A World Beyond – OT: Tomorrowland (2015)

Mit diesem Artikel lest ihr meine letzte Filmbesprechung in diesem Jahr. Seid ihr ein wenig traurig? Keine Sorge, auch für 2018 habe ich mir fest vorgenommen, jeden gesehenen Film mit einer Rezension zu würdigen. Warum ist die Wahl für das filmische Finale ausgerechnet auf den Disney-Flop „A World Beyond“ gefallen? Weil ich große Hoffnungen hegte, dass mir der Film gefallen wird und er uns einen Blick in die Zukunft werfen lässt. War das die richtige Wahl?

A World Beyond (2015) | © Walt Disney

A World Beyond (2015) | © Walt Disney

Utopie oder Dystopie? Unsere Entscheidung.

Außer dem Trailer habe ich im Vorfeld nicht viel über „Tomorrowland“ in Erfahrung gebracht. Die Beteiligung von Brad Bird (u.a. „Der Gigant aus dem All“ und „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“) und George Clooney hat mir definitiv Lust gemacht und wenn wir ehrlich sind, hat auch die letzte Verfilmung eines Disney-Themenparks – ich spreche natürlich von „Fluch der Karibik“ – ausgezeichnet funktioniert. Und ja, auch „A World Beyond“ bietet wunderbares Unterhaltungskino, das mich in vielen Szenen sogar an die Disney-Realfilme der 50er bis 80er Jahre erinnert hat, die man bei uns in den frühen 90ern im Disney Club zu sehen bekam. Gerade die Road-Movie-Segmente haben mir unglaublich viel Spaß gemacht und dieses nostalgische Gefühl heraufbeschworen. Herrlich!

Warum war „Tomorrowland“ ein solcher Flop?

Wenn man sich den Trailer anschaut, könnte man davon ausgehen, dass die meisten Szenen in der Zukunft bzw. Parallelwelt spielen. Dabei bekommen wir nur einen kurzen Blick in diese Utopie. Für mich war das auch der deutlich geschicktere Ansatz, hat man dadurch Caseys Geschichte erzählen können, was ein großartiges Abenteuer ist. Casey muss kämpfen, innovative Lösungen finden und sich in einer feindseligen Welt behaupten – und darf bei all dem die Hoffnung nicht verlieren. Unterstützt wird sie dabei durch einen kauzigen George Clooney und einem Roboter (großartig gespielt von Raffey Cassidy). Die Jagd durch unsere Welt ist dabei so rasant und ideenreich inszeniert, dass es eine wahre Freude ist. Allerdings muss man als Zuschauer auch Spaß an diversen Sprüngen in der Handlung haben, die uns gegen Ende zusätzlich mit dem eigenen Gewissen konfrontiert: Sind wir es nicht selbst, die nur schlechte Nachrichten teilen? Horrormeldungen über den katastrophalen Zustand der Welt?

Für ein kunterbuntes Sci-Fi-Abenteuer ist „Tomorrowland“ teils zu düster und zu wirr in seiner Erzählung. Für anspruchsvolle Science-Fiction bietet der Film zu viel Jugendabenteuer. Das alles sind Anhaltspunkte, aber keinesfalls eine Erklärung, warum dieser tolle Film mit einer originellen Geschichte und starken Helden so unglaublich gefloppt ist. Wahrlich keine Glanzleistung des gemeinen Kinopublikums (und vermutlich auch der Marketing-Abteilung Disneys).

Fazit

Mir hat „A World Beyond“ extrem viel Spaß gemacht. Ich mochte das ungleiche Heldentrio Casey, Athena und Frank unglaublich gerne und hätte sie gerne bei weiteren Abenteuern begleitet. Die Welt von „Tomorrowland“ hätte Platz und Ideen für ein großes Franchise geboten, wozu es jedoch leider nicht kommen wird. Wenn ihr diesen Film (aus welchen Gründen auch immer) bisher gemieden habt, kann ich euch nur sagen: Schaut rein, denn es lohnt sich. Auf in die Zukunft: 8/10 Punkte.

Beautiful Girls (1996)

Der erste Weihnachtsfeiertag ist vorbei. Eigentlich hatte ich schon letzte Woche geplant, ganz furchtbar viele Filme zu schauen, doch in den Vorbereitungen ist das irgendwie untergegangen. Heute jedoch war es soweit und da es hier an Schnee mangelt, habe ich mich für „Beautiful Girls“ entschieden, in dem das verschneite Setting eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Warum ich den Film damals bei den fünf besten Schneefilmen nur vergessen habe?

Beautiful Girls (1996) | © STUDIOCANAL

Beautiful Girls (1996) | © STUDIOCANAL

Coming-of-Age: The Next Generation

Ich habe „Beautiful Girls“ in einer Phase meines Lebens entdeckt, in der ich mich selbst noch nicht gefunden hatte. Während meines Zivildienstes habe ich oft bis 22 Uhr gearbeitet und bin danach meist noch auf das eine oder andere Bier versackt. Meist war ich gegen Mitternacht zu Hause und habe mir noch einen Film angeschaut, da meine nächste Schicht oft erst um 13:30 Uhr begann. In eben dieser Zeit ist mir unter anderem Ted Demmes Film begegnet – und er hat einen Nerv getroffen. Damals war ich noch bedeutend jünger als die Protagonisten. Heute bin ich gut acht Jahre älter. Das ist ein interessanter Wechsel der Perspektive. Funktioniert der Film auch heute noch für mich?

Oh ja, „Beautiful Girls“ ist das perfekte Beispiel dafür, warum man Filme öfter schauen sollte. Gerade durch die veränderte Perspektive konnte ich heute ganz andere Dinge aus der Geschichte ziehen, die auf den ersten Blick ziemlich unspektakulär wirkt. Heute weiß ich, wo ich in meinem Leben stehe – damals hatte sich die Ungewissheit der Charaktere noch eins zu eins auf mich übertragen. Gleich geblieben ist die Atmosphäre, die vom verschneiten Massachusetts ausgeht. Hier erinnert mich Ted Demmes Tragikomödie stark an „Nobody’s Fool: Auf Dauer unwiderstehlich“, der ein ganz ähnliches Setting besitzt. Auch mag ich die Musik, die Charaktere und die Schauspieler. Timothy Hutton und Natalie Portman schaffen es, zum Beispiel, eine auf den ersten Blick seltsam wirkende Beziehung (heute übrigens mehr als damals) so zu spielen, dass sie echt und nicht anzüglich wirkt. Selbst Matt Dillon und Michael Rapaport spielen ihre klischeehaften Figuren wunderbar natürlich und sympathisch. Eine wirklich runde Sache.

Fazit

Auch wenn ich es insgeheim schon wusste, so hat sich mit der heutigen Sichtung bestätigt, dass ich „Beautiful Girls“ zu meinen Lieblingsfilmen zählen kann. Dennoch hat es viele Jahre gedauert, bis ich nach Knights Ridge zurückgekehrt bin. Ihr seid noch nie dort gewesen? Dann kann ich euch nur empfehlen: Packt warme Klamotten ein und macht euch auf den Weg. Es lohnt sich! Selbst wenn es nur eine Coming-of-Age-Geschichte mit hängengebliebenen Jungs in den späten Zwanzigern ist: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Doctor Strange (2016)

Aktualisierung: Ich habe „Doctor Strange“ am 15. Juni 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Es geht Schlag auf Schlag weiter mit meinem aktuellen Besuch im Marvel Cinematic Universe (MCU): Nachdem ich erst gestern „The First Avenger: Civil War“ gesehen habe, stand heute mit „Doctor Strange“ eine weitere Origin-Geschichte auf dem Programm. Wie sich Benedict Cumberbatch als unfreiwilliger Weltenretter so schlägt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Doctor Strange (2016) | © Walt Disney

Doctor Strange (2016) | © Walt Disney

Irgendwo zwischen „Inception“ und „Harry Potter“

Nachdem sich die Filme der großen Helden inzwischen fast ein wenig generisch anfühlen, so können Randfiguren wie „Ant-Man“ oder eben auch „Doctor Strange“ neues Terrain betreten. Tatsächlich fühlt sich diese Origin-Geschichte auch anders an, als die bekannten MCU-Filme: viel mehr Mystik und Fantasy. Die Effekte erinnern zudem sehr an Christopher Nolans „Inception“ und wissen gerade in 3D wirklich zu beeindrucken. Hier lohnt sich die zusätzliche Ebene und ich bin froh, diese Version des Films gesehen zu haben. In etlichen Szenen dieser Fassung wird das Cinemascope-Bild zudem auf IMAX geöffnet, was direkt noch einmal intensiver wirkt. Audiovisuell ist „Doctor Strange“ wahrlich ein Hochgenuss.

Wie lässt sich die mystische Handlung im MCU verorten? Ich hatte über weite Strecken tatsächlich nicht das Gefühl, einen Film des Marvel-Franchise zu sehen. Die Berührungspunkte sind (noch) sehr gering, auch wenn die Mid-Credit-Szene Lust auf eine Annäherung macht. Mit schwächeren Schauspielern hätte die ganze Geschichte auch leicht ein wenig überzogen wirken können, doch Benedict Cumberbatch und Tilda Swinton verleihen ihren Charakteren die nötige Ernsthaftigkeit.

Fazit

Ich mag Origin-Geschichten und „Doctor Strange“ ist mit Sicherheit eine der beeindruckendsten. Die Handlung ist nicht sonderlich komplex, wird aber mitreißend und einfallsreich erzählt. Benedict Cumberbatch ist ein wahrer Gewinn für das MCU, was die Messlatte für ein zukünftiges Zusammentreffen mit den Avengers höher legt. Selbst wenn man sonst nicht viel mit Marvel und Superhelden anfangen kann, kann man hier durchaus einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

The First Avenger: Civil War – OT: Captain America: Civil War (2016)

Aktualisierung: Ich habe „The First Avenger: Civil War“ am 31. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Endlich Wochenende. Noch zwei Wochen bis Weihnachten. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Selten habe ich mich so ausgepowert gefühlt, wie zurzeit. Meine Erkältung geht in die fünfte Woche und es ist kein Ende in Sicht. Als Ablenkung von all den unschönen Dingen des Alltags blieb ich mit „The First Avenger: Civil War“ dem Marvel Cinematic Universe (MCU) treu. Ob der Film mir die nötige Portion Eskapismus bieten konnte?

The First Avenger: Civil War (2016) | © Walt Disney

The First Avenger: Civil War (2016) | © Walt Disney

Team Iron Man oder Team Captain America?

War der letztwöchige „Ant-Man“ eher ein kleiner Film für das MCU, schicken sich die Russo-Brüder an, mit „Captain America: Civil War“ einen bombastischen Actionfilm à la „The Avengers“ zu inszenieren. Dabei ist gerade die Mischung spannend: Einerseits erinnert der Film stilistisch stark an den direkten Vorgänger „Captain America: The Winter Soldier“, bezieht sich inhaltlich aber stark auf „Avengers: Age of Ultron“ und lässt auch beinahe alle großen Superhelden auftreten. Diese Mischung fand ich sehr reizvoll. Ebenso gelungen fand ich die Prämisse, dass endlich einmal die durch die Avengers ausgelöste Zerstörung im Mittelpunkt stand. Dieser zentrale Konflikt sorgt letztendlich auch für die Auseinandersetzung zwischen Captain America und Iron Man, was in einem gigantischen Kampf zwischen den zwei Fraktionen kulminiert.

Mit Black Panther und Spider-Man werden zudem zwei neue Helden eingeführt, was ich durchaus erfrischend fand. Tatsächlich hat mir Tom Holland als Peter Parker recht gut gefallen, wenngleich es mir auch schwer fällt, nach Andrew Garfield wieder eine neue freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zu akzeptieren. Überrascht war ich tatsächlich, Daniel Brühl als Antagonisten zu sehen, der seine Sache zwar gut macht, dessen Figur letztendlich aber doch eher blass bleibt. Interessanter ist da schon der Konflikt zwischen unseren Helden, wenngleich man hier auch kein großes Drama à la Shakespeare erwarten sollte.

Fazit

Für mich vereint „The First Avenger: Civil War“ das Beste aus seinen beiden direkten Vorgängern und hat es somit geschafft, mich ausgezeichnet zu unterhalten. Vielleicht bin ich der Marvel-Formel inzwischen auch schon zu sehr verfallen oder habe aufgrund des angespannten Alltags die leichte Unterhaltung bereitwillig hingenommen. So oder so macht der erste Film der dritten Phase des MCU einfach Spaß: 8/10 Punkte.

Ant-Man (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Ant-Man“ am 29. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Das erste Adventswochenende ist in vollem Gange. Somit stand heute auch der erste Besuch auf einem Weihnachtsmarkt auf dem Programm. Danach waren wir ziemlich durchgefroren und haben uns – sobald die Kinder im Bett waren – auf das Sofa zurückgezogen. Von dort aus begleiteten wir „Ant-Man“ bei seinem ersten Abenteuer und sind somit erneut in das Marvel Cinematic Universe (MCU) zurückgekehrt…

Ant-Man (2015) | © Walt Disney

Ant-Man (2015) | © Walt Disney

Und es kommt doch auf die Größe an…

Eigentlich hatte ich den Film schon abgeschrieben gehabt: Nachdem Edgar Wright (u.a. „Shaun of the Dead“) bei „Ant-Man“ ausgestiegen war, nahm auch mein Interesse daran rapide ab. Wie es aber so ist mit den Marvel-Filmen, führt über kurz oder lang doch kein Weg daran vorbei. Aufgrund etlicher positiver Kritiken, war ich letztendlich auch positiver gestimmt, was auch an der ungewöhnlichen Fähigkeit dieses Superhelden liegt. Ja, ich gehöre noch zu der Generation, die mit „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ aufgewachsen ist! Außerdem sehe ich Paul Rudd („Immer Ärger mit 40“) sehr gerne. Was also hat der große Film mit dem kleinen Helden letztendlich zu bieten?

Tatsächlich eine ganze Menge! Nach den großen MCU-Filmen der letzten Woche („The Return of the First Avenger“ und „Avengers: Age of Ultron“) fühlte sich „Ant-Man“ wunderbar eigenständig an und selbst bei den Verknüpfungen zum Franchise behielt die Figur ihre Außenseiterrolle bei. Am besten hat mir wohl der finale Endkampf gefallen, bei dem – im Gegensatz zu den oben genannten Filmen – keine Städte in Schutt und Asche gelegt werden, sondern der ganz simpel in einem Kinderzimmer stattfindet. Einfach herrlich! Ansonsten muss ich noch die überzeugenden Schrumpf-Effekte sowie die Schauspieler hervorheben. Speziell Michael Douglas („Wall Street“) hat mir neben Paul Rudd sehr gut gefallen. Auch habe ich mich gefreut Evangeline Lilly („Lost“) und Bobby Cannavale (unfassbar beeindruckend in der dritten Staffel von „Boardwalk Empire“) zu sehen.

Marvel Cinematic Universe: Phase 2

Mit „Ant-Man“ ist die zweite Phase des MCU nun auch abgeschlossen und ich möchte, wie bereits nach der ersten Phase, ein Ranking der Filme aufstellen:

  1. „Guardians of the Galaxy“ (8/10 Punkte)
  2. „Ant-Man“ (8/10 Punkte)
  3. „The Return of the First Avenger“ (7/10 Punkte)
  4. „Avengers: Age of Ultron“ (7/10 Punkte)
  5. „Thor: The Dark Kingdom“ (7/10 Punkte)
  6. „Iron Man 3“ (7/10 Punkte)

Fazit

Mir hat „Ant-Man“ wirklich viel Freude bereitet. Gerade weil man es im Prinzip mit einem Heist-Movie zu tun bekommt, der nur eben in das MCU verlegt wurde. Auch mag ich die Figur des unfreiwilligen Helden sehr gerne, was zusätzlich durch die tollen Schauspieler und die wunderbare Miniatur-Action unterstützt wird. Für mich einer der bisher stärksten Marvel-Filme: 8/10 Punkte.

Avengers: Age of Ultron (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Avengers: Age of Ultron“ am 25. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Erst gestern bin ich mit „Captain America: The Winter Soldier“ ins Marvel Cinematic Universe (MCU) zurückgekehrt. Heute folgte mit „Avengers: Age of Ultron“ bereits der nächste Teil der unglaublich erfolgreichen Filmreihe. Was der zweite Teil der großen Superhelden-Zusammenkunft zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Avengers: Age of Ultron (2015) | © Walt Disney

Avengers: Age of Ultron (2015) | © Walt Disney

Oh, hallo Künstliche Intelligenz!

Joss Whedon wirft uns in der ersten Szene sogleich in eine bombastische Action-Sequenz. Das macht Spaß, das ist toll anzusehen und mit flotten Sprüchen angereichert. Whedon eben. Überhaupt funktioniert „Avengers: Age of Ultron“ am besten, wenn sich unsere Helden unterhalten. Da muss es außenrum auch gar nicht an jeder Ecke krachen, nein, da reicht auch ein entspanntes Zusammensitzen und Sprüche klopfen. Doch leider müssen MCU-Filme ja nach einer bestimmten Formel ablaufen und diese greift natürlich auch hier wieder, nur dass die Bedrohung dieses Mal von einer KI ausgeht. An sich auch ein spannender Gedanke, doch anstatt Ultron tatsächlich durch das Netz omnipräsent zu machen, braucht er natürlich einen Körper. Einen Roboter-Körper natürlich. Und da hätten wir sie dann wieder, die niemals enden wollenden Kampfszenen, in denen Iron Man und Co. gegen unzählige gesichtslose CGI-Gegner kämpfen dürfen.

Der Bombast sieht fraglos gut aus, doch es sind eben gerade die ruhigeren Szenen, in denen der Film zu glänzen weiß. Ich hatte das Gefühl, diese Balance war im ersten Teil „The Avengers“ noch besser und ich hoffe sehr, dass sich Whedon und Marvel für das nächste Superhelden-Klassentreffen ein wenig mehr trauen bzw. eben tatsächlich weniger. Denn es muss nicht immer eine Stadt in Schutt und Asche gelegt werden und es gibt auch andere Gegnertypen als Roboter oder Iron-Man-Anzüge. Toll fand ich es dagegen, dass Hawkeye und auch Black Widow ein wenig mehr Screentime und Hintergrund gegönnt werden. Da ist Potenzial vorhanden.

Fazit

Auch „Avengers: Age of Ultron“ reiht sich perfekt in das MCU ein: ein langer, unterhaltsamer Action-Kracher ohne Ecken und Kanten. Ich mochte erneut die Gruppendynamik sehr gerne. So etwas kann Whedon einfach schreiben. Nur warum man die interessante Prämisse wieder in generische Action verwandeln musste, das verstehe ich nicht so ganz. Dennoch ein gelungener Film für einen unterhaltsamen Abend: 7/10 Punkte.

The Return of the First Avenger – OT: Captain America: The Winter Soldier (2014)

Aktualisierung: Ich habe „The Return of the First Avenger“ am 17. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einer weiteren arbeitsamen Woche hat meine Erkältung die gute Idee gehabt, noch eine Schippe draufzulegen. Unglaublich wie viel Schleim so ein einzelner Körper produzieren kann. Doch wenden wir uns schöneren Dingen zu: Ich habe es mir nicht nehmen lassen trotz eingeschränkter Aufmerksamkeit einen Film zu sehen. Nachdem ich Radio Nukular über das Marvel Cinematic Universe (MCU) erzählen hörte, bekam ich selbst Lust, die Reihe mit „The Return of the First Avenger“ fortzusetzen…

The Return of the First Avenger (2014) | © Walt Disney

The Return of the First Avenger (2014) | © Walt Disney

Einfach (zu) perfektes Popcorn-Kino

Seit meiner Wiederholungssichtung von „Guardians of the Galaxy“ habe ich dem MCU schon keinen Besuch mehr abgestattet. Dabei stehen die darauf folgenden vier Filme bereits seit mehreren Monaten im Regal. Bei mir hatte sich eine gewisse Superhelden-Müdigkeit eingestellt, was ich nach den ersten paar Minuten von „Captain America: The Winter Soldier“ überhaupt nicht verstehen konnte: Der Film macht enorm viel Spaß. Die Action ist flott inszeniert, die Sprüche sind witzig, die Inszenierung ist sauber, die Szenen episch und die Charaktere herrlich übertrieben. Jeder Effekt sitzt und man wird förmlich mit Eye-Candy überrollt. Ein Traum? Jein, denn dadurch wirkt der Film zu perfekt und lässt Ecken und Kanten vermissen.

Auch wenn sich die Geschichte, untypisch für Marvel, wie ein klassischer Spionage-Film anlässt, so wird daraus gegen Ende doch wieder das typische Action-Gewitter. Die Konflikte mögen etwas geerdeter sein, als in den anderen Filmen des MCU, doch so wirklich schaffen es die Russo-Brüder nicht, sich von den Vorgängern abzuheben. Da fand ich selbst „Captain America: The First Avenger“ aufgrund seines Settings fast noch spannender – auch wenn diese Meinung wohl nicht viele teilen. Das alles macht „The Return of the First Avenger“ nicht schlechter, jedoch bekommt man abermals ein effektüberladenes Superhelden-Spektakel zu sehen, das jedoch zugegebenermaßen enorm viel Spaß macht.

Fazit

Ich bin froh, mich nach einem guten Jahr Pause wieder einmal dem MCU zugewandt zu haben. Auch wenn viele Stimmen in den Weiten des Internets anderes verlauten lassen, so ist auch „The Return of the First Avenger“ nicht die große, viel düsterere und ach so erwachsene Offenbarung. Nein, es ist ein typischer Disney/Marvel-Streifen und als solcher bietet er, wie zu erwarten, perfekt kalkulierte Unterhaltung: 7/10 Punkte.

Black-ish – Season 1

Nachdem ich mich mit „Veep“ und „Boardwalk Empire“ zuletzt auf qualitativ hochwertige Pay-TV-Serien konzentriert hatte, war es gar nicht so einfach im normalen Streaming-Angebot eine Network-Comedy zu finden, die man sich am Ende eines langen Tages völlig entspannt ansehen kann. Nachdem ich die zweite Staffel von „Life in Pieces“ vorerst vorzeitig abgebrochen hatte, gab ich „Black-ish – Season 1“ eine Chance. Diese Entscheidung sollte sich als die richtige herausstellen…

Black-ish – Season 1 | © ABC Studios

Black-ish – Season 1 | © ABC Studios

Eine herrlich klassische Familien-Sitcom

Wie gerne würde ich jetzt den Vergleich zu „Die Bill Cosby Show“ ziehen. Neben „Alf“ meine erste Begegnung mit einer Sitcom und… aber nein, speziell über diese Serie will ich heute nicht mehr reden. Ihr kennt die Gründe. Also wenden wir uns lieber „Black-ish“ zu, die in (fast) jeder Hinsicht eine zeitgemäße Comedy-Serie ist. Auch wenn in jeder Episode eine gesellschaftlich relevantes Thema angesprochen wird, so bietet „Black-ish“ in vielerlei Hinsicht doch ganz klassische Familienunterhaltung. Und das hat mir die Serie wirklich sympathisch gemacht. Zwar werden schwarze Themen ganz bewusst (und das mit einer gesunden Mischung aus Ernsthaftigkeit und Selbstironie) angesprochen, doch wirkt die Serie nie belehrend.

Fazit

Auch wenn sich die Serie einiges traut und auch schwierige Themen verarbeitet, so merkt man doch, dass man es mit einer Network-Serie zu tun hat. Gerade der formelhafte Aufbau wirkt über 24 Episoden gestreckt ein wenig ermüdend, was aber auch zur klassischen Erzählform der Familien-Comedy passt. Insgesamt hatte ich viel Spaß mit der Familie Johnson und werde bestimmt noch ein wenig mehr Zeit mit ihr verbringen: 8/10 (7.6) Punkte.

Jupiter Ascending (2015)

Eine Woche, die rasend schnell vergangen ist und doch viel zu kurz war, liegt hinter mir. Morgen steht der Geburtstag des Zwergofanten an, weshalb sich heute die einzige Möglichkeit bot, einen Film zu schauen. Eigentlich war ich zu müde, weshalb der viel gescholtene „Jupiter Ascending“ eine gute Wahl zu sein schien. Ob mich das Werk der Wachowski-Geschwister letztendlich wachhalten konnte?

Jupiter Ascending (2015) | © Warner Home Video

Jupiter Ascending (2015) | © Warner Home Video

Wenn man alles in einen einzigen Film packt…

Schon nach ein paar Minuten drehte sich meine Frau zu mir um und sagte:

„Da wusste wohl jemand nicht, welche Geschichte er erzählen soll und hat einfach alles in den Film gepackt.“

Damit hat sie den Nagel ziemlich genau auf den Kopf getroffen, denn exakt so fühlt sich „Jupiter Ascending“ auch an. Der Film strotzt nur so vor Ideen, die alle angerissen aber selten zu Ende erzählt werden oder wirklich durchdacht wirken. Teils musste ich hier auch an Luc Bessons „Valerian: Die Stadt der tausend Planeten“ denken, der insgesamt jedoch viel stringenter inszeniert ist. Im Grunde wird eine typische  Fish-out-of-water-Geschichte erzählt, die letztendlich Dimensionen annimmt, die zu Beginn unvorstellbar wirken. Das mag nicht sonderlich elegant geschehen, hat für mich aber durchaus funktioniert, zumal der Unterhaltungswert stets gegeben war. Ganz unverhofft ist „Jupiter Ascending“ viel komödiantischer angelegt, als ich zuvor gedacht hatte – von der unfreiwilligen Komik einmal ganz abgesehen (ja, es war wohl die eine oder andere Space-Skate-Sequenz zu viel).

Auch wenn die Geschichte ziemlich hanebüchen erscheint, so geben sich die Wachowskis doch Mühe, dass zumindest ein Mindestmaß an Glaubwürdigkeit gegeben ist. Wenn bei Marvel, DC und Co. ganze Städte in Schutt und Asche gelegt werden und das kein normaler Mensch mitzubekommen scheint, dann wird dieser Punkt hier tatsächlich adressiert und erklärt. Das ist nur ein kleines Detail, doch die Welt (so verrückt sie auch erscheinen mag) ist dadurch in sich stimmig. Auch mochte ich die abgefahrenen Designs und die abgedrehten Ideen und Schauplätze. Kein großes Kino, nicht besonders gut geschrieben und doch unterhaltsam und vor allem sympathisch. Das hätte ich so nicht vermutet. Mila Kunis, Channing Tatum und Sean Bean sind zudem ein gutes Leinwand-Trio. Einzig Eddie Redmaynes Overacting ist oft hart an der Grenze, passt aber auch irgendwie zum trashigen Charme des Films.

Fazit

Wie ihr aus meiner bisherigen Besprechung schon herauslesen konntet, hat mir „Jupiter Ascending“ tatsächlich unerwartet viel Spaß gemacht. Ein nettes Weltraum-Abenteuer, das sich selbst nicht sonderlich ernst nimmt. Auch wenn ich mit dieser Meinung ziemlich alleine dastehe, so möchte ich doch eine Lanze für den Film brechen, schon alleine aufgrund seines Ideenreichtums. Traut euch: 7/10 Punkte.

Veep – Season 4

Nach eineinhalb Jahren Pause habe ich mich endlich wieder dem unterhaltsamen Teil der US-Politik zugewandt – und damit meine ich nicht John Oliver oder Stephen Colbert bei ihren Kommentaren zu einem gewissen Präsidenten zuzusehen. Die Rede ist natürlich von „Veep – Season 4“, der aktuell wohl witzigsten Comedy-Serie on air. Was sich seit der dritten Staffel getan hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Veep - Season 4 | © Warner Home Video

Veep – Season 4 | © Warner Home Video

Willkommen, Präsidentin Selina Meyer!

Unsere geliebte Vizepräsidentin hat es endlich geschafft und wird überraschend und unverhofft Präsidentin der Vereinigten Staaten. Das kann doch nur Chaos bedeuten – und so kommt es auch: Das Mitarbeiter-Karussell dreht sich weiter und befördert gleich zwei beliebte Figuren in die Hände einer Lobby-Firma. Allein dieser Handlungsstrang ist so unfassbar komisch (und bitter), dass es eine wahre Freude ist. Doch die eigentlichen Highlights sind abermals Julia Louis-Dreyfus zuzuschreiben, die Präsidentin Selina Meyer einfach nur fantastisch spielt. Dabei gelingt es ihr perfekt eben nicht komplett inkompetent zu wirken, sondern die Gratwanderung zwischen Überheblichkeit, tatsächlicher Kompetenz und Lächerlichkeit voll auszuspielen. Die Frau ist der Wahnsinn! ❤

Neben Julia Louis-Dreyfus weiß auch der restliche Cast zu überzeugen, speziell Tony Hale fand ich erneut herrlich. Sicher die überzogenste Figur, doch haben die Autoren auch seinem Gary Walsh ein paar ernste Momente gegönnt. Die Dynamik im Team der Präsidentin ist herrlich und gerade, dass bekannte Strukturen aufgebrochen werden, gibt der ganzen Sache die nötige Würze. Erwähnen sollte ich noch Neuzugang Hugh Laurie, der wirklich in der Rolle des neuen Veeps aufgeht.

Fazit

Ich habe es schon ein paar Mal geschrieben, werde aber nicht müde es zu erwähnen: „Veep“ ist eine der lustigsten aktuell laufenden Comedys, die leider kaum jemand in meiner Filterblase zu schauen scheint (Herr Inishmore, Sie dürfen den letzten Satz ignorieren). Ändert das bitte schnellstmöglichst. Es lohnt sich: 10/10 (9.5) Punkte.