Archive (2020)

Heute merke ich, dass meine Laune ziemlich im Keller ist. Alles ist zu viel und doch zu wenig. Auf den heutigen Filmabend habe ich mich dennoch gefreut und „Archive“ in den Blu-ray-Player geschoben. Ein Film, den ich ohne die schöne Mediabook-Veröffentlichung von Capelight Pictures (siehe Foto unten) wohl nie gesehen hätte. Traurig eigentlich. 🤖

Archive (2020) | © EuroVideo Medien GmbH

Archive (2020) | © EuroVideo Medien GmbH

Ein Film für Freunde von „Moon“

Filme wie „Archive“ sind aus unserem kollektiven Filmbewusstsein verschwunden. Da gibt es nur noch die großen Blockbuster, basierend auf bereits bekannten Marken, sowie kurzlebige Netflix-Eigenproduktionen. Der Rest geht vollkommen unter. Vor ein paar Jahren war das noch anders. Da konnten Filme wie „Moon“ einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen. Tatsächlich hat mich „Archive“ stark an Duncan Jones‘ Sci-Fi-Hit erinnert. Speziell was das Produktionsdesign angeht, das auch der Welt von „Alien“ oder „Blade Runner“ hätte entspringen können, aber auch aufgrund der ruhigen und angenehm unaufgeregten Erzählweise samt dem Gefühl der Isolation. Kein Wunder, hat Regisseur Gavin Rothery doch im Designteam von „Moon“ mitgearbeitet.

Aufgrund der Roboterthematik musste ich auch an Alex Garlands „Ex Machina“ denken, der jedoch deutlich wuchtiger daherkommt. Gavin Rotherys Regiedebüt ist dagegen sehr zurückhaltend erzählt und bietet wundervolle handgemachte Effekte. Die Welt von „Archive“ ist zwar klein, doch so liebevoll gestaltet, dass sie einfach echt wirkt. Mich hat der Film wirklich sehr begeistert. Einzig die finale Wendung, die ich während des letzten Drittels bereits häufiger vermutet hatte, hätte es in meinen Augen nicht gebraucht. Sie funktioniert und ist emotional, doch wäre die Aussage des Films ohne stärker gewesen. Dennoch definitiv ein Ergebnis, das sich kein Sci-Fi-Fan entgehen lassen sollte.

Fazit

Wie bereits festgestellt, hat es ein kleines Sci-Fi-Drama, wie „Archive“, heute schwer sein Publikum zu finden. Deshalb sei euch die Sichtung dringend ans Herz gelegt. Wer nicht in die empfehlenswerte Blu-ray investieren will, kann den Film momentan auch kostenlos auf Prime Video sehen. Falls ihr reinschaut, lasst doch einmal hören, wie er euch gefallen hat. Eine dicke Empfehlung: 8/10 Punkte.

BuyBust (2018)

Was für ein Tag. Morgens in die Schule für einen Corona-Test gefahren, für einen kurzen Moment ein falsches Ergebnis bekommen, Panik und Erleichterung innerhalb nur einer Minute. Laufen gewesen und später am Tag erschreckende Zahlen der Testungen vernommen. Was für ein Tag. Sagte ich das schon? Mit „BuyBust“ wollte ich abends dann nur noch unterhaltsame Action genießen. Ob der Plan aufgegangen ist?

BuyBust (2018) | © Alive

BuyBust (2018) | © Alive

Anstrengend und doch faszinierend und packend

Ich muss gestehen, dass mich vor allem das schöne Mediabook (siehe Foto unten) zum Kauf verleitet hat. Doch auch die Aussicht auf einen philippinischen Actionfilm, der keine Gefangenen macht, schien vielversprechend. Im Vorfeld wurde Erik Mattis Film oft mit „The Raid: Redemption“ verglichen, der ja mehr als ein Achtungserfolg war. Letztendlich haben beide Filme, bis auf ihre grobe Prämisse (eine detailliert erzählte Razzia bzw. Verhaftung), aber gar nicht so viel gemein. „BuyBust“ beginnt erstaunlich ruhig und baut während seiner ersten halben Stunde eine enorme Spannung auf. Man lernt die Figuren kennen und die Atmosphäre ist zum Schneiden dicht. Die Inszenierung wirkt recht naturalistisch, was ich zu diesem Zeitpunkt noch mochte.

Als es letztendlich in die Slums von Gracia geht, scheitert der zuvor gefasste Plan natürlich und die Einsatzkräfte müssen aus einem Schmelztiegel von Armut und Gewalt fliehen. Ab diesem Zeitpunkt reiht sich eine Actionszene an die nächste, was zunächst einmal großartig klingt. Allerdings zeigt sich hier, dass Regisseur Erik Matti zwar Atmosphäre wunderbar einfangen kann, er aber kein Action-Regisseur ist. Bis auf eine durchaus imposante Plansequenz gegen Ende des Films, ist jede Actionszene komplett verwackelt und durch unzählige sowie unnötige Schnitte zerteilt. Als Zuschauer habe ich schnell die Orientierung verloren und konnte dem Geschehen nur schwer folgen. Wirklich sehr schade, da der Film an anderer Stelle viel richtig macht. Selbst die harte Gewalt wirkt seltsam entrückt, da das Schnittgewitter nicht wirklich zur Action passen will.

Fazit

Auch wenn „BuyBust“ audiovisuell teils unangenehm anstrengend ist, so konnte mich seine dichte Atmosphäre dennoch begeistern. Auch seine Aussage besitzt durchaus mehr Substanz als man zunächst vermuten würde. Letztendlich war mir der Kern des Films, der zu einer guten Stunde aus Non-Stop-Action besteht, aber zu redundant und handwerklich zu schwach umgesetzt. Dennoch eine interessante Erfahrung abseits des klassischen Hollywood-Kinos: 6/10 Punkte.

Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft (2015)

Ein Jahr Pandemie. Ein Jahr Home Office. Ein Jahr Unsicherheit und Verzicht. Aber auch ein Jahr wöchentliche Filmabende. So auch heute und die Wahl, vor allem die des Zappelinchens, ist auf „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ gefallen. Sie hatte den Film schon einmal mit einer Freundin gesehen und die Prämisse klang auch in meinen Ohren recht nett. Was hatte der Film also letztendlich zu bieten? 👩‍🏫

Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft (2015) | © Sony Pictures Home Entertainment GmbH

Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft (2015) | © Sony Pictures Home Entertainment GmbH

Nette Effekte und ein gelungenes Finale

Ich mag ja Filme, die ihre Figuren schrumpfen. Als Kind hat mich besonders „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ begeistert, an den sich „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ natürlich anlehnt. Inzwischen habe ich diesen schon seit Jahren nicht mehr gesehen, was ich wohl einmal ändern sollte. Doch auch „Der Indianer im Küchenschrank“ ist in meinen Augen ein wundervoller Kinderfilm und selbst der vom erwachsenen Publikum verschmähte „Downsizing“ hat mich durchaus fasziniert. Nun also eine deutsche Kinderbuchverfilmung, was das Spielfeld schon recht eng steckt.

Es gab etliche Elemente, die mir gut gefallen haben: Die Effekte sind überraschend gelungen und die Entwicklung des Films gegen Ende hat mir auch gefallen. Leider dauert es gerade zu Beginn ewig (fast 25 Minuten), bis die Geschichte ins Rollen kommt. Danach folgen erst einmal ziemlich doofe und billige Gags, bis sich der Film auf seine Stärken besinnt. Insgesamt also zu viel Otto (ja, Otto Waalkes hat einen Gastauftritt) und zu wenig Rick Moranis, doch letztendlich nette Unterhaltung für die ganze Familie.

Fazit

Die Kinder waren von „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ ziemlich begeistert, auch wenn der Zwergofant wieder recht oft die Hände vor den Augen hatte. Auch ich hatte meinen Spaß, wenngleich es doch einer der durchschnittlicheren deutschen Kinderfilme gewesen ist, die im letzten Jahr den Weg auf unseren Fernseher gefunden haben: 6/10 Punkte. (Zappelinchen: 10/10 Punkte; Zwergofant: 9/10 Punkte.)

Die Besprechung ist Teil des CMARCH, der Blogaktion für Kinderfilme des Sneakfilm-Blogs.

The Hunt (2020)

Der heutige Tag ist wie Sand zwischen meinen Fingern zerronnen. Unfassbar. Da war der letzte Lauf des Monats noch das größte Highlight. Als es dann Zeit für den Filmabend war, hatte ich einmal wieder Lust auf etwas Härteres und habe deshalb „The Hunt“ in den Player geschoben. Im Vorfeld wusste ich nicht viel über den Film, weshalb er mich positiv zu überraschen wusste… 🐷

The Hunt (2020) | © Universal Pictures Germany GmbH

The Hunt (2020) | © Universal Pictures Germany GmbH

Wendungsreich und auf seine Art unterhaltsam

„The Hunt“ macht wahrlich keine Gefangenen. Bereits im Prolog spritzt das Blut und es wird die Stimmung für die kommenden 90 Minuten gesetzt. Trotz aller Härte wahrt der Film eine ironische Distanz zur Gewalt, was ich in dieser Form zuletzt in „Scream“ so erlebt habe. Speziell das Finale hat mich in seiner Inszenierung stark an Wes Cravens Horror-Meilenstein erinnert. Auch inhaltlich besitzt „The Hunt“ mehrere Ebenen und es gibt etliche Wendungen, welche uns das bisher Erlebte reflektieren lassen. Dabei schießen sich Damon Lindelof und Nick Cuse (beide u.a. bekannt für „The Leftovers“) nicht auf eine Gruppe ein, sondern jeder bekommt sein Fett weg.

Die Mischung aus satirischen und sozialkritischen Elementen, wirklich harter Gewalt und einem unglaublichen Tempo, machen den Film unfassbar unterhaltsam. Zumindest wenn man sich darauf einlassen kann. Eine wirkliche Entdeckung ist auch Betty Gilpin, die ich zuvor noch überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Auch in „The Hunt“ muss sie sich erst ins Scheinwerferlicht kämpfen, denn alle anderen scheinbaren Hauptfiguren ergeht es wie Marion Crane und man muss sich als Zuschauer alle paar Minuten neu orientieren. Wie an vielen anderen Stellen, spielt der Film hier gekonnt mit den Erwartungen seines Publikums.

Fazit

Auch wenn „The Hunt“ vor allem dafür bekannt ist, dass er einer der ersten Filme war, die der ersten Corona-Welle zum Opfer gefallen sind, so lohnt sich eine Sichtung auch ein gutes Jahr nach dem kurzen Hype. Ob er beim zweiten Mal, wenn die Überraschungen bekannt sind, noch genauso gut funktioniert, vermag ich nicht zu sagen. Diese erste Sichtung war auf jeden Fall extrem unterhaltsam: 8/10 Punkte.

Sechzehn Stunden Ewigkeit – OT: The Map of Tiny Perfect Things (2021)

Nach einem wundervollen Tag, der sich schon richtig nach Frühling angefühlt hat, fehlte zum perfekten Abschluss nur noch der richtige Film. Da ich Zeitschleifen liebe, ist „Sechzehn Stunden Ewigkeit“ natürlich sofort auf meinem Radar aufgetaucht. Glücklicherweise ist der Film weit weniger klischeehafte Romanze, als der deutsche Titel vermuten lässt, und viel mehr „The Map of Tiny Perfect Things“. 🕛

Sechzehn Stunden Ewigkeit (2021) | © Amazon Prime Video

Sechzehn Stunden Ewigkeit (2021) | © Amazon Prime Video

Und täglich grüßt der perfekte Moment

Auch wenn das Genre inzwischen schon ziemlich ausgelutscht ist, so liebe ich es doch. Vielleicht auch, weil ich ich bis heute darauf warte, dass mit „Replay: Das zweite Spiel“ die beste Zeitschleifen-Geschichte verfilmt wird. Der Roman hatte Harold Ramis damals zu „Und täglich grüßt das Murmeltier“ inspiriert und steht somit auch indirekt Pate für „The Map of Tiny Perfect Things“. Natürlich wird auch in diesem Film das Original offen angesprochen. Ebenso wie „Edge of Tomorrow“. Autor Lev Grossman ist sich somit bewusst, dass seine Geschichte keine originelle Prämisse bietet, doch das was er daraus macht, ist durchaus erfrischend. Somit ist „The Map of Tiny Perfect Things“ für den romantischen Film das, was „Happy Deathday“ für den Horrorfilm war.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht zu viel verraten, nur dass die Figuren natürlich eine Entwicklung durchmachen und die Chemie zwischen Mark und Margret wirklich gelungen ist. Hinzu kommt eine wunderbar leichte Inszenierung und ein hervorragender Soundtrack, der den Film eher in die Indie-Richtung schubst, als in die großer Hollywood-Romanzen. Die Schauspieler sind allesamt perfekt besetzt (u.a. spielt Josh Hamilton, der Vater aus „Eighth Grade“, erneut den Vater des Protagonisten) und die finale Auflösung ist so naheliegend wie befriedigend. Sicher nicht das ganz große Kino, doch eine sehr unterhaltsame Variante unter den Zeitschleifen-Filmen.

Fazit

Mich hat „The Map of Tiny Perfect Things“ wirklich ausgezeichnet unterhalten. Tatsächlich lebt er von den kleinen Momenten, die er einzufangen versucht. Ein wenig musste ich auch an die Verfilmung von „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ denken, der jedoch weit nicht so gut funktioniert, wie Ian Samuels Film. Reinschauen lohnt sich (die Amazon-Produktion läuft ganz frisch auf Prime Video) nicht nur für Zeitschleifen-Freunde: 8/10 Punkte.

Dora und die goldene Stadt – OT: Dora and the Lost City of Gold (2019)

Ich sollte häufiger einen Tag frei nehmen. Da ist die Stimmung doch gleich besser. Auch wenn ich heute, außer meinem Halbmarathon, nur ein wenig das Haus geputzt habe. Abends gab es dann Pizza und einen Filmabend mit den Kids, da Frau bullion auf einer virtuellen Feier weilt. Die Wahl ist uns heute schwer gefallen. Nach einer längeren Trailer-Show, haben wir uns letztendlich „Dora und die goldene Stadt“ ausgewählt. Auch wenn der Zwergofant davon zu Beginn nicht sonderlich begeistert war. 🐵🦊

Dora und die goldene Stadt (2019) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Dora und die goldene Stadt (2019) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Ein wunderbarer Abenteuerfilm für Kinder

Von „Dora und die goldene Stadt“ habe ich vor einigen Jahren etwas Positives auf dem Kinderfilmblog gelesen und das ist irgendwie bei mir hängen geblieben. Deshalb haben wir einen Blick in den Trailer geworfen und waren durchaus angetan. Ansonsten habe ich keinen Bezug zu „Dora“ und auch keine Episode der TV-Serie gesehen. Diese richtet sich anscheinend eher an jüngere Kinder und hat eine erzieherische Komponente. Der Einstieg in den Film stellt uns die sechsjährige Dora vor, nur um kurz danach einen Zeitsprung von 10 Jahren zu vollführen. Dadurch wird die Brücke zur Serie geschlagen und gleichzeitig klar gemacht, dass wir uns eher in einem Teenager-Abenteuer befinden. Dieser Kniff hat erstaunlich gut funktioniert und uns gekonnt auf den Film eingestimmt. Michael Peña als Doras Vater ist zudem extrem witzig.

Nach ein paar Highschool-Szenen, in denen der grenzenlose Optimismus und die schiere Lebensfreue Doras (fantastisch gespielt von Isabela Moner) auf die Spitze getrieben wird, werden wir in ein kunterbuntes Dschungelabenteuer geworfen. Dieses erinnert im besten Sinne an eine „Indiana Jones“-Variante für Kinder und strotzt nur so vor Einfallsreichtum und irrwitzigen Szenen. In „Dora und die goldene Stadt“ gibt es zwei computeranimierte Figuren, den Affen Boots (im Original gesprochen von Danny Trejo) und den Fuchs Swiper (im Original gesprochen von Benicio del Toro). Dies fand ich zu Beginn sehr befremdlich und fast schon störend. Die Kids haben die Figuren jedoch geliebt und spätestens ab der Hälfte hat der grobe Unfug im Dschungel dann auch für mich funktioniert. Warum auch nicht? Ein riesengroßer Spaß!

Fazit

Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass mich „Dora und die goldene Stadt“ so gut unterhalten würde. Es war eine Freude dem Abenteuer beizuwohnen. Der Optimismus der Hauptfigur ist ansteckend und der nahezu ausschließlich lateinamerikanische Cast extrem einnehmend. Ein perfektes Beispiel, wie ein Abenteuerfilm für Kinder sein sollte: 8/10 Punkte. (Zappelinchen: 10/10 Punkte; Zwergofant: 9/10 Punkte.)

Eighth Grade (2018)

Heute habe ich einen Film gesehen, von dem ich schon viel Gutes (in Podcasts) gehört habe. Nach der erfolglosen Suche nach einer DVD oder Blu-ray war ich umso erfreuter, dass Netflix „Eighth Grade“ ins Programm aufgenommen hat. Höchste Zeit also, mich selbst von der Qualität des Coming-of-Age-Dramas zu überzeugen… 👩‍🎓

Eighth Grade (2018) | © Sony Pictures

Eighth Grade (2018) | © Sony Pictures

Die unangenehme Seite von Coming-of-Age

Aufgrund meines Vorwissens hatte ich vermutet, dass „Eighth Grade“ komplett bei mir einschlagen würde. Tatsächlich aber habe ich etwas gebraucht, bis ich mich mit dem Film angefreundet hatte. Obwohl wir sehr nah an der Protagonistin Kayla (großartig gespielt von Elsie Fisher) dran sind, war mir die Inszenierung zu Beginn ein wenig zu verkünstelt. Auch fand ich die Überpräsenz von digitalen Kommunikationsmitteln anstrengend. Allerdings merke ich selbst, dass es auch bei den eigenen Kindern immer mehr in diese Richtung geht. Weit nicht so extrem, doch die Tendenzen sind da. Auch in diesem Aspekt zeigt sich, dass mich „Eighth Grade“ häufig die Perspektive des Vaters hat einnehmen lassen. Ich hatte oft einen sorgenvollen Blick auf das Geschehen. Was steht meinen Kindern (und uns Eltern) da in den nächsten Jahren noch bevor?

Die andere Perspektive ist natürlich die von Kayla selbst. Manche Szenen waren schmerzhaft nah an der eigenen Erinnerung dran. Gerade der Zeitraum zwischen 7. und 8. Klasse ist auch für mich einer, der mir nur noch unbestimmt im Kopf ist und der mit viel Unsicherheit verbunden war. Ich bin damals eher in Videospiele und Bücher geflüchtet. Die Welt war einfacher und langsamer. Heute möchte ich wirklich kein Teenager mehr sein. Und da sind wir wieder bei meiner Perspektive als Vater angekommen. Wie wird das Zappelinchen mit all diesen (neuen) Herausforderungen umgehen? Bei all den unangenehmen bis düsteren Szenen, ist „Eighth Grade“ doch ein Film, der seine Figuren mag und nach hinten raus eine positive Entwicklung aufzeigt. Nicht aufgesetzt und eher realistisch, aber doch positiv. All das macht „Eighth Grade“ zu einer (für mich) eher anstrengenden Erfahrung, aber doch einer, die nachwirkt.

Fazit

Wirklich viel Spaß hatte ich nicht mit „Eighth Grade“, doch darum geht es dem Film vermutlich auch nicht. In dieser Hinsicht kam er mir teils wie ein Gegenentwurf zu „Booksmart“ vor, bei dem ich mich teils ähnlich gefühlt habe, doch eher auf lustige Art und Weise. Wie ihr merkt, fällt es mir schwer, den Film konkret einzuordnen. Ich mochte ihn und würde den Film und Kayla am liebsten in den Arm nehmen und sagen: Es wird alles gut. Wie eben so ein Vater. Anstrengend aber sehenswert: 8/10 Punkte.

Turtles 3 – OT: Teenage Mutant Ninja Turtles III (1993)

Heute war es endlich soweit und auf Wunsch des Zwergofanten ist „Turtles 3“ in den Player gewandert! Davor gab es natürlich selbstgemachte Pizza und überhaupt sind wir momentan wieder komplett im Turtles-Fieber. Auch mich hat der Zwergofant angesteckt, was darin resultiert, dass wir momentan die Nickelodeon-Serie zusammen schauen. Sehr gelungen, das muss selbst ich als Fan der alten Serie sagen… 🍕🐢

Turtles III (1993) | © Alive - Vertrieb und Marketing/DVD

Turtles III (1993) | © Alive – Vertrieb und Marketing/DVD

Ein netter Abschluss der klassischen Filmreihe

Im Gegensatz zu „Turtles“ und „Turtles 2: Das Geheimnis des Ooze“ war mir der Abschluss der Reihe bisher noch unbekannt. Außerdem wusste ich, dass die Kritiken eher bescheiden waren und auch Fans nichts mit dem Film anfangen können. Meine Erwartungen waren also ziemlich niedrig, was vielleicht auch die positive Überraschung erklärt, die „Turtles 3“ letztendlich für mich war. Hinzu kommt die Begeisterung des Zwergofanten, die zweifellos auf mich abgestrahlt hat.

Ich mochte, dass sich die Handlung nicht nur ins Japan des 17. Jahrhunderts verlegt wurde, sondern der Bezug zum modernen New York jederzeit vorhanden ist. Natürlich fehlen die ikonischen Gegenspieler der vier Kampfschildkröten, doch immerhin gibt es Casey Jones zu begrüßen. Die Szenen in der Vergangenheit sind zwar durchaus opulent inszeniert, doch wirkt der Film irgendwie kleiner und unbedeutender, als die beiden vorherigen Teile. Wie eine überbrückende Episode der TV-Serie. Hinzu kommt, dass die Kostüme der Turtles geändert wurden und alles nicht mehr ganz so charmant wirkt, wie zuvor. Am Ende hatte ich aber dennoch sehr viel Spaß mit dem Film.

Fazit

Nun ist dieser Ausflug in die Vergangenheit (also meine persönliche) mit den Turtles wieder vorbei. Dennoch bin ich mir sicher, dass uns die vier Schildkröten noch länger begleiten werden. Auch den 2007er „TMNT: Teenage Mutant Ninja Turtles“ werde ich demnächst wohl noch einmal schauen. Wie gesagt: Auch ich bin wieder hooked und mochte selbst diesen nicht wirklich angesehenen Abschluss der Reihe: 7/10 Punkte. (Zappelinchen: 5/10 Punkte; Zwergofant: 10/10 Punkte.)

Die drei !!! (2019)

Die Woche kann so langsam echt weg: Zahnprobleme, viel zu viele Stunden vor dem Rechner und private Herausforderungen. Gut dass es den freitäglichen Filmabend gibt, bei dem heute endlich, endlich „Die drei !!!“ den Weg in den Player fand. Der Film war schon lange der große Traum des Zappelinchens und dank Click-and-Collect-Angebot der örtlichen Bücherei, konnten wir ihn endlich sehen… 🕵️‍♀️🕵️‍♀️🕵️‍♀️

Die drei !!! (2019) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Die drei !!! (2019) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Ein durchaus sehenswertes Jugendabenteuer

Meine Kids verschlingen die Fälle der drei jungen Detektivinnen. Gerade beim Zappelinchen sind die Geschichten extrem beliebt und ich kann gar nicht zählen, wie viele Bücher sie schon gelesen hat. Und natürlich CDs gehört. Mit dem einprägsamen Titelsong. Ich selbst habe mich nie groß damit beschäftigt, aber finde es durchaus begrüßenswert, dass es auch eine Gruppe rein weiblicher Spürnasen gibt. Am liebsten mag ich aus den unterschiedlichen Reihen vermutlich immer noch „Fünf Freunde“, weil hier das Abenteuer im Vordergrund steht und nicht so sehr auf Liebeleien eingegangen wird. In dieser Hinsicht hat mich „Die drei !!!“ ein wenig an die späteren Verfilmungen von „Die wilden Hühner“ erinnert.

Was „Die drei !!!“ für mich wirklich sehenswert macht, ist das herrlich überzogene Spiel Jürgen Vogels (u.a. „Stereo“). Jede Szene mit ihm ist ein Genuss. Auch die Jungschauspielerinnen in den Hauptrollen fand ich gut besetzt, wenngleich die eindeutige Zuweisung von Charaktereigenschaften (die Schlaue, die Sportliche, die Coole) ziemlich altbacken wirkt. Dafür ist der restliche Film schön flott inszeniert, so dass keine Langeweile aufkommt.

Fazit

Am meisten begeistert hat mich wohl, dass meine Kinder so begeistert waren. Deshalb kann ich über so manche Ungereimtheit oder nervige Stelle leicht hinwegsehen. Ein zwar sehr auf die Zielgruppe zugeschnittenes, aber immer noch sehr sehenswertes Jugendabenteuer: 7/10 Punkte. (Zappelinchen: 10/10 Punkte; Zwergofant: 8/10 Punkte.)

Bone Tomahawk (2015)

Der Samstag ist schon wieder vorbei. Was habe ich noch einmal gemacht? Kann ich gar nicht so genau sagen (außer eine Runde zu laufen natürlich). Auf dem Sofa angekommen, hatte ich Lust auf einen Film, den ich schon viel zu lange vor mir herschiebe. Weil er ziemlich unangenehm sein soll. Manchmal muss es aber auch das sein und somit ist „Bone Tomahawk“ in den Blu-ray-Player gewandert… 🤠

Bone Tomahawk (2015) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Bone Tomahawk (2015) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Die wilde Seite des Wilden Westens

Im Vorfeld wusste ich nur, dass der Debütfilm S. Craig Zahlers einen Genretwist beinhalten und am Ende äußerst brutal werden soll. Dazu kann ich gleich sagen, dass mir das gar nicht so vorkam. Also die Brutalität schon, der Genretwist weniger. Der Film steigert sich über seine Laufzeit und steuert auf eine Konfrontation hin, doch es ist wahrlich kein komplettes Umschwenken, wie z.B. in „From Dusk Till Dawn“, sondern eher die konsequente und drastische Weiterentwicklung. Am ehesten musste ich hier noch an „Der 13te Krieger“ denken, auch wenn sich beide Filme, bis auf wenige Elemente, nicht wirklich vergleichen lassen. Für mich funktioniert „Bone Tomahawk“ wunderbar als Western. Besser sogar als die meisten klassischen Western.

Was macht „Bone Tomahawk“ so besonders? Für mich wohl die ruhige Inszenierung, das wunderbare Drehbuch und die großartigen Schauspieler. Wenn ich die Stimmung und die Dialoge, die Zahler erzeugt, mit einem anderen Filmemacher vergleichen müsste, dann wohl am ehesten Quentin Tarantino. Die Dialoge sind auf den Punkt und ich hätte zuvor nie gedacht, dass sie so witzig sind. Ich musste mehrfach schmunzeln und sogar lachen. Hinzu kommt ein unfassbarer Cast: Angefangen bei Kurt Russell, über den stets großartigen Richard Jenkins, Patrick Wilson und Matthew Fox, besetzt Zahler (wie eben auch Tarantino) selbst Nebenfiguren mit Genregrößen à la Sid Haig oder James Tolkan. Das muss man in einem Debüt erst einmal hinbekommen.

Beinahe schon eine Western-Elegie

Ich lese immer wieder, dass Filme oder Serien zu ruhig erzählt seien und man sich dort durchkämpfen müssen. Ob dies auch auf „Bone Tomahawk“ zutrifft, kann ich nicht sagen, doch möchte ich an dieser Stelle eine Lanze für langsam erzählte Geschichten brechen: Zahler nimmt sich unfassbar viel Zeit für scheinbare Nebensächlichkeiten, wie z.B. das gemeinsame Essen der Suppe, wenn sich Sheriff Hunt und Deputy Chicory das erste Mal treffen. Hier wird jedoch schon so viel über die beiden Figuren und ihr Verhältnis zueinander gesagt, dass ich jede Sekunde genossen habe. Wie kann man so etwas als langweilig empfinden? (Und nein, ich weiß nicht, ob das in diesem Fall ein Kritikpunkt war.) Ich liebe solch einen langsamen Aufbau, die langen Einstellungen und den Schauspielern einfach beim Schauspielen zuzusehen.

Fazit

Mich hat „Bone Tomahawk“ sehr begeistert. Ja, er ist brutal und unangenehm, doch wer das akzeptiert, der wird mit starken Figuren, herrlichen Dialogen und wunderbaren Bildern belohnt. Ich bin nun schon gespannt auf Zahlers weitere Filme, die glücklicherweise schon im Regal warten: 9/10 Punkte.