Bad Banks – Staffel 1

Nach dem längeren Ausflug in die düstere Welt von „The Leftovers“ habe ich mich, im Gegensatz zu allen anderen Serien-Fans, nicht nach Westeros aufgemacht, sondern nach Frankfurt begeben. Dort finden sich im Rahmen von „Bad Banks – Staffel 1“ beinahe ebenso viele Intrigen und Machtspiele, wie in der momentanen Hype-Serie. Warum dies nicht der einzige Grund ist, der euch dazu bewegen sollte, einmal einer deutschen Serie eine Chance zu geben, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Bad Banks – Staffel 1 | © ZDF und ARTE

Bad Banks – Staffel 1 | © ZDF und ARTE

Meine Beziehung zur deutschen TV-Serie

Als ich von der Serie hörte bzw. las, war ich zunächst skeptisch. Deutsches Fernsehen. Damit verbinde ich am ehesten noch den drögen „Tatort“ am Sonntagabend. Ein Phänomen, das sich mir bis heute nicht erschließt. Auch andere hoch gehandelte deutsche Serien, wie „Stromberg“ oder „Pastewka“, haben es bei mir nicht geschafft, sich wirklich als herausragend zu etablieren. Eben auch weil die Originale bzw. deren US-Versionen, sprich „The Office“ und „Curb Your Enthusiasm“, so viel gelungener sind als unsere Ableger. Die letzte originelle deutsche Serie, die ich wirklich regelmäßig verfolgt habe, dürfte Anfang der 2000er wohl „Berlin, Berlin“ gewesen sein. Davor ist mir nur „Das Boot“ aus dem Jahr 1981 als bemerkenswert im Gedächtnis geblieben. Die neue Welle deutscher Serien diverser Streaming-Portale ist bisher an mir vorbei gegangen. Somit war ich umso neugieriger, ob diese Koproduktion des ZDF mit ARTE meine Wahrnehmung der deutschen TV-Serie tatsächlich ändern kann.

In die Abgründe der Finanzbranche

Schon während der ersten Episode wird klar, dass sich „Bad Banks“ zumindest audiovisuell stark an internationalen Serienproduktionen orientiert. Sei es das Color-Grading, die Kameraarbeit oder die Schnittfrequenz. Alles schreit nach modernen Sehgewohnheiten – und das meine ich durchaus positiv. Auch inhaltlich hätte diese Serie wohl in jedem anderen Land entstehen können, jedoch passt diese kühle, abgeklärte Darstellung der Finanzwelt schon ziemlich gut als Thema für eine Serie aus Deutschland – auch wenn dies nur ein weiteres Klischee bestätigt. Am meisten ist mir der Ursprung der Serie bei den SchauspielerInnen aufgefallen. Die Mischung aus bekannten Gesichtern und frischen Newcomern geht voll und ganz auf: Paula Beer ist in der Hauptrolle großartig und schafft es ihren Charakter in etlichen Nuancen einerseits zerbrechlich und sorgenvoll, andererseits machthungrig und kalkulierend darzustellen. Mit Désirée Nosbusch, Tobias Moretti und Jörg Schüttauf ergänzen deutsche Schauspielgrößen das Ensemble, die hier Nebenrollen mit dem nötigen Gewicht ausstatten. Alles in allem wirklich sehr gelungen.

Inhaltlich orientiert sich die Serie am Trend der vergangenen Jahre, eher Antihelden in den Mittelpunkt zu rücken. Klar, eine Jana Liekam ist noch kein Walter White, doch auch sie greift teils zu drastischen Mitteln, um ihre Ziele zu erreichen. Statt dem Aufstieg zum Drogenbaron sind es natürlich eher White-Collar-Verbrechen, doch sind diese weniger verwerflich? Nur weil man weniger von körperlicher Gewalt gebraucht macht? Hier könnte die Serie noch mehr in die Vollen gehen und die Schicksale der Betroffenen zeigen, die durch Bilanzfälschungen, faule Kredite usw. ruiniert werden. Andererseits wäre das auch sehr plakativ und würde eventuell die bewusst inszenierte Distanz aufbrechen. Potenzial für eine zweite Staffel ist definitiv vorhanden.

Fazit

Ja, die erste Staffel von „Bad Banks“ wird ihrem Ruf tatsächlich gerecht. Auch ich mit meiner eher schwierigen Beziehung zu deutschen TV-Produktionen (siehe oben) muss neidlos zugeben, dass die AutorInnen rund um Oliver Kienle hier einen wirklich sehr sehenswerten Finanz-Thriller in Episodenform geschaffen haben. Selbst Skeptikern kann ich nur empfehlen, hier mehr als einen Blick zu riskieren: 9/10 (8.5) Punkte.

9 Gedanken zu “Bad Banks – Staffel 1

  1. Ich habe mich am Anfang mit der Serie auch etwas schwer getan, aber der Verlauf der Handlung gestaltet sich spannend. Die Hauptdarstellerin empfand ich zwar jetzt als nicht so stark, aber insgesamt eine gelungene Serie. Das schreibe ich jetzt übrigens nicht weil ich ein alter Schulfreund des Headautors Oliver Kienle bin 😉

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    • Stimmt, das hattest du schon einmal irgendwo geschrieben. Hatte aber nicht mehr gewusst, dass es der Autor dieser Serie war. Wenn du noch Kontakt hast, solltest du mal ein Interview mit ihm führen. Wäre guter Content für dein Blog! 🙂

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      • Leider ist Oliver (verständlicherweise) sehr beschäftigt und ich habe nicht so oft Kontakt zu ihm. Laut Wikipedia soll die zweite Staffel von „Bad Banks“ Ende April, also jetzt, abgedreht sein. Irgendwo habe ich gelesen, dass er an einer weiteren Serie schreibt. Und dann steht noch eine Romantikkomödie (eigentlich so gar nicht sein Genre ;-)) auf dem Programm.

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      • Ja, verständlich, dass er schwer beschäftigt ist. Kein Wunder nach dem Erfolg der Serie. Werde auf jeden Fall weiter verfolgen, woran er arbeitet und freue mich schon auf die zweite Staffel von „Bad Banks“.

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  2. Ich war von der Serie ja auch sehr begeistert. Im Gegensatz zu vielen anderen Serien, die sich am Staffelende das Türchen für die Verlängerung offen halten, war ich hier von dem quasi „Cliffhanger“ ganz angetan. Die Ausgangssituation am Ende bietet hervorragenden Nährboden für eine weitere Staffel, die genug Neues bieten kann und nicht nur eine „Verlängerung der 1. Staffel“ sein muss.

    Was die deutsche Fernsehlandschaft angeht, bin ich im Gegensatz zu Dir ja eher schwer begeistert von dem, was da teilweise abgeliefert wird. Klar, da ist auch viel Mist bei. Aber solche Serien-Perlen wie etwa „KDD“ (ZDF) oder „Der Tatortreiniger“ (NDR) möchte ich nicht missen. Ebenso wenig wie einige herausragende Fernsehfilme, die ich dann ab und zu in Nerdtalk empfehle.

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    • Ja, das hat die Serie wirklich gut gemacht. Ich mochte auch sehr, wie schön dicht sie erzählt ist. Da gibt es keine Füllepisoden oder unnötige Handlungsstränge. Sechs Episoden ist eine schöne Länge, auch wenn ich gerne noch mehr davon gesehen hätte.

      Ich kann dich gut verstehen, was dein Lob auf deutsche TV-Produktionen angeht. Ich habe um die 2000er herum stets den deutschen Kinofilm hochgehalten, doch wenn man sich nicht bewusst damit beschäftigt, dann entgehen einem viele kleine Perlen. Und mit den Standards à la „Tatort“ kann ich leider echt nichts anfangen.

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