Shameless (US) – Season 6

Wie ihr an den ausgebliebenen Einträgen sehen könnt, ist mein TV-Konsum in den letzten Wochen trotz des neuen Fernsehers rapide zurückgegangen. Urlaub, Arbeit und Familie haben meinen Fokus auf die wichtigeren Dinge des Lebens gelenkt. Dennoch habe ich mir die letzten Wochen sporadisch mit „Shameless – Season 6“ versüßt. Und wie ihr euch denken könnt, war der Besuch bei den Gallaghers einmal wieder mehr als nur turbulent…

Shameless – Season 6

Der unterhaltsame Verlust der Bodenhaftung

Puh, es passiert wieder einiges im Leben unserer Vorzeigefamilie. Unfassbar. Dabei werden auch schwierige Themen nicht ausgespart, doch immer wenn man denkt es wird nun ernst und dramatisch, legt vermutlich Frank noch einmal eine Schippe drauf, um die Situation völlig ins Absurde zu drehen. Teils hatte ich hier das Gefühl, die Serie verliert so langsam die Bodenhaftung und gewissen Handlungsstränge (z.B. Lips Affäre mit seiner Professorin) würden zu breit ausgewalzt. Dem Unterhaltungswert schadet dies nicht unbedingt, zumal es auch noch genügend Elemente gibt, die unsere Figuren und auch uns Zuschauer ziemlich schlucken lassen. Dennoch kam es mir teils so vor als würde Showtime vermehrt nackte Tatsachen oder auch Schockmomente ohne eine wirkliche Motivation für die Handlung ins Spiel bringen. Ich bin gespannt, wie sich die Serie in dieser Hinsicht in den nächsten Staffeln noch entwickeln wird.

Fazit

Dieses Mal hat es deutlich länger gedauert, bis ich richtig drin war und die Eskapaden der Gallaghers ohne Scham genießen konnte. Am Ende der Staffel hätte ich (wie immer) unglaublich gerne noch weitergeschaut, da die Welt unserer Hauptfiguren einmal mehr in sich zusammenfällt und man nun gespannt sein darf, in welche Richtung sich speziell Fiona entwickelt. Immer noch sehr stark, doch nicht die beste Staffel dieser nach wie vor famos unterhaltsamen Serie: 9/10 (8.8) Punkte.

The Fall (2006)

Ein verregneter Freitagabend (hier seht ihr den Sturm aufziehen) hat dafür gesorgt, dass ich meinen neuen Fernseher endlich mit einem Film einweihen konnte. Nur was schauen? Natürlich ein bildgewaltiges Epos. Folglich ist „The Fall“ in den Blu-ray-Player gewandert, der ohnehin schon viel zu lange auf meiner Liste der dringend nachzuholenden Filme stand. Ob sich das gelohnt hat?

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The Fall (2006) | © Capelight Pictures

Ein fantasievoller Bilderrausch

Von Regisseur Tarsem Singh kenne ich bisher nur „The Cell“, den ich unglaublich packend fand. Träume faszinieren mich schon immer und die düsteren Welten, die Singh in dem Film kreiert, haben mich tief beeindruckt. An dem Psycho-Thriller wurde jedoch die gleiche Kritik geübt, wie an „The Fall“: Der Film besäße nur schöne Bilder, die Geschichte wäre dünn und generell sei das alles ja nur style over substance. Wen wundert es also, dass auch Tarsem Singhs zweiter Langfilm unglaubliche Bilder bietet? Und ja, selbst als Bilderrausch würde der Film bereits eine Daseinsberechtigung besitzen. Doch tatsächlich bietet „The Fall“ mindestens noch zwei weitere Ebenen.

„Die Braut des Prinzen“ Reloaded?

Mit seiner Rahmenhandlung und der Geschichte in der Geschichte erinnerte mich „The Fall“ doch stark an Rob Reiners Fantasy-Klassiker „Die Braut des Prinzen“. Tatsächlich basiert Tarsem Singhs Film allerdings auf einem bulgarischen Kinderfilm mit dem Titel „Mein Freund, der Pirat“ aus dem Jahr 1981, der ziemlich genau die gleiche Handlung erzählt – und diese funktioniert gar wunderbar: Lee Pace als depressiver Stuntman und die junge Catinca Untaru als verletztes Mädchen spielen großartig zusammen. Viele ihrer Szenen wirken improvisiert und sehr roh gespielt. Für mich hat das ausgezeichnet funktioniert und ich war emotional voll involviert.

Die letzte Ebene ist die Liebeserklärung an das Kino selbst und die Macht seiner Geschichten. Es ist großartig zu sehen, was Alexandria aus den Worten des Stuntmans kreiert und wie sich daraus absurde und traumhafte Welten ergeben, die keinerlei Logik in Hinblick auf Raum und Zeit zu verfolgen scheinen: Man erlebt die Geschichte dadurch direkt aus den Augen eines Kindes.

Fazit

Auch wenn ich ganz am Anfang noch vom neuen Seherlebnis abgelenkt war, so hat mich die Geschichte doch schnell in ihren Bann gezogen. Ich liebe die Bilder und auch die ruhigen Momente in der realen Welt. Das Märchen ist dabei nichts für Kinder, spricht dunkle Themen an und verpackt diese in teils drastische Bilder. Dabei wurden auch Erinnerungen an „Pans Labyrinth“ wach, der jedoch in jeder Hinsicht noch ein bis zwei Schritte weitergeht. Sollte ich nicht der letzte Filmfreund gewesen sein, der „The Fall“ für sich entdeckt, dann kann ich euch nur empfehlen, den Film selbst endlich nachzuholen: 9/10 Punkte.

Searching for Sugar Man (2012)

Spätestens seit Philipp vom Celluleute-Podcast „Searching for Sugar Man“ zum Film des Jahres 2012 gewählt hat, steht der Dokumentarfilm auf meiner Liste. Auch wenn mich Filme dieser Erzählform stets begeistern, wie bereits „The Imposter“ oder auch „Man on Wire“ bewiesen haben, schaue ich viel zu wenige Dokus. Diese hier läuft zurzeit jedoch auf Amazon Prime, also gibt es keinen Grund die Sichtung länger aufzuschieben. Ein Tipp übrigens, den ich auch euch geben kann…

Das Leben schreibt die besten Geschichten

Wieder einmal bin ich überwältigt, wie unfassbar spannend sich die Geschichte um den mysteriösen Singer/Songwriter Rodriguez entwickelt. Ich muss jetzt vorsichtig sein, an dieser Stelle nicht zu viel zu verraten, denn schließlich sollt ihr den Dokumentarfilm noch genauso genießen können, wie ich es getan habe. Nur kurz und knapp: Es geht um einen Singer/Songwriter, der in den 70er Jahre zwei Platten veröffentlicht hat, die in den USA komplette Flops waren, jedoch in Südafrika bis heute in jedem Haushalt zu finden sind. Über den Künstler Rodriguez ist kaum etwas bekannt, nur dass er sich live auf der Bühne umgebracht haben soll.

Aus dieser Prämisse entspinnt sich eine detektivische Suche, die stets von Rodriguez‘ Musik begleitet wird. Diese erinnert tatsächlich an den großen Bob Dylan und es ist ein Mysterium, dass man hierzulande noch nie etwas von dem Musiker gehört hat. „Searching for Sugar Man“ behandelt noch weitere Themen, lässt uns an politischen Exkursen teilhaben und wird dann doch ganz persönlich. Am Ende bleibt Rodriguez ein Mysterium und man muss sich bewusst machen, dass man gerade kein Märchen gesehen hat, sondern eine wahre Geschichte. So unfassbar ist sie.

Fazit

Ich bin nun sehr froh, endlich „Searching for Sugar Man“ gesehen zu haben. Auch wenn ihr euch nicht für die Musik der 70er Jahre oder Detektivgeschichten interessiert, so kann ich euch den Film dennoch unbedingt ans Herz legen. Am besten hebt ihr ihn euch für einen Tag auf, an dem ihr dringend eine Aufheiterung benötigt. Diesen Dokumentarfilm solltet ihr wahrlich nicht verpassen: 9/10 Punkte.

Luther – Season 1 to 4

Nachdem ich letzte Woche bei meinem Interview in der Sendung Trackback auf Radio Fritz noch von „Luther – Season 1 to 4“ erzählt habe, bin ich inzwischen auch durch mit meiner Sichtung. Wie es sich für eine BBC-Serie gehört, ist die Episodenzahl pro Staffel begrenzt und Qualität steht vor Quantität. Nicht nur deshalb erinnert „Luther“ teils an den BBC-Hit „Sherlock“, der ebenfalls einen genialen Ermittler porträtiert. Man merkt sofort, dass man eine britische Serie schaut, unterscheiden sich sowohl der Ton der Erzählung als auch die formalen Aspekte doch deutlich von den US-Pendants. Was „Luther“ sonst noch zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Prometheus: Dunkle Zeichen – OT: Prometheus (2012) (WS1)

Gerade ist „Alien: Covenant“ angelaufen und ich hege die zarte Hoffnung, dass ich den Film tatsächlich noch im Kino sehen werde. Folglich war es nach fünf Jahren auch an der Zeit, meine Erinnerungen an „Prometheus: Dunkle Zeichen“ aufzufrischen. Der Vorgänger hatte mir damals exzellent gefallen. Allerdings habe ich inzwischen so viele vernichtende Worte über den Film gehört und gelesen, dass ich leichte Zweifel hatte, ob er mir auch heute noch gefallen würde, doch lest selbst…

Ein selbstbewusster Neuanfang

Das „Alien“-Franchise zeichnet sich nicht gerade durch Konsistenz aus. Ob spontane Genre-Wechsel von Horror („Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“) zu Action („Aliens: Die Rückkehr“) oder unzählige Male umgeschriebene Drehbücher („Alien 3“) – als Fan der Reihe hat man schon so einiges mitgemacht. Dennoch war der Ruf nach einer Fortsetzung zu „Alien: Die Wiedergeburt“ stets da. Neun Jahre später war es dann endlich soweit und im Vorfeld herrschte viel Unklarheit darüber, um was es sich bei „Prometheus“ eigentlich handeln sollte: ein Sequel oder ein Prequel? Gar ein Reboot? Oder doch etwas ganz Anderes? Letztendlich ist Ridley Scotts Sci-Fi-Epos eine Mischung aus alldem und doch etwas ganz Eigenes: eine Geschichte im „Alien“-Universum, die mit den Versatzstücken des Franchises spielt und doch viel größer ist. Und ich kann Ridley Scott nur dafür danken, diesen Weg eingeschlagen zu haben, denn auch bei der heutigen Sichtung hat mich sein Film wieder enorm gepackt.

Woher kommen wir eigentlich?

„Prometheus“ macht es einem als Zuschauer nicht leicht: Einerseits ist der Film ein typischer Sci-Fi-Reißer mit Monstern, klischeehaft geschriebenen Redshirts und teils sehr blutigen Szenen. Dem gegenüber steht der philosophische Unterbau, der Fragen nach Schöpfung, Glaube und einer größeren Mythologie aufmacht. Für viele Zuschauer mag das nicht zusammenpassen, doch für mich funktioniert es einfach wunderbar. Ich liebe die Space-Trucker-Atmosphäre, die Scott im ersten Drittel des Films wieder sehr gekonnt einfängt, ebenso wie horrorlastigen Actionszenen sowie die Fragen, die in der Geschichte aufgemacht werden. Im Zentrum der Handlung steht, ganz in Tradition der Reihe, abermals eine Frau, doch neben ihr rückt ein Androide in den Fokus. Auch ein solcher hatte in den ersten beiden Filmen eine tragende Rolle, hier spiegelt er zudem den Kern der Geschichte wider, was ich ganz und gar famos fand. Dies hätte leicht nach hinten losgehen können, doch Michael Fassbender spielt David so eindringlich und doch nuanciert, dass es eine wahre Freude ist.

Neben dem Inhalt ist bei Ridley Scott natürlich die Form extrem wichtig und hier überzeugt „Prometheus“ auf ganzer Linie: Ich liebe die Weyland-Yutani-Designs, die Raumschiffe und Uniformen, die technischen Spielereien und natürlich die von H. R. Giger inspirierte Welt auf LV-223. Was Monster angeht, so gibt es auch in diesem Film einiges zu sehen, wobei nichts auch nur annähernd den ikonografischen Facehuggern oder Xenomorphs das Wasser reichen kann. Am meisten beeindruckt haben mich wohl tatsächlich die humanoiden Engineers und ich bin gespannt, wie in der Fortsetzung letztendlich der Bogen zu den klassischen Aliens gespannt wird.

Fazit

Meine Sorge mich aufgrund etwaiger Beeinflussungen in Drehbuchschwächen oder   Logiklöchern zu verlieren, war völlig unbegründet. Ich habe „Prometheus“ genossen, wie damals bei der ersten Sichtung im Kino. Einzig das famose 3D habe ich tatsächlich vermisst. Wer hätte das gedacht? Auch dieses Mal werde ich wieder viel über die Geschichte nachdenken und mir eigene Erklärungen zurechtlegen. Ich mag es sehr, dass der Film nicht alles erklärt und uns Zuschauern Spielraum für Spekulationen lässt. Dabei funktioniert „Prometheus“ auch wunderbar als audiovisuell starker Sci-Fi-Trip, mit dem man einfach viel Spaß haben kann. Falls ihr die alten Filme liebt und um diesen Neuanfang bisher einen bogen gemacht habt: Lasst euch nichts erzählen und macht euch selbst ein Bild. Ein toller Film: 9/10 Punkte.

 

Silicon Valley – Season 2

Aktualisierung: Inzwischen habe ich die komplette Serie gesehen. Die Besprechung von „Silicon Valley“ (Staffel 1 bis 6) findet ihr bei Klick auf den Link.

Nachdem mich die erste Staffel der Serie vor ziemlich genau einem Jahr extrem zu begeistern wusste, war ich natürlich gespannt ob „Silicon Valley – Season 2“ hier nachlegen kann. Wie immer bei den HBO-Comedys war das Warten lang und das Vergnügen kurz. Ob sich die zehn Episoden dennoch oder gerade deshalb lohnen, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Eine (un)typische Workplace-Comedy

Es war eine Freude wieder ins fiktive Silicon Valley zurückzukehren. Als jemand, der auch beruflich ein wenig Einblick in die Tech-Welt hat und Artikel aus dem Startup-Umfeld liest, habe ich mich besonders über die satirischen Elemente und die völlig überzogenen Charaktere gefreut. Hier scheint mir „Silicon Valley“ doch recht nahe an der Realität zu sein bzw. zumindest von Autoren geschrieben, die ein Verständnis für die Eigenheiten der Branche mitbringen. Mit Russ Hanneman betritt zudem eine neue Figur die Bühne, durch welche die Egozentrik der Branche auf ein ganz neues Niveau gehoben wird. Einfach herrlich!

Letztendlich ergibt sich daraus eine etwas andere Workplace-Comedy, die aber dennoch den Regeln ihres Genres folgt. Man erlebt somit berufliche Erfolge und Fehlschläge, nimmt an seltsamen Meetings teil und schließt Allianzen, die teils sogar die Schwelle zur Freundschaft überschreiten. Im Gegensatz zu Genre-Vertretern wie „The Office“ wirkt die Welt jedoch noch eine Spur abgedrehter, was dem eher ungewöhnlichen Startup-Setting entspringt.

Fazit

Auch in ihrem zweiten Jahr wirkt „Silicon Valley“ weiterhin sehr frisch und ist dabei unglaublich unterhaltsam. Gerne hätte ich mehr als nur zehn Episoden gesehen, doch wird vermutlich durch die begrenzte Laufzeit auch das Qualitätsniveau gehalten. Insofern kann ich nun einfach nur abwarten und hoffen, dass die dritte Staffel schnell ihren Weg auf DVD findet: 9/10 (8.6) Punkte.

Der Indianer im Küchenschrank – OT: The Indian in the Cupboard (1995)

Seit einer halben Ewigkeit habe ich mir einmal wieder eine DVD gekauft. Der Film ist auf Blu-ray in Europa nicht greifbar, doch wollte ich „Der Indianer im Küchenschrank“ unbedingt meinen Kindern zeigen. Da ist eine deutsche Tonspur natürlich Pflicht. Also ganze 3,97 Euro investiert und die erste Gelegenheit (die Frau ist heute außer Haus) am Schopf gepackt. Ob Frank Oz‘  Märchen heute noch genauso wunderbar ist, wie ich es in Erinnerung habe?

Eine Reise zurück in die Kindheit

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Sichtung des Films. Eigentlich war ich damals schon viel zu alt dafür. Ich muss 16 oder 17 gewesen sein, meine Familie war ohne mich verreist. Ich weiß noch, dass dies der letzte freie Abend war und meine Eltern samt meiner Schwester am nächsten Tag zurückkommen sollten. Cool und angesagt wie ich damals war, habe ich natürlich keine große Party geschmissen, sondern ein paar gute Freunde zu einem Filmabend eingeladen: Wir haben James Camerons „The Abyss“ in der Special Edition geschaut und ich war hin und weg. Als meine Freunde gegangen waren, hatte ich das Gefühl den vorangeschrittenen Abend (es war schon gegen Mitternacht) nutzen zu müssen, denn der Alltag stand ja wieder vor der Tür. Also habe ich die vorhandenen VHS-Kassetten durchgeschaut und unter diesen die Premiere-Aufzeichnung (mein Bruder versorgte uns damals damit) eines Films namens „Der Indianer im Küchenschrank“ gefunden.

Ich wusste nur, dass es sich um einen Kinderfilm handelt, sonst nichts. Dennoch war ich neugierig und habe die VHS-Kassette eingelegt. Bis 2 Uhr morgens sollte ich somit in eine magische Geschichte entführt werden. Warum der Film damals so gut für mich funktioniert hat, kann ich gar nicht mehr sagen. Vermutlich hängt es auch mit dieser einen Nacht und dem damit verbundenen Gefühl der Freiheit zusammen (es dürfte wohl das erste Mal gewesen sein, dass ich nicht auf den Familienurlaub mitgefahren bin). Auf jeden Fall hat sich der Film in mein Herz gespielt und ich war sehr gespannt, wie ihn meine Kinder wohl wahrnehmen würden.

Toll getrickste Menschlichkeit

Ich kann gleich vorausschicken, dass ich den Zwergofanten als Zuschauer recht bald verloren habe: Er war platt von der Radtour und hatte Angst vor dem Indianer. Also ist er recht bald ins Bett verschwunden, jedoch nicht ohne mich versprechen zu lassen, ihm morgen den Film zu erzählen. Das Zappelinchen dagegen war Feuer und Flamme, hat viele Fragen gestellt und war emotional komplett involviert. Einfach toll. Auch ich war abermals begeistert und mag es sehr, wie stinknormal die Kinder in dem Film sind. Keine aufgesetzte Coolness oder übertriebenes Außenseitertum. Hal Scardino spielt die Hauptfigur Omri wirklich großartig und es ist schade, dass er kaum noch etwas danach gemacht hat. Bekannte Gesichter gibt es ohnehin kaum zu sehen. Einzig Richard Jenkins („Six Feet Under“) und Vincent Kartheiser („Mad Men“) sind mir hier aufgefallen. Und natürlich kennt man Regisseur Frank Oz, der sich für einige Klassiker (u.a. „Der dunkle Kristall“ oder „Der kleine Horrorladen“) verantwortlich zeichnet.

Obwohl der Film bereits 22 Jahre auf dem Buckel hat, überzeugen seine Effekte immer noch. Der titelgebende Indianer Little Bear wirkt selten in die Szenen hineinkopiert, was speziell für die Kinder eine großartige Immersion bedeutet. Auch ich habe mich erneut sehr an der Tricktechnik erfreut, bei der man noch keine CGI-Charaktere animiert hat – und das kommt dem Film rückblickend betrachtet bestimmt zugute.

Fazit

Zu den meisten Filmen, über die ich hier schreibe, habe ich eine besondere emotionale Bindung und versuche sie auch herauszustellen. Auf „Der Indianer im Küchenschrank“ trifft das besonders zu. Wenn ich die IMDb-Bewertung mit 5,9 Punkten sehe, kann ich nur den Kopf schütteln. Das ist so ein herzerwärmend schöner Kinderfilm, dass ich das nicht verstehen kann. Ein Erfolg an der Kinokasse war der Film leider auch nicht, weshalb ihm Fortsetzungen verwehrt blieben. Ich jedoch liebe ihn sehr und kann ihm jeden (auch zur Sichtung mit Kindern) nur ans Herz legen. Das Zappelinchen und ich waren begeistert: 9/10 Punkte.

11.22.63 – Der Anschlag (2016)

Normalerweise bevorzuge ich Serien, mit denen ich mich länger beschäftigen kann. Dies liegt vor allem daran, dass ich ungern Unterbrechungen bis zur Fortführung der Geschichte habe und somit selten (Ausnahmen bestätigen die Regel) nur einzelne Staffeln anschaue. Mit der Mini-Serie „11.22.63 – Der Anschlag“ liegt der Fall allerdings ein wenig anders, stand hier doch bereits schon von Anfang an fest, dass es nur diese eine Staffel geben wird. Mich hat speziell die Art der Adaption gereizt, bietet dieses Format doch weit mehr Raum für den Inhalt einer Vorlage als nur ein Film…

Vom Roman zur Serie

Ich kenne Stephen Kings Roman bisher noch nicht, hatte ihn aber im Zuge des Serien-Kaufs meiner Frau ans Herz gelegt, die sogleich das Hörbuch verschlungen hat und davon äußerst begeistert war. Dieser unterschiedliche Wissensstand war spannend und hat während der Sichtung für so manche angeregte Diskussion gesorgt, denn anscheinend weicht die Serie in einigen relevanten Details von der Vorlage ab. Dies hat dafür gesorgt, dass ich nun auch am liebsten das Buch lesen würde, schon alleine um entsprechend fundiert mitreden zu können. Doch auch die Serie an sich fühlt sich sehr wie ein Buch an und ich habe es sehr genossen, diese packende Geschichte über knapp acht Stunden erleben zu können. Ich frage mich was daraus geworden wäre, hätte man sich für einen abendfüllenden Spielfilm als Format entschieden. Vermutlich einfach ein ganz anderes Erlebnis.

Zeitreise-Drama oder Historien-Thriller?

Wenn man „11.22.63 – Der Anschlag“ in eine Genre packen sollte, dann ist das gar nicht so einfach. Von der Prämisse her gesehen, würde man wohl zuerst an Sci-Fi denken. Diese Genre-Elemente sind allerdings so gut wie überhaupt nicht vorhanden, dafür hat das historische Setting starken Einfluss auf die Geschichte. Man wähnt sich somit eher in einem Historien-Thriller mit übernatürlichen Elementen als in einem Sci-Fi-Drama. Wie man es von Stephen King erwarten würde, macht die Serie auch vor Horror-Elementen nicht halt. Diese waren mir teils zu dominant, wurden von den acht Episoden schon ganze zwei auf eher horrorlastige Subplots verwendet, von denen zumindest einer die Handlung nicht wirklich nach vorne gebracht hat. Ich hätte mir dafür tatsächlich mehr Einblick in die Ermittlungen gewünscht.

Die Serie ist sehr hochwertig produziert und nach „The Path“ nun bereits die zweite Hulu-Eigenproduktion, die es in mein Programm geschafft hat. Wie bereits „House of Cards“ setzt auch „11.22.63“ das seltene Bildformat 2,00:1 ein, was für ein kinohaftes Erlebnis sorgt. James Franco („127 Hours“) trägt die Geschichte mit jungenhaftem Charme, kann jedoch auch in dramatischen Situationen überzeugen. Auch der Support-Cast bietet mit u.a. Chris Cooper („American Beauty“) bekannte Gesichter. Formal ein wirklich äußerst gelungenes Erlebnis.

Fazit

Auch wenn die Serie nicht bis ins letzte Detail perfekt ist und teils die falschen Schwerpunkte gesetzt werden, so hat sie mich über ihre acht Episoden doch wunderbar unterhalten. Wenn ich Zeit für Binge-Watching hätte, dann wäre „11.22.63“ wohl der perfekte Kandidat gewesen, um die komplette Serie an einem Wochenende durchzuschauen. Doch auch in Häppchen serviert hat mich die Geschichte für sich eingenommen und speziell die letzte Episode zu Tränen gerührt. Da greift dann auch wieder der Zeitreise-Aspekt, den ich zuvor ein wenig vermisst hatte. Auch meine Frau war trotz der Änderungen zur Vorlage sehr angetan, weshalb ich die Serie nun sowohl Kennern des Romans als auch Neulingen empfehlen kann: 9/10 (8.6) Punkte.

Sing Street (2016)

Der Ostermontag war beinahe ein wenig anstrengend. Es hat den ganzen Tag geregnet, so dass Außenaktivitäten nicht drin waren. Umso tragischer, da zu den Geschenken ein Skateboard und Inline Skates gehörten. Also abends noch, für die gute Stimmung, ein Brettspiel gespielt, dann die Kinder ins Bett gebracht und mit „Sing Street“ den dritten Musikfilm von John Carney in den Blu-ray-Player geschoben. Es scheint so, als würde sich so langsam ein neuer Lieblingsregisseur bei mir herauskristallisieren…

Das Glück in der Traurigkeit

Das Setting im Irland der 1980er Jahre vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise hätte auch eine ganz andere Art von Film heraufbeschwören können: ein Sozialdrama, wie von Ken Loach inszeniert, das bestenfalls bittersüße Momente beinhaltet. John Carney jedoch wählt den Weg der Hoffnung. Er lässt seine Figuren wortwörtlich das Glück in der Traurigkeit finden. Und das ist ganz und gar wundervoll. In „Sing Street“ erzählt Carney eine klassische Coming-of-Age-Geschichte samt erster Liebe, der Abkapselung vom Elternhaus, Rebellion und Selbstverwirklichung. Diese Auflistung mag sich klischeehaft lesen, doch wurden diese Aspekte selten so erfrischend ehrlich, undramatisch und mit Musik inszeniert. Es ist eine wahre Freude!

Coming-of-Age als Spiegel der eigenen Jugend

Warum liebe ich Coming-of-Age-Filme? Natürlich weil sie immer ein Spiegelbild der eigenen Jugend darstellen. Ich war nie in einer Band, habe selten rebelliert und mein Elternhaus war größtenteils intakt. In „Sing Street“ inszeniert John Carney das Idealbild einer Jugend in den 80er Jahren. Conor (großartig: Ferdia Walsh-Peelo) findet sich über die Laufzeit des Films und erlebt bis dahin etliche Phasen, die stets durch Musik ausgedrückt werden. John Carney kennt die musikalischen Trends der 80er Jahre und legt sie wie eine Schablone über Conors Leben. Wunderbar, erfrischend und einfach nur mitreißend anzusehen. Dabei spart der Film ernste Themen nicht aus und ist in den entscheidenden Momenten dennoch so unglaublich positiv und lebensbejahend, dass man dies in der oft zynischen Kinolandschaft der 2010er Jahre kaum glauben mag.

Wenn Conor und Raphina (ebenso hinreißend: Lucy Boynton) am Ende in den bildhaften Sonnenuntergang fahren, hätte das in jedem anderen Film vermutlich unglaublich kitschig gewirkt. Hier jedoch habe ich mich einfach mit den beiden gefreut. Mit dieser Szene spiegelt „Sing Street“ auch die entsprechende Szene aus Carneys „Once“ wider, in der sich die Protagonisten entscheiden eben nicht zusammen nach England zu gehen. Der Kreis schließt sich.

Fazit

Nun habe ich mit „Once“, „Can a Song Save Your Life?“ und „Sing Street“ die drei großen Musik-Filme von John Carney gesehen. Alle drei haben mich auf ihre Art und Weise berührt. Man kann definitiv einen übergreifenden Stil erkennen und ich hoffe inständig, dass Carney mit dem Thema noch nicht durch ist. Für mich eine der schönsten, hoffnungsvollsten und mitreißendsten Coming-of-Age-Geschichten, die ich jedem Freund des Genres (und der Musik!) nur empfehlen kann: 9/10 Punkte.

Once (2006)

Schon seit über einem Jahr versuche ich diesen Film zu sehen und nun hat es endlich geklappt. Schon vor ein paar Monaten war ich aus dem Häuschen, dass es „Once“ endlich zu Amazon Prime geschafft hat, doch dann lief John Carneys Film dort nur in der synchronisierten Fassung. Wer macht denn bitte so etwas? Also war ich hoch erfreut kürzlich die Blu-ray-Box der drei bisherigen Musik-Filme des Regisseurs zu erstehen. Ob sein Debüt den hohen Erwartungen gerecht werden konnte?

„Fallen From The Sky“

Während der ersten paar Minuten hat mich die Video-Optik des Films doch ein wenig abgeschreckt. Kein Vergleich zum polierten Eindruck, den „Can a Song Save Your Life?“ hinterlassen hatte. Glücklicherweise ist dieses Gefühl schnell verflogen, unterstützt die rohe Art der Inszenierung doch tatsächlich die Geschichte. Man fühlt sich mit Glen Hansard auf den Straßen Dublins und bei mir wurden Erinnerungen an meine eigene Dublin-Reise im Jahr 2008 wach. Der Film wirkt dabei herrlich spontan und improvisiert, was wohl auch den beteiligten Personen zuzuschreiben ist, die alle einen gemeinsamen, musikalischen Hintergrund besitzen. Selbst Regisseur John Carney hat mit Hauptdarsteller Glen Hansard in seiner Band gespielt.

„When Your Mind’s Made Up“

Wie man es hätte erwarten können, spielt Musik die Hauptrolle in „Once“. Irischer Singer-Songwriter-Pop, wie er schöner nicht sein könnte. Das Wundervolle daran ist natürlich, dass die Songs eine Geschichte erzählen und somit fast schon ein Musical-Erlebnis heraufbeschwören. John Carney schwelgt dabei in langen Montagen, die in der Video-Optik ein wenig befremdlich aber vielleicht deshalb umso intensiver wirken. Man ist nahe dran an den Figuren und ich habe jeden Moment mit ihnen genossen. Die Lieder besitzen Ohrwurm-Qualitäten und sind dabei dennoch um einiges roher als ihre Pendants in John Carneys zweitem Film. Man merkt, dass die Handlung sehr nahe an der Lebensrealität der Schauspieler und des Regisseurs dran ist. Eine Qualität, die man vermutlich kaum planen kann, die den Film aber zu etwas ganz Besonderem macht.

„Once“ erzählt auch eine Liebesgeschichte. Eine herrlich unkonventionelle Liebesgeschichte. Es gibt ein Happy End – und das obwohl die beiden Protagonisten nicht zusammenfinden. Ihre Zuneigung wirkt wahrhaftig und nachvollziehbar und ich musste in so mancher Szene die eine oder andere Träne verdrücken. Daneben gibt es kein aufgesetztes Drama, nur unzählige wundervolle zwischenmenschliche Momente. Nicht nur zwischen den beiden Hauptfiguren, sondern auch darüber hinaus.

„Say It to Me Now“

Alle Befürchtungen, die ich noch während der ersten Einstellung hegte, sind schnell verflogen und ich habe jede der nur 86 Minuten genossen. Den Soundtrack werde ich in den kommenden Tagen wohl rauf und runter hören und John Carneys „Sing Street“ ist jetzt schon fest in meinem Programm eingeplant. Viele Filme bekommen ja das Label Feel-Good-Movie, doch dieser hier hat es wirklich verdient: 9/10 Punkte.