Der Blender: The Imposter – OT: The Imposter (2012)

Nach einer langen Woche habe ich mich dennoch dazu durchgerungen einmal wieder einen Film anzuschauen. Nach den Louis Theroux-Dokus, stand erneut eine Empfehlung des Celluleute-Podcasts auf dem Programm: „Der Blender: The Imposter“ ist nach einiger Verzögerung nun auch bei uns auf DVD erhältlich und ich bin dank eines Gewinnspiels des Zeilenkinos auch endlich in den Genuss gekommen – und ein solcher ist Bart Laytons Film zweifellos.

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Obwohl ich mich sehr auf den Film freute, war ich doch ein wenig skeptisch, da ich einerseits bereits (zu) viel von der Geschichte wusste und andererseits mit Spielszenen in Dokumentarfilmen eher wenig anfangen kann. Doch schon bald sollte sich herausstellen, dass „The Imposter“ trotz vermeindlicher Kenntnis des Ablaufs und der Dramatisierung ausgezeichnet funktioniert. Die Geschichte und ihre Figuren ziehen einen in ihren Bann und man kann aufgrund der abstrusen Geschehnisse teils nur ungläubig den Kopf schütteln. Wäre dies ein fiktiver Film gewesen, so hätte ich das Drehbuch wohl bereits nach ein paar Minuten als unglaubwürdig abgestraft.

Im Grunde handelt der Film von Identitätsdiebstahl, einem Familiendrama und einer damit verwobenen Kriminalgeschichte. Die Konstellation der einzelnen Elemente und die Art, wie die relevanten Personen agieren, hat man so allerdings noch nie gesehen. Unglaublich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Durch Laytons geschickte Art Interview- mit Spielszenen zu kombinieren, fühlt man sich oft eher in einen absurden Thriller versetzt. Diese Technik funktioniert erstaunlich gut, da man nie das Gefühl hat zum Narren gehalten zu werden. Die Spielszenen unterstützen einzig und allein das Kopfkino, welches die Talking Heads hervorrufen, und ziehen den Betrachter noch stärker in die Geschichte hinein.

Am Ende bleibt man ein wenig unschlüssig zurück. Beide Varianten der Geschichte scheinen in diesem seltsamen Universum möglich. Eines ist auf jeden Fall sicher: Der titelgebende Blender Frédéric Bourdin schafft es auch den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. In diesem Sinne sei euch ein ungewöhnlicher Dokumentarfilm ans Herz gelegt, der es in Sachen Spannung mit den meisten fiktiven Thrillern aufnehmen kann: 9/10 Punkte.

12 Gedanken zu “Der Blender: The Imposter – OT: The Imposter (2012)

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  2. Ist wirklich beeindruckend. Ich hatte leider auch das Pech, dass ich schon zu viel wusste. Der Film lief einige Wochen im meinem Lieblingskino und ich habe zu lange gewartet, denn ein lautes Plappermaul im Bus hat alles verraten. Wobei das schon ein Jahr her ist und damit die Veröffentlichung in D extrem lange gedauert hat, wenn man bedenkt welch hohe Wellen der Film geschlagen hat.

    Unschlüssig ist jedenfalls eine gute Reaktion, denn es erfolgt keine Wertung und du musst dir selber Gedanken machen, was natürlich dem Film hilft, dass du ihn länger im Gedächtnis behälst.

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    • Ja, das Filmerlebnis wäre wahrscheinlich noch viel intensiver und überraschender gewesen, hätte man nicht bereits einen Großteil der Geschichte gekannt. Dennoch war es geradezu faszinierend, die Reaktionen der einzelnen Beteiligten zu sehen – besonders gegen Ende, als es die zwei Möglichkeiten zur Auflösung gab und man sich als Zuschauer auch hinterfragen musste, ob man denn Bourdin aufgesessen ist. Erstaunt war ich ja wirklich am Ende zu erfahren, dass er nun sesshaft geworden ist und Familie hat. Was für ein Leben!

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    • Oh ja. Charmant und äußerst charismatisch. Dabei eigentlich recht unauffällig und doch recht durchtrieben. Hat mich wirklich gefesselt und ich bin auch froh, den Film endlich gesehen zu haben.

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