Narcos – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Nach ein paar einzelnen Staffeln, habe ich mich wieder einmal einem etwas größeren Projekt gewidmet. Dabei handelt es sich um eine Netflix-Serie. Habe ich mir nun etwa doch einen Zugang besorgt? Natürlich nicht. Die Serie „Narcos“ gehört zu den Netflix-Produktionen, denen tatsächlich eine klassische DVD- bzw. Blu-ray-Veröffentlichung zuteil wurde. Insofern bin auch ich in den Genuss gekommen und ob es ein solcher war, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Narcos | © Netflix

Narcos | © Netflix

Mein erster Kontakt mit dem Pablo Escobar war durch die Serie „Entourage“, in welcher eine Verfilmung seines Lebens unter dem Titel „Medellin“ thematisiert wird. Später habe ich den Film „Escobar: Paradise Lost“ gesehen, welcher das Kolumbien unter Escobar nur als Setting für eine dramatische Liebesgeschichte nutzt. Umso gespannter war ich also, wie eine Serie über drei Staffeln das Thema angeht.

Staffel 1: Der Aufstieg des Medellín-Kartells

Da hat wohl jemand ein wenig viel Scorsese gesehen. Die Serie startet mit einem Voice-over und wirft direkt danach den ersten Freeze-Frame ein. Das Erzähltempo ist von Anfang an ziemlich hoch und die Chronologie wird öfter mal durch Einschübe unterbrochen. Auch wenn das Setting ein anderes ist, musste ich doch häufiger an „GoodFellas“ denken. Dabei ist der Erzähler allerdings kein Mafiosi, sondern einer von den Guten: ein, wie sollte es anders sein, amerikanischer DEA-Agent. Die Verquickung von historischen Fakten, die in Form von TV-Aufnahmen eingespielt werden, und dramatisierten Spielszenen, die den Großteil der Serie ausmachen, sorgt für eine bisweilen fragmentiert wirkende Erzählweise, die jedoch einen Sog entfaltet, dem man sich nur schwer entziehen kann. Großartig fand ich, dass die Akteure in ihrerer Landessprache miteinander kommunizieren und wir somit ein wirklich authentisch wirkendes Setting erleben. Alles in allem eine extrem packende erste Staffel, die in vielerlei Hinsicht wild und treibend erzählt ist. Für jeden, der einmal eine Gangster- bzw. Mafia-Geschichte in einem ungewöhnlicheren Setting und mit starkem historischem Bezug sehen möchte, definitiv eine Empfehlung: 9/10 (8.5) Punkte.

Staffel 2: Pablo Escobars langsamer Tod

Die zweite Staffel schließt nahtlos ans erste Jahr an und lässt sich wohl am ehesten als langsamer, aber kontinuierlicher Untergang von Pablo Escobars Gewaltherrschaft beschreiben. Neue Mitspieler haben das Spielfeld rund um Medellín betreten und streben danach, das sich abzeichnende Machtvakuum zu füllen bzw. es schneller hervorzurufen. Was Pablo Escobar angeht, so schwankt die Staffel über weite Strecken zwischen angedeutetem Mitgefühl für seine Familie, nur um im nächsten Moment wieder in komplette Abscheu umzuschlagen. Hier kann die Serie auf ganzer Linie überzeugen, was sie zu großen Teilen Wagner Mouras herausragendem Schauspiel zu verdanken hat. Sein Pablo Escobar ist ein extrem komplexer Charakter, was uns als Zuschauer, trotz seiner grausamen Taten, an seinem Schicksal teilhaben lässt. Insgesamt fand ich die zweite Staffel auch deshalb gelungener, weil eben die dramatische Fallhöhe größer ist. Am Ende steht mit Escobars Tod auch weniger ein Triumph, sondern der Beweis, dass der Kampf gegen die Drogen bereits verloren ist und nur die Mitspieler ausgetauscht werden: 9/10 (8.9) Punkte.

Staffel 3: Aufstieg und Fall des Cali-Kartells

Die dritte Staffel der Serie setzt alles auf Anfang und zeigt damit gut, dass der Kampf gegen die Drogen ein niemals enden wollender ist. Das Cali-Kartell hat den Platz des Medellín-Kartells eingenommen. Die Spieler wurden ausgetauscht, das Spiel ist das selbe. Auch die Serie spiegelt das wider: Agent Alex Murphy hat Kolumbien verlassen, Agent Javier Peña ist weiterhin am Ball. Er übernimmt auch das Voice-over von Murphy und gibt der Serie dadurch eine neue Identität. Daneben fällt vor allem, gerade am Anfang, das Ausscheiden Pablo Escobars ins Gewicht, da dieser, im Gegensatz zu den Paten des Cali-Kartells, ein echter Charakter war, der sich für gewisse Werte (so verquer diese auch gewesen sind) eingesetzt hat. Bei Cali geht es nur noch ums Geld. Später gewinnen die Paten noch ein wenig an Profil, jedoch ist es die Geschichte rund um den Cali-Sicherheitschef Jorge Salcedo Cabrera, der die dritte Staffel wirklich bemerkenswert macht. Die Staffel ist, gerade in ihrer zweiten Hälfte, weniger Drama als ein extrem spannungsgeladener Thriller, der mich oft auf der Kante des Sofas sitzen ließ und meinen Puls in die Höhe trieb. Wahnsinn. Damit setzt das finale Jahr der Serie andere Schwerpunkte und konnte mich insgesamt genauso überzeugen wie die zweite Staffel: 9/10 (8.9) Punkte.

Fazit

Ich war wirklich sehr angetan von „Narcos“. So sehr sogar, dass ich mir kurzzeitig überlegt hatte, nicht doch ein Netflix-Abo abzuschließen, um das Spin-off „Narcos: Mexico“ sehen zu können. Zudem hat mich die Qualität der Serie überzeugt sowie die Konsequenz, mit der sie ihre Internationalität ausspielt. Das ist mutig und durchaus beeindruckend. Ihr seht schon, „Narcos“ hat mir sehr viel Vergnügen bereitet und ist klar ein Serien-Highlight für alle, die gerne Mafia- oder Gangstergeschichten sehen: 9/10 (8.8) Punkte.

10 Gedanken zu “Narcos – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

  1. Danke für die Besprechung, das muss ich dann wohl wirklich, wirklich mal nachholen. War in letzter Zeit aber einfach nicht genug in Gangsterstimmung, um neben Ray Donovan in der Richtung was zu gucken. Vielleicht nähere ich mich wieder an, wenn ich Deadwood endlich abgeschlossen habe.

    Gefällt 1 Person

    • Durch das Setting und die Sprache wirkt die Serie sehr frisch, auch wenn die bekannten Strukturen natürlich bekannt sind. Auch die Verknüpfung mit dokumentarischen Szenen fand ich toll. Kann mir durchaus vorstellen, dass dir die Serie gefällt. Und ist mit 30 Episoden auch schön überschaubar… 🙂

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