Star Wars: Angriff der Klonkrieger – OT: Star Wars: Attack of the Clones (2002)

Der letzte Filmabend liegt schon einen Monat zurück. Unglaublich. Vermutlich wird „Star Wars: Angriff der Klonkrieger“ auch der einzige Film im Juni bleiben. Es gibt einfach viel zu viel zu tun und das gute Wetter lockt nach draußen. Heute jedoch hat es geregnet und somit konnten wir uns guten Gewissens vor den Fernseher zurückziehen. Viel zu spät (wir wurden erst nach 22 Uhr fertig), aber dennoch. ⚔

Star Wars: Angriff der Klonkrieger (2002) | © Lucasfilm & Walt Disney

Star Wars: Angriff der Klonkrieger (2002) | © Lucasfilm & Walt Disney

Eine starke Fortsetzung mit großen Schwächen

Ihr seht es schon im Zwischentitel: „Star Wars: Episode II“ ist ein Film voller Widersprüche. Dabei war ich nach der Erstsichtung im Kino damals positiv überrascht. Zumindest fand ich ihn deutlich besser als „Die dunkle Bedrohung“. Seitdem habe ich den Film vielleicht noch zweimal gesehen und sowohl die positiven Aspekte sind gewachsen als auch negative hinzugekommen. Wenn man sich die Filmblase im Internet so anschaut, dann hat der damals verhasste „Star Wars: Episode I“ an Popularität zugelegt, während „Der Angriff der Klonkrieger“ in der Rangliste ganz unten angekommen ist. Ich kann teils verstehen warum und doch mag ich den Mittelteil der Prequel-Trilogie immer noch sehr gerne.

Fangen wir zunächst mit den offensichtlichen Schwächen an: Das Drehbuch gewinnt keine Preise. Damit meine ich weniger die Gesamtgeschichte um die Klonarmee und die Machtergreifung durch Senator Palpatine, sondern eher die Dramaturgie und Dialoge. Gerade Hayden Christensen sagt teils Dinge, die akut Fremdscham heraufbeschwören. Dabei möchte ich die Liebesgeschichte nicht nur kritisieren, die natürlich unfassbar kitschig ist (und das nicht einmal auf charmante Art und Weise), sondern muss auch zugeben, dass mir der Aspekt der Handlung eigentlich gut gefällt. Es hätte eben nur eine(r) fähigeren Drehbuchautor*in bedurft. Somit wechseln sich cringe und staunen während des Films konsequent ab. Auf der Habenseite hat „Star Wars“ eben auch solche Elemente:

„Bei den meisten Action-Filmen kämpfen nur die Männer mit Schwertern oder Waffen. Bei „Star Wars“ kämpfen auch die Frauen. Das gefällt mir.“
– Das Zappelinchen nach dem Film

Stilprägend für die kommenden 20 Jahre

Ich höre viele von euch schon meckern, wie viel CGI in dem Film steckt und dass die virtuellen Sets heute unglaublich künstlich aussehen. Da nehme ich direkt einmal die Gegenposition ein: Für mich hat der Look des Films immer noch funktioniert. Es gibt etliche reale Elemente, welche gekonnt mit den virtuellen Sets kombiniert wurden. Damit ist „Star Wars: Episode II“ einer der ersten Filme, die diesen Ansatz so konsequent umgesetzt haben. Vor 20(!) Jahren. Heute wird nahezu jeder aktuelle Blockbuster auf diese Art und Weise produziert. Das muss man nicht mögen oder gut finden, aber George Lucas hat mit der digitalen Produktion damals (einmal wieder) das Kino revolutioniert. Klar sieht heute nicht mehr jede Szene perfekt aus und die CGI-Elemente sind oft zu präsent, doch andere Szenen müssen sich, auch was die Interaktion zwischen CG-Charakteren und Schauspieler*innen angeht, nicht vor modernen Filmen verstecken (was wohl mehr über das aktuelle Kino aussagt, als über diesen Film). John Williams Score ist zudem wieder ein Traum.

Fazit

Haben die Kinder den Vorgänger noch eher gemischt aufgenommen, so waren heute beide begeistert von „Star Wars: Angriff der Klonkrieger“. Das Zappelinchen vermutlich sogar noch mehr als der Zwergofant (der übrigens immer noch über den Zusammenhang zwischen Senator Palpatine, Darth Sidious und den Imperator nachdenkt). Ich hatte wieder viel Spaß mit „Episode II“ und drücke hier gerne ein paar Augen zu bzw. stehe auf der hellen Seite der Bewertungsskala: 7/10 Punkte. (Zappelinchen: 9/10 Punkte; Zwergofant: 9/10 Punkte.)

Chip und Chap: Die Ritter des Rechts – OT: Chip ’n Dale: Rescue Rangers (2022)

Gegen acht Uhr saßen wir plötzlich alle auf dem Sofa. Eigentlich hatten wir erst gestern einen Filmabend, doch die Kids schienen das bereits vergessen zu haben. Nun gut, sind wir mal nicht so. Recht spontan habe ich „Chip und Chap: Die Ritter des Rechts“ angeworfen und war sehr auf den Film gespannt. Auch weil die Kids bisher noch keinen Kontakt zur Serie hatten (mein sporadisches Summen des Titelsongs einmal außen vor gelassen). 🐿🧀

Chip und Chap: Die Ritter des Rechts (2022) | © Walt Disney

Chip und Chap: Die Ritter des Rechts (2022) | © Walt Disney

Ein überraschend großer Spaß!

Als ich kürzlich die ersten Bilder zur Neuverfilmung sah, hatte ich so meine Zweifel, dass dies gut gehen kann. Gerade als Meta-Geschichte. Und das bei einem Franchise, das heute wirklich niemand mehr so richtig kennt. Vielleicht aber auch genau das Richtige für einen spontanen Filmabend? Tatsächlich war ich überrascht, wie gut dieser Ansatz funktioniert: „Chip und Chap: Die Ritter des Rechts“ ist herrlich selbstironisch erzählt – und das nicht nur in Bezug auf das Kern-Franchise. Auch andere Disney-Figuren bekommen ihr Fett weg bzw. haben Gastauftritte. Hinzu kommt noch ein größerer Auftritt von „Sonic the Hedgehog“ bzw. von Ugly Sonic aus dem ersten Trailer zur Verfilmung. Ziemlich abgefahren für Disney. Dadurch wirkt der Film tatsächlich sehr frisch und nah am Zeitgeist.

Inszenatorisch erinnert „Chip und Chap: Die Ritter des Rechts“ am ehesten an „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, denn auch in dieser Welt leben Zeichentrickfiguren und Menschen zusammen. Das funktioniert auch hier erstaunlich gut. Selbst die Integration von CGI-Charakteren war gelungen. Im Hintergrund wird ein klassisches Rescue-Rangers-Abenteuer abgespult, welches jedoch nur das Vehikel für unzählige Meta-Gags und Anspielungen ist. Irgendwann hatte ich sogar das Gefühl, als würde Disney hier sein eigenes MCU zimmern. Tatsächlich würde ich mir noch weitere Filme in diesem Setting ansehen.

Fazit

Mich hat „Chip und Chap: Die Ritter des Rechts“ über gut 90 Minuten wirklich bestens unterhalten. Jedoch weiß ich jetzt schon, dass nicht viel von dem Film hängen bleiben wird. Auch die Kinder hatten enorm viel Spaß, wenngleich ihnen der nostalgische Bezug komplett gefehlt hat. Dafür haben sie sich über z.B. Dagobert Duck im Hintergrund gefreut. Kein Meisterwerk, aber doch eine erstaunlich frische Interpretation: 7/10 Punkte. (Zappelinchen: 7/10 Punkte; Zwergofant: 8/10 Punkte.)

Star Wars: Die dunkle Bedrohung – OT: Star Wars: The Phantom Menace (1999)

Nach einem ziemlich doofen Tag stand mir abends der Sinn nach guter Unterhaltung. Zudem hat sich der Zwergofant schon länger gewünscht, dass wir endlich „Star Wars: Die dunkle Bedrohung“ anschauen. Zyniker werden nun fragen, wie das mit guter Unterhaltung zusammengeht. Aber ich mag den Film, auch wenn er bei Weitem nicht mein liebster Film der Reihe ist. Weshalb und wieso, lest ihr im Folgenden… 🚀

Star Wars: Die dunkle Bedrohung (1999) | © Lucasfilm & Walt Disney

Star Wars: Die dunkle Bedrohung (1999) | © Lucasfilm & Walt Disney

Der erste große Film-Hype einer neuen Ära

Ich weiß heute noch, wie sehr wir alle damals „Star Wars: Episode I“ entgegengefiebert haben. Das Internet war 1999 noch nicht mit dem heutigen vergleichbar und doch dürfte der Trailer zu „The Phantom Menace“ eines der ersten Videos gewesen sein, das ich mir damals bei Apple Trailers in einer recht hohen Auflösung im QuickTime-Format heruntergeladen habe. Unzählige Trailer-Sichtungen später war der Hype auf dem Höhepunkt. Das „Star Wars“-Prequel war auch einer der ersten großen Filme, die noch vor dem Kinostart geleakt sind und als Raubkopie gehandelt wurden. Auch in meinem Freundeskreis ging eine Kopie herum. Zugang wäre also da gewesen, doch zum ersten Mal „Star Wars“ im Kino (zumindest seit der Special-Edition-Wiederaufführung von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“) hätte ich mir natürlich nie entgehen lassen. Bei der Kinosichtung, kurz nach dem Abi, konnte der Film an den Erwartungen nur scheitern. Dennoch habe ich ihn nie gehasst, wie so viele andere Fans. Und heute?

Viele erste Male mit „Star Wars: Episode I“

Inzwischen habe ich den Film schon ein paar Mal gesehen, aber weit nicht so häufig, wie die klassische Trilogie. Mit größerem Abstand kann ich auch viel mehr schätzen, was dieses Prequel für die Kinogeschichte bedeutet. Schon alleine, dass es ein Prequel ist. Wer kannte den Begriff denn schon davor? Unzählige weitere Prequels sollten in den kommenden Jahren folgen. Dann hat George Lucas nicht einfach nur bekannte Elemente recycelt (so wie J.J. Abrams in „The Force Awakens“), sondern tatsächlich versucht etwas Neues zu erzählen. Warum dies ausgerechnet die Geschichte um eine Handelsföderation sein musste, ist natürlich eine berechtigte Frage. Das Universum wurde auf jeden Fall weit aufgestoßen und dennoch die Brücke zur originalen Trilogie geschlagen. Inklusive unnötig anmutendem Fanservice; das hat der Film dann doch mit der neuen Trilogie gemein.

Am meisten beeindruckt mich aber auch heute noch die Technik. Man darf nicht vergessen: Das war noch einmal zwei Jahre vor „Der Herr der Ringe“ und wäre im gleichen Jahr nicht „The Matrix“ erschienen, würde der Eindruck, den „Episode I“ in technischer Sicht auf die Filmwelt hinterlassen sollte, vielleicht stärker gewürdigt worden. Viele Szenen sehen heute immer noch unfassbar gut aus. Alleine das Pod-Rennen ist an Dynamik und Action-Inszenierung kaum zu schlagen. Doch auch virtuelle Hintergründe und komplett animierte CGI-Charaktere schlagen sich heute noch mehr als wacker. Selbst Jar Jar Binks sieht in den meisten Szenen gut aus (über die Figur an sich kann man natürlich streiten). Dann die großen Schlachtszenen mit tausenden von Figuren, riesige Unterwassermonster und famose Raumschlachten. Technisch war bzw. ist der Film schon eine Wucht. Von John Williams‘ exzellentem Score einmal gar nicht zu schreiben.

Inhaltlich nicht ohne Schwächen

Über den Inhalt des Films wurde sich an vielerlei Stellen schon ausgelassen. Ich denke da nur an Mr. Plinkett’s Reviews auf RedLetterMedia, welche die Standardvorlage für alle Hater sind. Natürlich sprechen die Jungs hier viele richtige Punkte an, doch kann ich solch einem systematischen Zerlegen nichts abgewinnen (und ich mag den Kanal sonst sehr gerne). Doch den Midi-Chlorianern steht dann eben ein Kampf mit Darth Maul gegenüber. Der Film hat viel Schatten, aber auch viel Licht. Ich schlage mich hier viel lieber auf die helle Seite der Macht, denn ich hatte auch heute wieder viel Spaß mit dem Film. Der Zwergofant hat ihn interessanterweise als bisher besten „Star Wars“-Film betitelt, wohingegen das Zappelinchen ihn eher langweilig fand. Ich bin schon gespannt, wie wir alle die beiden Fortsetzungen wahrnehmen werden.

Fazit

Inzwischen hat „Star Wars: Die dunkle Bedrohung“ schon 23 Jahre auf dem Buckel. Dreiundzwanzig Jahre. Warum nur kann ich mich an die Zeit rund um den Filmstart noch so gut erinnern? Es waren prägende Jahre für mich. Und auch für das Kino. Goerge Lucas hat die Kinolandschaft hiermit beeinflusst, das dürfte sicher sein. Auch ganz persönlich hat der Film seinen Platz in meinem Herzen gefunden: 7/10 Punkte. (Zappelinchen: 6/10 Punkte; Zwergofant: 10/10 Punkte.)

Peter Hase – OT: Peter Rabbit (2018)

Nach einem recht ruhigen Karfreitag, an dem das Zappelinchen und ich die Oma besucht hatten, stand abends die Frage im Raum, ob der Zwergofant denn fit genug für einen Film sei. Die Antwort lag auf der Hand und somit gab es mit „Peter Hase“ zwar keinen Oster- aber einen Hasenfilm. Wenn sich der Rest der Familie nun nach den Hustenattacken während des Filmabends nicht angesteckt hat, dann grenzt das an ein Wunder. Doch wie war eigentlich der Film? 🐰

Peter Hase (2018) | © Sony Pictures Home Entertainment

Peter Hase (2018) | © Sony Pictures Home Entertainment

Ein erstaunlich unterhaltsamer Hasenfilm

Ich konnte „Peter Hase“ im Vorfeld überhaupt nicht einordnen. Klar kenne ich die Zeichnungen und vermutlich habe ich auch mal ein paar Bücher durchgeblättert, doch einen richtigen Bezug habe ich zur Vorlage nicht. Das Zappelinchen kannte den Film bereits und war überzeugt, dass er auch dem Rest gefallen würde. Ich hatte etwas in Richtung „Hop: Osterhase oder Superstar?“ erwartet, wurde dahingehend aber positiv überrascht. Letztendlich hat mich „Peter Hase“ wohl am ehesten an die „Paddington“-Filme erinnert, ohne dass er jedoch deren immens hohes Niveau erreicht.

Ich mochte die Animationstechnik, welche wunderbar reale Schauspieler*innen und CGI kombiniert, und den Humor wirklich sehr gerne. Im englischen Original funktioniert der Film bestimmt noch einmal besser, zumal Rose Byrne und Domhnall Gleeson eine wirklich gute Figur machen und der Voice-Cast der Tiere auch recht beeindruckend ist. Nicht so gut gefallen hat mir die Einbindung unzähliger Pop-Nummern, was oft ziemlich aufgesetzt wirkt. Da war die Schlagzahl einfach zu hoch und es wäre auch nicht nötig gewesen. Die nostalgisch angehauchte Landidylle gepaart mit modernem Humor und der Konfrontation zwischen Mensch und Tier hätte vollkommend ausgereicht.

Fazit

Mich hat „Peter Hase“ wirklich positiv überrascht. Ein rundum gelungener Familienfilm. Die Kinder haben oft lauthals gelacht, was ich stets als gutes Zeichen werte. Sobald die Fortsetzung im frei verfügbaren Stream läuft, werden wir bestimmt auch einen Blick darauf werfen. Macht Spaß: 7/10 Punkte. (Zappelinchen: 9/10 Punkte;  Zwergofant: 8/10 Punkte.)

Elizabeth Harvest (2018)

Nach einem entspannten (weil kinderlosen) Samstag, stand die Qual der Wahl für den Film des Abends an. Letztendlich habe ich mich mit „Elizabeth Harvest“ für den jüngsten Neuzugang in meine Sammlung entschieden. Was der mysteriöse Thriller zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 👰👴

Elizabeth Harvest (2018) | © Alive - Vertrieb und Marketing

Elizabeth Harvest (2018) | © Alive – Vertrieb und Marketing

Wendungsreicher Thriller mit Stil

Schon während der ersten zehn Minuten hatte ich einen Verdacht, in welche Richtung sich der Film entwickeln würde, ist doch bereits der Titel „Elizabeth Harvest“ eigentlich schon ein Spoiler. Tatsächlich kam es auch so ähnlich, wie ich vermutet hatte. Aber das macht nichts, denn Regisseur Sebastian Gutierrez setzt nicht auf den einen Twist, der besonders überraschend inszeniert ist, sondern entwickelt seine Geschichte mit vielen, kleineren Wendungen beständig weiter. Zusammen mit der stilsicheren Inszenierung, ergibt sich eine beinahe schon hypnotische Wirkung.

Inhaltlich kann man „Elizabeth Harvest“ am ehesten als Befreiungsschlag aus einer einer toxischen Beziehung lesen. Dies ist nicht sonderlich subtil, aber doch wirkungsvoll erzählt. Auch wenn die Handlung nicht immer komplett Sinn ergibt, so funktioniert sie doch als Sci-Fi-Märchen wunderbar. Sebastian Gutierrez setzt auf starke Farbakzente und eine erhöhte Realität. Da macht das Miträtseln Spaß, auch wenn der Film nur beim ersten Mal seine komplette Wirkung entfalten dürfte.

Fazit

Mir hat „Elizabeth Harvest“ wirklich viel Freude bereitet. Fast schon ein Kammerspiel, das inhaltlich keine zu großen Überraschungen bietet, aber durch seine wendungsreiche Geschichte fesselt und audiovisuell stets spannend bleibt. Für Genrefans kann ich durchaus eine Empfehlung aussprechen: 7/10 Punkte.

Sicario 2 – OT: Sicario: Day of the Soldado (2018)

Nach meinem Lauf durch den Schnee war ich heute Abend beinahe etwas platt. Zudem hat die Wahl des Films wieder viel zu lange gedauert. Ich habe einfach viel zu viele Alternativen. Letztendlich habe ich mich mit „Sicario 2“ für eine Fortsetzung entschieden, die ich schon länger sehen wollte. Am liebsten hätte ich davor den ersten Teil noch einmal eingelegt, doch hatte ich ihn noch ungefähr im Kopf und wusste, dass die Fortsetzung nicht darauf aufbaut. Funktioniert der Film auch ohne Villeneuve? 🚁

Sicario 2 (2018) | © Studiocanal

Sicario 2 (2018) | © Studiocanal

Eine durchaus kompetente Fortsetzung

Ich möchte direkt versuchen, die oben gestellte Frage zu beantworten: Ja, „Sicario 2“ funktioniert. Aber man merkt, dass er eben nur auf dem aufbaut, was Denis Villeneuve im Vorgänger angelegt hat und dies auch nicht wirklich erreicht. Am Wichtigsten für mich war jedoch, dass die Atmosphäre des Films wirkt und dies möchte ich zum größten Teil Hildur Guðnadóttirs Score zuschreiben, der die Themen des leider viel zu früh verstorbenen Komponisten Jóhann Jóhannsson aufgreift. Der Score ist der Herzschlag des Films und, selbst wenn die darauf montierten Szenen nicht so kunstfertig sind, wie bei Villeneuve, treibt die Handlung beständig voran.

A propos Handlung: Emily Blunt als Identifikationsfigur geht „Sicario 2“ ziemlich ab. Wir habe nur noch die harten Männer in Form von Josh Brolin und Benicio Del Toro. Letzterer bzw. seine Figur Alejandro darf auch ein wenig Herz zeigen und Vatergefühle andeuten, doch wirkt das alles schon sehr stereotyp und der psychologische Unterbau des Vorgängers fehlt. Die erzählte Geschichte ist dennoch mitreißend und funktioniert auch als Standalone-Thriller ziemlich gut. Außer den Figuren und der Inszenierung gibt es kaum inhaltliche Zusammenhänge. Das hätte auch eine Doppelfolge einer „Narcos: Mexico“-Fortsetzung sein können. Und das ist ja schließlich nicht das Schlechteste.

Fazit

Auch wenn „Sicario 2“ nicht an seinen Vorgänger heranreicht, so hat er mich dennoch sehr gut unterhalten. Regisseur Stefano Sollima lässt die Kunstfertigkeit eines Denis Villeneuve vermissen, doch habe ich schon weit schlechtere Fortsetzungen gesehen. Der Film profitiert davon, eine komplett abgekapselte Geschichte zu erzählen und ich würde mir durchaus eine weitere aus diesem Universum anschauen: 7/10 Punkte.

Das Buch von Boba Fett – OT: The Book of Boba Fett – Staffel 1

Nachdem ich spät auf den „The Mandalorian“-Zug aufgesprungen bin, war ich davon letztendlich doch recht begeistert. „The Book of Boba Fett“ hätte ich dagegen nicht unbedingt sehen müssen, fand ich die Figur doch schon in „The Mandalorian“ nicht sonderlich spannend. Aber inhaltlich sollte die Serie wohl sehr mit der Mutterserie verknüpft ein. Und genau so war es letztendlich auch… 🏜

The Book of Boba Fett | © Walt Disney

The Book of Boba Fett | © Walt Disney

All Filler, Almost No Killer oder Mando 2.5

In vielerlei Hinsicht wirkt „The Book of Boba Fett“ auf mich so, als wäre die Entscheidung, diese Serie zu produzieren, recht spontan getroffen worden. Das Writing schwankt oft zwischen platt und befremdlich. Als hätte man ein Kind beim Spielen mit seinen Kenner-Figuren beobachtet. Gerade während der ersten vier Episoden wirkt die Struktur der Serie auch so, als würde man versuchen zwanghaft bekannte Schauplätze/Ereignisse aus „Star Wars“ zu integrieren. Aber das liegt wohl auch in der Natur der Figur Boba Fett. Auch die Erzählung in zwei Zeitebenen wirkt strukturell unbeholfen und forciert. Als hätte man ein paar lose Ideen gehabt und diese zusammengeworfen. All das ist durchaus unterhaltsam und ich hatte meinen Spaß damit, aber so richtig rund wirkt es nicht. Und was sollte das mit dem Spice auf Tatooine? Sollte das ein Crossover mit „DUNE“ werden? (Ja, ich weiß, das wurde schon früher in „Star Wars“ erwähnt, doch so wie es hier dargestellt wird, wirkt es einfach befremdlich.)

Die besten Episoden sind zweifellos die rund um den Mandalorianer. Hier wird deutlich, dass die Serie eigentlich nur ein Vehikel ist, um die Zeit bis zur dritten Staffel  von „The Mandalorian“ zu überbrücken. Gerade die fünfte und sechste Episode fand ich rundum gelungen. Natürlich viel Fanservice, aber schöne emotionale Momente und technisch wirklich beeindruckend. Boba Fett spielt in diesen Episoden nahezu keine Rolle und ich habe ihn und seinen Konflikt auch nicht wirklich vermisst. Im äußerst actionreichen Finale kommen dann beide Erzählstränge zusammen. Mir war es fast schon zu viel Action und auch hier haben mich eher die Szenen um den Mandalorianer gefesselt. Auch handlungstechnisch passiert einiges, das eigentlich Voraussetzung für die Fortführung der Hauptserie ist. Gesehen haben sollte man die Serie als Fan des Franchises also durchaus. Schon allein, um auf dem Laufenden zu sein.

Fazit

Es ist schwierig mit „The Book of Boba Fett“ und mir. Aber ich bin ja nicht der einzige, dem es so geht. Die ersten vier Episoden fühlen sind nicht rund und wie Flickwerk an, danach macht die Serie einen qualitativen Sprung, was vermutlich auch daran liegt, dass hier eher die dritte Staffel von „The Mandalorian“ vorbereitet wird. Vermutlich wäre es sinnvoller gewesen, diese zwei bis drei Episoden direkt vor die dritte Staffel der Hauptserie zu stellen: 7/10 (6.9) Punkte.

Das schönste Mädchen der Welt (2018)

Der Zwergofant weilt bereits seit heute Mittag auf einem Kindergeburtstag. Somit war der perfekte Zeitpunkt für das Zappelinchen, sich mit „Das schönste Mädchen der Welt“ endlich den Film anschauen, von dem sie schon ewig träumt und für den ihr Bruder noch zu jung ist. Als guter Vater habe ich mich natürlich mit ihr vor dem Fernseher eingefunden… 🎤❤

Das schönste Mädchen der Welt (2018) | © Tobis (Vertrieb LEONINE)

Das schönste Mädchen der Welt (2018) | © Tobis (Vertrieb LEONINE)

Eine schöne Teenie-Romanze aus Deutschland

Bisher haben wir mit den Kindern an Filmabenden eher Kinderfilme angeschaut. Irgendwie logisch. Mit dem Sprung in der Altersfreigabe ging es auch ab in die Teenie-Welt mit zotigen Sprüchen, Sex und Liebe. Auch das war zu erwarten. Ich habe mich dabei fast etwas alt gefühlt und mir vorgestellt, wie es gewesen wäre, hätten unsere Eltern damals „American Pie“ und Co. mit uns zusammen gesehen. Doch der Vergleich hinkt, denn „Das schönste Mädchen der Welt“ ist weit nicht so auf Sex und Fäkalhumor fokussiert, wie der US-Teenie-Klamauk, und ich hatte meine Teenager-Jahre damals schon so gut wie hinter mir. Außerdem hätten meine Eltern auch keine solchen Filme mit mir angeschaut. Auf jeden Fall habe ich mich sehr bewusst in der Rolle des Vaters gefühlt und eine beobachtende Perspektive im Hinblick auf das, was für das Zappelinchen noch ansteht, eingenommen.

Hinter all dem übertrieben coolen Jugendgehabe versteckt sich eine wirklich sehenswerte, moderne Cyrano-de-Bergerac-Adaption mit viel Musik, Humor und Herzschmerz. Die Schauspieler*innen, allen voran Luna Wedler als Roxy und Aaron Hilmer (u.a. „Sløborn“) als Cyril, harmonieren wunderbar miteinander und bringen eine enorme Energie mit. Natürlich ist die Handlung alles andere als überraschend und der Film endet so, wie eben jede andere Cyrano-de-Bergerac-Variante. Macht aber nichts, denn „Das schönste Mädchen der Welt“ hat das Herz am rechten Fleck.

Fazit

Mir hat „Das schönste Mädchen der Welt“ tatsächlich ziemlich gut gefallen. Ohne die (jetzt klinge ich wie der größte Boomer) übertrieben vulgäre Sprache vermutlich noch besser. Das Zappelinchen war auch begeistert, wobei man ihr schon angemerkt hat, dass dies (glücklicherweise!) auch noch nicht so richtig ihre Welt ist. Da stehen uns noch ein paar interessante Jahre bevor. Den Film an sich kann ich durchaus empfehlen: 7/10 Punkte. (Zappelinchen: 9/10 Punkte;  Zwergofant: auf einem Kindergeburtstag)

Die Besprechung ist Teil des CMARCH, der Blogaktion für Kinderfilme des Sneakfilm-Blogs.

Die Schule der magischen Tiere (2021)

Das Zappelinchen braucht ein neues Jugendzimmer, also sind wir heute durch diverse Möbelhäuser getingelt. Da sich mein letzter Kinobesuch gut angefühlt hat, habe ich vorgeschlagen, ob wir nach der Möbeltour nicht noch in „Die Schule der magischen Tiere“ gehen sollten. Immerhin waren wir ja eh schon in der Stadt. Somit war ich diese Woche zweimal im Kino. Verrückt. 🐢🦊

Die Schule der magischen Tiere (2021) | © LEONINE

Die Schule der magischen Tiere (2021) | © LEONINE

Kunterbuntes Kinoabenteuer mit Tier und Gesang

„Die Schule der magischen Tiere“ ist eine extrem populäre Buchreihe von Margit Auer und ich muss gestehen, dass ich die Vorlage nur am Rande kenne. Früher den Kids ein paar Kapitel vorgelesen und teils den Hörbüchern gelauscht. Aber nie richtig am Stück. Meine Kinder lieben die Bücher jedoch und somit waren sie heiß auf den Film, seit sie wussten, dass er ins Kino kommt. Inzwischen sind die Vorstellungen selten geworden, doch heute hat es einfach gepasst. Die Vorfreude war groß und ich habe mich mit den Kids gefreut. Schließlich waren wir schon ewig nicht mehr zusammen im Kino.

Der Film sieht aus wie ein typischer deutscher Kinderfilm: Eine idyllische Kleinstadt, die Farbsättigung schön nach oben gedreht, eine Schule in einem alten Schloss und eine Clique von Kids, die sich zusammenraufen muss. Nur eben statt Krimielementen, wie z.B. bei „Die drei !!!“, gibt es nun eben magische Tiere. Und diese sind wirklich toll animiert. Die Geschichte und Figuren funktionieren auch, selbst wenn es keinerlei Überraschungen gibt. Einzig befremdlich fand ich die Gesangnummern, die wie in einem Musical in den Film integriert waren. Das hätte es nicht gebraucht.

Fazit

Unser Kinobesuch von „Die Schule der magischen Tiere“ war toll, keine Frage. Das war überfällig nach zwei Jahren Pandemie. Der Film selbst ist auch nett, gerade für Kinder, welche die Vorlage kennen. Ich hatte auch meinen Spaß damit, selbst wenn weit nicht alles perfekt war: 7/10 Punkte. (Zappelinchen: 8/10 Punkte;  Zwergofant: 9/10 Punkte.)

Die Besprechung ist Teil des CMARCH, der Blogaktion für Kinderfilme des Sneakfilm-Blogs.

Prospect (2018)

Was für ein trüber Tag: Ich war laufen, habe ein wenig gelesen und mit dem Zwergofanten gespielt. Abends konnte ich mich lange für keinen Film entscheiden und habe letztendlich „Prospect“ aus dem Regal gezogen, der dort schon viel zu lange auf seine Sichtung wartet. Damit habe ich auch endlich die erste UHD Blu-ray meiner Sammlung gesehen. Zeit ist es geworden. Ob sich der Film gelohnt hat? 👩‍🚀👨‍🚀

Prospect (2018) | © Capelight (Alive)

Prospect (2018) | © Capelight (Alive)

Indie-Sci-Fi der faszinierenden Sorte

„Prospect“ wirft uns in eine fremde Welt mit ganz eigenen Regeln: Wir befinden uns am Rande des bekannten Universums und begleiten einen Vater und seine Tochter dabei, wie sie auf einem lebensfeindlichen Planeten Bodenschätze suchen. Dort kommt es zu einer Konfrontation und die Tochter (fantastisch gespielt von Sophie Thatcher) geht eine Zweckbeziehung mit einem weiteren Streuner (Pedro Pascal, bekannt aus „The Mandalorian“) ein. Nicht nur aufgrund des fremden Planeten und des Zusammenraufens zweier Charaktere hat mich der Film an Wolfgang Petersens „Enemy Mine: Geliebter Feind“ erinnert. Auch die handgemachte Inszenierung trägt ihren Teil dazu bei.

Überhaupt sind es hauptsächlich die formalen Aspekte, welche „Prospect“ aus dem Einheitsbrei herausheben: Das Worldbuilding ist dem Autoren- und Regieduo Zeek Earl und Chris Caldwell famos gelungen. Zudem zeigt sich dieses in der Ausstattung und der dargestellten Welt: Nahezu die gesamte Technik ist real im Film zu sehen und wirkt noch mehr benutzt und retro, als die Computer oder Raumanzüge in „Alien“ oder „Outland“. Auch der Planet besitzt einen ganz besonderen Look, bei dem 4K in Kombination mit HDR wirklich zum Tragen kommt. Inhaltlich dagegen tritt der Film ein wenig auf der Stelle und das Pacing wirkt teils unelegant und holprig. Macht aber nichts, denn für das geringe Budget und die limitierten Mittel ist „Prospect“ ein wahrlich faszinierender Film geworden.

Fazit

Ich liebe Sci-Fi-Filme, gerade solche, die einen frischen Wind ins Genre bringen. Mit „Prospect“ ist dies Zeek Earl und Chris Caldwell definitiv gelungen. Ich bin sehr daran interessiert, was die beiden als nächstes auf die Beine stellen. Bisher scheinen sie nur weitere Kurzfilme (auch „Prospect“ basiert auf einem Kurzfilm) inszeniert zu haben. Definitiv eine Empfehlung, wenn es nicht immer der große Actionkracher sein muss: 7/10 Punkte.