Under the Silver Lake (2018)

Ein recht entspannter Samstag liegt hinter mir, den ich größtenteils mit einem Lauf und dem Lesen der Vorlage von „DUNE“ verbracht habe. Abends habe ich mich dann für den Film „Unter the Silver Lake“ entschieden, der bereits viel zu lange ungesehen im Regal stand. Sehr zum Leidwesen der Frau Lehrerin… 🎬

Under the Silver Lake (2018) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb LEONINE)

Under the Silver Lake (2018) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb LEONINE)

„Donnie Darko“ trifft auf „Mulholland Drive“

Ich wusste davor nicht viel über den Film. Nur dass er von David Robert Mitchell, dem Regisseur von „It Follows“ ist, den ich wirklich sehenswert und gruselig fand, und dass er eine mysteriöse Kriminalgeschichte in Hollywood erzählt. Auf dem Papier macht  „Under the Silver Lake“ auch genau das, doch ist hier eher der Weg das Ziel. Nur ohne Ziel. Von Anfang an hat mich die Stimmung an „Donnie Darko“ erinnert. Oder eben David Lynchs „Mulholland Drive“, welcher auch thematisch verwandt ist. Fans der beiden Filme dürfen die Besprechung schon einmal abkürzen und direkt ins Gefängnis gehen. Der Rest darf noch einmal über Los wandeln und nach einem Ausweg aud dem düsteren Hollywood suchen.

„Under the Silver Lake“ ist kein leichter Film. Ich fand die Übersexualisierung anstrengend. Auch die traumhafte Montage ist nicht immer einfach ertragbar, aber doch faszinierend. Am stärksten ist jedoch die Atmosphäre, die mich irgendwann für sich eingenommen hatte. So sehr, dass ich Andrew Garfield (u.a. bekannt als „The Amazing Spider-Man“) bereitwillig durch das popkulturelle Labyrinth gefolgt bin. Hier liegt für mich auch die Aussage des Films: Man kann alles in popkulturelle Erzeugnisse hineininterpretieren. Es steckt jedoch nichts dahinter. Oder aber: Es steckt mehr in Popkultur als man auf den ersten Blick vermuten würde. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Gerade auch, weil David Robert Mitchell sich formal sehr an den Hollywood-Klassikern Alfred Hitchcocks usw. bedient, was beim Score oder den verwendeten Motiven auffällt. Eine endgültige Interpretation habe ich noch nicht gefunden, aber ich bin fasziniert und werde bestimmt noch länger über den Film nachdenken müssen. Ob ich will oder nicht.

Fazit

Ja, das war ziemlich abgedreht. Eine böse Satire auf Hollywood? Eine Abrechnung mit dem Geschäft um die Popkultur? Oder nur ein Kifferfilm ohne Sinn und Verstand? Ich kann es nicht sagen. Auf jeden Fall faszinierendes Kino und anders als die meisten Filme. Für Freunde des abseitigen Kinos definitiv empfehlenswert: 8/10 Punkte.

John Wick: Kapitel 3 – OT: John Wick: Chapter 3 – Parabellum (2019)

Nachdem sich unsere Kinder eine weitere Nacht außer Haus erschlichen haben, konnten wir Erwachsenen uns heute ungestört „John Wick: Kapitel 3“ anschauen. Zudem habe ich nachmittags bereits das interessante Making-of zum zweiten Teil gesehen, was mich die Stunt-Arbeit noch einmal mehr wertschätzen lässt. Kann der dritte Teil noch einmal einen draufsetzen? ⚔

John Wick: Kapitel 3 (2019) | © Concorde

John Wick: Kapitel 3 (2019) | © Concorde

Ein weiteres Kapitel voll beeindruckender Action

Da ich die drei Teile von „John Wick“ an drei aufeinanderfolgenden Tagen gesehen habe, kommt es mir tatsächlich so vor, als hätte ich eine TV-Serie gesehen. Inklusive sich auflösenden Cliffhangern. Der dritten Teil schließt nahtlos an den Vorgänger an und steigert dessen Produktionswerte noch einmal. „John Wick: Kapitel 3“ sieht demnach noch polierter und beeindruckender aus, als seine beiden Vorgänger. Gerade die Lichtgestaltung hinterlässt Eindruck und ist definitiv eine Signatur der Filmreihe. Auch die Action wird noch einmal aufgedreht und John Wick darf via Motorrad oder auf dem Rücken eines Pferdes um sein Leben kämpfen. Wahrlich extrem beeindruckend inszeniert.

Nach dem Auftakt in New York City geht es nach Casablanca, wo John Wick auf eine alte Bekannte (gespielt von Halle Berry) trifft. Diese kämpft im Zusammenschluss mit zweit Hunden, was eine weitere Meisterleistung an Kampfchoreographie darstellt. Inhaltlich macht „John Wick: Kapitel 3“ dagegen von Minute zu Minute weniger Sinn, denn trotz der Welt mit all ihren Regeln und Konsequenzen wirkt alles unfassbar beliebig und die Dialoge sind teils schmerzhaft profan. Wie toll wäre es gewesen, hier noch ein knackiges Skript zu haben, das mit ein paar Onelinern glänzt oder zumindest handlungstechnisch Sinn ergibt? Star bleibt somit weiterhin die Action und die ist nach wie vor extrem imposant. Bis zum letzten Schlusskampf.

Fazit

Ja, auch „John Wick: Kapitel 3“ ist ein großes Vergnügen. Ich habe jede einzelne Kampfszene genossen und wurde ihnen auch nicht überdrüssig. Schade nur, dass das Drehbuch da nicht auch nur annähernd mithalten kann. Selbst wenn es nicht um die Geschichte geht, ein wenig mehr Sorgfalt wäre schön gewesen. So bleibt am Ende ein weiteres Kapitel mit extrem beeindruckender Action: 7/10 Punkte.

Godzilla II: King of the Monsters (2019)

Nachdem ich heute trotz akuten Schlafmangels einen Halbmarathon gelaufen bin, war ich zu Beginn unseres Filmabends schon ziemlich müde. Dennoch hatte ich Lust nach „Godzilla“ am letzten Samstag, heute „Godzilla II: King of the Monsters“ nachzuholen. Ob mich der Monster-Kracher vor dem Einschlafen bewahren konnte?

Godzilla II: King of the Monsters (2019) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Godzilla II: King of the Monsters (2019) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Der ultimative Monster-Porn-Action-Overkill

„Godzilla II: King of the Monsters“ macht seinem Namen alle Ehre. Hat Gareth Edwards im ersten Teil noch die „Der weiße Hai“-Formel angewandt, und das titelgebende Monster in der ersten Filmhälfte nur schemenhaft und in Andeutungen gezeigt, so pfeift der neue Regisseur (Michael Dougherty, bekannt für u.a. „Krampus“) komplett auf Subtilität. Die Monster-Action steht somit im Vordergrund und wird durch eine hauchdünne Geschichte zusammengehalten, die zudem nicht sonderlich viel Sinn macht und an jeder Ecke krankt, sei es die Motivation der Figuren, die Dialoge oder auch die Beziehungen zwischen den Charakteren. Schablonenhaft und einfallslos wäre fast noch zu viel des Lobs.

Dabei ist „Godzilla II: King of the Monsters“ mit Kyle Chandler („Friday Night Lights“), Vera Farmiga, Millie Bobby Brown („Stranger Things“), Bradley Whitford, Ken Watanabe, Sally Hawkins („The Shape of Water“) und Charles Dance wirklich gut besetzt. Doch leider stolpern die menschlichen Figuren nur durch den Film und können gegen die Präsenz der Titanen nicht ankommen. Diese sind wahrlich bombastisch und es macht viel Spaß, ihnen beim Kämpfen und einfach nur im Bild sein zuzusehen. Aber auch die unterirdischen MONARCH-Stützpunkte sind großartig gestaltet und die Welt rund um die Monster fühlt sich herrlich groß an. Inszenatorisch hat mir „Godzilla“ jedoch deutlich besser gefallen, da Edwards die eindringlicheren Bilder geschaffen hat und Dougherty leider zu sehr auf Wackelkamera und Dauer-Action setzt. Ein wenig mehr Ruhe hätte dem Film gut getan.

Fazit

Insgesamt hatte ich viel Spaß mit „Godzilla II: King of the Monsters“. Vielleicht war ich zu müde und die Dauer-Action hat mich ein wenig ans Limit meiner Aufnahmefähigkeit gebracht. Da ich Monsterfilme liebe, hat der Film jedoch etliche Knöpfe bei mir gedrückt und mit einem zugedrückten Auge gibt es gerade noch: 7/10 Punkte.

Bone Tomahawk (2015)

Der Samstag ist schon wieder vorbei. Was habe ich noch einmal gemacht? Kann ich gar nicht so genau sagen (außer eine Runde zu laufen natürlich). Auf dem Sofa angekommen, hatte ich Lust auf einen Film, den ich schon viel zu lange vor mir herschiebe. Weil er ziemlich unangenehm sein soll. Manchmal muss es aber auch das sein und somit ist „Bone Tomahawk“ in den Blu-ray-Player gewandert… 🤠

Bone Tomahawk (2015) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Bone Tomahawk (2015) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Die wilde Seite des Wilden Westens

Im Vorfeld wusste ich nur, dass der Debütfilm S. Craig Zahlers einen Genretwist beinhalten und am Ende äußerst brutal werden soll. Dazu kann ich gleich sagen, dass mir das gar nicht so vorkam. Also die Brutalität schon, der Genretwist weniger. Der Film steigert sich über seine Laufzeit und steuert auf eine Konfrontation hin, doch es ist wahrlich kein komplettes Umschwenken, wie z.B. in „From Dusk Till Dawn“, sondern eher die konsequente und drastische Weiterentwicklung. Am ehesten musste ich hier noch an „Der 13te Krieger“ denken, auch wenn sich beide Filme, bis auf wenige Elemente, nicht wirklich vergleichen lassen. Für mich funktioniert „Bone Tomahawk“ wunderbar als Western. Besser sogar als die meisten klassischen Western.

Was macht „Bone Tomahawk“ so besonders? Für mich wohl die ruhige Inszenierung, das wunderbare Drehbuch und die großartigen Schauspieler. Wenn ich die Stimmung und die Dialoge, die Zahler erzeugt, mit einem anderen Filmemacher vergleichen müsste, dann wohl am ehesten Quentin Tarantino. Die Dialoge sind auf den Punkt und ich hätte zuvor nie gedacht, dass sie so witzig sind. Ich musste mehrfach schmunzeln und sogar lachen. Hinzu kommt ein unfassbarer Cast: Angefangen bei Kurt Russell, über den stets großartigen Richard Jenkins, Patrick Wilson und Matthew Fox, besetzt Zahler (wie eben auch Tarantino) selbst Nebenfiguren mit Genregrößen à la Sid Haig oder James Tolkan. Das muss man in einem Debüt erst einmal hinbekommen.

Beinahe schon eine Western-Elegie

Ich lese immer wieder, dass Filme oder Serien zu ruhig erzählt seien und man sich dort durchkämpfen müssen. Ob dies auch auf „Bone Tomahawk“ zutrifft, kann ich nicht sagen, doch möchte ich an dieser Stelle eine Lanze für langsam erzählte Geschichten brechen: Zahler nimmt sich unfassbar viel Zeit für scheinbare Nebensächlichkeiten, wie z.B. das gemeinsame Essen der Suppe, wenn sich Sheriff Hunt und Deputy Chicory das erste Mal treffen. Hier wird jedoch schon so viel über die beiden Figuren und ihr Verhältnis zueinander gesagt, dass ich jede Sekunde genossen habe. Wie kann man so etwas als langweilig empfinden? (Und nein, ich weiß nicht, ob das in diesem Fall ein Kritikpunkt war.) Ich liebe solch einen langsamen Aufbau, die langen Einstellungen und den Schauspielern einfach beim Schauspielen zuzusehen.

Fazit

Mich hat „Bone Tomahawk“ sehr begeistert. Ja, er ist brutal und unangenehm, doch wer das akzeptiert, der wird mit starken Figuren, herrlichen Dialogen und wunderbaren Bildern belohnt. Ich bin nun schon gespannt auf Zahlers weitere Filme, die glücklicherweise schon im Regal warten: 9/10 Punkte.

Parasite – OT: Gisaengchung (2019)

Nachdem ich vergangenes Wochenende bereits den Versuch gestartet hatte, diesen Film zu sehen, war es heute endlich soweit. Zwar nur auf Blu-ray, da die UHD-Scheibe immer noch nicht will, doch wollte ich die Sichtung von „Parasite“ nicht noch länger aufschieben. Was der südkoreanische Oscar-Gewinner wirklich zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🐜

Parasite (2019) | © Capelight Pictures

Parasite (2019) | © Capelight Pictures

Ein bitterböser Blick auf den Kapitalismus

Wie auch schon Bong Joon-hos „Snowpiercer“, oder der kürzlich gesehene „Der Schacht“, ist „Parasite“ ein Kommentar auf unsere heutige Welt. Geprägt von einem starken Gefälle zwischen Arm und Reich und dem Kapitalismus als zerstörerischen Motor. Im Gegensatz zu den beiden genannten Filmen, wirkt „Parasite“ zunächst ein wenig subtiler in seiner Botschaft. Teils wirkt er wie eine tiefschwarze Komödie, doch viel zu Lachen gibt es nicht. Am ehesten hat mich Bong Joon-hos Film an Jordan Peeles famosen „Wir“ erinnert und das nicht nur aufgrund der Menschen aus dem Keller bzw. dem Untergrund. Die Atmosphäre und ja, auch der ungewöhnliche Score haben diese Assoziation bei mir geweckt. „Parasite“ bleibt jedoch realistischer in seiner Ausgestaltung, auch wenn er häufig künstlerisch überhöht wirkt.

Bong Joon-hos und Han Jin-wons Drehbuch besitzt so viele kluge Aspekte, welche die Probleme unserer Welt wunderbar auf den Punkt bringen. Alleine der Monolog des Vaters, der klar macht, dass man sich auf seiner sozialen Stufe keine Planbarkeit erlauben kann, ist unfassbar bitter. Oder der Fokus auf den Geruch bzw. Gestank von Armut, was an Abfälligkeit kaum zu überbieten ist. Der Punkt, dass sich am Ende der Nahrungskette bis auf das Blut bekriegt wird, nur um ein paar Kuchenkrümel abzubekommen. Dazu der krasse Kontrast zur Familie des Hausherren. Alleine schon die Dekadenz der Geburtstagsfeier. Starke Bilder und, auch gerade im übertragenen Sinne, ebenso starke Motive, die sich durch den kompletten Film ziehen.

Das schöne Mediabook enthält übrigens ein lesenswertes Essay über Paratisen im Film und natürlich speziell in diesem:

Fazit

„Parasite“ ist kein angenehmer Film. Er ist unterhaltsam, aber eben nicht auf entspannte Art und Weise. Und das ist gut so. Er macht einen großen Themenkomplex auf, bietet für diesen keine Lösung, legt den Finger aber schmerzhaft in die Wunde. Und bohrt darin herum. Definitiv ein Film, über den ich noch häufiger nachdenken werde: 9/10 Punkte.

Gosford Park (2001)

Die Sichtung von „Downton Abbey“ zählte dieses Jahr zu meinen größten Serien-Highlights. Mit dem Film zur Serie liegt auch meine letzte Begegnung mit den liebgewonnenen Figuren hinter mir. Somit blieb mir nur noch mit „Gosford Park“ zu den Ursprüngen des Epos zurückzukehren. Wobei das dem Film nicht wirklich gerecht wird. Alles Weitere in der folgenden Besprechung… 🏰

Gosford Park (2001) | © STUDIOCANAL

Gosford Park (2001) | © STUDIOCANAL

Der böse Zwilling von „Downton Abbey“

Für Kenner von „Downton Abbey“ ist es unglaublich zu sehen, wie viele Elemente davon sich bereits in „Gosford Park“ finden ließen: Die Bediensteten, die Aristokratie und die daraus resultierende Zweiklassengesellschaft. Die Inszenierung des Landsitzes, die Kamerafahrten durch die Gänge. All das hat mich fast schon zuhause fühlen lassen. Hinzu kommen vertraute SchauspielerInnen, allen voran natürlich Maggie Smith, die hier bereits eine frühe Version ihrer berühmten Countess of Grantham zum Besten gibt. Einfach herrlich anzusehen!

Ist „Gosford Park“ somit nur eine frühe Version von „Downton Abbey“? Nein, denn während Julian Fellowes‘ Serie ein sehr idealisiertes Bild der Beziehung zwischen Bediensteten und Aristokraten zeichnet, so rückt in „Gosford Park“ die dreckige Realität in den Vordergrund. Zwar inszeniert Regisseur Robert Altman seinen Film als schwarze Komödie, doch können so manche Lacher den düsteren Unterton nicht überspielen. Der Mord, die versammelten Verdächtigen und der überzeichnete Ermittler (gespielt vom stets gerne gesehenen Stephen Fry) wecken Erinnerungen an Murder-Mysteries à la Agatha Christie oder eben den 2019er „Knives Out“. Jedoch ist dies bei Weitem nicht der Hauptaspekt des Films.

Fazit

Mir hat „Gosford Park“ schon alleine aufgrund seiner Verwandtschaft zu „Downton Abbey“ ausgezeichnet gefallen. Er ist toll gespielt, inszeniert und erzählt eine unterhaltsame Geschichte. Nicht nur für Freunde von Julian Fellowes‘ Serie eine große Empfehlung: 8/10 Punkte.

Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste – OT: Maze Runner: The Scorch Trials (2015) (WS1)

Nach einem wettermäßig sehr unbeständigen Dienstag, an dem ich immerhin einen langen Lauf absolviert habe, ist unser Abendessen sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Aufgrund des Regens haben wir uns nach drinnen zurückgezogen und mit „Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste“ die Fortsetzung unseres gestrigen Films in den Player geschoben…

Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste (2015) | © 20th Century Fox

Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste (2015) | © 20th Century Fox

Eine ziemlich wüste Fortsetzung

Man verzeihe mir dieses schlechte Wortspiel, doch „Maze Runner: The Scorch Trials“ ist wirklich ein ziemlich konfuser Film. Teils typisches Young-Adult-Drama, teils überraschend harter Zombie-Schocker, teils Kriegsfilm. Ich muss jedoch sagen, dass ich ihn gerade auch aufgrund seiner Versatzstücke mochte. Regisseur Wes Ball beweist abermals ein echtes Händchen für Effekte und Schauplätze. Trotz viel CGI sieht der Film einfach unglaublich gut und erstaunlich geerdet aus. Völlig egal, ob High-Tech-Forschungslabore, verfallene Städte oder unterirdische Gänge. Audiovisuell braucht sich der Film nicht zu verstecken.

Auch die Schauspieler machen ihre Sache erneut gut. Besonders witzig fand ich, das Duo Kaya Scodelario und Barry Pepper zusammen in dem Film zu sehen, welches ich zuletzt erst in Alexandre Ajas Tierhorror „Crawl“ bewundern durfte. Inhaltlich war mir die Geschichte zu sehr auf Action ausgelegt. Speziell der Shoot-Out in der Wüste hat mir am Ende zu viel Raum eingenommen.

Fazit

Im Gegensatz zu „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ kann ich die Fortsetzung im Vergleich zur ersten Sichtung nicht aufwerten. Zwar hat er mir erneut viel Spaß gemacht, doch ist er einfach nicht so rund erzählt, wie der Vorgänger. Aber das war bei der Romanvorlage auch schon so. Nun bin ich schon sehr gespannt auf das Finale. Für den zweiten Teil der Trilogie gibt es nach wie vor 7/10 Punkte.

No Way Out: Gegen die Flammen – OT: Only the Brave (2017)

Heute morgen war ich so platt, dass ich bis 10 Uhr geschlafen habe. Das ist mir schon ewig nicht mehr passiert. So langsam macht sich der emotionale Stress doch bemerkbar. Danach war ich aber durchaus produktiv und wir haben die Steuer 2019 bearbeitet und abgegeben. Ansonsten haben wir uns, aufgrund des miesen Wetters und der Ausgangsbeschränkungen, nur drinnen aufgehalten. Somit schien mir das Outdoor-Drama „No Way Out: Gegen die Flammen“ eine recht gute Wahl… 🔥👨‍🚒

No Way Out: Gegen die Flammen (2017) | © STUDIOCANAL

No Way Out: Gegen die Flammen (2017) | © STUDIOCANAL

Ein ungewöhnlich kraftvolles Katastrophendrama

Katastrophenfilme, die auf wahren Begebenheiten beruhen, gibt es ja einige. Auch bei „No Way Out: Gegen die Flammen“ hatte ich gedacht, dass ich die Formel schon kenne. Doch Regisseur Joseph Kosinski, der zuvor die effektlastigen Filme „TRON: Legacy“ und „Oblivion“ gedreht hatte, ist bei der Ausgestaltung der Geschichte einen frischen Weg gegangen. Die große Katastrophe rund um das Yarnell Hill Fire nimmt nur einen winzigen Teil des Films ein. Dafür nimmt sich Kosinski extrem viel Zeit, uns davor die einzelnen Figuren und ihre Geschichte näher zu bringen. Es dauert gut 45 Minuten bis wir überhaupt ein wenig Feuer und Action zu sehen bekommen. Doch selbst danach erzählt uns „Only the Brave“, so der Originaltitel, keinen großen Kampf gegen das Feuer, sondern die sehr persönliche Geschichte der Granite Mountain Hotshots.

Ich hatte mich zuvor nicht mit der Katastrophe beschäftigt, die in den letzten zwanzig Minuten auf uns einprasseln sollte. Wie bereits zuvor wälzt Kosinski die Action nicht groß aus, sondern bleibt in seiner Inszenierung glaubhaft und authentisch. Ich kannte den Ausgang nicht und war am Ende wirklich schockiert und ergriffen. Auch wegen der unprätentiösen Inszenierung. Hier konnte der Film wahrlich die Früchte seiner zuvor detailliert aufgebauten Figuren und ihrer Beziehungen untereinander ernten. Das fand ich sehr beeindruckend, da man diese Geschichte auch ganz anders hätte erzählen können. Für mich eine unerwartete Struktur für dieses Genre.

Fazit

Auch wenn „Only the Brave“ auf den ersten Blick wie ein 08/15-Katastrophenfilm erscheinen mag, so bin ich doch sehr froh, ihm eine Chance gegeben zu haben. Joseph Kosinski beweist bei der Inszenierung wirklich viel Feingefühl und ich war froh, für zwei Stunden in diese völlig andere Welt abgetaucht zu sein. Das Finale wird mir bestimmt noch ein wenig nachgehen: 8/10 Punkte.

Knives Out: Mord ist Familiensache (2019)

Nachdem es diese Woche auf meinem Blog recht ruhig war, gibt es heute eine neue Besprechung – und das sogar zu einem Film, der aktuell noch im Kino läuft. Für meine Frau und mich hatte sich spontan ein kinderfreier Abend ergeben, woraufhin wir auf der Suche nach einem passenden Kinofilm waren. Leider liefen die Favoriten (z.B. „Jojo Rabbit“) nirgends zu einer passenden Zeit, weshalb unsere Wahl auf „Knives Out: Mord ist Familiensache“ gefallen ist. Ob das eine gute Entscheidung war, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Knives Out: Mord ist Familiensache (2019) | © Universum Film

Knives Out: Mord ist Familiensache (2019) | © Universum Film

Ein formidabel gefilmtes Krimi-Vergnügen 🕵️‍♂️🔍

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht groß auf Rian Johnson eingehen. Seine Filme „Brick“ und „Looper“ fand ich ziemlich großartig, seinen „Star Wars: The Last Jedi“ schwierig, aber im Vergleich zu J. J. Abrams Nachfolger immerhin recht spannend. Nun gibt es mit „Knives Out“ also den ersten Film nach seinem mehr als nur kontrovers aufgenommenen Franchise-Mittelteil. Ich war sehr überrascht, als das Genre bekannt wurde: Ein klassischer, Agatha-Christie-esquer Whodunit mit einem unfassbaren Star-Aufgebot. Der Trailer sah witzig aus, doch wie nichts was ich unbedingt sehen müsste. Da ich in jüngerer Vergangenheit doch ein paar positive Stimmen zum Film vernommen hatte, war ich letztendlich durchaus voller Vorfreude.

Eines muss man dem Regisseur auf jeden Fall lassen: „Knives Out“ sieht unfassbar gut aus. Er wirkt nicht nur inhaltlich wie aus der Zeit gefallen, sondern auch was Ausstattung und Kostüme angeht. Dabei wirkt er allerdings nicht angestaubt, sondern sehr modern und frisch inszeniert. Audiovisuell ein wahres Vergnügen. Auch inhaltlich ist es spannend, und vor allem unterhaltsam, dem bunten Treiben zu folgen. Insgesamt war ich aber ein wenig enttäuscht, wie oberflächlich die einzelnen Charaktere doch gezeichnet sind. Letztendlich geht es wirklich nur um die Auflösung. Nachdem ich diese nun kenne, habe ich kein Bedürfnis, den Film irgendwann noch einmal zu sehen. Sicher, das ist vermutlich auch dem Genre an sich geschuldet, doch hätte ich mir hier einfach mehr erwartet.

So spielfreudig alle Schauspieler auch sind, so wenig ist der Humor auch bei mir angekommen, was ich zu großen Teilen der deutschen Synchronisation zuschreibe. Diese wirkt, wie so oft, extrem steril und ich hätte mir so sehr gewünscht, den Film im Original sehen zu können. Leider ist das Angebot hier bei uns in der Region immer noch ziemlich beschränkt. Sehr, sehr schade.

Fazit

Insgesamt hatte ich viel Spaß mit Rian Johnsons „Knives Out“ (im Gegensatz zu meiner Frau, die ein paar Mal fast eingeschlafen ist). Leider werde auch ich den Film wohl schnell wieder vergessen haben. Wer jedoch auf der Suche nach einem netten Kinoabend ist (und im Idealfall eine Originalversion erwischt), der kann sich dieses moderne Murdery-Mystery durchaus mit Gewinn anschauen: 7/10 Punkte.

Bohemian Rhapsody (2018)

Nach einem recht entspannten Samstag mit ein wenig Möbel aufbauen und einem netten Lauf, habe ich mich abends auf einen Film gefreut. Mit „Bohemian Rhapsody“ ist ein Werk im Blu-ray-Player gelandet, auf das ich mich zwar einerseits gefreut habe, andererseits hatte ich aber auch keine großen Erwartungen. Letztendlich ordnet das den Film auch ziemlich gut ein… 🎸🎹🎶

Bohemian Rhapsody (2018) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Bohemian Rhapsody (2018) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Eine Rock’n’Roll-Oper für die ganze Familie

Ich kenne mich mit Queen nicht besonders gut aus. Neben Freddie Mercury war mir bisher nur Brian May ein Begriff. Natürlich kenne ich alle populäre Songs und neben „Bohemian Rhapsody“ ist ausgerechnet der eher unbekannte „Breakthru“ mein Lieblingssong der Band. Auch mag ich Rockmusik in Filmen. Nichts kommt an „Almost Famous“ heran. Wenn ich an Musikerbiografien, dann fällt mir als erstes Oliver Stones „The Doors“ ein, der so ziemlich das Gegenteil von „Bohemian Rhapsody“ ist. Auch die leider nur kurzlebige HBO-Serie „Vinyl“ hat den Rock’n’Roll-Lifestyle zelebriert. In diesem Film wird er höchstens gestreift. „Bohemian Rhapsody“ ist übertrieben familienfreundlich erzählt und inszeniert, was einer der großen Schwachpunkte ist. Eben ein FSK-6-Biopic für die ganze Familie.

Wenn wir schon bei Schwächen sind, dann muss ich noch kurz auf die Struktur des Films eingehen: Die Dramaturgie ist so vorhersehbar, dass sie schon an Malen nach Zahlen erinnert. Angefangen vom Vater, der nicht an Freddie glauben mag, bis zur letztendlichen Anerkennung (natürlich!) kurz vor dem großen Live-Aid-Auftritt. Da ist es nur symptomatisch, dass auch Freddie Mercurys Kenntnis seiner AIDS-Erkrankung chronologisch für die perfekt durchkomponierte Dramaturgie vorgezogen wurde. In Kombination ergibt sich daraus ein Film, der extrem auf Nummer sicher spielt, was letztendlich viel Potenzial verschenkt.

Trotz Schwächen aufregend und mitreißend

Auch wenn ich bisher nur Kritik geäußert habe, so wurde ich doch blendend unterhalten, was vor allem den tollen schauspielerischen Leistungen zuzuschreiben ist. Rami Malek (bekannt aus der TV-Serie „Mr. Robot“) ist großartig als Freddie Mercury. Doch auch die anderen Bandmitglieder sind hervorragend besetzt. Den größten Schmunzler hatte für mich Mike Myers mit seiner Anspielung auf „Wayne’s World“, was vielleicht zu meta war, mich aber dennoch zu amüsieren wusste. Davon abgesehen ist natürlich die Musik einfach bombastisch. Es wurde mir noch einmal so richtig bewusst, was für eine einflussreiche Band Queen war. Speziell der finale Live-Aid-Auftritt, der beinahe komplett ausgespielt wird, ist großes Kino.

Fazit

Auch wenn „Bohemian Rhapsody“ viel Potenzial liegen lässt, und zu sehr nach dem Biopic-Baukasten erzählt wird, mochte ich den Film mehr als ich sollte. Er ist nicht überragend gut und es lassen sich, rein objektiv betrachtet, viele Fehler finden. Die rein emotionale Wirkung stimmt aber und für mich sind die 135 Minuten wie im Flug vergangen. Bestimmt ein bis zwei Punkte zu viel, aber dennoch: 8/10 Punkte.