Jupiter Ascending (2015)

Eine Woche, die rasend schnell vergangen ist und doch viel zu kurz war, liegt hinter mir. Morgen steht der Geburtstag des Zwergofanten an, weshalb sich heute die einzige Möglichkeit bot, einen Film zu schauen. Eigentlich war ich zu müde, weshalb der viel gescholtene „Jupiter Ascending“ eine gute Wahl zu sein schien. Ob mich das Werk der Wachowski-Geschwister letztendlich wachhalten konnte?

Jupiter Ascending (2015) | © Warner Home Video

Jupiter Ascending (2015) | © Warner Home Video

Wenn man alles in einen einzigen Film packt…

Schon nach ein paar Minuten drehte sich meine Frau zu mir um und sagte:

„Da wusste wohl jemand nicht, welche Geschichte er erzählen soll und hat einfach alles in den Film gepackt.“

Damit hat sie den Nagel ziemlich genau auf den Kopf getroffen, denn exakt so fühlt sich „Jupiter Ascending“ auch an. Der Film strotzt nur so vor Ideen, die alle angerissen aber selten zu Ende erzählt werden oder wirklich durchdacht wirken. Teils musste ich hier auch an Luc Bessons „Valerian: Die Stadt der tausend Planeten“ denken, der insgesamt jedoch viel stringenter inszeniert ist. Im Grunde wird eine typische  Fish-out-of-water-Geschichte erzählt, die letztendlich Dimensionen annimmt, die zu Beginn unvorstellbar wirken. Das mag nicht sonderlich elegant geschehen, hat für mich aber durchaus funktioniert, zumal der Unterhaltungswert stets gegeben war. Ganz unverhofft ist „Jupiter Ascending“ viel komödiantischer angelegt, als ich zuvor gedacht hatte – von der unfreiwilligen Komik einmal ganz abgesehen (ja, es war wohl die eine oder andere Space-Skate-Sequenz zu viel).

Auch wenn die Geschichte ziemlich hanebüchen erscheint, so geben sich die Wachowskis doch Mühe, dass zumindest ein Mindestmaß an Glaubwürdigkeit gegeben ist. Wenn bei Marvel, DC und Co. ganze Städte in Schutt und Asche gelegt werden und das kein normaler Mensch mitzubekommen scheint, dann wird dieser Punkt hier tatsächlich adressiert und erklärt. Das ist nur ein kleines Detail, doch die Welt (so verrückt sie auch erscheinen mag) ist dadurch in sich stimmig. Auch mochte ich die abgefahrenen Designs und die abgedrehten Ideen und Schauplätze. Kein großes Kino, nicht besonders gut geschrieben und doch unterhaltsam und vor allem sympathisch. Das hätte ich so nicht vermutet. Mila Kunis, Channing Tatum und Sean Bean sind zudem ein gutes Leinwand-Trio. Einzig Eddie Redmaynes Overacting ist oft hart an der Grenze, passt aber auch irgendwie zum trashigen Charme des Films.

Fazit

Wie ihr aus meiner bisherigen Besprechung schon herauslesen konntet, hat mir „Jupiter Ascending“ tatsächlich unerwartet viel Spaß gemacht. Ein nettes Weltraum-Abenteuer, das sich selbst nicht sonderlich ernst nimmt. Auch wenn ich mit dieser Meinung ziemlich alleine dastehe, so möchte ich doch eine Lanze für den Film brechen, schon alleine aufgrund seines Ideenreichtums. Traut euch: 7/10 Punkte.

Krieg der Götter – OT: Immortals (2011)

Vor knapp drei Monaten habe ich meinen neuen Fernseher mit Tarsem Singhs „The Fall“ eingeweiht und dabei einen wundervollen Film entdeckt. Daraufhin habe ich mir vorgenommen auch Singhs „The Cell“ einmal wieder zu sehen und seinen „Krieg der Götter“ nachzuholen. Letzteres habe ich heute tatsächlich getan. In voller Opulenz in 3D. Was kann da noch schief gehen?

Krieg der Götter (2011) | © Constantin Film

Krieg der Götter (2011) | © Constantin Film

Wenn „Kampf der Titanen“ auf „300“ trifft…

Diesen Gedanken hatten wohl die Produzenten des Films. Zack Snyders „300“ war ein veritabler Erfolg und auch der Mythologie-Actioner „Kampf der Titanen“ hat an der Kinokasse überzeugt. Warum also nicht den visionären Regisseur Tarsem Singh verpflichten und ihn ein Best-of der beiden Filme drehen lassen? Kann ja nicht viel schief gehen. Auch ich wurde durch viele durchwachsene Kritiken gewarnt, hatte jedoch noch Hoffnung. Singh wird es schon richten. Und manchmal sind ja selbst visuell herausragende Schlachtgemälde interessant. So dachte ich. Doch dann bekam ich GZSZ in der Antike. Mit hanebüchenen Dialogen, komplett verwirrenden Sprüngen in der Handlung und einer Charakterzeichnung, die einfach nicht vorhanden ist. Dazu noch ein Henry Cavill (ja, unser Superman aus „Man of Steel“) in der Hauptrolle, der wirkt als würde er sich in einer Schauspielklasse an Improvisation versuchen. Schade nur um John Hurt in einer völlig verschenkten Nebenrolle.

Ich hatte den Film wirklich schon komplett abgeschrieben, doch in den letzten 20 Minuten dreht Tarsem Singh noch einmal richtig auf. Dann bekommen wir endlich den Kampf Götter gegen Titanan zu sehen, auf den wir die ganze Zeit gewartet hatten. Hier spritzt das Blut in Zeitlupe und ja, das funktioniert in seiner völlig überstilisierten Gewaltdarstellung. Singhs Stil kommt auch davor in ein paar wenigen Szenen durch, die durchaus beeindruckend anzusehen sind. Jedoch hilft das auch nicht gegen das miese Drehbuch und die unsagbar langweiligen Dialogszenen zu bestehen.

Fazit

Ich bin wirklich guter Dinge an „Immortals“ herangegangen. In den Kampfszenen und Landschaftsaufnahmen überzeugt Tarsem Singhs Film auch erneut auf ganzer Linie. Doch der Rest der Geschichte versinkt in gepflegter Langeweile, dilettantischen Dialogen und einer konfus erzählten und doch unfassbar simplen Geschichte. Nein, das war leider wirklich nichts. Am besten wäre es gewesen, Singh hätte sich komplett auf die übertriebene Action konzentriert. Also schaut euch die letzten 20 Minuten an, dann habt ihr alle Highlights gesehen: 4/10 Punkte.

WarGames: Kriegsspiele – OT: WarGames (1983)

So langsam neigen sich die Herbstferien ihrem Ende zu. Immerhin hat sich das Wetter heute Vormittag noch einmal von seiner besten Seite gezeigt, weshalb wir spontan zu einem Ausflug in einen nahegelegenen Dinosaurierpark aufgebrochen sind. Dennoch habe ich heute Abend nicht „Jurassic Park“ eingelegt, sondern mit „WarGames: Kriegsspiele“ aus dem Jahr 1983 endlich eine Bildungslücke geschlossen…

WarGames: Kriegsspiele (1983) | © Twentieth Century Fox

WarGames: Kriegsspiele (1983) | © Twentieth Century Fox

Endlich bereit für „Ready Player One“

Auch wenn „WarGames“ schon lange auf meiner Liste der noch zu sehenden Filme stand, so hat ihn erst der wunderbare Roman „Ready Player One“ ganz nach oben katapultiert. Schließlich nimmt John Badhams Film darin eine nicht unbedeutende Rolle ein. Da Steven Spielbergs Verfilmung bereits vor der Tür steht, war es für mich der perfekte Moment in die frühen 80er zurückzukehren und mit Matthew Broderick die Welt zu retten – oder zu vernichten, ganz wie man es sehen mag. Dabei ist es mit Filmen der 80er ja nicht immer einfach, wenn man nicht mit diesen aufgewachsen ist, und gerade „WarGames“ wirkt aufgrund seines technischen Schwerpunkts heute teils wie aus einer anderen Welt.

Was für mich nach wie vor ausgezeichnet funktioniert, ist der langsame Spannungsaufbau und die Darstellung der Umgebung, in der David (Matthew Broderick) aufwächst. Die Hauptfigur wird zudem nicht als prototypischer Nerd gezeichnet, sondern als gewitzter Außenseiter, der zudem noch ganz ungezwungen beim anderen Geschlecht ankommt. Kein Wunder, dass sich Ernest Cline in „Ready Player One“ für diesen Film als First Gate entschieden hat. Wade und David sind sich gar nicht so unähnlich. Auch die zugrunde liegende Geschichte schafft es heute noch zu faszinieren. Selbst wenn der Kalte Krieg inzwischen Vergangenheit ist, bleibt die Bedrohung durch diverse Finger an diversen Knöpfen doch bestehen. Auch das Thema Künstliche Intelligenz ist aktueller denn je, was die einzelnen Versatzstücke (auch wenn der Film insgesamt doch etwas überholt wirkt) relevant bleiben lässt.

Fazit

Selbst wenn ich damals nicht mit „WarGames“ aufgewachsen bin und ihn somit nicht zu meinen persönlichen Kultfilmen zählen kann, so verstehe ich doch gut, was seinen Reiz ausmacht. Auch heute noch funktioniert die Dynamik zwischen David und Jennifer, viele Nerd-Elemente schreien geradezu nach Retro-Kult und die Botschaft des Films ist so einfach wie zeitlos. Nun bin ich gespannt, wie Spielberg diesen Klassiker in seine Verfilmung des Kultromans einarbeitet: 8/10 Punkte.

Crimson Peak (2015)

Halloween! Zeit für den jährlichen Horrorfilm (letztes Jahr gab es übrigens „The Visit“). Es ist ja nicht so, dass ich mich nur einmal im Jahr dem Horror-Genre zuwende, doch an diesem Termin ist die Sichtung Pflicht – und dieses Mal hatte ich euch um Hilfe bei der Entscheidung gebeten:

Wie ihr seht, ist die Wahl auf „Crimson Peak“ gefallen, auf den ich spätestens seit meiner Lektüre von „Cabinet of Curiosities: My Notebooks, Collections, and Other Obsessions“ extrem Lust hatte. Ob er meine Erwartungen erfüllen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Crimson Peak (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Crimson Peak (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Ein zum Leben erwachter Schauerroman

Während der ersten halben Stunde war ich noch davon überzeugt, mit „Crimson Peak“ eine neue Genre-Liebe entdeckt zu haben. Ich mochte die schwülstige Inszenierung, den leisen Humor und die Charaktere allesamt sehr gerne. Einzig die ersten Geistererscheinungen konnten mich nicht sonderlich überzeugen. Doch der Rest? Wahrlich famos! Und wie bereits Hauptfigur Edith Cushing (Mia Wasikowska) zu berichten wusste: ‚Ghosts are metaphors for the past.‘ Folglich hatte ich mich schon darauf eingestellt, weniger einen Gruselfilm zu sehen, als eine schaurige Romanze mit Horror-Anleihen. Und der Weg, den Guillermo del Toro zu beschreiten schien, konnte mich wirklich überzeugen.

Auch mit dem Wechsel des Schauplatzes von Amerika in ein verlassenes Herrenhaus nach England, wusste „Crimson Peak“ audiovisuell noch einmal alle Register zu ziehen. Fast schon übertrieben schaurig präsentiert Guillermo del Toro das viktorianische Anwesen, so dass man sich jeden Frame am liebsten an die Wand hängen würde. Überstilisiert und einfach wunderbar anzusehen. Doch was ist mir der Geschichte? Hier konnte mich der Film leider nicht überzeugen. Zwar mochte ich die düstere Romanze, die den Kern bildet, doch leider ist die Handlung so simpel gestrickt und ohne Überraschungen inszeniert, dass ich irgendwann nicht mehr mit den Figuren mitfühlen konnte. Das große Slasher-Finale gegen Ende war dann zwar nett anzusehen, doch hat es nicht zum stimmungsvollen Aufbau zuvor gepasst. Wirklich schade, denn nach dem famosen Einstieg bleibt nicht viel mehr als heiße Luft.

Fazit

Leider konnte „Crimson Peak“ meine an ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Er sieht fantastisch aus und hört sich toll an, doch unter der schönen Oberfläche ist nicht wirklich viel zu holen. Er ist weder gruselig, noch konnte mich die Liebesgeschichte überzeugen. Da helfen leider auch Jessica Chastain und Tom Hiddleston nicht. Gerne hätte ich den Film mehr gemocht, doch so bleibt am Ende nur eine schöne Hülle. Wer nun dennoch neugierig ist, kann ruhig einmal reinschauen: 6/10 Punkte.

Raum – OT: Room (2015)

Bereits der vierte Tag mit einer Filmsichtung. Ich scheine meinen Herbsturlaub ja wirklich perfekt zu nutzen (heute waren wir aber tatsächlich auch unterwegs). Nach dem leichten „Mein Freund der Delfin 2“ von gestern Abend, ist heute ein Film im Player gelandet, den ich schon viel zu lange vor mir herschiebe: Lenny Abrahamsons Romanverfilmung „Raum“ steht schon seit geraumer Zeit im Regal, doch aufgrund der Thematik hatte ich bisher noch nicht reingeschaut. Heute war es jedoch soweit…

Raum (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Raum (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Licht am Ende des Tunnels

„Raum“ war letztendlich genau das, was ich einerseits befürchtet, mir andererseits aber auch erhofft hatte: oft schwer zu ertragen, in unerwarteten Momenten leicht und hoffnungsvoll sowie emotional unfassbar mitreißend. Man kann als Elternteil einfach nicht aus seiner Haut und reflektiert die gezeigte Situation mit seinen eigenen Kindern. Das schmerzt und tut weh. Man geht dorthin, wo man nie hingehen möchte. Die größten Ängste, das Schlimmste vom Schlimmen. Durch die einzigartige Erzählperspektive erleben wir Zuschauer die grausame Situation aber durch die Augen eines Kindes. Und wie sich über den weiteren Verlauf des Films zeigen soll: Kinder sind großartig und viel härter im Nehmen, als man ihnen zugestehen möchte. An dieser Stelle muss ich auch gleich Hauptdarsteller Jacob Tremblay ein Lob aussprechen, der Jack so authentisch spielt, das ich mehrfach eine Gänsehaut hatte. Ganz groß.

Überhaupt ist die Besetzung perfekt gelungen, was ja auch durch Brie Larsons Oscar-Gewinn offiziell anerkannt wurde. Einzig William H. Macy (u.a. bekannt als Frank Gallagher aus „Shameless“) fand ich ein wenig verschenkt und seine Figur zu schwach angelegt. Doch davon abgesehen passt einfach alles. Ich habe schon lange nicht mehr so sehr mit Charakteren mitgelitten, wie mit Jack und Ma. Natürlich legt es Lenny Abrahamson auch darauf an, doch sind mir nicht nur in einer Szene Tränen über die Wangen gelaufen. Ich mochte es wirklich sehr, dass sich Emma Donoghue in ihrer Geschichte (auch das Drehbuch stammt von ihr) auf die Beziehung zwischen Jack und Ma konzentriert hat und der Thriller nur ein Nebenaspekt war. Die lebensbejahende Grundstimmung wirkt zudem nicht aufgesetzt, sondern tatsächlich hoffnungsvoll.

Fazit

Auch wenn der Film gerade in seiner ersten Hälfte oft nur schwer zu ertragen war, so überwiegt auch in dieser die Hoffnung, die Ma für Jack aufbaut. Getragen wird „Raum“ komplett durch seine famosen Schauspieler und das stimmige Drehbuch. Wer sich darauf einlassen kann, wird belohnt werden. Dennoch muss auch ich das Gesehene nun erst einmal sacken lassen. Ein unfassbar packender Film: 9/10 Punkte.

Mein Freund, der Delfin 2 – OT: Dolphin Tale 2 (2014)

Es sind Herbstferien und somit auch die Gelegenheit ein wenig aus dem Alltag auszubrechen. Mit der heutigen Zeitumstellung waren unsere inneren Uhren ohnehin ein wenig durcheinander, weshalb wir unserem Zappelinchens den Wunsch erfüllten, endlich „Mein Freund, der Delfin 2“ zu sehen. Seit der Sichtung des ersten Teils, vor ziemlich genau vier Wochen, war das als nächster, großer Filmabend geplant…

Mein Freund, der Delfin 2 (2014) | © Warner Home Video

Mein Freund, der Delfin 2 (2014) | © Warner Home Video

Rückkehr in das Clearwater Marine Aquarium

Das Zappelinchen war von Anfang an wieder gefesselt von der Geschichte rund um den Delfin Winter. Da auch diese Fortsetzung auf wahren Begebenheiten beruht und die Tiere sich selbst spielen, war es für sie nicht immer einfach zu verstehen, was denn nun echt und was gespielt ist. Speziell der Tod des Delfins Panama noch in den ersten paar Minuten, hat das Zappelinchen schwer beschäftigt. Da war ich ganz froh, dass sich unser Zwergofant noch vor dem Film freiwillig ins Bett verzogen hat. Im weiteren Verlauf hat der Film jedoch wieder voll und ganz auf die Schwerpunkte Coming-of-Age und Mensch-Tier-Freundschaft gesetzt, was erneut ein voller Erfolg war.

Auch mir hat der Film wieder gut gefallen, wenngleich es doch auch eine typische Fortsetzung ist. Die gezeigte heile Welt mag manchmal etwas übertrieben scheinen, doch durch Kinderaugen betrachtet, funktioniert das wunderbar und ist nach wie vor ein schöner Kontrast zum oft zu beobachtenden Zynismus in der Filmwelt. Wenn sich dann noch Morgan Freeman und Kris Kristofferson zuzwinkern, dann lacht auch mein Herz als Filmfreund. Am Ende war es schon fast 22 Uhr (nach der alten Sommerzeit sogar schon 23 Uhr) und das Zappelinchen ist todmüde ins Bett gefallen.

Fazit

Ich bin wirklich froh, den zweiten Teil von „Dolphin Tale“ zeitnah mit dem Zappelinchen nachgeholt zu haben. Es wertet das Erlebnis noch einmal deutlich auf, wenn man die Begeisterung seines Kindes sieht. Auch wenn mir „Mein Freund, der Delfin 2“ nicht mehr ganz so gut gefallen hat, wie noch der erste Teil, so werde ich ihn stets in bester Erinnerung behalten. Sollte es zu einer weiteren Fortsetzung oder der geplanten TV-Serie kommen, dann kenne ich schon jetzt mindestens eine Zuschauerin, die davon begeistert wäre: 7/10 Punkte.

Green Room (2015)

Der filmische Horror-Monat Oktober ist beinahe zu Ende. Höchste Zeit also, dass ich mich dem Genrefilm zuwende: Mit Jeremy Saulniers „Green Room“ stand sogleich ein Film auf dem Programm, den ich ohnehin schon länger sehen wollte. Wenig Grusel, dafür extreme Spannung und fieser Splatter. Ob das für einen gelungenen Filmabend ausreichend war?

Green Room (2015) | © Universum Film GmbH

Green Room (2015) | © Universum Film GmbH

Punk Is Dead

Zumindest die Punk-Band ist nach dem Film tot. Dabei hat alles so harmonisch begonnen: Eine erfolglose Punk-Band ist auf der Suche nach dem nächsten Gig. Das ist verbunden mit viel Gerede über Image, Lieblingsbands und – am wichtigsten – woher man das Geld für Benzin nimmt. Als sich spontan eine neue Möglichkeit ergibt, fragen die vier Bandmitglieder nicht lange nach, sondern nehmen den Gig an. Da ist es auch fast schon egal, dass sie vor hinterwäldlerischen Neo-Nazis spielen. Als sie jedoch unfreiwillig Zeuge eines Mordes werden, beginnt ein Überlebenskampf, der von Anfang an aussichtslos erscheint.

Jeremy Saulniers Terrorfilm ist wahrlich nichts für schwache Nerven. Die Spannungsschraube wird beständig angezogen und von befreiender Komik ist nichts zu spüren. Dazu gesellen sich eruptive Gewaltszenen, die sowohl vom Timing als auch aufgrund ihrer expliziten Darstellung überraschen. Über weite Strecken ist „Green Room“ schon fast ein Kammerspiel, das einen Belagerungszustand zeigt, was das Gefühl der Klaustrophobie und des Ausgeliefertseins nur noch unterstreicht.

Patrick Stewart als fieser Nazi-Boss

Neben dem geradlinig inszenierten Terror, haben mich vor allem die Schauspieler überrascht: Am auffälligsten ist wohl Patrick Stewart, der den perfiden Anführer der Neo-Nazi-Bande spielt. Doch auch der leider viel zu früh verstorbene Anton Yelchin (u.a. „Odd Thomas“) weiß  zu überzeugen. Daneben sind mir noch speziell Alia Shawkat (Serienfreunden bekannt als Cousin Maeby aus „Arrested Development“) und Imogen Poots („Centurion“) aufgefallen. Bis zum Ende schaffen es nur die wenigsten.

Fazit

Auch wenn „Green Room“ keine wirklich originelle Geschichte erzählt (im Grunde erlebt man „From Dusk Till Dawn“ mit Nazis statt Vampiren), so hat er mich doch extrem mitgerissen. Und das nicht immer auf unterhaltsame Art und Weise, denn viele Szenen sind wirklich unangenehm und werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Wer Lust auf knallharte Terror-Action hat, der sollte hier ruhig einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

All Is Lost (2013)

Nach einem zweiwöchigen Kraftakt in vielerlei Hinsicht, habe ich mich mit letzter Energie in den sicheren Hafen des Wochenendes gerettet. Was lag also näher, als mit „All Is Lost“ ein Survival-Drama anzuschauen? Nichts, völlig richtig. Folglich habe ich Robert Redford begleitet, wie er gegen die Naturgewalten kämpft. Ob er verloren oder gewonnen hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

All Is Lost (2013) | © Universum Film GmbH

All Is Lost (2013) | © Universum Film GmbH

Der alte Mann und das Meer

Ich mag Filme, die eine aufs Nötigste reduzierte Prämisse besitzen. Auch kammerspielartige Schauplätze finde ich spannend. Oft gelingt es Filmemachern gerade aus der auferlegten Beschränkung viel herauszuholen. Ob das J. C. Chandor auch gelungen ist? In meinen Augen ja. Auch wenn der Vergleich hinken mag, so hat mich „All Is Lost“ wohl am ehesten an „Gravity“ erinnert, denn der von Robert Redford großartig gespielte namenlose Segler kommt, wie Sandra Bullocks Figur in dem Sci-Fi-Thriller, wortwörtlich oft vom Regen in die Traufe. Das mag in der hohen Schlagzahl der Katastrophen anstrengend wirken, ist jedoch unglaublich packend inszeniert. Gerade Redfords stoische Art mit den Problemen umzugehen (zumindest noch am Anfang) ist einfach großartig.

Ich mag da Meer als Schauplatz ohnehin sehr gerne und J. C. Chandor fängt es wunderbar ein: einerseits bedrohlich, andererseits auch wunderschön. Der Mensch als Spielball der Natur. Nach dem Kinostart haben Segler anscheinend viel am Realismus des Films auszusetzen gehabt. Mir als ungeübtem Zuschauer sind allerdings keine Logiklöcher aufgefallen, zumal ich es auch nur nachvollziehbar finde, dass der Segler nicht in allen Stresssituationen sofort die richtige Entscheidung trifft.

Fazit

Für mich war „All Is Lost“ eine intensive Seherfahrung, bei der ich es spannend fand, wie minimalistisch J. C. Chandor seinen Film inszeniert hat (so gibt es z.B. kein emotionales Payoff am Ende des Films) und wie sehr sich Redfords Schauspiel daran orientiert. Eine beeindruckende One-Man-Show, die jedoch nicht auf den Effekt setzt. Kann ich nur empfehlen: 8/10 Punkte.

Blade Runner 2049 (2017)

Es ist unfassbar: Ich habe es dieses Jahr tatsächlich geschafft, die beiden Filme im Kino zu sehen, die ich auch unbedingt im Kino sehen wollte. Nach „Alien: Covenant“ im Mai, habe ich mich gestern mit „Blade Runner 2049“ in die nahe Zukunft begeben. Ob Denis Villeneuves Fortsetzung von Ridley Scotts Sci-Fi-Klassiker „Blade Runner“ tatsächlich so gut ist, wie die meisten Besprechungen behaupten?

Blade Runner 2049 (2017) | © Sony Pictures & Warner Bros. Pictures

Blade Runner 2049 (2017) | © Sony Pictures & Warner Bros. Pictures

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Repo Men (2010)

Nach unserer abenteuerlichen Lauf- und Fahrradrunde, war ich heute eigentlich zu platt für einen Film. Aber man will ja keinen Abend verschenken, weshalb ich „Repo Men“ in den Player geschoben habe. Der Film steht schon seit einer halben Ewigkeit auf meiner Liste und da ich die Blu-ray kürzlich für 2,99 Euro im Laden stehen sah, war es nun endlich an der Zeit. Ob der Preis für meine bis dato günstigste Blu-ray Disc dem Wert des Films entspricht?

Repo Men (2010) | © Universal Pictures Germany GmbH

Repo Men (2010) | © Universal Pictures Germany GmbH

Schnitzel, Schnetzel, Schabernack

Wie Stammleser inzwischen wissen sollten, liebe ich Dystopien. Egal ob „Soylent Green“ aus den 70ern oder „Gattaca“ aus den 90ern, das Genre hat es mir angetan. Auch die Rahmenhandlung von „Repo Men“ passt in diese Schiene, hält sie uns doch sozialkritisch einen Spiegel vor und reflektiert heutige Missstände durch überhöhte Sci-Fi-Elemente. Was soll da noch schiefgehen? Leider eine ganze Menge, denn Regisseur Miguel Sapochnik konzentriert sich leider auf ausgewalzte Actionszenen, die mit deftigen Gore-Einlagen angereichert sind. Dagegen habe ich normalerweise nichts, doch ist der Ton des Films so unfassbar zynisch und die Charaktere komplett verabscheuungswürdig, dass ich nicht wirklich am Fortgang der Geschichte interessiert war. Schade um die spannende Prämisse.

Mit Jude Law, Forest Whitaker und Liev Schreiber ist der Film exzellent besetzt und man merkt speziell Whitaker seine Spielfreude deutlich an. Wenn man sich doch nur etwas mehr auf die Handlung konzentriert hätte und weniger auf wildes Geschnetzel, dann hätte durchaus etwas daraus werden können. Die Optik der Welt ist nahezu 1:1 aus „Blade Runner“ übernommen (inklusive Werbe-Zeppelin mit Videotafel) und auch die anderen Sets wirken so, als hätte man sie schon dutzendfach gesehen. In einer unerträglich langen Montage inszeniert Sapochnik dann die Selbstverstümmelung unseres Liebespaares als Sexakt, was wohl unglaublich anspruchsvoll wirken soll, letztendlich aber nur anstrengend und gewollt ist. Spätestens beim darauffolgenden Happy Ende hatte ich mich schon darauf eingestellt, den Film komplett zu verreißen, doch das tatsächliche Finale hat dann doch wieder perfekt zum Rest des Filmes gepasst. Ziemlich gelungen, das muss ich leider zugeben.

Fazit

Es ist schwierig mit „Repo Men“. Die Prämisse finde ich nach wie vor faszinierend, es macht Spaß den Schauspielern zuzusehen und auch optisch hat der Film einiges zu bieten. Leider konnte ich mich mit dem zynisch-bösartigen Ton nicht so wirklich anfreunden und in nur wenigen Szenen funktionierten die satirischen Aspekte für mich. Das Ende fand ich dann aber doch wieder sehr gelungen, was die zuvor gesehene, ungare Mischung aus Blut, Action und fehlgeleitetem Humor aber auch höchstens auf Mittelmaß anhebt: 5/10 Punkte.