie gewünscht und somit fand „Junior“ den Weg in den Blu-ray-Player. Ich hatte den Film schon ewig nicht mehr gesehen und meine Erinnerungen beschränkten sich auf ein paar wenige Szenen. Auch deshalb war ich umso gespannter auf den Film mit dieser mehr als nur ungewöhnlichen Prämisse… 👶

Junior (1994) | © PLAION PICTURES

Junior (1994) | © PLAION PICTURES

„Junior“ hätte es eigentlich nicht geben dürfen

Die Geschichte liest sich so unglaublich, dass ich kaum glauben kann, dass dieser Film tatsächlich existiert. Er gehört eher in die Welt der Fake-Trailer oder der fiktiven Filme, wie sie z.B. in „Die Simpsons“ parodiert werden. Und doch existiert „Junior“. Arnold Schwarzenegger spielt einen Wissenschaftler, der selbst schwanger wird. Danny DeVito ist sein Gynäkologe. Am Ende kommt ein gesundes Baby zur Welt. Als wäre das nicht schon absurd genug, ist Ivan Reitmans Werk keinesfalls eine überdrehte Satire, sondern eher eine romantische Komödie, die sich und ihre Figuren durchaus ernst nimmt. Das ist vielleicht auch der befremdlichste Aspekt daran.

Ist „Junior“ nun politisch unkorrekt? Oder gar progressiv? Das lässt sich gar nicht so leicht sagen. Am ehesten ist er wohl absurd. Wenn Arnold Schwarzenegger seine mütterliche Seite entdeckt, dann entbehrt das nicht einer gewissen Komik. Doch oft ist der Film auch unfreiwillig komisch bzw. ziemlich cringe, wie die Kids heutzutage sagen. Einfach weil die Geschichte so ernsthaft durchgezogen wird. Dafür muss man Reitman und Co. fast schon bewundern. Neben Schwarzenegger und DeVito gibt es mit Emma Thompson und Frank Langella zwei durchaus hochkarätige Schauspieler*innen zu sehen, die man nicht in einem Film wie „Junior“ erwarten würde. All das macht wenig Sinn und ist dennoch auf seltsame Art und Weise unterhaltsam. Vor allem aber absurd. Habe ich das schon erwähnt?

Fazit

Nicht nur ich war ob der Absurdität von „Junior“ geplättet. Auch die Kinder waren sichtlich irritiert. Schon alleine deshalb ist dieser Film eine Sichtung wert. Weil es ihn gar nicht hätte geben dürfen. Wer gibt denn solch ein Drehbuch frei? Dafür funktioniert all das doch erstaunlich gut und man kommt aus dem Staunen kaum heraus. Nicht meine Lieblingskomödie mit Arnie, doch sicherlich die ungewöhnlichste: 6/10 Punkte. (Zappelinchen: 5/10 Punkte;  Zwergofant: 6/10 Punkte.)

Pulp Fiction (1994)

Nachdem ihre Unkenntnis des Films jahrelang ein Running Gag zwischen uns war, hat mir eine befreundete Kollegin nicht nur diese wunderschöne Tasse, sondern auch einen Gutschein für einen gemeinsamen Filmabend zum Geburtstag geschenkt. Also haben wir uns gestern Abend auf den Weg gemacht, um endlich „Pulp Fiction“ zu sehen. Ein Freund hatte seine Wohnung, ganz im Sinne von Me casa es su casa, zur Verfügung gestellt und wir haben im Vorfeld noch leckere Burger gegrillt. 🍔

Pulp Fiction (1994) | © Paramount (Universal Pictures)

Pulp Fiction (1994) | © Paramount (Universal Pictures)

Zweifellos der prägende Film meiner Jugend

Es ist schon erstaunlich, dass ich „Pulp Fiction“ bisher noch nicht auf meinem Blog besprochen habe. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ich den Film mindestens 17 Jahre lang nicht gesehen habe. Schon verrückt. Ich würde vermuten, dass sich die meisten Sichtungen in einen Zeitraum von fünf Jahren ballen, so zwischen meinem 16. und meinem 21. Lebensjahr und damit auch in meine filmische Erweckungsphase fallen. Angefangen hatte damals alles mit „From Dusk Till Dawn“ und ab diesem ersten Blick in diese etwas andere Filmwelt, haben wir im Freundeskreis alles aufgesogen, was auch nur annähernd nach Robert Rodriguez oder eben Quentin Tarantino roch.

„Pulp Fiction“ war natürlich einer der ersten Filme, die den Weg aus der Videothek in den Videorekorder fanden. Recht leicht zugänglich, da die deutsche FSK-16-Fassung seit jeher ungeschnitten ist. Seitdem war meine Wahrnehmung von Kino nicht mehr die selbe. Quentin Tarantinos Meilenstein war für mich so prägend, dass ich ein paar Jahre später meine Facharbeit im Leistungskurs Englisch über den Film geschrieben habe. Natürlich erst nachdem ich mir auf Kursfahrt nach London die englischsprachige Widescreen-VHS gekauft hatte (zusammen mit unzähligen anderen Filmen, an die man in Deutschland nicht so leicht herankommen konnte). Ich habe damals noch nicht Buch geführt, doch würde es mich nicht wundern, wenn der „Pulp Fiction“ bei mir an den 20 Sichtungen kratzt.

Wie wirkt „Pulp Fiction“ nach knapp 30 Jahren?

Seit meinem, mehr oder weniger, wissenschaftlichen Abtauchen in die Welt von „Pulp Fiction“ sind über 23 Jahre vergangen. Die Welt hat sich weitergedreht und ich war nicht nur gespannt, wie der Film bei meiner Kollegin ankommt, sondern auch, ob er für mich heute noch funktioniert. Schließlich wird das N-Wort inflationär genutzt, Frauen spielen außerhalb ihrer Beziehungen zu Männern kaum eine Rolle und Maskulinität  gepaart mit Gewalt wird groß geschrieben. Damit ist „Pulp Fiction“ eindeutig ein Produkt seiner Zeit, und wenn man das reflektiert betrachtet und im Hinterkopf hat, dann ist es immer noch ein fantastischer Film (siehe auch „True Romance“). Vor allem ist er unglaublich unterhaltsam und dabei großartig inszeniert. Lange Einstellungen, die Wirkung zeigen, die gezielt eingesetzte non-lineare Erzählweise, die ikonischen Figuren, die Dialoge, die aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken sind, der Soundtrack usw. usf. Der Film hatte mich sofort wieder und er ist trotz seiner pulpy bzw. trivialen Themen einfach unfassbar kunstvoll arrangiert.

„Pulp Fiction“ sah übrigens nie so gut aus, wie auf der neuen UHD Blu-ray in 4K-Auflösung. Zuletzt habe ich ihn wohl auf DVD gesehen, was schon ein deutlicher Sprung zu den VHS-Fassungen war, doch die neue Abtastung ist wirklich großes Kino. Kann ich Filmfreund*innen nur ans Herz legen:

Fazit

Mal abgesehen davon, dass ich einen wirklich schönen Abend im Kreise von guten Freund*innen hatte, hat mir das Filmerlebnis gezeigt, dass ich immer noch viel Liebe für „Pulp Fiction“ besitze. Ich hätte noch viel mehr über den Film schreiben können, doch das habe ich vor 23 Jahren schon getan. Somit bleibe ich dem Motto meines Blogs treu und teile meine ganz subjektiven Eindrücke des Films. Ich bin mir sicher, dass es bis zur nächsten Sichtung nicht noch einmal 17 Jahre dauern wird: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Karate Kid IV: Die nächste Generation – OT: The Next Karate Kid (1994)

Eine turbulente Woche geht zu Ende. In vielerlei Hinsicht. Für den Rest der Familie bedeutet das den Beginn der Osterferien. Ich dagegen habe nur ein paar vereinzelte Tage frei. Zum Start der Ferien stand natürlich ein Filmabend auf dem Programm und es gab „Karate Kid IV: Die nächste Generation“ zu sehen. Große Hoffnungen hatte ich nicht. Vielleicht wurde ich deshalb fast schon positiv überrascht?  🥋

Karate Kid IV: Die nächste Generation (1994) | © Sony Pictures Entertainment

Karate Kid IV: Die nächste Generation (1994) | © Sony Pictures Entertainment

Überraschenderweise ziemlich gelungen

Es war schön, Mr. Miyagi wiederzusehen. Da habe ich mich sofort zu Hause gefühlt. Am meisten hat mich wohl die Verlagerung des Schauplatzes von Los Angeles nach Bosten aus dem „Karate Kid“-Gefühl gerissen. Fast hätte ich es lieber gesehen, wenn Mr. Myagi seine neue Schülerin Julie nach Kalifornien eingeladen hätte. Aber dafür hätte dann ja der etwas dämliche Schulplot gestrichen werden müssen. Ihr seht schon: „The Next Karate Kid“, so der Originaltitel, ist eine wilde Mischung. Auch qualitativ bietet er so ziemlich alles, was man sich nur vorstellen kann.

Positiv fand ich die Beziehung zwischen Mr. Miyagi und Julie (toll gespielt von einer jungen Hillary Swank). Das hat richtig Spaß gemacht und wirkte auch frischer als seine Beziehung zu Daniel in „Karate Kid III: Die letzte Entscheidung“ (die ich dennoch mochte). Speziell das Zappelinchen war von Julie richtig begeistert. Der gesamte Subplot im Kloster war toll anzusehen und hat für so manchen Schmunzler gesorgt. Überhaupt nicht funktioniert haben für mich jedoch die Bösewichte: Michael Ironside nimmt fast schon seine Rolle aus „Starship Troopers“ vorweg und bildet an der Highschool Elitekämpfer aus? Das war wirklich seltsam. Dafür gibt es einen jungen Walton Goggins (bekannt aus „The Shield“ oder „Sons of Anarchy“) zu sehen.

Fazit

Ich mochte auch die späte Fortsetzung bzw. das softe Reboot „Karate Kid IV: Die nächste Generation“ recht gerne. Die Figuren und ihre Beziehungen zueinander stehen abermals auf der Habenseite. Der gesamte Konflikt mit der Elitetruppe der Schule ist dagegen reichlich dämlich. Kann man sich ruhig anschauen: 6/10 Punkte. (Zappelinchen: 9/10 Punkte; Zwergofant: 8/10 Punkte.)

Asterix in Amerika – OT: Asterix in America (1994)

Nachdem ich mich kaum vom heutigen #AbenteuerArbeitsweg erholt hatte, ist meine bessere Hälfte auch schon wieder zur Tür hinaus, um zu strawanzen. Da das Wetter eher bescheiden ist (sprich heute kein Spieleabend auf der Terrasse), stand mit „Asterix in Amerika“ ein weiterer Filmabend auf dem Programm. Sehr zur Begeisterung des Zwergofanten, der sich schon lange eine Fortführung unserer Komplettsichtung der Filmreihe wünscht… 🤜🐗🤛

Asterix in Amerika (1994) | © STUDIOCANAL

Asterix in Amerika (1994) | © STUDIOCANAL

Kommt leider nicht an „Die große Überfahrt“ ran

Mit der Comic-Vorlage „Die große Überfahrt“ verbinde ich eine ganz besondere Erinnerung: Ich war 10 Jahre alt und lag nach meiner Blinddarmoperation im Krankenhaus. Jedes Husten oder Lachen hat mir körperliche Schmerzen verursacht. Bei einem Besuch schenkten mir meine Eltern den oben genannten Asterix-Band. Das Ergebnis: Ich habe mich wortwörtlich vor Lachen gekrümmt. Freiwillig. Bis heute ist er einer meiner liebsten Asterix-Bände. Ein paar Jahre später hörte ich von der Verfilmung und war natürlich extrem heiß darauf. Die tatsächliche Sichtung war jedoch eine große Enttäuschung, da es gerade die unfassbar lustigen Szenen des Comics nicht auf die Leinwand geschafft haben. Wie der Film nun etliche Jahre später auf mich und meine Kids gewirkt hat?

Die Animation ist nett anzuschauen, selbst wenn die frühen CGI-Elemente aus heutiger Sicht mehr als befremdlich wirken. Da war der direkte Vorgänger „Asterix: Operation Hinkelstein“ deutlich stilsicherer inszeniert. Inhaltlich wurde das Comic um etliche Elemente erweitert, was nicht weiter schlimm wäre, hätte man den großartigen Humor der Vorlage mit übernommen. Leider jedoch ist davon kaum etwas übrig geblieben. Selbst die Gurugurus heißen nicht mehr Gurugurus. Und werden auch nicht mit Bär gefüllt. So viele verpasste Chancen. Dafür gibt es unpassende Gesangseinlagen, die eher wie gewollt und nicht gekonnt wirken. Schade.

Fazit

Speziell die Kinder hatten viel Spaß mit dem Film und auch ich muss zugeben, dass er über weite Strecken doch recht gut funktioniert. Warum man die brillante Vorlage jedoch so sträflich ignoriert hat, mag sich mir einfach nicht erschließen. Kein Totalausfall, aber bestimmt der schwächste unter den bisher von uns gesehenen Asterix-Filmen: 6/10 Punkte.

Der König der Löwen – OT: The Lion King (1994)

Endlich Osterferien! Zumindest für die restliche Familie. Vor mir liegen zwei anstrengende Arbeitswochen, doch um den Kindern einen gelungenen Start in die Ferien zu bieten, habe ich spontan einen Filmabend einberufen. Schon seit ich vor ein paar Tagen den Trailer zur Neuverfilmung (siehe unten) gesehen habe, hatte ich Lust mir einmal wieder den Disney-Klassiker „Der König der Löwen“ anzusehen. Einer der Filme, die mich in meiner Jugend am stärksten geprägt haben. Warum das so ist, und wie die Geschichte bei meinen Kindern ankam, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Der König der Löwen (1994) | © Walt Disney

Der König der Löwen (1994) | © Walt Disney

Für mich als Kind ein magisches Filmerlebnis

An dieser Stelle muss ich ein wenig weiter ausholen: „Der König der Löwen“ war einer der wenigen Filme, die wir damals auf VHS-Kassette besessen haben. Ich weiß gar nicht mehr, warum das der Fall war. Auf jeden Fall kam mein Vater eines Tages mit dem Film an. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon 15 Jahre alt und mein Interesse an Disney-Filmen befand sich nicht gerade auf dem Höhepunkt. Dennoch habe ich den Film mit angeschaut und war so verzaubert, wie selten zuvor. So richtig kam dieses Gefühl erst am folgenden Tag zur Entfaltung und ich weiß noch ganz genau, wie sehr ich in der Welt dieser Geschichte gefangen war. Für diesen einen Tag lebte ich im geweihten Land. Ich saß den ganzen Tag an meinem Schreibtisch, hing in meinen Gedanken dem Film nach, zeichnete und hörte dabei Radio. Und dort kam ein Bericht (oder ein Hörspiel) zu „Der König der Löwen“. Ich könnte mein Glück kaum fassen und wurde noch tiefer in diese seltsam melancholische Stimmung hineingezogen. Dieses Nachtrauern einer fiktiven Welt ist mir seitdem kaum mehr passiert und schon gar nicht so intensiv.

Seit dieser ersten Sichtung habe ich den Film inzwischen noch ein paar Mal gesehen. Zuerst auf VHS, später auf DVD und sogar das Musical in Hamburg haben meine Frau und ich vor langer Zeit besucht. Dieses intensive Gefühl, das ich nach der ersten Sichtung hatte, sollte sich jedoch nie wieder einstellen. Dennoch zählt „Der König der Löwen“ zweifellos zu den für mich wichtigsten Filmen. Ich liebe die Musik und die klassische Animation, die 1994 auf ihrem Höhepunkt war. Für mich insgesamt wohl der rundeste Animationsfilm von Walt Disney. Hier stimmt für mich einfach alles.

Wie hat der Film meinen Kindern gefallen?

Auch wenn „Der König der Löwen“ mit FSK 0 freigegeben ist, so hatte ich befürchtet, dass er zu dramatisch für den Zwergofanten sein könnte. Und ja, gerade in den drastischen und durchaus tragischen Szenen, die der Film vielfach zu bieten hat, war er deutlich mitgenommen. Auch das Zappelinchen war sichtlich angespannt und nach Mufasas Tod rollten auch ein paar Tränen. Das ist jedoch vollkommen verständlich und auch ich hatte selbst nach all den Jahren noch einen dicken Kloß im Hals. So wie ich es beurteilen kann, konnte dieser Animationsfilm-Klassiker auch heute noch Eindruck hinterlassen. Gerade der Tod des alten Königs und der Kreislauf des Lebens werden in den kommenden Tagen noch Thema sein. Und das ist auch gut so.

Übrigens glaube ich, dass uns der Trailer der Neuverfilmung auf eine falsche Fährte führt, denn gerade die vielen Gesangsszenen wird Jon Favreau (ähnlich wie bei seiner Interpretation von „The Jungle Book“) wohl nicht 1:1 übernehmen. Ich schaue der 2019er Version immer noch ein wenig skeptisch entgegen, doch bin ich auch gespannt, welchen Weg der Regisseur letztendlich damit einschlagen wird:

 

Fazit

Keine Frage, auch heute noch zeigt „Der König der Löwen“ beeindruckende Animationskunst und hat mitreißende Songs zu bieten. Ein echter Klassiker eben. Ich freue mich, dass ich meinen Kindern den Film nahe bringen konnte, und bin gespannt wie lange er bei ihnen noch nachwirken wird. Für mich persönlich zweifelsfrei einer der bedeutendsten Filme meiner Kindheit: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Die Mächte des Wahnsinns – OT: In the Mouth of Madness (1994)

Nachdem wir heute viel zu spät auf die entspannende Couch gekommen sind, musste ich den Freitagsfilm nach seiner Laufzeit auswählen. Nach einer Woche mit maximal fünf Stunden Schlaf pro Nacht ist die Aufmerksamkeit eben ein wenig eingeschränkt. Somit fiel die Wahl auf John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“, der mit 95 Minuten erfreulich knackig erzählt ist und aufgrund seiner Thematik zudem nicht zum vorzeitigen Einschlafen verleitet. Zumindest auf einen Teil der Zuschauer traf dies auch zu…

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Meine letzte Sichtung von „In the Mouth of Madness“ liegt bestimmt 10 Jahre zurück. Damals hatte ich ein paar TV-Ausstrahlungen mitgenommen und konnte mich somit noch recht gut an die surreale Atmosphäre erinnern. Da Carpenters Filme nicht alle wirklich gut gealtert sind, war ich gespannt welche Wirkung dieser kleine Horrorstreifen mit H. P. Lovecraft-Anleihen wohl heute auf mich haben würde. Auch wenn der Film deutlich angestaubter wirkt, als in meiner Erinnerung, so wird man doch recht schnell in die Geschichte hineingezogen. Man darf auch nicht vergessen, dass inzwischen bereits über 20 Jahre vergangen sind – und dafür schlägt sich das Werk aus Carpenters späterer Schaffensphase erstaunlich gut.

Der titelgebende Wahnsinn hält sanft Einzug in das Bewusstsein des von Sam Neill mitreißend gespielten John Trent. Die Reise nach Hobb’s End hat mich tatsächlich ein wenig an „Silent Hill“ erinnert, der bzw. dessen Videospielvorlage durchaus Anleihen an Carpenters Art der Inszenierung genommen haben könnte. Auch wenn viele Schockeffekte ein wenig plump daherkommen, so lebt „Die Mächte des Wahnsinns“ doch hauptsächlich von seiner traumhaften Atmosphäre, die mir teils wirklich einen Schauer über den Rücken laufen ließ.

Insgesamt lieferte John Carpenter mit „In the Mouth of Madness“ einen sehr atmosphärischen Horrorfilm ab, den man sich auch heute noch gut ansehen kann. Die Geschichte ist dann am besten, wenn man durch die Augen der Hauptfigur versucht sich in dieser unwirklichen Welt zurechtzufinden. Im letzten Drittel schwächelt der Film ein wenig, doch nimmt das nur wenig von seiner Sogwirkung. Wohl der letzte wirklich sehenswerte Film John Carpenters – sieht man einmal vom 1998er „Vampire“ ab, dem ich wohl als einziger etwas abgewinnen kann: 7/10 Punkte.

Nobody’s Fool: Auf Dauer unwiderstehlich (1994)

Neben Filmen, die eine wunderbare Weihnachtsatmosphäre ausstrahlen, gibt es auch Filme mit einer ebenso wunderbaren Winteramosphäre. Robert Bentons „Nobody’s Fool – Auf Dauer unwiderstehlich“ ist dabei nicht nur mein liebster Winterfilm, sondern einer schönsten Filme überhaupt.

Die Geschichte um den – auf den ersten Blick – griesgrämigen Bauarbeiter Donald ‚Sully‘ Sullivan, der sich nach Jahren seinem Sohn sowie dessen Familie annähert, und ganz nebenbei eine amerikanischen Kleinstadt am Laufen hält, ist so wunderbar gespielt, inszeniert und montiert, dass man nicht umhin kommt diesen störrischen Mann ins Herz zu schließen. Dabei ist „Nobody’s Fool“ komplett auf Paul Newman und seine Darstellung von Sully ausgerichtet, ohne jedoch das Können seiner anderen Schauspieler zu vernachlässigen. Großartig!

Der Film besitzt – schon allein aufgrund seiner schneereichen Bilder – eine äußerst melancholische Grundstimmung, welche jedoch nie zu schwer wird und stets mit ausreichend Humor durchsetzt ist. Ich kann nicht genau festmachen woran es liegt, doch dieser Film schafft es immer wieder mich tief zu berühren. Dabei drückt er nicht effekthascherisch auf die Tränendrüsen seiner Zuschauer, sondern überzeugt durch glaubhafte Charaktere und ein realistisches Setting.

Neben Paul Newman gibt es in „Nobody’s Fool“ einen fantastischen Bruce Willis, eine zuckersüße Melanie Griffith, einen dusseligen Philip Seymour Hoffman sowie die unbeschreibliche Jessica Tandy in ihrer leider letzten Rolle zu bewundern. Getragen wird die Geschichte zudem von Howard Shores wunderschönem Score, welcher der Arbeiterkleinstadt ein emotionales Fundament gibt.

Leider wird die bisher existierende DVD dem Film nicht im Ansatz gerecht und ich kann nur hoffen, dass sich ein Label erbarmt diese Filmperle in würdiger Qualität auf Blu-ray zu veröffentlichen. Für mich gehört „Nobody’s Fool“ zu jenen kleinen Filmen, die in Wirklichkeit größer sind als die meisten Blockbuster zusammen. Ein Schauspielerfilm, ein Charakterstück, eine zauberhafte Geschichte. Kino, wie es sein sollte: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

True Lies: Wahre Lügen (1994)

Ich bin alt. Verdammt alt. Das wurde mir gestern Abend schlagartig klar, als ich realisierte dass James Camerons actionreiche Parodie „True Lies“ inzwischen auch schon 15 Jahre auf dem Buckel hat. 15 Jahre. Unglaublich. Dabei war mir der Film stets als noch relativ jung im Gedächtnis. In meinen Teenagerjahren unzählige Male gesehen. Nun das zweite Mal auf DVD. Kann der Film heute immer noch überzeugen?

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Oh ja. Er kann. Auch wenn ich die Dialoge beinahe komplett mitsprechen kann, so haben sich die einzelnen Szenen nicht abgenutzt. Sie erscheinen so frisch, wie bei der ersten Sichtung. James Cameron ist hier wirklich das Meisterstück gelungen eine herrlich komische Parodie mit völlig überdrehter Action zu kombinieren. Grandios! In jedem anderen Actionfilm würde man sich vermutlich an den Kopf fassen, wenn die Hauptfigur auf einem Pferd durch die Lobby eines Hotels jagd oder mit einem Kampfjet durch Wolkenkratzer fegt. Hier treffen solche Szenen exakt den Ton des Films. Man hat nie das Gefühl einen lächerlichen Film zu sehen und nimmt Charaktere und Handlung im Rahmen ihrer Welt ernst. Dieses Kunststück schaffen nur ganz wenige Parodien.

Neben Camerons absolut fabelhafter Inszenierung tragen vor allem die perfect gecasteten Schauspieler zum Gelingen des Films bei. Arnold Schwarzenegger muss sich nicht groß verstellen, ist seine Rolle doch archetypisch angelegt. Sein Umfeld dagegen muss reagieren und hier gibt es eine wunderbar wandlungsfähige Jamie Lee Curtis zu sehen. Einfach herrlich! Die Chemie zwischen den beiden Schauspielern scheint zudem für ihre Rollen perfekt gewesen zu sein. Hinzu kommt ein herrlich überdreht aufspielender Bill Paxton, der für mehr als nur einen Lacher sorgt. Des Weiteren gibt es Charlton Heston mit Augenklappe zu bewundern und Eliza Dushku (Faith, „Buffy: The Vampire Slayer“) ist als rotziger Teenager zu sehen.

Neben diversen Knallerdialogen und komödienhaften Szenen, kommt natürlich auch die Action nicht zu kurz. Diese wirkt – trotz ihrer völligen Überzogenheit – nie lächerlich oder fehlplatziert. Da könnten sich moderne Actionfilme à la „Wanted“ die eine oder andere Scheibe abschneiden – insbesondere in Bezug auf die Verbindung von Action und Handlung.

James Camerons „True Lies“ ist trotz seiner für einen Actionfilm enormen Lauflänge zu jeder Zeit unterhaltsam. In seinem inszenatorischen Gigantismus und seiner inhaltlichen Leichtigkeit stellt diese Geburt des 90er Jahre Kinos für mich den perfekten Popcornfilm dar. Es gibt kaum einen Actioner, der unterhaltsamer wäre. Grandios und absolutes Pflichtprogramm: 10/10 Punkte.

Felidae (1994)

Nach längerer Zeit habe ich mir gestern einmal wieder einen meiner liebsten Animationsfilme angesehen: „Felidae“ nach dem Erfolgsroman von Akif Pirinçci. Diese deutschsprachige Produktion aus dem Jahr 1994 ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Doch ich möchte nichts vorwegnehmen.

Die Geschichte um den detektivisch veranlagten Kater Francis hat mich bereits in der Buchvorlage fasziniert. Zwar bin ich kein ausgesprochener Katzenmensch, doch kann ich den samtpfotigen Vierbeinern durchaus etwas abgewinnen. Auch kann ich mich noch ganz genau an den unbeschwerten Sommer erinnern, in dem ich „Felidae“ verschlungen habe. Ein düsterer Kriminalroman aus Sicht eines Katers. Eines eingebildeten, hochnäsigen und doch smarten Katers. Ein echter Charakter. Zudem war die Handlung äußerst spannend und schien einen kompletten Mikrokosmos aufzubauen. Larger than life – und doch könnte sich die Geschichte im eigenen Hinterhof zugetragen haben. Ein wirklich starker Unterhaltungsroman.

Die Verfilmung sah ich erstmals irgendwann bei einer TV-Ausstrahlung und ich war wirklich fasziniert, wie dicht und düster die Atmosphäre der Vorlage in Bilder gebannt wurde. Als schließlich die DVD auf den Markt kam, war dies für mich eine der wichtigsten Veröffentlichungen überhaupt. In den nun folgenden Sichtungen lernte ich die grandiose Animation wirklich zu würdigen. Die Verfolgungsszenen sind wahrlich atemberaubend, doch noch überhaupt nichts gegen die Albtraumsequenzen: Der Mendel’sche Marionettenspieler jagt mir selbst heute noch eisige Schauer über den Rücken. Selten habe ich in einem Animationsfilm solch verstörende Szenen gesehen.

Neben all dem Lob darf man nicht verschweigen, dass die Geschichte im Film auf das Grundgerüst zusammengedampft wurde. In knapp 80 Minuten wird hier ein Punkt nach dem anderen abgehakt, was wirklich schade ist. Trotzdem funktioniert der Film für sich gesehen tadellos.

Animationsfreunden, die nicht nur die heile Disneywelt oder asiatische Animes lieben, sei „Felidae“ sehr ans Herz gelegt. Allerdings nur den älteren unter ihnen, denn was hier an Blut und Gedärmen gezeigt wird, ist nichts für Kinderaugen – von der düsteren Atmosphäre einmal ganz zu schweigen. „Felidae“ ist wirklich  großes Kino: 9/10 Punkte.

Die Verurteilten – OT: The Shawshank Redemption

Es gibt einige hochkarätige Filme da draußen, die sich nicht so wirklich ins kollektive Gedächtnis der Zuschauer gebrannt haben. Zu diesen gehört Frank Darabonts „Die Verurteilten“ – und spätestens jetzt höre ich erste Protestschreie. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ihr – die Leser dieses Beitrags – echte Filmfreunde seid. Ihr beschäftigt euch mit der Materie und setzt euch mit dem Medium auseinander. Spricht man jedoch den Einmal-im-Jahr-Kinobesucher auf „Die Verurteilten“ an, dann erntet man meist nur einen fragenden Blick.

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Unter Filmfreunden wird „The Shawshank Redemption“ dagegen schon seit Jahren zurecht gefeiert. Auch bei der gestrigen Sichtung – endlich auf einer dem Film gerecht werdenden DVD – war ich wieder verblüfft, wie perfekt Darabont den Film umgesetzt hat. Das fängt schon beim Drehbuch an, das eine unglaublich gut funktionierende Dramaturgie besitzt. Selbst die Zeitsprünge – immerhin über einen Zeitraum von 20 Jahren – werden elegant und beinahe schon nebenbei in die Geschichte eingeflochten. Hier merkt man das Zusammenspiel mit der Inszenierung. Wieder perfekt. Keine Spielereien, keine aufgesetzten Effekte. Altmodisches Erzählkino im allerbesten Sinne.

Die Geschichte nach Steven King entwickelt eine unglaubliche Sogwirkung, was klar den wunderbar gezeichneten und gespielten Figuren zu verdanken ist. Tim Robbins und Morgan Freeman erweisen sich als perfekte Besetzung. Da ist es wieder. Das kleine Wörtchen pefekt. Es gibt meiner Meinung nach wirklich nur wenige Filme, die man in allen Kategorien als fehlerfrei bezeichnen kann – eben als perfekt.

Selbst die anscheinend nicht sonderlich originelle Handlung hat sich zum Archetypen des Gefängnisfilms entwickelt. Sieht man sich heute thematisch verwandte Geschichten an, dann wird man schnell feststellen, dass „Die Verurteilten“ Pate stand. Man nehme nur einmal „Prison Break“ – die Kameraflüge über das Gefängnis, die archetypischen Charaktere, selbst der Fluchtversuch. Ohne Darabonts Meisterwerk wäre die Serie in dieser Form wohl nicht denkbar gewesen.

„Die Verurteilten“ sei allein Filmfreunden – und solchen, die es werden wollen – wirklich ans Herz gelegt. Wunderbar gespieltes und inszeniertes Erzählkino der alten Schule. Ein perfektes Filmerlebnis mit magischen Szenen: 10/10 Punkte.