House of Cards – Season 1

Als vermutlich einer der letzten Serien-Fans unter der Sonne, habe ich mir endlich die Netflix-Produktion „House of Cards – Season 1“ angesehen. Dabei habe ich noch nicht einmal einen Netflix-Zugang, sondern ganz klassisch die Blu-rays in den Player geschoben. Meine Hoffnungen waren sehr hoch, sprechen doch schon die beteiligten Personen für allerbeste Serien-Unterhaltung. Ist die Serie von und mit David Fincher, Kevin Spacey und Co. also wirklich bahnbrechend für die Branche?

Das erste Aushängeschild für Netflix

Ja, „House of Cards“ ist wahrlich bahnbrechend und bedeutsam. Schon alleine das Bildformat (David Fincher hat sich für das ungewöhnliche Seitenverhältnis 2,00:1 entschieden) lässt die Serie wie Kino wirken. Ein scheinbar unbedeutendes Detail, das jedoch zusammen mit Inszenierung, Schauspielern und Erzählweise eine mehr als deutliche Sprache spricht. Die erste Episode hatte mich somit voll in ihren Bann gezogen und ich kam aus dem Staunen fast nicht mehr heraus. Netflix hat das Serien-Game wahrlich neu definiert. Ich habe mir zudem eingebildet David Finchers unterkühlten Stil zu erkennen, den er gerade in den letzten Jahren mit Filmen wie „Gone Girl“ geprägt hat. Audiovisuell ist die Serie ein Genuss und sie hat es bestimmt mit zu verantworten, dass Netflix als Serien-Produzent ernst genommen wird.

Das Gegenteil von „The West Wing“

Bekanntermaßen liebe ich Serien, die sich mit US-Politik beschäftigen. Speziell Aaron Sorkins „The West Wing“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsserien. Darin wird die Amtszeit des sehr idealistischen Präsidenten Josiah Bartlet samt seiner Mitarbeiter gezeichnet. Ein Präsident, wie man ihn sich wünschen würde. Hier kann man noch guten Gewissens an die große Politik glauben. Eine zweite tolle Serie über US-Politik ist die HBO-Comedy „Veep“, in welcher der gesamte Polit-Zirkus durch den Kakao gezogen wird. Einfach herrlich! „House of Cards“ dagegen ist ein bitterböser Thriller, dessen schwarzer Humor so dunkel ist, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Teils erinnerte mich die Serie an den Film „The Ides of March“, der ein ähnlich bitteres Bild der Mächtigen zeichnet.

Serien mit Antihelden sind wahrlich nichts mehr Neues: seien es Tony Soprano, Dexter Morgan oder Walter White – all diese Charaktere machen eine Reise durch und es gibt Momente, in denen man mit ihnen fühlt bzw. fühlen soll. Frank Underwood jedoch, der von Kevin Spacey großartig gespielte Antiheld aus „House of Cards“, ist von Anfang an so verschlagen und berechnend, dass es schwer fällt eine Bindung zu ihm aufzubauen. Ihn die vierte Wand durchbrechen und direkt zu uns Zuschauern sprechen zu lassen, ist dabei ein geschickter Schachzug. Dennoch war er mir in seiner Machtversessenheit, bei der er wortwörtlich über Leichen geht, zu eindimensional dargestellt.

Fazit

Nach der ersten Staffel von „House of Cards“ bin ich nun wirklich beeindruckt ob der Qualität, die Netflix hier auf die Beine gestellt hat. Inhaltlich ist die Serie extrem mitreißend, wird jedoch den formalen Aspekten nicht ganz gerecht. Die Dramaturgie ist ein wenig holprig und ich hätte mir mehr Nähe zu den Figuren gewünscht. Ich werde nun erst einmal eine Pause einlegen, sollte ich mich aber doch noch einmal zu einem Netflix-Abo hinreißen lassen, dann werde ich in die kommenden Staffeln mit viel Freude zu den beängstigenden Underwoods zurückkehren: 8/10 (8.4) Punkte.

Wolverine: Weg des Kriegers – OT: The Wolverine – Extended Cut (2013)

Alle Welt redet von „Logan“ und auch ich bekomme nach den positiven Besprechungen Lust auf den Film. Da es mit dem Kinobesuch aber nichts werden wird, habe ich mir mit „Wolverine: Weg des Kriegers“ den direkten Vorgänger im Extended Cut angesehen. Somit bin ich nach dem famosen „Toni Erdmann“ gestern doch noch zum gewünschten Popcorn-Film an diesem Wochenende gekommen…

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In letzter Zeit habe ich so überhaupt keine Lust mehr auf Superhelden-Filme – und das obwohl noch ein paar ungesehene Werke des Marvel Cinematic Universe (MCU) bei mir im Regal stehen. Die „X-Men“-Filme mochte ich allerdings schon immer ein wenig lieber, wobei ich auch hier keinen Film seit „X-Men: Erste Entscheidung“ mehr gesehen habe. Inzwischen stehen jedoch auch die beiden Fortsetzungen im Regal, die ich vermutlich in naher Zukunft endlich einmal nachholen werde. Und was ist mit dem ersten Teil der Spin-off-Trilogie „X-Men Origins: Wolverine“? Dieser stellte für mich bisher den Tiefpunkt der Reihe dar und somit war ich nun gespannt, wie sich die offizielle Fortsetzung denn schlagen würde.

Mir hat „The Wolverine“ tatsächlich viel Spaß gemacht: Ich mochte das Setting in Tokyo und die damit einhergehenden atmosphärischen Bilder. Zudem hat es James Mangold geschafft ein paar wirklich unterhaltsame Actionsequenzen zu inszenieren, die zudem eine angenehme Härte besitzen, speziell im Extended Cut (siehe Schnittbericht). Die Geschichte ist natürlich ziemlich an den Haaren herbeigezogen, doch mochte ich die erzählerische Klammer, die in Logans Vergangenheit begründet liegt, recht gerne. Im Mittelteil des Films wird natürlich ein Weg gefunden, den Charakter kurzzeitig verwundbar zu machen, was die Spannung tatsächlich steigert. Ein billiger Kniff, aber im Rahmen der ohnehin abstrusen Comic-Geschichte doch absolut passend.

Insgesamt ist „Wolverine: Weg des Kriegers“ kein herausragender Film, doch hat er mich nach den eher verhaltenen Kritiken doch positiv überrascht. Der Nachfolger soll ja noch einmal gelungener sein, weshalb ich mich jetzt schon auf einen weiteren schönen Heimkino-Abend mit Logan in ein paar Monaten freue: 7/10 Punkte.

Blutgletscher (2013)

Nach einer ziemlich turbulenten Arbeitswoche ist auch der zweite Monat des Jahres fast schon wieder vorbei. Zum Start in ein langes Wochenende habe ich mir mit „Blutgletscher“ einen österreichischen Genrefilm angeschaut, der schon länger auf meiner Liste stand. Ob unsere Nachbarn den filmischen Vorbildern gerecht werden, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Regisseur Marvin Kren hat mit „Blutgletscher“ ziemlich eindeutig seine Version von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ geschaffen: eine abgelegene Forschungsstation, eine Gruppe von Wissenschaftlern und eklige Mutationen. Die Anleihen sind unverkennbar und doch besitzt „Blutgletscher“ durchaus eine gewisse Eigenständigkeit, die natürlich vom Lokalkolorit und den atmosphärischen Bildern lebt. Was den Erzählton angeht, schwankt Krens Horrorfilm zwischen Ernsthaftigkeit und Trash, was erstaunlich gut funktioniert. Wären die Charaktere ein wenig interessanter (leider kann nur Gerhard Liebmanns Janek überzeugen), dann hätte der Film durchaus mehr sein können als nur ein Monsterstreifen.

Es ist wirklich wunderbar zu sehen, wie hier handgemachte Effekte eingesetzt werden, die zwar ein wenig trashig wirken, dabei jedoch unglaublich effektiv sind. Unter diesem Aspekt funktioniert dieser österreichische Genre-Beitrag sogar besser als das CGI-lastige Prequel bzw. Remake „The Thing“ aus dem Jahr 2011: abstruse Monster in einer klassischen Horrorgeschichte, die vor dem Hintergrund des Klimawandels erzählt wird und dabei das für das Genre nötige Maß an Sozialkritik mitbringt. Zwar ist „Blutgletscher“ mehr eklig als spannend, geschweige denn unheimlich, doch ist dieser Umstand dem Unterhaltungswert kaum abträglich. Einzig ein paar Längen im Mittelteil schwächen den positiven Gesamteindruck ein wenig.

Insgesamt kann ich „Blutgletscher“ allen Genre-Freunden nur ans Herz legen. Das Rad wird zwar auch hier nicht neu erfunden, doch ist der Film auf jeden Fall erfrischender als die 08/15-Jump-Scare-Streifen aus der Traumfabrik. Bei der folgenden Wertung ist der nötige, erweiterte Lokalpatriotismus schon mit eingerechnet: 7/10 Punkte.

Mad Men – Season 6

Wie in meiner Besprechung zur fünften Staffel bereits angekündigt, werde ich mich dieser Serie nun bis zu ihrem Ende widmen. Somit war es auch kein Wunder, dass ich „Mad Men – Season 6“ in knapp zwei Wochen verschlungen habe. Die Faszination, die Matthew Weiner rund um die Werbebranche und das Lebensgefühl der 60er Jahre aufgebaut hat, ist bei mir nach wie vor ungebrochen. Ich liebe die Ausstattung, die Charaktere und diese Zeit des Umbruchs. Wie nun konkret die sechste Staffel der Ausnahmeserie bei mir abschneidet, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Die Staffel erzählt ein paar Haupthandlungsstränge, die wirklich interessant sind: Was die Agentur Sterling Cooper Draper Pryce angeht, so steht natürlich die Fusion mit Cutler Gleason and Chaough im Zentrum der Entwicklungen. Dadurch ergeben sich auch ganz neue Spannungen zwischen den Figuren, denn plötzlich ist auch Peggy wieder zurück und muss ihren Platz zwischen Ted Chaough und Don Draper finden. In der neuen Agentur wird es schnell eng und niemand scheint sich mehr so richtig zu Hause zu fühlen, was wohl auch an den fordernden Kunden liegt. Mit Chevrolet hat man endlich das lang ersehnte Automobilunternehmen in den Kundenkreis aufgenommen, doch schon bald zeigt sich die Schattenseite der ungleichen Geschäftsbeziehung. Etwas, das bis heute im Agenturgeschäft vorherrscht.

Auch privat gibt es für unsere Charaktere einige Wirren zu durchleben. Don zeigt in mehrerer Hinsicht Schwäche und alles, was noch im Vorjahr aufgebaut wurde, droht zu zerfallen. Zum ersten Mal wird ganz konkret eine Erklärung für seine ungesunde Beziehung zu Frauen aus dem Hut gezaubert. Zwar mochte ich es mehr über die Figur zu erfahren, doch letztendlich entzaubert es den Charakter auch, zumal die die Geschehnisse in den Rückblenden nicht sonderlich subtil als Grund für seine Entwicklung eingearbeitet wurden. Dies ist zwar kein wirklicher Schwachpunkt und ich mochte die Verletzlichkeit, die Don Draper dadurch anhaftet – hundertprozentig zufrieden war ich damit jedoch nicht. Auf jeden Fall war es ein brauchbares Element, um die Abwärtsspirale, in der sich Don während der sechsten Staffel befindet, noch weiter nach unten zu treiben.

Es gibt wieder etliche herzzerreißende und auch ganz große Momente. Speziell die Beziehung zwischen Don, Betty und ihren Kinder mitzuerleben ist manchmal wirklich schmerzhaft. Am Ende der Staffel steht für Don Draper ein unfreiwilliger Neuanfang an und ich bin sehr gespannt, in welche Richtung sich die Serie in ihrer finalen Staffel entwickeln wird. Doch auch was Pete Campbell, Peggy Olson und all die anderen Figuren angeht, gibt es noch viel Potenzial für Weiterentwicklung. Auch wenn diese sechste Staffel nicht ganz an das brillante fünfte oder auch vierte Jahr anschließen kann, so ist das doch Kritik auf extrem hohem Niveau und ich hatte insgesamt wieder unglaublich viel Vergnügen mit den „Mad Men“: 9/10 (9.2) Punkte.

Ganz weit hinten – OT: The Way, Way Back (2013)

Nach einem hoffnungslos verregneten Samstag, an dem wir nur die angefallene Wäsche der Woche gewaschen und gebügelt sowie im Haus für Ordnung gesorgt haben (ja, unser Leben ist unglaublich aufregend), sollte wenigstens der Film am Abend ein Highlight sein. Die Wahl fiel letztendlich auf „Ganz weit hinten“, der schon viel zu lange ungesehen im Regal stand und tatsächlich ein wenig Sommergefühl in unser Wohnzimmer bringen sollte…

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Ich muss gestehen, dass ich „Little Miss Sunshine“ – damit wird dieser Film immer wieder verglichen – noch nicht gesehen habe. Allerdings strahlt „Ganz weit hinten“ dieses typische Indie-Dramedy-Gefühl aus, das in den letzten Jahren ziemlich populär geworden ist. Das Drehbuch stammt von Nat Faxon und Jim Rash (genau, Dean Craig Pelton aus „Community“), die beide auch die Regie des Films übernommen haben und zwei der Nebenfiguren spielen. Auch darüber hinaus ist „The Way, Way Back“ mit Steve Carell, Toni Collette, Allison Janney, Sam Rockwell, Maya Rudolph und Amanda Peet überaus prominent besetzt – und auch die Jungschauspieler wissen zu überzeugen.

Im Grunde erzählen Jim Rash und Nat Faxon hier eine Coming-of-Age-Geschichte, in deren Zentrum die Freundschaft zwischen einem unglücklichen Teenager und dem Manager eines Wasserparks steht. Durch diese ungewöhnliche Beziehung schöpft der unter der Trennung seiner Eltern leidende Duncan neuen Mut und findet wieder Freude am Leben. Es ist keine komplexe Geschichte, doch wirkt sie echt und nahbar. An das Gefühl nicht dazuzugehören kann sich wohl schließlich jeder erinnern – und in Duncans Situation muss es sich noch viel schlimmer anfühlen. Man leidet mit ihm und ist dankbar für die Möglichkeit aus dem tristen Urlaubsalltag ausbrechen zu können. Dies liegt auch größtenteils an Steve Carell, der hier wirklich ein ziemliches Arschloch spielt. Da lobe ich mir doch Michael Scott.

Letztendlich ist „The Way, Way Back“ ein herzerwärmender und stets unterhaltsamer Coming-of-Age-Film, der uns einen Sommer lang am Leben dieser kaputten und doch irgendwie sympathischen Figuren teilhaben lässt. Kein großer Film, doch ein Film, der mir öfter ein Lächeln auf das Gesicht zauberte und mit einem gut geschriebenen Drehbuch sowie sehr spielfreudigen Schauspielern aufzuwarten weiß: 8/10 Punkte.

Extreme Frontiers: USA (Charley Boorman’s USA Adventure)

Einmal mehr habe ich mich mit Charley Boorman auf eine Reise begeben. Dieses Mal galt es die „Extreme Frontiers: USA“ zu bestehen. Ob mich „Charley Boorman’s USA Adventure“ wieder mehr begeistern konnte, als sein Ausflug nach Südafrika, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Erneut wird die mehrere Wochen umspannende Tour in nur vier 40-minütigen Episoden abgehandelt. Charley springt von Abenteuer zu Abenteuer, wobei die eine Hälfte (speziell tatsächliche Herausforderungen in der Natur) durchaus spannend ist, die andere dagegen (Ausflüge in die Schwerindustrie) dagegen eher dröge und nicht sonderlich interessant. Hinzu kommt ein Inszenierungsstil, der sich zu sehr dem zappenden TV-Publikum anbiedert. Da mochte ich die ruhigen Reisepassagen seiner „By Any Means“-Reihe doch lieber, aber dort hatten er und sein Team ja auch doppelt so viel Sendezeit zur Verfügung.

Ich hatte durchaus Spaß mit Charley Boorman die USA zu bereisen, doch im Vergleich zu z.B. Stephen Frys USA-Reise wirkt der Trip erschreckend oberflächlich. Da wäre wirklich mehr drin gewesen und ich würde mir für die nächste Route tatsächlich eine Variation des Formats wünschen. Für Fans dennoch sehenswert: 6/10 Punkte.

The Last Days on Mars (2013)

Da ich nun endlich „Der Marsianer“ fertig gelesen habe, hatte ich nun Lust auf die Verfilmung. Aber mir gab es zu wenig Zombies in der Geschichte und somit habe ich mich für „The Last Days on Mars“ entschieden. Mars und Zombies. Das hat doch schließlich schon 2001 bei John Carpenters „Ghosts of Mars“, ähm, exzellent funktioniert – oder sollte mich meine Erinnerung da etwa täuschen?

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Ich mag Sci-Fi-Horror und bin immer auf der Suche nach neuen Werken dieses Genres. So hat es auch „The Last Days on Mars“ auf meine Liste geschafft. Nachdem mich vor ein paar Jahren „Pandorum“ äußerst positiv überraschte und „Event Horizon“ nun auch schon fast 20 Jahre auf dem Buckel hat, war es doch höchste Zeit für gepflegten Grusel dort, wo dich niemand schreien hört. Wenn bekannte Horror-Figuren in einem neuen Setting (sprich fremden Planeten oder dem Weltraum) auftreten, dann ist immer Vorsicht geboten: Werke wie „Hellraiser IV: Bloodline“ oder „Jason X“ mögen Unterhaltungswert bieten, doch sind diese klar in der B-Movie-Ecke verankert. Auch The Asylum hätte die Prämisse unter „The Martian Zombie Chronicles“ verfilmen können. Doch dieser Film nimmt sich und seine Geschichte tatsächlich ernst.

„The Last Days on Mars“ ist atmosphärisch, ansprechend gefilmt und mit durchaus brauchbaren Schauspielern (u.a. Liev Schreiber) besetzt. Selbst die Zombies wirken angenehm realistisch und aufgrund des klaustrophobischen Settings bedrohlicher als in anderen Filmen oder Serien dieses Genres. Ein voller Erfolg also? Leider nicht, denn die Geschichte ist so unglaublich konventionell erzählt, dass es zu keinerlei Überraschungen kommt. Alles, aber auch wirklich alles wurde bereits unzählige Male besser erzählt. Die Charaktere bleiben zudem selbst für einen Horrorfilm frustrierend blass und irgendwann hat sich auch das Setting abgenutzt.

Letztendlich konnte mich „The Last Days on Mars“ nach dem vielversprechenden Start nicht überzeugen. Nette Bilder und durchaus spannende Szenen können nicht über ein viel zu formelhaftes Drehbuch und nichtssagende Entwicklungen hinwegtäuschen. Selbst das Finale ist an Beliebigkeit kaum zu überbieten. Aufgrund des fremdartigen Settings und der durchaus packenden Inszenierung, schafft es der Film gerade noch so in die Mittelmäßigkeit: 5/10 Punkte.

Parenthood – Season 5

Unglaubliche dreieinhalb Jahre hat es gedauert, bis ich eine meiner erklärten Lieblingsserien weiterschauen konnte. Doch seit ein paar Wochen befindet sich die komplette Serie (ganz klassisch auf DVD) in meinem Besitz und tatsächlich konnte ich es nicht erwarten, endlich „Parenthood – Season 5“ anzugehen – und ja, es war war wirklich wie nach Hause kommen. Ich hatte die Bravermans vermisst und weiß jetzt schon, dass der Abschied nach der finalen Staffel schwer werden wird. Doch nun erst einmal zum turbulenten fünften Jahr…

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Die Serie hatte über ihre gesamte Laufzeit mit der drohenden Absetzung zu kämpfen. Somit gab es nur zwei Staffeln mit komplett 22 Episoden – zu diesen gehört auch die fünfte Staffel. Vielleicht liegt es auch an den vielen Episoden, dass die Staffel teils ein wenig vollgestopft und so manche Charakterentwicklung zu sprunghaft wirkt. Speziell der Handlungsstrang um Julias und Joels Trennung hat durchaus öfter an meinen Nerven gezehrt. Nicht weil dieser schlecht geschrieben wäre, sondern weil noch so viel nebenbei passiert, dass ich das Gefühl hatte, den Charakteren wird zuwenig Freiraum gegeben, um ihre Entscheidungen für den Zuschauer nachvollziehbar zu begründen. Ist das einigermaßen verständlich?

Abseits von diesem Kritikpunkt habe ich mich jedoch maßlos gefreut, dass ich so lange an dieser Staffel hatte. Hach. Die Serie ist einfach wunderbar in ihrer Emotionalität. Ich musste mehrmals ein Tränchen verdrücken, habe gelacht, mich mit den Bravermans gefreut und mit ihnen gelitten. Die Mischung aus Drama und Komödie funktioniert dabei wieder außergewöhnlich gut und der Übergang ist meist subtil. Es ist ein idealisiertes Familienleben, das jedoch nicht ohne Probleme und Schwierigkeiten charakterisiert wird. Vermutlich erkennt man als Familienmensch etliche Szenen wieder, würde sich wünschen, dass es in der eigenen Familie auch so wäre und ist doch froh, die dramatischen Entwicklungen nicht mitmachen zu müssen.

Nach meiner Sichtung dieser vorletzten Staffel fällt es mir schwer, meine liebsten Handlungsstränge zu benennen. Die meisten Geschichten haben mir wirklich sehr gut gefallen. So auch der Wahlkampf von Kristina um das Amt des Bürgermeisters von Berkeley. Oder die Gründung des Luncheonette-Labels samt Verstrickungen rund um egozentrische Musiker und das Zusammenspiel zwischen Crosby und Adam. Auch sehr schön fand ich, dass Zeek und Millie einen bedeutsamen Handlungsstrang spendiert bekommen haben, dessen Ende äußerst emotional für alle Beteiligten ist. Ein sehr rundes Ende, das auch als Serienfinale gut funktioniert hätte. Am schwächsten fand ich dagegen, wie schon erwähnt, die Entwicklungen von Julia und Joel sowie Amber und Ryan. Aber das ist jammern auf extrem hohem Niveau.

Für mich ist „Parenthood“ nach wie vor eine fantastische Serie, die das Thema Familie wunderbar warmherzig und doch realistisch erzählt. Die tollen Schauspieler (unter anderem Lauren Graham und Peter Krause) tragen ihren Teil dazu bei, dass man einfach nicht anders kann als sich bei den Bravermans wohl zu fühlen. Nun gibt es nur noch 13 Episoden und mich graust es jetzt schon vor dem Abschied. Eine wirklich herausragende Serie der „Friday Night Lights“-Macher: 9/10 (9.0) Punkte.

Erbarmen – OT: Kvinden i buret (2013)

Jetzt hat mich die Erkältung, die bereits meine ganze Familie seit über einer Woche plagt, doch noch eingeholt. Somit hat sich der Arbeitstag ziemlich gezogen und ich bin abends müde aufs Sofa gefallen. Einen Film gab es dennoch: Die Verfilmung des Jussi-Adler-Olsen-Romans „Erbarmen“ wollte ich schon lange sehen und die sommerlichen Temperaturen, die seit heute herrschen, schienen mir wie gemacht, um in die düsteren Bildwelten eines skandinavischen Krimis abzutauchen…

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Meine Erinnerungen an die Vorlage waren vor der Sichtung nur noch rudimentär vorhanden, sind doch ziemlich genau 5 Jahre vergangen, seit ich das Buch gelesen habe. Unglaublich wie die Zeit rennt, doch das ist ein anderes Thema. Mit dem Voranschreiten der Geschichte wurden auch meine Erinnerungen wieder entfacht und mir fielen wieder etliche Details ein. Auch wenn ich mir die Hauptfigur anders (älter und abgehalfterter) vorgestellt hatte, so muss ich doch sagen, dass Mikkel Nørgaard Adler-Olsens Roman ziemlich perfekt umgesetzt hat. Die Atmosphäre trifft die der Vorlage und das Zusammenspiel zwischen den beiden Hauptfiguren Carl Mørck und Assad ist wahrlich eine Freude. Hinzu kommen kinoreife Bilder und eine Thriller-Handlung, die sich hinter dem typischen US-Krimi nicht zu verstecken braucht.

Auch wenn man der Rahmenhandlung rund um das Sonderdezernat Q anmerkt, dass man es hier mit einer Krimi-Reihe zu tun hat, die ebenso gut in Form einer TV-Serie hätte erzählt werden können, so funktioniert dieser eine Fall rund um eine vor Jahren verschwundene Politikerin erstaunlich gut. Wenn ich einen Krimi sehen will, dann sollte er ziemlich genau so aussehen und erzählt werden. Das bringt mich dann auch wieder zu deutschen Krimi-Erzeugnissen, wie dem allseits beliebten „Tatort“, den ich mir aus lokalpatriotischen Gründen kommenden Sonntag tatsächlich einmal wieder ansehen muss werde. Und ich weiß jetzt schon, dass Welten zu der Qualität dieses dänischen Krimis klaffen werden. Aber ich lasse mich ja gerne positiv überraschen…

Lange Rede, kurzer Sinn: Wer Lust am skandinavischen Krimi-Kino hat, der sollte sich „Erbarmen“ auf keinen Fall entgehen lassen. Ich war hoch erfreut den auf zwei Zeitebenen erzählten Thriller so kompetent und kunstvoll adaptiert zu sehen und werde mir demnächst bestimmt auch die Verfilmung des Nachfolgers „Schändung“ ansehen. So macht Krimi-Unterhaltung Spaß: 8/10 Punkte.

Alpha House – Season 1 & 2

Nachdem ich mit der dritten Staffel von „Veep“ so viel Freude mit Comedy im politischen Zentrum der USA hatte, habe ich mich direkt im Anschluss der von Amazon produzierten Serie „Alpha House – Season 1 & 2“ zugewandt. Da die Episodenzahl begrenzt ist und eine dritte Staffel leider eher unwahrscheinlich erscheint, bekommt ihr gleich die Besprechung der gesamten Serie in einem Artikel…

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Im Mittelpunkt der Serie stehen vier republikanische Senatoren, die in Washington, D.C. in einer Art Wohngemeinschaft zusammenleben. Soweit die grundlegende Prämisse, die übrigens eine reale Vorlage besitzt – nur dass sich in der Realität demokratische Senatoren zu einer WG zusammengeschlossen haben. Während der ersten Staffel konnte ich eine interessante Beobachtung machen: Mir ist aufgefallen, dass die Geisteshaltung der Autoren eher der demokratischen Sichtweise entspricht. Den Witzen über die republikanische Senatoren fehlt somit ein wenig der Biss bzw. es wirkt beständig so als würden sich die Drehbuchschreiber nicht so richtig trauen oder nur auf Stereotype zurückgreifen. Bei „Veep“ hingegen wird stets in die Vollen gegangen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Demokraten nehmen sich selbst und den gesamten Politzirkus auf die Schippe. Hier jedoch scheint es so, als hätte man sich bewusst nicht zuweit vorgewagt.

Trotz des nicht allzu bissigen Humors, macht die Serie wirklich viel Spaß, besonders da mir die Charaktere speziell in der zweiten Staffel auch sehr ans Herz gewachsen sind. Man kennt ihre Eigenheiten und es gibt auch eine glaubwürdige Weiterentwicklung. Die Serie hat sich über ihren Verlauf also wirklich gemacht und ich finde es sehr schade, dass es im Moment nicht so aussieht, als würde Amazon noch eine dritte Staffel in Auftrag geben. Somit wird es vermutlich bei diesen beiden bleiben:

  1. „Alpha House – Season 2“ (8.3 Punkte)
  2. „Alpha House – Season 1“ (7.4 Punkte)

Solltet ihr Amazon Prime nutzen und Gefallen an US-Politik haben, dann kann ich euch die Serie trotz eines etwas holprigen Einstiegs nur ans Herz legen. John Goodman ist großartig und auch der restliche Cast (u.a. Clark Johnson, bekannt aus „The Wire“) überzeugt auf ganzer Linie. Reinschauen lohnt sich: 8/10  (7.9) Punkte.