This Is Us – Season 2

Obwohl ich mich immer wieder kritisch über die aktuelle Übermacht der Streaming-Dienste äußere, so muss ich an dieser Stelle doch auch kundtun, dass ich mich sehr über die Veröffentlichung von „This Is Us – Season 2“ bei Prime Video gefreut habe. Dieses wunderbar emotional erzählte Familien-Drama hat mir bereits in seinem ersten Jahr extrem gut gefallen und ich kann schon einmal verraten, dass auch die zweite Staffel bei mir voll ins Schwarze getroffen hat.

This Is Us – Season 2 | © NBC

This Is Us – Season 2 | © NBC

Abschied, Trauer, Familie und Leben

Der Geist, der das Leben der Familie Pearson bereits während der ersten Staffel heimgesucht hat, dominiert auch das zweite Jahr. Der Tod des Vaters (gespielt von Milo Ventimiglia) Ende der 90er Jahre strahlt mit voller Kraft in die Gegenwart der Familie. Anfangs dachte ich noch, dass mich dieser starke Fokus auf einen Todesfall nerven würde, doch haben die Autoren einen guten Weg gefunden, die restlichen Handlungsstränge mit diesem emotionalen Kern zu verknüpfen. Als Zuschauer kann man sich folglich darauf einstellen, dass in vielen Episoden kein Auge trocken bleibt. Wem dieser starke Fokus auf Gefühle abschreckt, der sollte wohl einen weiten Bogen um „This Is Us“ machen. Allerdings verpasst ihr dann eine wunderbar geschriebene und großartig gespielte Serie.

In den Handlungssträngen der Gegenwart, hadern die drei Geschwister nicht nur mit den Erinnerungen an den Tod ihres Vaters, sondern haben mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Das ist teils sehr unterhaltsam (z.B. gibt es Gastauftritte von Silvester Stallone und Ron Howard), größtenteils überwiegt aber auch hier das Drama. Gerade Kevins Geschichte fand ich fast ein wenig zuviel des Guten, doch haben die Autoren auch hier den Bogen gut hinbekommen. Insgesamt würde ich mir ab und zu dennoch ein wenig mehr Leichtigkeit wünschen, aber vermutlich ist „This Is Us“ einfach nicht diese Art von Familienserie. Für mich gliedert sie sich irgendwo zwischen „Six Feet Under“ und „Parenthood“ ein – und das meine ich weniger auf qualitativer Ebene, sondern eher aufgrund der behandelten Themen und der inhaltlichen Schwerpunkte. Grandios sind alle drei Serien. Jede auf ihre Art und Weise.

Fazit

Auch die zweite Staffel von „This Is Us“ hat mich wirklich gepackt. Eine Familienserie, wie man sie sich nur wünschen kann. Große Emotionen, stark geschrieben und ebenso stark gespielt. Der Ausblick auf die dritte Staffel war mir beinahe schon ein wenig zu dramatisch, doch ich bin mir sicher, dass die Autoren auch hier das richtige Maß finden werden. Ich für meinen Teil freue mich schon sehr darauf: 9/10 (9.3) Punkte.

eXistenZ (1999)

Nach einem entspannten Vater-Sohn-Samstag, an dem wir viel gespielt und ein wenig Haushalt gemacht haben, waren am Abend alle (ja, auch Mutter und Tochter) platt, so dass für uns Eltern nur noch ein Film auf dem Programm stand. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, habe ich mich mit „eXistenZ“ für einen Film entschieden, der im Gegensatz zu heutigen Werken mit einer Laufzeit von unter 100 Minuten auskommt und dennoch eine packende Geschichte zu erzählen weiß. Ihr kennt den Film nicht? Dann lest am besten weiter, denn ihr habt etwas verpasst!

eXistenZ (1999) | © Alive - Vertrieb und Marketing/DVD

eXistenZ (1999) | © Alive – Vertrieb und Marketing/DVD

Mindfuck und Body-Horror der Extraklasse

„eXistenZ“ ist zeitgleich mit „Matrix“ erschienen. Wenn ich euch nun fragen würde, welchen der beiden Filme ihr gesehen habt, dann dürfte die Antwort größtenteils wohl auf das Werk der Wachowski-Schwestern fallen. Die inhaltlichen Parallelen sind unübersehbar und doch handelt es sich bei David Cronenbergs Film keineswegs um ein Plagiat (er kam sogar knapp vorher ins Kino), sondern und einen extrem spannenden Vertreter dieses Genres, der eben nur nicht für den Massenmarkt ausgelegt war. Moment, David Cronenberg? Das ist doch der Regisseur von „Videodrome“ oder der Neuverfilmung von „Die Fliege“ mit Jeff Goldblum. Extremer Body-Horror, der so manchem Zuschauer unangenehm aufstoßen dürfte. Wie also geht das mit einer Geschichte über virtuelle Welten à la „Matrix“ zusammen?

David Cronenberg verbindet beide scheinbar konträre Ansätze gar wunderbar. Durch die lebenden VR-Systeme gewinnt die Reise in die virtuellen Spielwelten eine zusätzliche, sehr greifbare Dimension. Äußerst faszinierend und ja, oft auch ziemlich abstoßend und explizit. Wie auch die Charaktere, ist man sich als Zuschauer schon bald nicht mehr sicher, in der wievielten Staffelung aus fiktiven Welten man sich nun eigentlich befindet. Hier hat mich der Film sehr an „Inception“ erinnert, nur dass er viel weniger plakativ daherkommt und nicht alles bis ins Detail erklärt.

Ein A-Cast für einen nur scheinbaren B-Movie

Wie zu erwarten setzt David Cronenberg auf durchaus blutige und auch sehr ekelhafte Bildeffekte. Die dargestellte Welt wirkt dadurch extrem schmutzig und überhaupt nicht wie eine durchgestaltete virtuelle Umgebung, die uns andere Filme dieses Genres präsentieren. Vielleicht liegt es auch daran, dass „eXistenZ“ heute nur noch schwer zu greifen ist und vom Publikum vergessen wurde. Umso beeindruckender, dass die Besetzung so großartig ist: Jennifer Jason Leigh (zuletzt in „Annihilation“ gesehen) spielt an der Seite von Jude Law. Weiterhin geben Willem Dafoe, Ian Holm und Sarah Polley ihr Stelldichein. Der Score stammt von Howard Shore. Nur große Namen. Und doch wirkt „eXistenZ“ angenehm klein. Tatsächlich ein ganz anderer Film. Er bricht mit den Erwartungen und selbst das Ende besitzt mehrere Ebenen.

Fazit

Mir hat „eXistenZ“ bereits damals viel Freude bereitet. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob ich ihn im Kino gesehen habe oder erst auf VHS. Die letzte Sichtung lag schon viel zu lange zurück, da es den Film lange nicht zu erwerben gab. Dank Turbine Media Group liegt inzwischen aber eine mehr als brauchbare Blu-ray-Fassung vor, die ich in diesem Zuge nur empfehlen kann. Wenn ihr den Film noch nicht kennt, ihr euch aber für Sci-Fi dieser Art interessiert, dann unbedingt nachholen: 9/10 Punkte.

The Game (1997)

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche, während der ich noch gegen die Ausläufer meiner Grippe gekämpft habe, bin ich nun sehr froh, dass endlich Wochenende ist. Eingeläutet haben wir es natürlich mit einem Film: Die Wahl ist heute auf David Finchers „The Game“ gefallen, den ich damals sehr mochte. Die letzte Sichtung liegt mindestens 13 Jahre zurück und ich war sehr gespannt, ob er auch heute noch funktioniert. Mehr dazu in der folgenden Besprechung…

The Game (1997) | © Universal Pictures Germany GmbH

The Game (1997) | © Universal Pictures Germany GmbH

Einer der unterschätzen David-Fincher-Filme

Ich kann heute gar nicht mehr sagen, wann ich „The Game“ zum ersten Mal gesehen habe. Vermutlich war es nach der Sichtung von „Fight Club“ im Kino. Oder doch schon nach „Sieben“? Nach einem der beiden Filme habe ich auf jeden Fall angefangen, die anderen Filme des Regisseurs nachzuholen – und auch wenn „The Game“ neben den beiden genannten Werken immer etwas untergeht, so mag ich ihn jedoch sehr gerne. In der allgemeinen Wahrnehmung zählt er zusammen mit „Panic Room“ wohl eher zu den schwächeren Filmen des Regisseurs, doch sind beide technisch makellos und die Handlung wunderbar packend. Für Fincher vielleicht nur eine Fingerübung, doch damit immer noch gelungener, als die meisten anderen Thriller.

Kann es wirklich sein, dass „The Game“ bereits 22 Jahre auf dem Buckel hat? Für mich war es immer ein sehr moderner Thriller. Ja, beinahe schon ein High-Tech-Thriller! Aus heutiger Sicht wirken einige Elemente (die großen Röhrenfernseher, die Telefone und Mobilgeräte) doch recht angestaubt, was man von der restlichen Inszenierung glücklicherweise nicht behaupten kann. David Fincher zieht abermals alle Register und entführt uns auf ein mysteriöses, düsteres und rasantes Abenteuer, das von Michael Douglas wunderbar getragen wird. Die häufig kritisierten Logiklöcher fallen, wenn man denn gewillt ist, sich auf die Geschichte einzulassen, überhaupt nicht auf.

Fazit

Ja, auch nach 22 Jahren kann David Finchers „The Game“ immer noch überzeugen. Auch wenn mir die große Enthüllung am Ende des Films noch im Gedächtnis war, so hatte ich erneut viel Spaß auf dem Weg dorthin. Nach wie vor einer der gelungensten Mystery-Thriller, die man sich anschauen kann: 8/10 Punkte.

The Goldbergs – Season 3

Oh nein, nun habe ich schon das dritte Jahr mit meiner neuen Lieblings-TV-Familie verbracht. Das heißt nach „The Goldbergs – Season 3“ bleibt vorerst nur eine Staffel übrig. Puh, das wird hart! Ganz anders als diese wunderbare Serie, die mich abermals bestens unterhalten hat. Wie eine Zeitmaschine in die durch Steven-Spielberg-Filme verklärten 80er Jahre…

The Goldbergs – Season 3 | © Sony Pictures Home Entertainment

The Goldbergs – Season 3 | © Sony Pictures Home Entertainment

Stimmbruch, Schnurrbärte und „Dirty Dancing“

Schon in der ersten Episode der Staffel merkt man, dass Hauptdarsteller Sean Giambrone im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Sprung in Richtung Pubertät gemacht hat. Dies hat zur Folge, dass auch seine Serienfigur Adam Goldberg mitten im Stimmbruch steckt und immer mehr mit den Herausforderungen des Heranwachsens zu kämpfen hat. Dies sind manchmal recht plakative und offensichtliche Dinge, manchmal dagegen wunderbar emotionale Gegebenheiten, bei denen man als Zuschauer merkt, dass Adam das Kindsein noch nicht ganz hinter sich lassen will. In diesen Momenten hat mich die Serie immer wieder voll erwischt. Gerade weil ich solche Beobachtungen auch schon bei meinen eigenen Kindern gemacht habe.

Neben den ernsteren und emotionalen Themen, bietet auch das dritte Jahr von „The Goldbergs“ wieder etliche popkulturelle Anspielungen: Von „Risky Business“ über „Nummer 5 lebt!“ bis „Dirty Dancing“ ist alles dabei. Auch die inzwischen etablierten Insider-Gags leben weiter und es ist eine große Freude, Beverly und Murray Goldberg bei ihren verzweifelten und liebevollen Versuchen zu begleiten, ihre Kinder auf den richtigen Weg zu führen. Das alles ist zwar sehr typisch für Familien-Comedys, aber steckt hier deutlich mehr Herz dahinter, als bei 08/15-Sitcoms.

Fazit

Auch wenn es nur Nuancen sind, so hat mir das dritte Jahr mit „The Goldbergs“ noch einmal besser gefallen als die ersten beiden Staffeln. Ich liebe das Gefühl, das die Serie verströmt, den unschuldigen Humor und die emotionalen Elemente. Durch den Einsatz popkultureller Referenzen sowie den Bezug zur eigenen Kindheit des Autoren, weht ein frischer Wind durch diese wundervolle Retro-Serie: 9/10 (9.2) Punkte.

Auslöschung – OT: Annihilation (2018)

Gestern war für mich der große Area-X-Tag: Nicht nur habe ich mit „Acceptance“ Jeff VanderMeers Trilogie zu Ende gelesen, ich habe am Abend auch noch Alex Garlands Verfilmung „Auslöschung“ nachgeholt. Da der Film hierzulande bisher nur bei Netflix läuft, hatte ich mir bereits im Juni 2018 die US-Blu-ray importiert. Gut ein halbes Jahr später war es endlich soweit – gerade noch knapp vor dem 14. März, an dem auch bei uns der Film offiziell auf DVD und Blu-ray veröffentlicht wird…

Auslöschung (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Auslöschung (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Area X nach Schema F?

Bereits im Vorfeld der Sichtung war mir bewusst, dass Alex Garland („Ex Machina“) mit „Annihilation“ keine werksgetreue Adaption der Vorlage angestrebt hat, sondern eher eine Widerspiegelung seiner subjektiven Eindrücke, die er beim Lesen des ersten Teils der Southern-Reach-Trilogie hatte. Die wichtigsten Elemente finden sich somit auch im Film wieder: Die Frauengruppe rund um die Biologin (gespielt von Natalie Portman), das mysteriöse Gebiet Area X, die Southern-Reach-Organisation, die seltsam mutierte Natur, der Leuchtturm usw. Rein vom Setting und der Atmosphäre her hat Alex Garland die Vorlage ziemlich perfekt getroffen und es war für mich eine große Freude, zusammen mit den Wissenschaftlerinnen Area X zu erkunden.

Die wirklich abgefahrenen Elemente wiederum, welche die Vorlage so besonders machen, haben es dagegen nicht in den Film geschafft. Ich denke hier speziell an die  topographische Anomalie und den Crawler, welche für mich den Kern der Mysterien rund um Area X darstellen. Für mich fehlt hier ein Kernelement der Geschichte, selbst wenn alles andere ziemlich gut getroffen wurde. Ich musste hierbei an die Verfilmung von „Relic: Museum der Angst“ denken, bei der auch der Hauptcharakter der Vorlage aus der Adaption gestrichen wurde. Garland konzentriert sich in seiner Version komplett auf die Entstehung der Doppelgänger, was auch ein wichtiger Aspekt der Geschichte ist, aber eben nur einer unter vielen. Schade.

Down the Rabbit Hole

Ich habe im Vorfeld viel über die Kontroverse mitbekommen, die der Veröffentlichung des Films auf Netflix vorausging. Nachdem ich gestern erst „Acceptance“ fertig gelesen hatte, konnte ich den Gedanken des Studios auch nachvollziehen, dass das große Kinopublikum wohl so seine Schwierigkeiten mit dem Stoff haben würde. Nach der Sichtung des Films kann ich aber nur sagen: WTF? Von all den Andeutungen und vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten bleibt im Film nichts übrig. Es ist ziemlich eindeutig, wie sich die Handlung entwickelt und was mit den Charakteren passiert. Nichts, was genreverwandte Filme nicht schon ähnlich gemacht hätten. Wenn die scheinbare Komplexität des Stoffes tatsächlich der Grund des Studios gewesen sein sollte, den Film nicht in die Kinos zu bringen, dann gute Nacht, große Leinwand.

Fazit

Auch wenn ich es bemerkenswert finde, wie konsequent Alex Garland den Stoff heruntergebrochen und das Drehbuch auf wenige Elemente eingedampft hat, so finde ich es doch extrem schade, dass etliche Kernaspekte fehlen. Mir ist durchaus bewusst, dass eine 1:1-Adaption nicht möglich gewesen wäre, doch eine echte Trilogie, die sich auf die drei ineinander verschachtelten Haupterzählebenen der Vorlage beschränkt, das hätte ich famos gefunden. Dennoch ist die Atmosphäre von Area X perfekt getroffen und ich mag Natalie Portman in ihrer Rolle sehr. Für sich genommen ein großartiger Sci-Fi-Schocker, als Adaption nur bedingt gelungen: 8/10 Punkte.

Area X – The Southern Reach Trilogy, Book 3: Acceptance (Jeff VanderMeer)

Area X - The Southern Reach Trilogy, Book 3: Acceptance (Jeff Vandermeer)Nachdem mich ein fieser Infekt komplett ausgeknockt hatte, war es in der letzten Woche sehr ruhig auf meinem Blog. Die ersten fünf Tage konnte ich aufgrund hohen Fiebers und hämmernder Kopfschmerzen nicht einmal lesen und habe nur geschlafen. Auch wenn ich noch ziemlich angeschlagen bin, so geht es doch deutlich aufwärts, sprich ich habe die neu gewonnene Energie genutzt und mit „Acceptance“ endlich den letzten Teil der Southern-Reach-Trilogie zu Ende gelesen. Nach „Annihilation“ und „Authority“ war ich sehr gespannt, wie Jeff VanderMeer seinen ungewöhnlichen Sci-Fi-Horror abschließt. Ob alle Fragen geklärt werden, lest ihr in der folgenden Besprechung…

„You could know the what of something forever and never discover the why.“

War die Richtung, die VanderMeer mit „Authority“ eingeschlagen hatte, für mich eher eine Abkehr von den Stärken des ersten Teils, so bringt er im Abschluss seiner Trilogie alles zusammen. Ganz bewusst erzählt er die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven weiter, die teils auch in gänzlich unterschiedlichen Zeitebenen verortet sind. So erfahren wir viel aus der Vergangenheit des Leuchtturmwärters Saul Evans, erfahren wie die ehemalige Direktorin des Southern Reach mit ihm in Beziehung steht und begleiten Control und Ghost Bird abermals auf eine Expedition in Area X. In seiner zwar fragmentarischen, aber doch inhaltlich aufeinander abgestimmten Erzählweise, hat das für mich wunderbar funktioniert. Ich hätte mir sogar gewünscht, dass VanderMeer schon früher diese Erzählform gewählt hätte, denn gerade große Teile des direkten Vorgängers wirken nun umso konstruierter und im Rahmen der Geschichte eher ablenkend bzw. nehmen einen zu großen Teil davon ein.

Wer am Ende des Buches die vollständige Aufklärung aller aufgeworfenen Fragen erwartet, der dürfte bitter enttäuscht werden. Es gibt zwar einige Anhaltspunkte bzw. Hinweise für eigene Interpretationen, doch was es mit Area X ganz explizit auf sich hat oder was die agierenden Personen für eine Rolle spielen, bleibt doch stark dem Leser überlassen. Für mich ist das allerdings kein Nachteil, denn ich werde in den nächsten Tagen und Wochen gedanklich bestimmt noch öfter zum Leuchtturm, dem Tunnel, Saul, Ghost Bird und den anderen zurückkehren.

Fazit

Für mich hat Jeff VanderMeer mit „Acceptance“ einen ziemlich perfekten Abschluss seiner Trilogie geschaffen. Besonders erstaunt war ich, wie emotional die Handlung doch plötzlich wird. Gerade die Erzählstränge von Saul Evans und Gloria haben mich doch sehr berührt. Das hätte ich zu Beginn der Reihe nicht erwartet. Nun freue ich mich schon sehr auf die Verfilmung von „Annihilation“ und werde, sobald mein Kopf wieder einen Film durchhält, bestimmt darüber berichten. Wer ungewöhnliche Sci-Fi-Literatur sucht, der sollte unbedingt zugreifen: 9/10 Punkte.

L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn – OT: Weird Science (1985)

Nach einem unsteten Samstag, der von etlichen Aktivitäten der Kids geprägt war, habe ich den Abend genutzt, um mit „L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn“ eine weitere filmische Lücke zu schließen. Nachdem ich vor ein paar Monaten bereits „Ein Ticket für Zwei“ nachgeholt hatte, stand damit ein weiterer Film von John Hughes auf dem Programm.

L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn (1985) | © Universal Pictures Germany GmbH

L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn (1985) | © Universal Pictures Germany GmbH

Be careful what you wish for…

„L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn“ ist mir in meiner eigenen Teenager-Zeit häufig in der Fernsehzeitschrift über den Weg gelaufen. Schon damals wollte ich ihn unbedingt sehen, denn mir erschien – ganz der Teenager – die Prämisse äußerst reizvoll. Zu einer Sichtung gekommen ist es nie. Aus heutiger Sicht ist die Geschichte völlig absurd: Zwei Teenager bauen sich ihre Traumfrau. Geht es sexistischer? Ich mag mir auch gar nicht ausmalen, wie diese Idee noch Anfang der 2000er Jahre als Film ausgesehen hätte. John Hughes‘ Teenie-Version von „Frankensteins Braut“ atmet den Geist der naiven 1980er Jahre und, noch viel mehr, den seines eigenen Coming-of-Age-Kinos.

Auch wenn L.I.S.A. nur als Katalysator für die persönliche Entwicklung von Wyatt und Gary dient, und sie nicht als feuchter Traum der beiden 15-jährigen agiert, so bleibt ob so mancher Szene doch ein seltsamer Nachgeschmack zurück. „Weird Science“ wird eindeutig aus der Perspektive von zwei männlichen Teenagern erzählt und John Hughes gelingt das Kunststück, die völlig irre Handlung mit einer tatsächlichen Entwicklung und viel Menschlichkeit zu verbinden. Das funktioniert auch heute noch ziemlich gut, selbst wenn man sich der zeitgeschichtlichen Einordnung stets bewusst sein sollte und, durch die Inszenierung, auch in jeder Sekunde ist. Neben dem John-Hughes-Standardschauspieler Anthony Michael Hall gibt es zudem die blutjungen Robert Downey Jr. und Bill Paxton zu sehen.

Fazit

Ja, „Weird Science“ ist deutlich in die Jahre gekommen und würde, durchaus zurecht, heute so nicht mehr gedreht werden. Der völlige Irrsinn des Films verlangt mir aber auch 2019 noch Respekt ab, denn wenn die Rockerbande aus „The Road Warrior“ in eine Teenie-Party einfällt und Bill Paxton in einen schleimigen Riesenfrosch verwandelt wird, dann kann solch ein Film nur in den 1980er Jahren entstanden sein. Wenn ihr bereit dafür seid, dann könnt ihr viel Spaß mit L.I.S.A. haben: 7/10 Punkte.

Jurassic World: Das gefallene Königreich – OT: Jurassic World: Fallen Kingdom (2018)

Aktualisierung: Ich habe „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ am 25. Dezember 2024 zum ersten Mal mit meinen Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Heute habe ich endlich „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ nachgeholt. Kaum zu glauben, dass inzwischen selbst die Fortsetzungen meiner liebsten Filmreihen lange ungesehen im Regal stehen. Ob das der momentan überwältigenden Konkurrenz, der knappen Zeit oder der abnehmenden Qualität geschuldet ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Jurassic World: Das gefallene Königreich (2018) | Universal Pictures Germany GmbH

Jurassic World: Das gefallene Königreich (2018) | © Universal Pictures Germany GmbH

B-Movie-Drehbuch mit Big-Budget-Umsetzung

Auf „Jurassic World“ war ich damals so heiß, dass ich ihn sogar im Kino gesehen habe. Zwar wurde ich gut unterhalten, doch so ganz wollte der Funke nicht überspringen. Bei der Wiederholungssichtung im Heimkino war ich dagegen recht angetan. Nun also die erste Fortsetzung des soften Reboots. Der Trailer hat mich damals ziemlich enttäuscht, doch auf Regisseur J.A. Bayona halte ich nach „Das Waisenhaus“, „The Impossible“ und „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ziemlich große Stücke. Vielleicht kann aus „Jurassic World: Fallen Kingdom“ doch mehr werden als die zu erahnende Handlung vermuten lässt?

Leider kann auch die stimmungsvolle Inszenierung J.A. Bayonas den Film nicht vor seinem hanebüchenen Drehbuch retten. Vor 20 Jahren wäre so etwas mit Gummipuppen und Udo Kier als Bösewicht im Direct-to-Video-Regal verramscht worden. Wirklich unfassbar, wie wenig Mühe in die Geschichte und die Charaktere geflossen ist. Dabei hat der Film durchaus ein paar tolle Ansätze, doch gehen diese im viel zu vollgestopften und unausgegorenen Skript völlig unter. Puh. Das hat kaum noch etwas mit dem Original-Franchise zu tun und selbst der strukturelle Aufbau, der sich natürlich an „The Lost World: Jurassic Park“ orientiert, wirkt in seiner repetitiven und zwanghaft modernisierten Art und Weise selbst wie ein missglückter Klon der Vorlage.

Dino-Grusel trifft auf das Ende der Welt

Speziell die erste Stunde hat mich mit ihrer Formelhaftigkeit, die sich oftmals an die bestehenden Filme anbiedert, gelangweilt. Danach wird es interessanter, doch mag die zwanghaft neuartige Inszenierung als Gruselfilm nicht wirklich zum Franchise passen. Der Ausblick auf Endzeit mit Dinos weckt dagegen die Lust auf einen weiteren Teil. Dann aber bitte mit einem besseren Drehbuch. Ohne noch mehr Gen-Monster oder Gen-Töchter. Dafür mit mehr Charakteren und einem Gefühl für die Stimmung der bisherigen Filmreihe, denn diese wird hier leider so gut wie nie getroffen.

Fazit

Leider hat mich „Jurassic World: Fallen Kingdom“ doch ziemlich enttäuscht. Er hatte ein paar unterhaltsame Actionszenen und Ideen, aber oftmals wirkte die Geschichte einfach daneben. Letztendlich bleibt ein absolut durchschnittlicher Monsterfilm übrig, was für einen Film dieses Kalibers leider nicht als Lob zu verstehen ist: 5/10 Punkte.

Westworld – Season 2

Nachdem ich mir mit der Sichtung der ersten Staffel viel Zeit gelassen hatte, habe ich „Westworld – Season 2“ doch verhältnismäßig schnell nachgeholt. Die Kritiken waren, im Vergleich zum ersten Jahr, eher verhalten, doch war ich sehr gespannt, wie die Autoren den komplexen Stoff weiterführen. Ob die Kritiken berechtigt waren, lest ihr in meiner Besprechung…

Westworld – Season 2 | © Warner Home Video

Westworld – Season 2 | © Warner Home Video

Eine konsequente Fortführung der Geschichte

Wenig überraschend setzt das zweite Jahr von „Westworld“ genau dort an, wo wir die Charaktere in der ersten Staffel verlassen haben: Im Park ist das Chaos ausgebrochen. Zusammen mit Bernard versuchen wir herauszufinden, was genau passiert ist. Wie man es als Zuschauer der Serie bereits gewohnt ist, geschieht das auf verschiedenen Zeitebenen. Dabei nehmen wir als Zuschauer stark Bernards Perspektive bzw. Wahrnehmung ein und entsprechend unzuverlässig ist die präsentierte Narrative. Ich fand diesen Aspekt sehr spannend, denn waren die unterschiedlichen Zeitebenen in der ersten Staffel noch sehr auf einen, für mich doch recht offensichtlichen, Twist hin ausgerichtet, dienen sie hier mehr der Gesamtgeschichte und ihren Charakteren.

Das große Geheimnis, was Delos mit dem Park eigentlich bezwecken will, wird immer weiter und immer konsequenter gelüftet. Das Highlight war für mich hier die Episode „The Riddle of the Sphinx“, welche auch wunderbar für sich alleine stehen kann. Wie die Handlung letztendlich mit der restlichen Staffel verknüpft wurde, hat mich an die Hochzeiten von „Lost“ erinnert. Ob man dies nun eher negativ oder positiv einschätzt, liegt wohl ganz im Auge des Betrachters. Die schwächste Episode war für mich „Kiksuya“, die ebenfalls gut für sich alleine betrachtet werden kann. Sie bietet eine wunderbar persönliche Geschichte und tolle Bilder, wirkt aber am Ende der Staffel jedoch wie eine Füllepisode. Zweifellos sehenswert, aber ich hätte zu diesem Zeitpunkt lieber erfahren, wie es mit den anderen Charakteren weitergeht.

Inhaltliche und formale Aspekte

Die zweite Staffel von „Westworld“ musste viel Kritik einstecken: Die Handlung sei zu unfokussiert, die Gewalt zu stark im Vordergrund und generell nehme die Action zu viel Platz ein. Ich kann das nachvollziehen. In ihrem zweiten Jahr fordert die Serie noch mehr Aufmerksamkeit vom Zuschauer. Es gibt unzählige neue Ebenen und manche Erzählstränge hätten genug Stoff für eine extra Staffel gehabt, während gewisse Nebenschauplätze auf komplette Episoden gestreckt werden. Es gibt Episoden, deren Dialoge nahezu komplett auf japanisch oder Lakota erzählt werden. Wir Zuschauer müssen somit Untertitel lesen. Für viele anscheinend immer noch schwierig. In Teilen der Handlung springt das Bildformat zudem auf Cinemascope, was ich wunderbar fand, kommt der Western-Look dadurch doch noch besser zur Geltung. Erklärt wird dieses Stilmittel jedoch erst gegen Ende der Staffel. Der Eindruck einer gebrochenen Narrative wird dadurch noch weiter verstärkt. Ich mochte das sehr, verstehe aber auch, warum „Westworld“ inzwischen nicht mehr als das neue „Game of Thrones“ gehandelt wird. Dafür ist die Serie einfach zu Hardcore-Sci-Fi.

Fazit

Durch die noch fragmentarischere Erzählweise, ist die zweite Staffel von „Westworld“ keine einfache Seherfahrung. Dennoch ist sie keinesfalls schlechter, als der leichter zugängliche erste Besuch des Parks. Mir wird das Finale noch länger nachhängen und ich freue mich schon sehr auf das dritte Jahr, welches das Potenzial hat, die gesamte Geschichte einmal mehr auf den Kopf zu stellen: 9/10 (8.8) Punkte.

Das Sams (2001)

Wir sind treue Besucher der städtischen Bücherei. Dort leihen wir nicht nur viele Bücher, sondern auch CDs. Aktuell hört der Zwergofant liebend gerne „Eine Woche voller Samstage“ nach dem Kinderbuchklassiker von Paul Maar. Also habe ich mich auf die Suche nach einer Verfilmung gemacht und wurde mit „Das Sams“ aus dem Jahr 2001 auch bei Prime Video fündig. Der heutige Filmabend war also gesichert…

Das Sams (2001) | © Kinowelt Home Entertainment

Das Sams (2001) | © Kinowelt Home Entertainment

Eine altmodische Kinderbuchverfilmung

Ich weiß noch, dass ich damals, als ich noch öfter im Kino war, häufiger den Trailer zu „Das Sams“ gesehen habe. Dadurch kam es mir so vor, als wäre die Verfilmung noch recht aktuell. Allerdings hat Ben Verbongs Film inzwischen auch schon 18 Jahre auf dem Buckel. Kaum zu glauben! Entsprechend altmodisch wirkt die Adaption aus heutiger Sicht – und das meine ich durchaus positiv. Zwar gibt es etliche Effektszenen, doch im Vordergrund stehen eindeutig die Charaktere. Die Handlung ist dabei nicht sonderlich aufregend oder innovativ, aber stets unterhaltsam und lustig. Ich mag, wie selbstverständlich das Sams in die Welt des Herrn Taschenbier eingeführt wird. Dabei sind fast Erinnerungen an „Paddington“ wach geworden.

Neben der wunderbar amüsanten Geschichte, sticht für mich noch der Umstand heraus, dass der Film in Bamberg und damit in meiner fränkischen Heimat gedreht wurde. „Das Sams“ unterscheidet sich daher im Look von anderen typisch deutschen Produktionen, selbst wenn landesweite Stars, wie Ulrich Noethen, der übrigens auch das Hörbuch liest, oder Eva Mattes oder Armin Rohde, darin auftreten.

Fazit

Da der Zwergofant die Geschichte schon kannte, hat er „Das Sams“ tatsächlich komplett und (weitestgehend) ohne Angst gesehen. Er und seine Schwester hatten viel Freude daran und auch uns Eltern hat der Film gefallen. Vielleicht nicht der große Kinderfilmklassiker, aber doch sympathisch und unterhaltsam. Die Fortsetzungen werden bestimmt bald noch folgen: 7/10 Punkte.