Der Hobbit (J. R. R. Tolkien)

hobbit_romanNachdem ich bereits Anfang des Jahres damit angefangen hatte, habe ich nun endlich einmal wieder „Der Hobbit“ beendet. Wieder einmal? Ja, genau: J. R. R. Tolkiens Klassiker der Fantasy-Literatur lag nun bereits zum dritten Mal auf meinem Nachttisch – und ich lese Bücher nur im seltensten Fall mehrfach. Dieses erste Abenteuer in Mittelerde habe ich sehr ins Herz geschlossen und es gefällt mir sogar besser als das ungleich epischere und populärere Nachfolgewerk „Der Herr der Ringe“. Obwohl viele Leser die Geschichte rund um den Hobbit Bilbo Beutlin als reines Kinderbuch sehen, so ist sie für mich tatsächlich ein vollwertiges Fantasy-Abenteuer. Aus heutiger Sicht sehr prototypisch und geradlinig erzählt, doch dies macht gerade den Charme des Romans aus.

Aufgrund meiner direkt vorangegangenen Sichtung von Peter Jacksons Trilogie, habe ich unbewusst stets beide Medien miteinander verglichen. Jackson wird ja, teils durchaus berechtigt, der Vorwurf gemacht, dieses Kinderbuch unnötig aufgeblasen und auf drei Filme gestreckt zu haben. Neben den hinzugedichteten Elementen war ich aber tatsächlich erstaunt, wie eng er sich teils am Buch befand – sogar Azog findet darin Erwähnung. Auch hatte ich nicht mehr in Erinnerung, dass Bard tatsächlich ein Charakter Tolkiens ist oder der Arkenstein dem Buch entspringt. Rückblickend betrachtet, bewegt sich „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ wohl am engsten an der Vorlage, während sich „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ am weitesten davon entfernt – teils mit sinnvollen Szenen (die Erweiterungen rund um Smaug), teils mit unnötig aufgeblasenen Actionpassagen (die Fahrt in den Fässern). Mit „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ ist Jackson wieder deutlich näher am Buch, wenngleich er auch viel inszeniert, was in der Vorlage nur in einem halben Nebensatz abgehandelt wird. Dennoch atmet gerade der dritte Teil den Geist der Vorlage und man kann sich gut vorstellen, dass das Visualisierte irgendwo zwischen Tolkiens Zeilen zu finden ist.

Als Buch für sich betrachtet ist „Der Hobbit“ immer noch ein großes Vergnügen. Die Geschichte schreitet angenehm schnell voran und transportiert dennoch das Gefühl von Epik. Auch als Vorgeschichte zu „Der Herr der Ringe“ wirkt dieses Abenteuer absolut schlüssig und fügt sich wunderbar in die Welt von Mittelerde ein. Wenn man etwas kritisieren möchte, dann wohl dass ein Schauplatz nach dem anderen ein wenig episodenhaft abgehakt wird. Aber ich mag das. Dieses Gefühl der Reise mit verschiedenen Stationen. Speziell gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse ein wenig und der Ton wird deutlich düsterer und brutaler – da ist dann auch in der Vorlage nicht mehr viel von einer Kindergeschichte übrig. Am Ende der Reise war ich emotional auch wieder wirklich mitgenommen, was durch die Erinnerungen an die Verfilmung noch unterstützt wurde. In meinem Kopf fließen beide Versionen der Geschichte ineinander – und trotz der Unterschiede funktioniert das für mich doch erstaunlich gut.

Letztendlich kann ich nur sagen, dass „Der Hobbit“ auch beim wiederholten Lesen ein großes Vergnügen ist. Am liebsten hätte ich danach sogar direkt mit „Der Herr der Ringe“ weitergemacht, das ich tatsächlich noch nie komplett gelesen habe. Realistisch gesehen würde ich das über den Sommer vermutlich auch nicht durchhalten, weshalb ich es mir für den kommenden Winter vornehme. Dann werde ich auch filmisch wieder Mittelerde besuchen und kann danach bei einer warmen Tasse Tee die literarische Vorlage aufschlagen. Der Prolog „Der Hobbit“ zählt so oder so unzweifelhaft zu meinen Lieblingsbüchern: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsbuch

30 Gedanken zu “Der Hobbit (J. R. R. Tolkien)

  1. Och man, jetzt hab ich noch mehr Lust, das Buch zu lesen! Aber da ist noch so viel anderes auf der Liste, was vorher noch ansteht… Aber vielleicht schaffe ich es dieses Jahr, du hast mich auf jeden Fall auf den Geschmack gebracht!

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    • Es hat auch nur so 200-300 Seiten und lässt sich wirklich flott runterlesen. Wenn man eben Zeit hat. Eignet sich auch gut in der Weihnachtszeit. Vielleicht sogar besser als im Frühjahr… 🙂

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  2. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft ich Der Hobbit schon gelesen hab (auf deutsch weiß ichs, da war’s nur ein Mal :D).
    Prädikat Lieblingsbuch triffts da ganz gut. HdR wollte ich aber auch mal wieder anfangen…
    Ich wiederhole mich, aber der Tag bräuchte echt 30 Stunden (bei gleich langer Arbeitszeit wie jetzt)… o.o

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    • Bei dem 30-Stunden-Tag bin ich dabei. Würde sogar 36 nehmen… 😉

      HdR habe ich bisher noch nicht geschafft, ist für Ende des Jahres aber eingeplant. Mal sehen, ob ich es dieses Mal durchhalte. Da ist „Der Hobbit“ doch deutlich überschaubarer.

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  3. Mag den HOBBIT auch sehr. Aber die Filme nur bedingt, bzw. so wenig, dass ich den dritten nicht mal mehr geschaut habe. Da ist mir zu viel unnützer Computer-Bombast drin und der Look einfach nur durchweg fürchterlich. Das Buch hingegen ist sehr locker-verspielt – gefällt mir gut!

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    • Du hat zu großen Teilen recht. Wobei die Filme auch ein paar wirklich schöne handgemachte Szenen bieten. Zumal ist mir das CGI nur in HFR wirklich negativ aufgefallen. Was soll ich sagen? Ich mag die Film einfach! 🙂

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    • Ja, die Flucht in den Fässern gab es, doch war diese weit unspektakulärer: Die Fässer waren zu und nur Bilbo war auf dem Fässer-Floß gesessen. Verfolger gab es keine. Die Szene wirkt einfach ganz anders im Buch und im Film.

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