Sløborn – Staffel 1

Nach meinem Ausflug in die Welt der Kleinkriminellen mit der Amazon-Serie „Sneaky Pete“, habe ich mich einer brandaktuellen deutschen Serie gewidmet. Der Zeitpunkt, „Sløborn – Staffel 1“ ins Programm aufzunehmen, hätte nicht besser sein können. Oder nicht schlechter. Das kommt vermutlich ganz auf die Persönlichkeit der Zuschauer an. Ob sich der Virus-Thriller denn lohnt, erfahrt ihr im Folgenden… 💉

Sløborn - Staffel 1 | © ZDF

Sløborn – Staffel 1 | © ZDF

Eine Virus-Pandemie in Serienform

Noch bevor ich wusste, worum es bei „Sløborn“ konkret geht, ist die Serie auf meinem Radar gelandet, weil Christian Alvart der kreative Kopf hinter der ZDF-Produktion ist. Erst kürzlich hat mich Alvart mit seinem Thriller „Freies Land“ beeindruckt und bereits vor ein paar Jahren ist mir sein Hollywood-Werk „Pandorum“ positiv aufgefallen. Auch „Sløborn“ trägt seine Handschrift und, im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Filmemachern, steht bei ihm der Unterhaltungswert ganz oben. Mehr Popcorn als Arthouse, was ich in jeder Hinsicht positiv meine. Betrachtet man die Serie aus aktueller Perspektive, dann wirkt sie manchmal fast schon anbiedernd in ihrer Art und Weise, den Umgang der Inselbewohner mit der Bedrohung durch den Virus, zu erzählen. Eben ziemlich genau so, wie die aktuelle Lage in Zeiten von Corona bzw. COVID-19 ist, nur auf 11 gedreht. Inklusive Abstandsregeln, Masken, Querdenkern Ansteckungsketten usw. Will man das denn jetzt sehen?

Tatsächlich wurde „Sløborn“ bereits 2018 konzipiert und 2019 gedreht. Ende 2019 bis 2020 befand sich die Serie in Postproduktion und auch wenn einige Corona-Verweise darin bestimmt noch geschärft wurden, so ist es doch beängstigend, wie genau (und eben auf 11 gedreht) die Serie doch den Beginn einer Pandemie zeichnet. Der darin grassierende Taubenvirus ist natürlich viel tödlicher als Corona und der Ausbruch wird, trotz der eher gemächlichen Dramaturgie (eben slow burn), recht schnell erzählt. Viele Elemente wirken dennoch erschreckend vertraut.

Kleinstadt-Drama trifft auf Virus-Thriller

So mitreißend und plakativ auch das Thriller-Element ist, so seifenoperartig wirken teils die unterschiedlichen Erzählstränge, die das Ereignis begleiten. Egal ob es sich um den Autoren im Drogenentzug handelt, die Teenagerin, die eine Affäre mit ihrem Lehrer hat, oder die jugendlichen Straftäter, die auf der Insel rehabilitiert werden sollen. Da wirkt schon viel konstruiert und mit der Brechstange erzählt. Aber das macht nichts, denn das habe ich mir viel lieber angesehen, als wenn es sich bei „Sløborn“ um ein todernstes Virus-Drama gehandelt hätte. Denn ja, manche Szenen sind aufgrund der Nähe zu den aktuellen Ereignissen nur schwer zu ertragen. In den letzten beiden Episoden überschlagen sich die dramatischen Geschehnisse und als Anhänger von Verschwörungstheorien könnte man hier neues Futter bekommen. Es wäre sehr spannend zu sehen, ob man die Entwicklung der Geschichte aus heutiger Perspektive genauso erzählt hätte.

Fazit

Die erste Staffel von „Sløborn“ hat mir wirklich gut gefallen. Sie bietet keinen verkopften Umgang mit einer Pandemie, sondern ziemlich reißerische und plakative Unterhaltung. Somit freue mich schon auf eine zweite Staffel. Gerade im Hinblick auf die Entwicklung der realen Pandemie dürften die Autoren vor neuen Herausforderungen, aber auch neuen Chancen stehen: 8/10 (7.8) Punkte.

9 Gedanken zu “Sløborn – Staffel 1

  1. Ist sicherlich ein Coup für Christian Alvart, jetzt so eine Serie präsentieren zu können. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich mir meine Dosis an „Virus-Thrill“ vor ein paar Monaten mit „Contagious“ und „Outbreak“ bis auf weiteres abgeholt. Und das Stichwort „seifenoperartig“ stößt mich dann zusätzlich ab.

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    • Bei mir stehen „Outbreak“ (kenne ich noch von früher) und „Contagion“ (noch gar nicht gesehen) zwar in Regal, aber mag ich die momentan nicht einlegen. Bei dieser Serie wusste ich in Vorfeld noch nicht, wo die Reise hingeht. Es ist sehr faszinierend zu sehen, wie kurz vor der Pandemie die Produktion durchgeführt wurde. Das macht die Serie in meinen Augen so spannend. Davon abgesehen ist sie gut gemacht und unterhaltsam, aber bestimmt kein Pflichtprogramm.

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    • Auf 11 drehen ist ein Zitat aus „Spın̈al Tap“ und bedeutet übers Ziel hinauszuschießen bzw. es zu übertreiben. Die Serie läuft im ZDF und dürfte noch über die Mediathek abrufbar sein.

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  3. Mir hat die Serie auch ganz gut gefallen – die Geschwindigkeit passt und sie profitiert sehr von der aktuellen Situtation. Den Kritikpunkt sehe ich aber auch: Die Figuren sind schon sehr klischeehaft und man hat jede Möglichkeit genutzt, noch irgendwelche zusätzlichen Konflikte miteinzubauen, die es aber nicht gebraucht hätte. Die 8 Punkte gab es bei mir auch 🙂

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    • Es ist halt eine laute, bunte (wenn man so will) Unterhaltungsserie und das ist auch okay so. Danach habe ich mit „Dark“ angefangen und das ist ein ganz anderes Kaliber. Schon wirklich beeindruckend, wie gut sich deutsche Serien entwickelt haben.

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