Pans Labyrinth – OT: El Laberinto del Fauno (2006)

Vorgestern Abend habe ich mir endlich Guillermo del Toros „Pans Labyrinth“ angesehen. Ich hatte ja eigentlich schon befürchtet, dass der Film bereits wieder aus den Kinos verschwunden ist, doch dem war glücklicherweise nicht so. Del Toros jüngstes Werk hatte mein Interesse bereits mit den ersten Teasern geweckt. Dem folgten sehr gute Kritiken und eine Oscarnominierung. Auch wenn sich der Film letztendlich dem deutschen Beitrag geschlagen geben musste, kann ich mir nur schwerlich vorstellen, dass dieser das vorgestern gesehene Meisterwerk wirklich zu übertreffen vermag.

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Entgegen den – teils durch das Marketing geweckten – Erwartungen ist „Pans Labyrinth“ kein reiner Fantasyfilm. Eher ein Drama. Ein Film über das Erwachsenwerden. Er ist brutal. Abscheulich. Grausam. Wunderschön. Einfühlsam. Fantastisch. Den Film in irgendeine Ecke zu drängen wäre ein Fehler. Jedoch ist er auch kein klassischer Genremix. Del Toros Film ist ausgewogen, er wirkt wie aus einem Guss. Da gibt es keine Elemente, die Fehl am Platz wirken. Keine gezwungen lustigen Sequenzen. Die rohe Brutatität der Welt ist stets spürbar. Selbst in den Traumwelten von Ofelia (grandios: Ivana Baquero), einem Mädchen das bereits in jungen Jahren mehr Grausamkeiten erleben muss, als so manch anderer in seinem ganzen Leben.

Die erzählte Geschichte ist in ihrer Gesamtheit wirklich wunderschön. Wunderschön und zutiefst traurig. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal mit solch einem Kloß im Hals im Kino gesessen habe. Dennoch gibt es Hoffnung. Diese findet Ofelia in der eigenen Fantasie. Das Ende wirkt demnach trotz allem hoffnungsvoll. Ofelia hat die richtige Entscheidung getroffen und ihren Bruder vor dem Hauptmann gerettet. Ein Teil von ihr lebt demnach weiter. Der letzte Ausflug in ihr Königreich ist für sie der Aufbruch in eine bessere Welt. Dennoch wird dadurch die Trauer nicht negiert. Ein wunderschönes und zugleich tieftrauriges Ende für einen grandiosen Film.

Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die mehrere Interpretationsmöglichkeiten anbieten, macht es „Pans Labyrinth“ seinen Zuschauern nicht künstlich schwer. Man muss sich nicht irgend eine Erklärung aus den Fingern saugen, um auf eine schlüssige Lösung zu kommen. Die Geschichte ist eindeutig – und doch lässt sich nicht mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass Ofelia sich nur in ihre Traumwelten geflüchtet hat. Dieser Hauch von Ungewissheit macht einen großen Teil der Faszination des Films aus.

„Pans Labyrinth“ ist ein Film, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Neben der grandiosen Erzählung bietet er fantastische Schauspieler, grandiose Bilder und Effekte, sowie einen eindringlichen Score, der jedoch nie aufdringlich wirkt. Für mich jetzt schon ein Meisterwerk – und das kann ich nach Erstsichtungen meist noch nicht über einen Film sagen: 10/10 Punkte.

20 Gedanken zu “Pans Labyrinth – OT: El Laberinto del Fauno (2006)

  1. Oh ja, dieser Film ist grandios. Ich habe ihn ohne zu zögern auf meine Liste der besten Filme gepackt. Der überzeugt in allen Punkten… Und das Ende ist wirklich klasse, grade dadurch dass man nicht weiß ob Ofelia in einer Traumwelt ist oder ob sie halt wirklich in eine andere Welt gegangen ist und die Prinzessin somit zu ihren Eltern zurückkehrt. Ich glaube, ich werde ihn heute Abend nochmal angucken…

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  5. Im Gegensatz zu Dir fand ich „Pans Labyrinth“ weniger gelungen als „The Devil’s Backbone“. Visuell ueberwaeltigend, mitreissend, beruehrend, aber alles in geringerem Masse als das Vorgaengerwerk, dass die interessantere Geschichte und die besseren Hauptdarsteller zu bieten hatte.

    Trotzdem sind natuerlich beide sehenswert und „Pans Labyrinth“ bekommt von mir 7/10. Nur zwei Punkte weniger als „The Devil’s Backbone“.

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  6. So unterschiedlich können die Wahrnehmungen sein. „The Devil’s Backbone“ sollte ich mir aber auch einmal wieder anschauen, ebenso wie „Pans Labyrinth“, der immer noch ungesehen in der 3-Disc-Edition bei mir rumsteht. Eine Schande – doch woher die Zeit nehmen, wenn nicht stehlen?

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  8. Ich finde ,,Pans Labyrinth“ einfach nur einzigartig.
    Der ernste Hintergrund des Films und die nahezu märchenhaft Erzählung zeigen die Schrecken des Faschismus aus der Perspektive eines jungen Mädchens.
    Das brilliante Szenenbild sorgt zusetzlich für eine intensive Atmosühäre und fängt die Stimmung ein.
    Lange nicht mehr so etwas gesehen…

    Ps: Ich finde die Seite Super. Lob!
    Schade nur das der Film ,,There will be blood“ auf diser Seite nicht zu finden ist.
    Ich kannd den Film nur jedem Emphelen.

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  9. Ja, „Pans Labyrinth“ hatte mich auch sofort gepackt. Ich habe selten einen Film gesehen, der gleich beim ersten Mal solch einen intensiven Eindrück hinterlässt. Verstörend, mitreißend und phantastisch.

    Freut mich, dass dir die Seite gefällt. „There Will Be Blood“ steht noch auf meiner Liste. Irgendwann wird die Kritik zu dem Film wohl auch noch kommen.

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