Shrek: Der tollkühne Held (2001) (WS1)

Nach einer anstrengenden Woche liegt nun ein forderndes Wochenende vor mir, weshalb mir der Wunsch der Kinder nach einem Filmabend ganz recht kam. Heute konnte sich Frau bullion durchsetzen und wir haben mit „Shrek: Der tollkühne Held“ einen wahren Klassiker des Animationsfilms gesehen. Meine letzte Sichtung liegt bereits 14(!) Jahre zurück und insgesamt hat der grüne Oger bereits 19 Jahre auf dem Buckel. Unfassbar. Dabei war „Shrek“ damals topmodern und der letzte Schrei…

Shrek: Der tollkühne Held (2001) | © Universal Pictures Germany GmbH

Shrek: Der tollkühne Held (2001) | © Universal Pictures Germany GmbH

Eine herrliche Parodie auf animierte Märchenfilme

Sein Alter sieht man „Shrek“ inzwischen deutlich an. Die Texturen wirken verwaschen, die Animationen teils etwas holprig. Von den menschlichen Figuren wollen wir gar nicht erst anfangen. Selbst Fiona, die ich in der letzten Besprechung noch gelobt hatte, wirkt teils wie eine Puppe. Heute sehen in Echtzeit gerenderte Videospiele teils besser aus. Aber das macht nichts, denn schon nach ein paar Minuten hatte ich die Optik vergessen und war, bis auf einzelne Ausnahmen, wieder voll drin in dieser kunterbunten Geschichte mit ihren wunderbaren Gags und den mitreißenden Songs. Es ist schon ein Brett, was hier als Soundtrack abgefeuert wird. Diesem kann man wohl auch einen großen Teil des Erfolgs zurechnen. Gerade wenn man an die frühen 2000er Jahre zurückdenkt. Bombe!

Aus heutiger Sicht überzeugt mich tatsächlich hauptsächlich die Entwicklung der Charaktere und die schöne Botschaft des Films. Neben all den verspielten Gags und den schmissigen Songs verbirgt sich hinter „Shrek“ tatsächlich eine Geschichte über Außenseiter, Selbstliebe und Akzeptanz. Gerade in unserer heutigen Zeit wichtiger denn je. Die Figuren sind extrem liebenswert und auch wenn die Welt ein wenig steril wirken mag, so ist sie doch mit zauberhaften Details durchsetzt.

Fazit

„Shrek“ ist auch nach knapp 20 Jahren immer noch ein herausragender Märchenfilm. Technisch ein wenig in die Jahre gekommen, hat er jedoch fast nichts von seinem Charme verloren. Immer noch sehr extrem sehenswert: 8/10 Punkte.

Weeds – Staffel 1 bis 5

Heute gibt es die Besprechung einer nur teilweise geschauten Serie. Nachdem ich bereits 2019 hoffnungsvoll mit „Weeds“ begonnen hatte, haben sich bereits während der 5. Staffel deutliche Abnutzungserscheinungen gezeigt. Die sechste Staffel ist dann endgültig unter den magischen Wert von 6 Punkten im Bewertungsschnitt gefallen. Dennoch hat mir die Serie in den ersten Staffeln viel Spaß gemacht und ich möchte euch meine Besprechung deshalb nicht vorenthalten:

Weeds | © Sony Pictures Home Entertainment

Weeds | © Sony Pictures Home Entertainment

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Die wilden Hühner und die Liebe (2007)

Der heutige Samstag ist wieder extrem schnell verfolgen: Morgens war ich eine Runde laufen, danach ging es bei Freunden zum Brunchen und schon war es Abend. Nachdem wir letzte Woche „Die wilden Hühner“ gesehen hatten, stand heute mit „Die wilden Hühner und die Liebe“ die Fortsetzung auf dem Programm. Wie uns die neuen Abenteuer der Hühner gefallen haben, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🐔

Die wilden Hühner und die Liebe (2007) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Die wilden Hühner und die Liebe (2007) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Eine gelungene Fortsetzung mit (zu) viel Liebe?

Natürlich hätte man es bei dem Titel ahnen können. Die Liebe ist das zentrale Thema des Films. Für meinen Geschmack war das ein wenig zu viel des Guten. Aber vielleicht spricht aus mir auch nur der alte Mann, der damals in der 6. Klasse noch nichts mit Liebe oder Beziehungen am Hut hatte. Andere Themen werden, bis auf Sprottes Begegnung mit ihrem Vater, leider ziemlich in den Hintergrund gedrängt. Dabei fand ich es wunderbar, dass eine gleichgeschlechtliche Beziehung beleuchtet wurde, die allerdings auch das zentrale Drama des Films war. Wäre das heute, 13 Jahre später, anders und diese Beziehung ein ganz natürlicher Teil der Geschichte? Ich würde es mir wirklich wünschen.

Ich mochte erneut das Zusammenspiel der jugendlichen SchauspielerInnen sowie die unaufgeregte Inszenierung. Zwar kenne ich Cornelia Funkes Vorlage (u.a. „Tintenblut“) nicht, doch das Zappelinchen hat einige Elemente aus dem Buch wiedererkennt. Der dritte Teil der Reihe spielt noch einmal zwei Jahre später, weshalb ich mir keine Änderung der Thematik erwarte. Für mehr Jugendabenteuer müssen wir dann wohl doch wieder zu „Fünf Freunde“ greifen. Aber das ist vermutlich einfach auch eine Frage meiner Erwartungshaltung.

Fazit

Ich mochte „Die wilden Hühner und die Liebe“ sehr gerne, auch wenn er mir teils zu monothematisch war. Die Kinder waren begeistert und wir freuen uns schon auf die nächste Fortsetzung: 7/10 Punkte.

Das Geheimnis meines Erfolges – OT: The Secret of My Success (1987)

Heute war ich nach knapp einem halben Jahr für einen kompletten Tag vor Ort im Büro. Ziemlich unglaublich und auch ungewohnt. Da ich anscheinend noch nicht genug vom Büroleben hatte, fiel die Filmwahl heute Abend auf „Das Geheimnis meines Erfolges“, den ich früher recht gerne gesehen habe. Natürlich hauptsächlichen wegen Michael J. Fox (Marty McFly, „Zurück in die Zukunft“) in einer für ihn recht typischen Rolle. Wie sich der Film sonst so schlägt?

Das Geheimnis meines Erfolges (1987) | © Koch Media GmbH

Das Geheimnis meines Erfolges (1987) | © Koch Media GmbH

Kann es einen Film geben, der mehr 80er ist?

Es gibt Filme die altern gut und es gibt Filme wie „Das Geheimnis meines Erfolges“. Filme, die ein recht genaues Zeitdokument sind, aber außerhalb ihres Entstehungszeitpunktes nur bedingt funktionieren. Damit meine ich nicht einmal den Look der 80er Jahre oder den penetranten Soundtrack. Inhaltlich komplett auf den Yuppie-Zeitgeist zugeschnitten, wirken viele Szenen heute einfach nur befremdlich. Dieses fast schon zwanghafte Aufsteigen in der Konzernwelt. Überall alte, weiße Männer. Frauen sehen höchstens gut aus oder erfüllen als Sekretärin die Rolle der Helferin. Puh. Also ein voller Rohrkrepierer?

Ich mag es manchmal ganz gerne, Filme in ihrem zeithistorischen Kontext zu sehen. Filme wie „Rambo 2: Der Auftrag“ oder eben auch diese seichte Komödie. Der reine, unbedarfte Filmgenuss ist zwar nicht mehr gegeben, doch irgendwo zwischen Reflexion und Faszination entwickelt sich durchaus ein Unterhaltungsfaktor. Regisseur Herbert Ross inszeniert die Geschichte zudem flott und mit so manch pfiffiger Idee. Mit ein paar weniger ausgedehnten Videoclip-Montagen zu Synthie-Pop hätte dann auch das Tempo gepasst. Aber auch das ist eben typisch für die 80er Jahre.

Fazit

Nein, ein guter oder empfehlenswerter Film ist „Das Geheimnis meines Erfolges“ aus heutiger Sicht nicht mehr. Aber er zeigt gut, wie die 80er Jahre aus popkultureller Sicht funktioniert haben. Michael J. Fox ringt seiner eher flachen Figur durchaus Sympathie ab und alle anderen Darsteller sind ebenfalls gut aufgelegt. Ja, irgendwie mag ich den Film trotz seiner Fehler immer noch: 6/10 Punkte.

Die wilden Hühner (2006) (WS1)

Nachdem der gemeinsame Filmabend letzte Woche ausgefallen ist, haben wir uns heute wieder zusammen vor dem Fernseher versammelt. Das Zappelinchen wollte „Die wilden Hühner“ schon länger sehen und dank Netflix war das nun auch einfach möglich. Für mich war das nicht die erste Sichtung, denn bereits 2007 habe ich den Film zum ersten Mal gesehen. Vor 13 Jahren. Damals war ich noch kein Vater. Ob sich die Änderung dieses Zustands auf die Wirkung des Films niedergeschlagen hat? 🐔

Die wilden Hühner (2006) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Die wilden Hühner (2006) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Ein rundum gelungener Kinder- und Jugendfilm

Die Adaption von Cornelia Funkes (Autorin von u.a. „Tintentod“) Jugendroman hat inzwischen auch schon 14 Jahre auf dem Buckel. Unfassbar. Glücklicherweise sieht man das dem Film nur an, wenn man auf die Mode und Technik achtet. Ansonsten wirkt „Die wilden Hühner“ immer noch sehr frisch und ja, auch erfrischend. Die jungen SchauspielerInnen der beiden Banden spielen sympathisch und natürlich. Auch die Probleme der Kinder sind wunderbar unaufgeregt und kindgerecht, wenngleich auch schwere Themen nicht ausgespart werden.

Bei meiner ersten Besprechung habe ich noch bemängelt, dass es sich bei „Die wilden Hühner“ um einen reinen Mädchenfilm handeln würde. Diese Meinung muss ich inzwischen revidieren, denn er hat dem Zwergofanten mindestens ebenso viel Spaß gemacht, wie dem Zappelinchen. Und mir auch. Überhaupt ist die Einteilung von Filmen oder Serien nach Geschlechtervorlieben nicht sinnvoll. Das habe ich über die letzten Jahre selbst an meinen Präferenzen festgestellt.

Fazit

Wir hatten mit „Die wilden Hühner“ einen wirklich gelungenen Filmabend und ich freue mich jetzt schon auf die beiden Fortsetzungen. Das Zappelinchen kennt alle Bücher und wird mich bis zur Sichtung bestimmt noch über so manchen Hintergrund aufklären können: 7/10 Punkte.

Das Dilemma mit den sozialen Medien – OT: The Social Dilemma (2020)

Nachdem ich mich lange dagegen gesträubt hatte, habe ich seit ca. zwei Wochen auch einen Netflix-Account. In erster Linie wegen Serien (ganz konkret „Dark“), doch somit bin ich letztendlich auch in den Genuss von „Das Dilemma mit den sozialen Medien“ bzw. „The Social Dilemma“ gekommen. Ob sich der Dokumentarfilm denn lohnt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 💻📱👍

Das Dilemma mit den sozialen Medien (2020) | © Netflix

Das Dilemma mit den sozialen Medien (2020) | © Netflix

Ein wichtiges Thema unterhaltsam aufbereitet

Rein inhaltlich muss ich gestehen, dass „The Social Dilemma“ keine neuen Informationen für mich bereit gehalten hat. Ich arbeite selbst in einem Software-Unternehmen und habe beruflich mit Social-Media-Werbung, YouTube-Algorithmen, Growth-Hacking usw. zu tun. Die Mechanismen, Chancen und Gefahren sind mir bekannt. Auch privat bewege ich mich, wie vermutlich die meisten von euch, in sozialen Netzwerken. Selbst wenn ihr nur Google oder YouTube nutzt. Der Skandal rund um Cambridge Analytica hat mir gezeigt, was die Manipulation von Nutzern in der realen Welt und abseits des Online-Marketings bewirken kann. Mit dem Schritt des Zappelinchens in die digitale Welt (wenn auch ohne Social-Media-Apps) wurde ich erneut für das Thema sensibilisiert.

Tatsächlich richtet sich die Netflix-Doku wohl am ehesten an Menschen, die eine grobe Vorstellung von den Mechanismen haben, sie aber noch nicht im Detail verstehen. Die Interviews fand ich spannend und größtenteils authentisch, die dramatisierten Spielszenen dagegen reichlich albern (Vincent Kartheiser aus „Mad Men“ spielt eine Künstliche Intelligenz in drei Ausführungen). Es ist letztendlich hochwertig produziertes Edutainment, das sich größtenteils auf die kritischen Aspekte konzentriert und diese verständlich aufbereitet. Ein wichtiges Thema, das durch die Doku hoffentlich auch ein paar Zuschauer erreicht, die sich bisher noch nicht viele Gedanken zu ihrem Nutzungsverhalten gemacht haben. Auch für mich war es erneut ein Anstoß, denn auch ich tappe immer wieder in die Falle.

Fazit

Auch wenn „The Social Dilemma“ für mich inhaltlich nichts Neues zu bieten hatte, so fand ich die Informationen doch gut aufbereitet. Die Dramatisierungen hätten sich die Macher sparen können, aber vielleicht helfen sie technisch weniger versierten Zuschauern die Zusammenhänge besser zu verstehen. Ironischerweise operiert Netflix natürlich ebenso nach dem Prinzip, ihre Nutzer möglichst lange an den Screen zu binden. Aber das wird natürlich nicht thematisiert. Dennoch lohnenswert und erhellend: 8/10 Punkte. 📴

Sløborn – Staffel 1

Nach meinem Ausflug in die Welt der Kleinkriminellen mit der Amazon-Serie „Sneaky Pete“, habe ich mich einer brandaktuellen deutschen Serie gewidmet. Der Zeitpunkt, „Sløborn – Staffel 1“ ins Programm aufzunehmen, hätte nicht besser sein können. Oder nicht schlechter. Das kommt vermutlich ganz auf die Persönlichkeit der Zuschauer an. Ob sich der Virus-Thriller denn lohnt, erfahrt ihr im Folgenden… 💉

Sløborn - Staffel 1 | © ZDF

Sløborn – Staffel 1 | © ZDF

Eine Virus-Pandemie in Serienform

Noch bevor ich wusste, worum es bei „Sløborn“ konkret geht, ist die Serie auf meinem Radar gelandet, weil Christian Alvart der kreative Kopf hinter der ZDF-Produktion ist. Erst kürzlich hat mich Alvart mit seinem Thriller „Freies Land“ beeindruckt und bereits vor ein paar Jahren ist mir sein Hollywood-Werk „Pandorum“ positiv aufgefallen. Auch „Sløborn“ trägt seine Handschrift und, im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Filmemachern, steht bei ihm der Unterhaltungswert ganz oben. Mehr Popcorn als Arthouse, was ich in jeder Hinsicht positiv meine. Betrachtet man die Serie aus aktueller Perspektive, dann wirkt sie manchmal fast schon anbiedernd in ihrer Art und Weise, den Umgang der Inselbewohner mit der Bedrohung durch den Virus, zu erzählen. Eben ziemlich genau so, wie die aktuelle Lage in Zeiten von Corona bzw. COVID-19 ist, nur auf 11 gedreht. Inklusive Abstandsregeln, Masken, Querdenkern Ansteckungsketten usw. Will man das denn jetzt sehen?

Tatsächlich wurde „Sløborn“ bereits 2018 konzipiert und 2019 gedreht. Ende 2019 bis 2020 befand sich die Serie in Postproduktion und auch wenn einige Corona-Verweise darin bestimmt noch geschärft wurden, so ist es doch beängstigend, wie genau (und eben auf 11 gedreht) die Serie doch den Beginn einer Pandemie zeichnet. Der darin grassierende Taubenvirus ist natürlich viel tödlicher als Corona und der Ausbruch wird, trotz der eher gemächlichen Dramaturgie (eben slow burn), recht schnell erzählt. Viele Elemente wirken dennoch erschreckend vertraut.

Kleinstadt-Drama trifft auf Virus-Thriller

So mitreißend und plakativ auch das Thriller-Element ist, so seifenoperartig wirken teils die unterschiedlichen Erzählstränge, die das Ereignis begleiten. Egal ob es sich um den Autoren im Drogenentzug handelt, die Teenagerin, die eine Affäre mit ihrem Lehrer hat, oder die jugendlichen Straftäter, die auf der Insel rehabilitiert werden sollen. Da wirkt schon viel konstruiert und mit der Brechstange erzählt. Aber das macht nichts, denn das habe ich mir viel lieber angesehen, als wenn es sich bei „Sløborn“ um ein todernstes Virus-Drama gehandelt hätte. Denn ja, manche Szenen sind aufgrund der Nähe zu den aktuellen Ereignissen nur schwer zu ertragen. In den letzten beiden Episoden überschlagen sich die dramatischen Geschehnisse und als Anhänger von Verschwörungstheorien könnte man hier neues Futter bekommen. Es wäre sehr spannend zu sehen, ob man die Entwicklung der Geschichte aus heutiger Perspektive genauso erzählt hätte.

Fazit

Die erste Staffel von „Sløborn“ hat mir wirklich gut gefallen. Sie bietet keinen verkopften Umgang mit einer Pandemie, sondern ziemlich reißerische und plakative Unterhaltung. Somit freue mich schon auf eine zweite Staffel. Gerade im Hinblick auf die Entwicklung der realen Pandemie dürften die Autoren vor neuen Herausforderungen, aber auch neuen Chancen stehen: 8/10 (7.8) Punkte.

Gosford Park (2001)

Die Sichtung von „Downton Abbey“ zählte dieses Jahr zu meinen größten Serien-Highlights. Mit dem Film zur Serie liegt auch meine letzte Begegnung mit den liebgewonnenen Figuren hinter mir. Somit blieb mir nur noch mit „Gosford Park“ zu den Ursprüngen des Epos zurückzukehren. Wobei das dem Film nicht wirklich gerecht wird. Alles Weitere in der folgenden Besprechung… 🏰

Gosford Park (2001) | © STUDIOCANAL

Gosford Park (2001) | © STUDIOCANAL

Der böse Zwilling von „Downton Abbey“

Für Kenner von „Downton Abbey“ ist es unglaublich zu sehen, wie viele Elemente davon sich bereits in „Gosford Park“ finden ließen: Die Bediensteten, die Aristokratie und die daraus resultierende Zweiklassengesellschaft. Die Inszenierung des Landsitzes, die Kamerafahrten durch die Gänge. All das hat mich fast schon zuhause fühlen lassen. Hinzu kommen vertraute SchauspielerInnen, allen voran natürlich Maggie Smith, die hier bereits eine frühe Version ihrer berühmten Countess of Grantham zum Besten gibt. Einfach herrlich anzusehen!

Ist „Gosford Park“ somit nur eine frühe Version von „Downton Abbey“? Nein, denn während Julian Fellowes‘ Serie ein sehr idealisiertes Bild der Beziehung zwischen Bediensteten und Aristokraten zeichnet, so rückt in „Gosford Park“ die dreckige Realität in den Vordergrund. Zwar inszeniert Regisseur Robert Altman seinen Film als schwarze Komödie, doch können so manche Lacher den düsteren Unterton nicht überspielen. Der Mord, die versammelten Verdächtigen und der überzeichnete Ermittler (gespielt vom stets gerne gesehenen Stephen Fry) wecken Erinnerungen an Murder-Mysteries à la Agatha Christie oder eben den 2019er „Knives Out“. Jedoch ist dies bei Weitem nicht der Hauptaspekt des Films.

Fazit

Mir hat „Gosford Park“ schon alleine aufgrund seiner Verwandtschaft zu „Downton Abbey“ ausgezeichnet gefallen. Er ist toll gespielt, inszeniert und erzählt eine unterhaltsame Geschichte. Nicht nur für Freunde von Julian Fellowes‘ Serie eine große Empfehlung: 8/10 Punkte.

Freies Land (2019)

Mitte September und ein Wetter wie im Hochsommer. Das habe ich nicht nur für einen weiteren Lauf genutzt, sondern auch für einen Nachmittag im Garten. Abends wurde es dann jedoch der Jahreszeit entsprechend kühl, weshalb wir uns auf das Sofa begeben haben. Im Gegensatz zu gestern allerdings ohne Kinder. Auf Empfehlung von Andy vom Nerdtalk habe ich „Freies Land“ zum Film des abends erkoren. Auch weil wir momentan die Serie „Sløborn“ schauen, die ebenfalls von Christian Alvart inszeniert wurde. Was der Film zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Freies Land (2019) | © Euro Video

Freies Land (2019) | © Euro Video

Fast eine Atmosphäre wie in „True Detective“

Bei „Freies Land“ handelt es sich um ein Remake des spanischen Thrillers „La isla mínima“ oder „Mörderland“. Wenn man dies allerdings nicht weiß, dann scheint die Geschichte des Films wie für die deutsche Nachwendezeit geschrieben. Auch wenn ich das Original nicht kenne, so muss ich Alvart jedoch für die Adaption loben. Sein Mecklenburg-Vorpommern des Jahres 1992 wirkt unfassbar trist und bedrohlich. Wenn ich „Freies Land“ mit einem ähnlichen Film oder einer Serie vergleichen wollte, dann würde ich die erste Staffel von „True Detective“ heranziehen. Die Atmosphäre ist ähnlich dicht und teils hypnotisch, was nicht nur den famosen Bildern, sondern auch dem eindrucksvollen Klangteppich zu verdanken ist.

Inhaltlich bietet „Freies Land“ mitreißende und doch etwas konventionelle Krimikost. Der Film lebt von seiner dichten Atmosphäre, welche wunderbar durch die detailverliebte Ausstattung und die perfekt gecasteten Schauspieler unterstützt wird. Auch die Handlung hat mich am Ball gehalten und ich habe jede Sekunde mit unseren (Anti-)Helden mitgefiebert. Das Finale wirkte fast schon ein wenig abrupt, doch hat es in dieser nüchternen Form auch zum Film gepasst. Nachdem mich Christian Alvart bereits mit dem Sci-Fi-Schocker „Pandorum“ zu begeistern wusste, hat er mit „Freies Land“ abermals sein Talent unter Beweis gestellt. Auch in „Sløborn“ kann man seinen Stil erkennen und ich bin schon auf den Rest der Serie gespannt.

Fazit

Wer einmal wieder Lust auf einen klassischen Krimi hat und sehen will, was das deutsche Kino kann, der sollte ruhig mal einen Blick auf „Freies Land“ werfen. Auch wenn es sich nur um ein Remake handelt. Mich hat der Film sehr positiv überrascht: 8/10 Punkte.

Drachenzähmen leicht gemacht – OT: How to Train Your Dragon (2010) (WS2)

Nach einer, sowohl beruflich als auch insbesondere privat, wirklich anstrengenden Woche, haben sich die Kinder einen Filmabend gewünscht. Ich persönlich hätte heute nichts mehr gebraucht und wäre mit Whisky und Sofa schon zufrieden gewesen, doch so ist bereits zum dritten Mal in den letzten 10 Jahren „Drachenzähmen leicht gemacht“ in den Player gewandert. Wie bereits bei der Sichtung vor drei Jahren gewünscht nun endlich zusammen mit den Kindern. 🐉

Drachenzähmen leicht gemacht (2010) | © Twentieth Century Fox

Drachenzähmen leicht gemacht (2010) | © Twentieth Century Fox

Welch wunderbare Coming-of-Age-Geschichte!

Hat mich bei der letzten Sichtung vor allem die audiovisuelle Qualität samt 3D beeindruckt, so stach für mich heute vor allem der Aufbau der Handlung heraus. Im Grunde erleben wir eine Coming-of-Age-Geschichte, in der sich Hicks von seinem seinem Vater emanzipiert und gegen etablierte Strukturen ankämpft. Er lebt den Wandel und überzeugt am Ende sogar die alten Sturköpfe seines Stammes. Welch schöne und gerade heute so wichtige Botschaft! All das ist natürlich dennoch in wunderbare Action-Szenen und famose Flugsequenzen verpackt, die immer noch unfassbar viel Spaß machen. Ja, speziell in 3D.

Dem Zwergofant war der Film oft zu gruselig und erst als sich Hicks und Ohnezahn angefreundet haben, hat er sich langsam entspannt. Und das obwohl er die grobe Handlung bereits durch seine Playmobil-Spielsets (siehe unten) kennengelernt hat. Auch das erste Buch der Vorlage haben wir vor ein paar Jahren zusammen gelesen, doch dieses unterscheidet sich doch ziemlich von der Handlung des Films.

Randnotiz: Während des Films hat uns übrigens eine Nachbarin geklingelt und berichtet, dass ein anderes Nachbarskind, dessen Bruder mit einem Cousin des Zwergofanten in die Klasse geht, positiv auf Corona getestet wurde. Und in der Schule des Zappelinchen gibt es auch den ersten Fall. Die Einschläge kommen näher. Das nur als private Notiz zum Nachvollziehen in ein paar Jahren.

Fazit

Die heutige Sichtung von „Drachenzähmen leicht gemacht“ hat mir aufgezeigt, wie perfekt der Film in nahezu jeder Hinsicht ist. Sowohl die Inszenierung als auch speziell das Drehbuch. Hier stimmt einfach alles und trotz der vielen Action-Szenen besitzt die Geschichte eine wunderbare Tiefe und eine Botschaft, die ich wirklich zu schätzen weiß. Einfach famos: 9/10 Punkte.