Upload – Season 1

In den letzten Wochen habe ich einmal wieder eine aktuelle Serie geschaut. Vermutlich weil mich die Prämisse ziemlich gereizt hat – und weil die Serie ganz bequem auf Prime Video läuft. Die Rede ist von „Upload – Season 1“, welche inzwischen auch den Weg in ein paar von mir abonnierte Blogs und Podcasts gefunden hat. Was die Serie rund um den Upload in den kostenpflichtigen Social-Media-Himmel kann, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 💀⛪👨‍💻

Upload – Season 1 | © Amazon Prime Video

Upload – Season 1 | © Amazon Prime Video

Das Social Network für frisch Verstorbene

„Upload“ besitzt eine Prämisse, wie ich mir einzelne Episoden von „Black Mirror“ immer vorgestellt habe (ohne die Serie je gesehen zu haben): In der nahen Zukunft kann die Seele von Verstorbenen digitalisiert und in die Cloud geladen werden, wo sie (je nach Bankkonto) allen Luxus des digitalen Himmels erfährt. Dabei können die Verstorbenen mit ihren Hinterbliebenen kommunizieren und somit quasi weiterhin am Leben teilhaben. Aus dieser Idee hätte man alles mögliche stricken können: Ein Sci-Fi-Drama, einen High-Tech-Thriller oder eben, wie in diesem Fall, eine romantische Komödie mit satirischen Elementen. Teils erinnert die Serie ein wenig an „The Good Place“, was ich erst nach „Upload“ begonnen habe zu schauen, geht letztendlich aber doch einen ganz eigenen Weg.

Was hat für mich den Reiz von „Upload“ ausgemacht? Neben ziemlich treffenden Gags auf Kosten unseres Nutzungsverhaltens digitaler Medien, mochte ich die gesamte Zukunftsvision und die Liebesgeschichte sehr gerne. Weniger gut funktioniert haben für mich die Thriller-Elemente. Gerade das Staffelfinale war in dieser Hinsicht wirklich eine Enttäuschung. Davon abgesehen hatte ich aber stets viel Spaß in Lakeview und den darin agierenden Personen – und das sowohl on- also auch offline.

Fazit

„Upload“ ist eine wirklich erfrischende Comedy-Serie, die ihren Finger oft treffend in die Wunde legt. Dabei erzählt sie eine erfrischende Liebesgeschichte und stellt ein paar spannende Fragen. Leider gibt es auch ein paar Elemente, die nicht so wirklich funktionieren wollen. Ich freue mich dennoch auf die zweite Staffel: 8/10 (8.2) Punkte.

Narcos – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Nach ein paar einzelnen Staffeln, habe ich mich wieder einmal einem etwas größeren Projekt gewidmet. Dabei handelt es sich um eine Netflix-Serie. Habe ich mir nun etwa doch einen Zugang besorgt? Natürlich nicht. Die Serie „Narcos“ gehört zu den Netflix-Produktionen, denen tatsächlich eine klassische DVD- bzw. Blu-ray-Veröffentlichung zuteil wurde. Insofern bin auch ich in den Genuss gekommen und ob es ein solcher war, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Narcos | © Netflix

Narcos | © Netflix

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Vinyl – Die komplette Serie (Staffel 1)

Nach dem letzten großen Serienmarathon habe ich mich einmal wieder einer kürzeren Show zugewandt, die mit 10 Episoden auch mehr oder weniger abgeschlossen ist. „Vinyl“ war 2016 neben „Westworld“ einer der großen HBO-Neustarts und konnte mit großen Namen wie Mick Jagger, Martin Scorsese und Terence Winter aufwarten. Letztere hatten mit „Boardwalk Empire“ bereits abgeliefert. Wieso floppte „Vinyl“ also und lohnt sich die Sichtung trotz der frühen Absetzung? 📀🎵🎸

Vinyl | © HBO

Vinyl | © HBO

Sex, Drugs & Rock’n’Roll (and More Drugs)

Bereits die erste Episode sprengt mit knapp 120 Minuten jegliche Grenzen. Wow. Inszeniert von niemand geringerem als Martin Scorsese fühlt man sich sogleich wie in einer musikalischen Variante von „Casino“ versetzt. Obwohl einerseits viel passiert und sich andererseits auch viel Zeit gelassen wird, sind die 10 Episoden wie im Fluge vergangen. Ich habe mich komplett abgeholt gefühlt und jede Sekunde dieser herrlich altmodischen Inszenierung genossen. Auch im weiteren Verlauf hat mich die Serie sehr an das klassische Gangsterkino von Scorsese und Co. erinnert: Erzählt wird eine typische Rise-and-Fall-Geschichte, nur dass wir erst kurz vor dem Fall der Hauptfigur in sie hineingeworfen werden. Es kommt zu einem gewalttätigen Todesfall, verbaler und physischer Gewalt sowie einem völlig übertriebenem Level an Drogenkonsum. Teils war dieser Handlungsstrang schon fast zu viel des Guten und manchmal scheint es schon fast nebensächlich, dass sich die Geschichte in der Musikindustrie der 1970er Jahre abspielt, was auch mein einziger Kritikpunkt an der Serie ist.

Hauptfigur Richie Finestra wird großartig von Bobby Cannavale verkörpert. Seine Performance lässt Erinnerungen an die großen Scorsese-Darsteller wach werden. An seiner Seite spielen u.a. Olivia Wilde (als Richies Ehefrau Devon Finestra) und Ray Romano in einer für ihn sehr ungewöhnlichen Rolle als Richies Geschäftspartner Zak Yankovich. Schauspieler und Inszenierung sind über jeden Zweifel erhaben. Hinzu kommen bekannte Musikgrößen der 70er-Jahre-Rock-Geschichte, welche teils durchaus imposante Auftritte hinlegen dürfen (u.a. die New York Dolls, David Bowie oder – weniger imposant – Elvis Presley). Audiovisuell ist „Vinyl“ wahrlich ein Hochgenuss und ich hätte gerne noch viel, viel mehr davon gesehen.

„Vinyl“ wurde leider viel zu früh abgesetzt

Auch wenn die zweite Staffel schon in trockenen Tüchern schien, wurde die Serie letztendlich abgesetzt. Anscheinend gab es Differenzen zwischen Showrunner Terence Winter und HBO. Der erhoffte Erfolg war „Vinyl“ wohl auch nicht. Normalerweise sind Zuschauerzahlen für den Pay-TV-Sender nicht unmittelbar ausschlaggebend (schon gar nicht nach nur einer Staffel), doch ein Wechsel an der Spitze des Senders war letztendlich der Sargnagel für die Serie. Für solch eine ambitionierte Produktion schon fast tragisch. Obwohl die Staffel nicht mit einem großen Cliffhanger endet, so bleibt am Ende doch das unschöne Gefühl, die Figuren gerade an einem Zeitpunkt in ihrem Leben zu verlassen, der große Veränderungen mit sich bringt. Es herrscht ein Gefühl des Aufbruchs – sowohl was die Musikwelt als auch die persönlicheren Entwicklungen angeht. Davon werden wir jedoch leider nichts mitbekommen.

Fazit

Teils als „Mad Men“ der Musikwelt bezeichnet, erinnert „Vinyl“ doch mehr an klassisches Scorsese-Gangsterkino mit weniger Gangstertum und mehr Musik. Die Wurzeln sind aber unverkennbar und diese Mischung ist für mich tatsächlich sehr attraktiv. Gerne hätte ich die weitere Entwicklung verfolgt, doch bin ich sehr froh, dieser zu unrecht viel zu früh abgesetzten Serie eine Chance gegeben zu haben. Wenn ihr ein Faible für Musikgeschichte habt und klassische Rise-and-Fall-Geschichten mögt, dann schaut unbedingt einmal bei American Century Records vorbei. Es lohnt sich: 9/10 (8.9) Punkte.

Preacher – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 4)

Schon seit Mitte August habe ich nicht mehr über Serien geschrieben. Warum die lange Pause? War ich etwa abstinent? Nein, ich habe nur ein weiteres Großprojekt gestartet und die komplette Serie „Preacher“ gesehen. Eigentlich war ich dieser Serie immer eher ein wenig skeptisch gegenübergestanden, doch da mir „The Boys“ des gleichen kreativen Teams ziemlich gut gefallen hatte, wollte ich dem ungewöhnlichen Priester doch eine Chance geben. Warum das eine exzellente Entscheidung war und mir die Serie samt Charakteren doch ziemlich ans Herz gewachsen ist, lest ihr in der folgenden Besprechung… ⛪👼😈

Preacher | © AMC

Preacher | © AMC

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Halt and Catch Fire – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 4)

Nachdem ich in letzter Zeit eher kurze, einzelne Staffeln bzw. Serien geschaut habe, bin ich mit „Halt and Catch Fire“ zu einer epischeren Geschichte, die sich über mehrere Jahre und Staffeln spannt, zurückgekehrt. Die Serie stand schon länger auf meiner Liste, da ich mir ein „Mad Men“ in der Tech-Welt erhoffte. Ob die Serie dieses Versprechen auch einlösen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…  💻💬🕹👾👩‍💻🔍

Halt and Catch Fire | © AMC

Halt and Catch Fire | © AMC

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The Terror – Season 1

Mit „The Terror – Season 1“ habe ich mich einmal wieder einer Serie gewidmet, die durch eine Empfehlung des „Fortsetzung folgt“-Podcasts auf Platz 1 meiner niemals enden wollenden Serienliste gewandert ist. Die bei uns exklusiv auf Prime Video laufende AMC-Produktion war bei mir schon zuvor auf dem Radar (speziell durch Ridley Scott als ausführenden Produzenten), doch ohne die Besprechung hätte ich wohl nicht so zeitnah reingeschaut. Ob sich die Sichtung für mich gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

The Terror – Season 1 | © AMC

The Terror – Season 1 | © AMC

Lasst alle Hoffnung fahren

Es gab in meinem Programm wohl schon lange keine Serie mehr, die sowohl formal als auch inhaltlich so monoton und trostlos daherkommt wie „The Terror“. Dies liegt einerseits an der landschaftlichen Ödnis, andererseits aber auch an der repetitiv wirkenden Handlung. Es ist keine eingängige und leichte Serie. Die Verquickung der historischen Expedition der beiden britischen Schiffe HMS Terror und HMS Erebus, die auf der Suche nach der Nordwestpassage im arktischen Eismeer verschollen sind, mit übernatürlichen Horror-Elementen, ist teils schwer zu ertragen. Nicht weil der Horror so hart oder gruselig wäre, sondern weil sich die Trost- und Ausweglosigkeit der Männer auf uns Zuschauer überträgt. Fast schon monochrome Bilder, ein Score, der Unheil verkündet und ausgemergelte Gesichter. Nein, eine Wohlfühlserie ist „The Terror“ definitiv nicht.

Als Kontrast zur tödlichen Arktis werden teils kurze Flashbacks in die Zeit vor der Expedition eingestreut. Hier gibt es Prunk und Wohlstand in London zu sehen. Charaktere werden besser ausgearbeitet und Hintergründe erklärt. Die Rückkehr in die Eislandschaft ist danach umso härter. Tauschen möchte man mit den Männern nicht. Und auch nicht mit den wenigen Frauen der Serie, die zu Hause in London zur Passivität verdammt sind, oder als Inuit zwar ein zentraler Bestandteil der Handlung, letztendlich aber doch durch die äußeren Umstände getrieben werden. Gewinner gibt es am Ende keine.

Leise rieselt das Blut

Wie bereits erwähnt, ist das Gefühl des Horrors weniger dem auftauchenden Monster geschuldet, als dem Wahnsinn, der die Männer nach und nach befällt. Wie so oft ist die Bedrohung dann am größten, wenn sie noch undefinierbar ist. Das Monster letztendlich so explizit zu zeigen, hätte es meiner Meinung gar nicht gebraucht. Die Spannung zwischen den Männern und der Werdegang von Cornelius Hickey (Adam Nagaitis) ist hier deutlich interessanter. Gerade in der finalen Episode fällt die Handlung leider etwas in sich zusammen und ich war irgendwie froh, diese trostlose Umgebung zu verlassen. Insofern hat die Serie ihr Ziel wohl durchaus erreicht.

Fazit

Auch wenn mich „The Terror“ nicht in letzter Konsequenz überzeugen konnte, so zeigt die Serie doch wunderbar, wie man alleine durch einen Schauplatz und zwischenmenschliche Spannungen enorm viel Atmosphäre kreieren kann. Die Bedrohung von außen ist da nur ein verstärkendes Element. Bestimmt nicht immer eine einfach zu schauende Serie, aber doch eine sehr packende. Die Handlung ist übrigens abgeschlossen und die geplante zweite Staffel soll im Anthologie-Stil weitergeführt werden. Frostige 8/10 (7.9) Punkte.

The Leftovers – Season 1 to 3

In den letzten Monaten habe ich mich einmal wieder einem Serien-Großprojekt gewidmet. Groß eher aufgrund des Inhalts und weniger aufgrund der doch recht kompakten drei Staffeln bzw. 28 Episoden. Die Rede ist von „The Leftovers“. Der HBO-Serie eilt der Ruf voraus sehr düster zu sein. Extrem düster. Und ja, das ist sie auch. Was die Serie des „Lost“-Autoren Damon Lindelof sonst noch zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden, spoilerfreien Besprechung…

The Leftovers – Season 1 to 3 | © Warner Home Video

The Leftovers – Season 1 to 3 | © Warner Home Video

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The Last Ship – Season 1

Normalerweise überlege ich sehr genau, welche Serie ich schaue. Man bindet sich ja doch länger an eine Geschichte und investiert demnach viel Zeit. Die Serie „The Last Ship – Season 1“ habe ich mir jedoch vor allem aufgrund des günstigen Preises zugelegt. Doch auch der Inhalt klang durchaus reizvoll: Postapokalypse, Action und ein Kriegsschiff als Setting – warum nicht? Doch schon Michael Bay als Produzent hätte mich stutzig werden lassen müssen…

The Last Ship – Season 1 | © Polyband/WVG

The Last Ship – Season 1 | © Polyband/WVG

Action, Militär und übertriebenes Pathos

Warum ich diese Staffel tatsächlich komplett gesehen habe, kann ich gar nicht so genau sagen. Vermutlich weil es nur 10 Episoden waren und ich mich ja nicht nur immer lobend über die jüngst gesehenen Serien äußern kann. Letztendlich war es aber schon eine ziemliche Qual sich durch die mit US-Patriotismus, Militär-Glorifizierung, schlechtem Schauspiel und unfreiwillig komischen Drehbüchern vollgestopften Episoden durchzukämpfen. Dabei klingt die Prämisse recht spannend: Ein tödliches Virus hat die Menschheit größtenteils dahingerafft. Wir begleiten die Crew eines Zerstörers, die aufgrund ihrer Mission bei Ausbruch der Pandemie in entlegenen Gewässern unterwegs war. Die Crew ist somit gesund und hat mit einer Mikrobiologin auch das Expertenwissen an Bord, einen möglichen Impfstoff zu finden. Klingt doch gar nicht so schlecht, oder?

Leider suhlt sich die Serie in einer unangenehme Propaganda-Ästhetik sowie ihren reaktionären Ansichten (z.B. Waffengewalt löst alle Probleme, Transparenz der Crew gegenüber führt zur Eskalation), was mir den Spaß doch ziemlich verleidet hat. Hinzu kommen dröge Drehbücher und leider nur unterdurchschnittlich begabte Schauspieler. Selbst Adam Baldwin, den ich seit „Firefly“, „Serenity“ oder „Chuck“ immer sehr gerne sehe, wirkt hier völlig verschenkt und kann sein Charisma nicht einbringen. Von der weiteren Entwicklung der Geschichte ganz zu schweigen, die in ihrer Dramatik eher an 90er-Jahre-Nachmittags-TV erinnert.

Fazit

Nein, ich kann „The Last Ship“ wirklich nicht weiterempfehlen. Normalerweise wäre ich hier (die magische 6-Punkte-Grenze) schon viel früher rausgewesen, doch eigentlich ist es ganz unterhaltsam, auch einmal einen Serien-Verriss zu schreiben. Das bedeutet nicht, dass ich nicht auch Spaß an der Serie gefunden habe, doch war das eher aufgrund der unfreiwilligen Komik und der teils doch recht actionreichen und ein wenig trashigen Endzeitgeschichte. Das perfekte Sonntagnachmittagsprogramm, doch eben weit entfernt von Qualitätsfernsehen: 5/10 (5.2) Punkte.

Westworld – Season 2

Nachdem ich mir mit der Sichtung der ersten Staffel viel Zeit gelassen hatte, habe ich „Westworld – Season 2“ doch verhältnismäßig schnell nachgeholt. Die Kritiken waren, im Vergleich zum ersten Jahr, eher verhalten, doch war ich sehr gespannt, wie die Autoren den komplexen Stoff weiterführen. Ob die Kritiken berechtigt waren, lest ihr in meiner Besprechung…

Westworld – Season 2 | © Warner Home Video

Westworld – Season 2 | © Warner Home Video

Eine konsequente Fortführung der Geschichte

Wenig überraschend setzt das zweite Jahr von „Westworld“ genau dort an, wo wir die Charaktere in der ersten Staffel verlassen haben: Im Park ist das Chaos ausgebrochen. Zusammen mit Bernard versuchen wir herauszufinden, was genau passiert ist. Wie man es als Zuschauer der Serie bereits gewohnt ist, geschieht das auf verschiedenen Zeitebenen. Dabei nehmen wir als Zuschauer stark Bernards Perspektive bzw. Wahrnehmung ein und entsprechend unzuverlässig ist die präsentierte Narrative. Ich fand diesen Aspekt sehr spannend, denn waren die unterschiedlichen Zeitebenen in der ersten Staffel noch sehr auf einen, für mich doch recht offensichtlichen, Twist hin ausgerichtet, dienen sie hier mehr der Gesamtgeschichte und ihren Charakteren.

Das große Geheimnis, was Delos mit dem Park eigentlich bezwecken will, wird immer weiter und immer konsequenter gelüftet. Das Highlight war für mich hier die Episode „The Riddle of the Sphinx“, welche auch wunderbar für sich alleine stehen kann. Wie die Handlung letztendlich mit der restlichen Staffel verknüpft wurde, hat mich an die Hochzeiten von „Lost“ erinnert. Ob man dies nun eher negativ oder positiv einschätzt, liegt wohl ganz im Auge des Betrachters. Die schwächste Episode war für mich „Kiksuya“, die ebenfalls gut für sich alleine betrachtet werden kann. Sie bietet eine wunderbar persönliche Geschichte und tolle Bilder, wirkt aber am Ende der Staffel jedoch wie eine Füllepisode. Zweifellos sehenswert, aber ich hätte zu diesem Zeitpunkt lieber erfahren, wie es mit den anderen Charakteren weitergeht.

Inhaltliche und formale Aspekte

Die zweite Staffel von „Westworld“ musste viel Kritik einstecken: Die Handlung sei zu unfokussiert, die Gewalt zu stark im Vordergrund und generell nehme die Action zu viel Platz ein. Ich kann das nachvollziehen. In ihrem zweiten Jahr fordert die Serie noch mehr Aufmerksamkeit vom Zuschauer. Es gibt unzählige neue Ebenen und manche Erzählstränge hätten genug Stoff für eine extra Staffel gehabt, während gewisse Nebenschauplätze auf komplette Episoden gestreckt werden. Es gibt Episoden, deren Dialoge nahezu komplett auf japanisch oder Lakota erzählt werden. Wir Zuschauer müssen somit Untertitel lesen. Für viele anscheinend immer noch schwierig. In Teilen der Handlung springt das Bildformat zudem auf Cinemascope, was ich wunderbar fand, kommt der Western-Look dadurch doch noch besser zur Geltung. Erklärt wird dieses Stilmittel jedoch erst gegen Ende der Staffel. Der Eindruck einer gebrochenen Narrative wird dadurch noch weiter verstärkt. Ich mochte das sehr, verstehe aber auch, warum „Westworld“ inzwischen nicht mehr als das neue „Game of Thrones“ gehandelt wird. Dafür ist die Serie einfach zu Hardcore-Sci-Fi.

Fazit

Durch die noch fragmentarischere Erzählweise, ist die zweite Staffel von „Westworld“ keine einfache Seherfahrung. Dennoch ist sie keinesfalls schlechter, als der leichter zugängliche erste Besuch des Parks. Mir wird das Finale noch länger nachhängen und ich freue mich schon sehr auf das dritte Jahr, welches das Potenzial hat, die gesamte Geschichte einmal mehr auf den Kopf zu stellen: 9/10 (8.8) Punkte.

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2

Es ist passiert: Ich habe die beste Serienstaffel gesehen, seit ich dieses Blog betreibe. Und nein, ich habe nicht noch einmal „The Wire“ oder „The West Wing“ geschaut. Welcher Serie gebührt dann diese Ehre? Nachdem ich schon die erste Staffel großartig fand, hat mich „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2“ voll und ganz überzeugt. In meinen Augen ist es nahezu die perfekte Serienstaffel. Warum das so ist, bringe ich euch in der folgenden Besprechung nahe…

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2 | © Amazon Prime Video

Ein Feuerwerk an spritzigen Dialogen

Schon seit „Gilmore Girls“ wissen wir, dass Amy Sherman-Palladino großartige Dialoge schreiben kann. Auch die erste Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ hat in dieser Hinsicht voll und ganz überzeugt – und ja, die Charaktere und ihre Dialoge sind es auch, welche das zweite Jahr der Serie so überragend machen. Sie sind noch schneller, noch pointierter und werden noch schmissiger vorgetragen. Dabei liegt der Fokus nicht mehr nur auf den beiden famosen Hauptfiguren Midge Maisel (Rachel  Brosnahan) und Susie Myerson (Alex Borstein), sondern auch die Nebenfiguren bekommen deutlich mehr Zeit und Tiefe spendiert. Allen voran natürlich die Eltern, welche ganz famos von Marin Hinkle und Tony Shalhoub verkörpert werden.

Die Staffel startet mit einem Ausflug nach Paris, der nicht nur eben schnell in einer Episode abgehandelt wird, um Schauwerte zu schaffen, sondern der essenziell für die Beziehungen der Figuren (speziell von Rose und Abe Weissman) untereinander sowie ihre Charakterentwicklung und Motivation in der weiteren Staffel ist. Dieser äußerst unterhaltsame Auftakt wird im weiteren Verlauf noch durch die drei in den Catskills spielenden Urlaubsepisoden übertroffen, die in ihrem Mikrokosmos einfach nur herrlich absurd sind. Auch in der zweiten Hälfte der Staffel weiß die Serie durch kunterbunte Tour-Erlebnisse und TV-Auftritte unserer Comedienne zu überzeugen.

Eine wunderbare Ensemble-Serie

Wie bereits erwähnt, bekommen auch die Nebenfiguren mehr Platz eingeräumt, was vermutlich auch den zwei zusätzlichen Episoden zu verdanken ist. Gerade Miriams Vater Abe Weissman muss hier einiges durchmachen, das sein Weltbild gehörig durcheinander würfelt. Tony Shalhoub spielt die Figur so stoisch, dass es eine wahre Freude ist – zumindest bis er dann doch einmal explodiert. Wirklich großartig. Doch auch Joel, seine Eltern oder Neuzugang Benjamin (gespielt von Zachary Levi, bekannt aus der TV-Serie „Chuck“) bekommen alle genügend Screentime, um ihre Charaktere zu entwickeln. Hier hat das Autorenteam rund um Amy Sherman-Palladino wirklich eine gute Balance gefunden.

Neben den inhaltlichen Vorzügen, weiß die Serie vor allem durch ihren Look zu überzeugen. „The Marvelous Mrs. Maisel“ sieht einfach unfassbar gut aus! Etliche Cold-Openings starten mit an Musicals erinnernden Sequenzen, die wunderbar pompös inszeniert sind. Doch auch die restliche Ausstattung, Kostüme, Kamera- und Lichtarbeit sucht ihresgleichen. Ein Augen- und Ohrenschmaus, der in Kombination mit den inhaltlichen Aspekten wahrlich den Eindruck einer perfekten Serie hinterlässt.

Fazit

Die zweite Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ setzt für mich neue Maßstäbe, was serielles Erzählen angeht. Eine der wenigen Serien, an denen ich nichts aussetzen kann. Ich habe jede einzelne Szene genossen und mag einfach nicht glauben, dass ich Mrs. Maisel schon wieder verlassen muss. Bis zur nächsten Staffel vergeht bestimmt noch ein Jahr und ich vermisse sie jetzt schon. Ganz große Serienliebe: 10/10 (9.8) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie