Gravity (2013)

Als ich heute nach dem Kino nach Hause kaum, hielt ich erst einmal inne und blickte in den Sternenhimmel. Schön, faszinierend und – wie ich seit ein paar Stunden weiß – ziemlich tödlich. Auch wenn ich es schon fast nicht mehr für möglich gehalten hatte, habe ich tatsächlich noch „Gravity“ gesehen. Und da es sich erst um meinen zweiten Kinobesuch in diesem Jahr handelte, gönnte ich mir gleich die ganz große Leinwand, sprich IMAX 3D. Ein würdiger Rahmen für Alfonso Cuaróns jüngsten Geniestreich.

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Man kann sich dem Hype um den Film kaum entziehen – und dennoch ist es mir irgendwie gelungen, nicht einmal den Trailer zu sehen. Dafür haben etliche Blogeinträge und Podcasts die Erwartungen schier ins Unermessliche getrieben, was immer ein wenig gefährlich ist. Besonders die Aufregung um den 3D-Effekt machte mich neugierig, denn bis auf „Avatar“ und insbesondere „Prometheus“ ist 3D für mich eher ein nerviges Gimmick, das man eben aufgezwungen bekommt. Bereits bei den vorgeschalteten Trailern hatte ich eigentlich schon wieder genug davon: irrwitzige Schlachtszenen, Schnittgewitter und Effekteinlagen. Wie sollen meine verbrauchten Augen da bitte mitkommen?

Dann jedoch kamen die ersten Bilder der Erde und der unendlichen Weite des Alls. Minutenlange Kamerafahrten ohne Schnitt ermöglichten ein Aufsaugen und Erkunden der Bilder. Fantastisch. Die oft heraufbeschworene Immersion war wohl noch nie so stark, wie bei diesem Ausflug in das lebensfeindliche Nichts. Umso erstaunlicher, dass „Gravity“ nicht mit nativen 3D-Kameras gedreht wurde, sondern es sich um konvertierte 2D-Aufnahmen handelt. Ich vermute jedoch stark, dass der Film – die Schauspieler einmal ausgenommen – nahezu komplett aus dem Rechner stammt, was die exzellente 3D-Wirkung erklären dürfte. Endlich hat jemand den sinnvollen Einsatz von 3D bzw. das Zusammenspiel von 3D und Handlung verstanden.

Neben den wahrlich atemberaubenden audiovisuellen Eindrücken, ist auch die Handlung des Films äußerst mitreißend. Die nahezu komplette Konzentration auf Sandra Bullocks Charakter Dr. Ryan Stone, lässt uns ihren Überlebenskampf hautnah miterleben. Aufgrund der kurzen Laufzeit von knapp 90 Minuten kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf – und auch wenn sich gewisse Elemente wiederholen, so bleibt man stets bei Dr. Stone und kämpft mit ihr. Einzig gewisse Monolog- bzw. Dialogszenen wirken ein wenig aufgesetzt, wofür ich aber eher die Synchonfassung verantwortlich mache. Die Geburtssymbolik mag ein wenig plakativ wirken, fügt sich jedoch sinnig in die Geschichte ein und beschert den Zuschauern am Ende wohl den kathartischen Moment des Kinojahres 2013.

Ich bin wahrlich begeistert, was Alfonso Cuarón nach dem ohnehin schon großartigen „Children of Men“ erneut erreicht hat. Auch wenn die Geschichte nicht vor Originalität strotzt, so ist ihre konsequente Umsetzung doch erfrischend. Von audiovisueller bzw. technischer Seite müssen sich Filme in Zukunft sowieso an „Gravity“ messen lassen: großes Kino. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin nun gespannt, ob eine Zweitsichtung (dann wohl in 2D auf dem heimischen TV) dem Erlebnis stark abträglich ist, oder ob die Originaltonspur noch das letzte Quentchen aus dem Erlebnis herauskitzeln kann: 9/10 Punkte.

46 Gedanken zu “Gravity (2013)

  1. Pingback: Gravity (2013) | Film-Blogosphäre

  2. Sehr atmosphärischer Film, den mir nicht einmal Sandra Bullock vermiesen konnte, die mich mit ihrer Rollenwahl ansonsten eigentlich nie vom Hocker haut. Während alle Welt (zu Recht) von den visuellen Momenten und AHA!-Erlebnissen lobt, bin ich nach wie vor von der Tonebene vollkommen umgehauen. Musik, Sound-Editing und Toneffekte sind einfach 1-A mit Sternchen.

    Ich denke mal, einige (zumindest technische) Oscars sind schon fest vorgemerkt.

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    • Zu Sandra Bullock habe ich eigentlich keine Meinung. In „Speed“ fand ich sie gut, doch danach fallen mir nur noch unzählige RomComs mit ihr ein. Auf jeden Fall hast du Recht die Tonspur zu loben. Die war fantastisch und hat aus dem klanglosen All ein furios mitreißendes Spektakel gemacht. Wirklich klasse!

      Oscars könnte ich mir auch vorstellen, wenngleich man ja nie weiß, wie die Academy gerade so tickt. Oscar-Hype hat „Gravity“ aber auch eigentlich gar nicht mehr nötig.

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  3. Ich bin ja vermutlich der Einzige, der den (zugegeben: soliden) 3D-Effekt für komplett überflüssig hielt. Habe den Film auch in 2D gesehen und zumindest technisch funktioniert er genauso gut (wie damals auch schon „Avatar“). Nur die Handlung nervt noch mehr, was aber auch 3D nicht retten kann.

    Neidisch bin ich da eher auf dein IMAX-Erlebnis, aber schön, dass du es generell ins Kino geschafft hast mal wieder 🙂

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    • Du bist nicht der Einzige der den 3D-Effekt für komplett überflüssig hielt. Ich hätte auch darauf verzichten können und meine dass es nicht viel am Erlebnis geändert hätte … Ich ärgere mich immer, dass so wenige Filme im IMAX ohne 3D gezeigt werden …

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      • Ich glaube echte IMAX-Filme, d.h. auf Film gedreht bzw. 4K oder höher aufgelöst, sind bestimmt enorm imposant. Aufgrund der Detailauflösung auch oder gerade in 2D. Aber nur mit 3D lässt sich zurzeit eben Geld machen.

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    • Ich habe auch teils einäugig geschaut, um einen 2D-Eindruck zu bekommen. War sicher auch noch imposant, doch hat 3D hier tatsächlich einen Mehrwert geschaffen. Zumindest in meinen Augen. Dass dich der restliche Film nervt, der sonst überall ausnahmslos gut ankommt, wundert mich dagegen nicht… 😉

      Ja, IMAX war imposant, doch hat man schon etwas die Grenzen der 2K-Auflösung gespürt. In 4K bestimmt ein echtes Erlebnis.

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      • Der Film hat ja nicht genervt, nur stören die Probleme im Drehbuch (unnötige Charaktervertiefungen, die zudem noch voller Klischees sind, sowie Redundanzen im letzten Akt) bei Mehrfachsichtungen – zumindest in meinem Fall – auch vermehrt. Dennoch, jedenfalls als Erstsichtung, ein sehr guter Film.

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      • Okay, das sind natürlich andere Voraussetzungen. Wie der Film bei Mehrfachsichtung wirkt, kann ich (noch) nicht beurteilen. Werde es aber bestimmt testen – und hoffe bei der Blu-ray auch auf ein aufschlussreiches Making of, besonders was die technische Umsetzung angeht.

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  4. Eine sehr gute Wahl für einen deiner seltenen Kinobesuche … und vor allem das IMAX Erlebnis ist schon wichtig, wenn man schon mal ins Kino geht.

    Das Ende als „den kathartischen Moment des Kinojahres 2013“ zu bezeichnen finde ich sehr passend. Sehe ich auch so. Auf deine Zweitsichung (und auch auf meine) in 2D und O-Ton bin ich jetzt schon gespannt. Vor allem auf den Vergleich und wieviel das ausmachen kann …

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    • Wenn mich ein Kollege nicht fast schon überredet hätte, dann wäre der Film bestimmt auch an mir vorbeigegangen. Bin aber auch froh ihn auf der großen Leinwand und in 3D gesehen zu haben.

      Lass uns unsere 2D/O-Ton-Eindrücke dann einmal vergleichen. Wird bestimmt spannend, zumal ich in diesem Fall ja pro 3D bin…

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  5. Großartiger Film und ein echtes Kinoerlebnis (alleine der RUMMS, einfach sagenhaft!). Wer da wegen der etwas dünnen Story rummeckert, hört wahrscheinlich Musik auch nur wegen der Texte, will sagen: das visuelle und akustische Feuerwerk hat diesen kleinen Mangel mehr als ausgeglichen.

    Bin sehr gespannt, wie der Film zuhause in 2D rüberkommt. Ich nehme mal an, dass 3D-Fernseher immer noch nicht mit dem Erlebnis von 3D-Kino konkurrieren können, oder? Ich frage nur, damit ich mir etwaige Gedanken an einen Kauf aus dem Kopf schlagen kann.

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    • Ja, sehe ich auch so. Der Film war einfach über weite Stecken atemberaubend – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Daran werden sich in Zukunft ähnlich gelagerte Filme messen lassen müssen. Ein echtes Erlebnis.

      3D zu Hause wird wohl erst mit 4K-TVs kinoähnliche Qualität erreichen. Aktuell hat man mit aktiven Shutter-Brillen wohl verstärkt Ghosting und mit passiven Systemen nur die halbe Auflösung. Und die fehlende Größe eben.

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    • Wer da wegen der etwas dünnen Story rummeckert, hört wahrscheinlich Musik auch nur wegen der Texte

      Klar klingt ein Lied wie „Umbrella“ von Rihanna auch nett obwohl der Text … dünn ist, aber es gibt ja auch Künstler wie Bob Dylan, die es hinkriegen, gute Texte zu guter Musik zu schreiben 😉

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      • Die Mischung muss eben stimmen und bei „Gravity“ waren – um bei dem Bild zu bleiben – die Melodien und Arrangements einfach großartig und mitreißend. Der Text allein hätte für sich wohl niemanden hinter dem Ofen hervorgelockt, in Kombination aber wirklich gelungen. Und mit R’n’B-Popgedöns brauchst du Inishmore ohnehin nicht kommen… 😉

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    • Ich würde jetzt auch nicht soweit gehen und sagen, dies sei der beste Film der letzten 10 Jahre o.ä., doch hat er aus seiner simplen Prämisse mehr als 200% rausgeholt. Alleine das ist schon beeindruckend.

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  6. Hab Gravity ebenfalls am Freitag gesehen und muss schon sagen, dass ich schwer begeistert war. Ich hatte jetzt schon länger keinen Film mehr, der sich so dermaßen realistisch anfühlt und trotzdem noch spannend ist. Die Redundanz im späteren Teil ist mir zwar auch aufgefallen, aber irgendwie wurde das durch die spannende Handlung immer gut übertüncht. Dabei ist die Handlung eher minimalistisch, aber hier ist weniger offenbar tatsächlich mal mehr. Soundkulisse und Optik sind in meinen Augen auch herausragend, vor allem hat der 3D-Effekt diesmal besonders gut gewirkt. Sonst beobachte ich eher, dass mir die Personen im 3D-Effekt um einiges kleiner vorkommen, diesmal war aber das Gegenteil der Fall. Sicherlich hat das seinen Teil zur Immersion beigetragen, denn hier habe ich mich immer hautnah dran gefühlt. Für mich hat Gravity beste Chancen, mein Film des Jahres zu werden, bisher kann er eigentlich nur noch vom zweiten Teil der Hobbit-Trilogie geschlagen werden.

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    • Schön mal wieder etwas von dir zu lesen. Im Grunde hat der Film auf uns eine nahezu identische Wirkung gehabt. Allerdings glaube ich nicht, das „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ bei mir am „Gravity“-Tron rütteln kann, da ich bereits den ersten Teil nur sehr gut, aber nicht überragend fand. Allerdings gehe ich dieses Jahr auch höchstens noch zweimal ins Kino, was die Konkurrenz natürlich einschränkt… 😉

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      • Ja, es ist sicherlich schwer, Gravity in diesem Jahr vom Thron zu werfen, da stimme ich dir ebenfalls zu. 🙂 Ich hab’s dieses Jahr schon paar mal ins Kino geschafft, da waren einige gute Sachen dabei, aber Gravity ist momentan ganz vorn. Ich bin trotzdem gespannt auf den zweiten Hobbitteil, weil ich die dezente Hoffnung habe, dass die Trilogie nicht ganz so schlachtentümmelnd verläuft wie Teil 2 und 3 der HdR-Filme. Der Trailer ist schon vielversprechend.

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      • Ich werde dieses Jahr wohl nur noch zweimal ins Kino gehen: „The Hunger Games: Catching Fire“ und eben den zweiten Teil von „Der Hobbit“. Auf beide Filme freue ich mich schon sehr, wenngleich „Gravity“ immer etwas Besonderes bleiben wird. Ich erhoffe mir besonders vom Hobbit auch mehr Abenteuer, wenngleich ich dies in „Der Herr der Ringe“ durchaus auch ausgeglichen fand – zumindest in den erweiterten Fassungen.

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  7. Ich hab den Film am Wochenende gesehen und fand ihn nicht überragend. Ich fand ihn gut, aber aus irgendeinem Grund hat er mich nicht so sehr beeindruckt, trotz 3 D. Die Handlung war zwar spannend, hat mich aber emotional wenig berührt. Und sie war nicht spannend genug um die „Hä, was soll denn das? Das ist doch Blödsinn!“-Momente zu verhindern (eine physikalische Grundausbildung ist beim Filme schauen nicht immer hilfreich). Vielleicht hab ich mich in meinem Leben schon zuviel damit beschäftigt (ich wollte früher Astronautin werden und hab mich mal bei der ESA beworben) um von fiktiven Weltraumbildern noch über alle Maßen mitgerissen zu werden.
    Naja, gut fand ich ihn trotzdem, aber eben nicht überragend.

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    • Du kannst doch hier nicht einfach gegen den Strom schwimmen!?! 😉

      Wäre ich von der audiovisuellen Wucht nicht so mitgerissen worden, dann hätte mich der Film vielleicht auch nicht so beeindruckt. Allerdings kam im vom Staunen stets direkt in eine Stresssituation, dass ich wirklich keine Zeit hatte mir über Logik oder so nebensächliche Dinge gedanken zu machen.

      Astronaut wollte ich seltsamerweise nie werden…

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  8. Ich saß 90 Minuten auf der Kante meines Kinosessels und zwar weil sich Stone entweder im endlosen All oder im klaustrophobisch engem Gefängnis irgendeiner Weltallbehausung bewegt. Beides fand ich gleichsam beunruhigend, was für mich den Kern des Films ausmacht. Erstaunlich packend!
    3D fand ich auch zum ersten Mal wirklich gelungen. Die Tiefe des Weltraums wird dadurch einfach perfekt in Szene gesetzt.
    Am meisten beipflichten muss ich dir aber mein „letzten Moment“. So viel Triumph triefenden Pathos habe ich echt lange nicht mehr gesehen 😀

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    • Da haben wir den Film tatsächlich sehr ähnlich wahrgenommen. Bei den letzten Einstellungen wusste ich anfangs auch nicht, ob das in Kombination mit dem Score nicht ein wenig zu viel des Guten ist. Letztendlich war ich aber einfach froh, dass sie es geschafft hat. Nach der Tortur sei ihr der Triumph auch wirklich vergönnt… 🙂

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      • Ja da war ich auch dankbar. Aber ich hätte mir gewünscht, dass sie einfach im Schlamm liegen bleibt, die Erde unter sich spürt und der „gravity“ erliegt, nach der sie sich so gesehnt hat. Dann Cut und Ende und ich wäre noch zufriedener gewesen 🙂

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      • Man hätte bestimmt noch ein wenig Finetuning betreiben können, doch letztendlich war ich schon froh, dass sie nicht im See abgesoffen ist – man weiß ja nie, was den Herren Drehbuchautoren so alles einfällt… 😉

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