Toy Story (1995) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Toy Story“ am 23. Mai 2025 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als wir heute früh vom Regen geweckt wurden, hatte ich den Kindern leichtfertig versprochen, dass wir heute ja einen Film zusammen anschauen könnten. Kurz darauf waren die Wolken verschwunden und wir verbrachten den ganzen Tag im Freien. Das Gedächtnis der Zwerge ist jedoch exzellent. Somit haben wir uns gegen 18 Uhr auf dem Sofa eingefunden und ich habe „Toy Story“ in den Blu-ray-Player geschoben. Den Kindern war die Filmreihe bisher noch nicht bekannt, ich jedoch freute mich schon enorm auf ein Wiedersehen mit Woody, Buzz Lightyear und Co.

Toy Story (1995) | © Walt Disney

Toy Story (1995) | © Walt Disney

Wie bereits in meiner ersten Besprechung des Films beschrieben, verbinde ich sehr persönliche Erinnerungen mit der Filmreihe: 1995 im Kino hat mich dieser erste vollständig 3D-animierte Film noch ziemlich kalt gelassen, doch während der Nachtschichten meines Zivildienstes haben mir die ersten beiden „Toy Story“-Filme ein paar wunderbar unterhaltsame Stunden geschenkt. Nun war es also für mich soweit, die Freude daran an meine Kinder weiterzugeben – und ich selbst war tatsächlich gespannt, ob „Toy Story“ auch heute noch für mich funktioniert. Wenn man sich Filmbilder anschaut, fällt doch auf wie beinahe schon altmodisch Texturen, Licht und Modelle inzwischen wirken – gerade im Vergleicht zu „Toy Story 3“ und anderen modernen Animationsfilmen.

Alle Sorge war völlig unbegründet: Die weniger detaillierten Texturen fallen überhaupt nicht auf und vermitteln zudem einen ganz besonderen Charme, der perfekt zur kreierten Spielzeugwelt passt. Was Animationen, Licht, Tempo und Handlung angeht, kann es „Toy Story“ auch heute noch mit jedem Animationsfilm aufnehmen. Einzig die Modelle der Menschen und das des Hundes fallen ein wenig aus der Reihe, allerdings macht es sogar inhaltlich Sinn, dass diese Lebewesen wie Fremdkörper in der Welt der Spielzeuge wirken. Tatsächlich jedoch macht man sich während des Films auch überhaupt keine Gedanken dazu, denn die Geschichte ist so temporeich und mit Anspielungen versetzt, dass es eine wahre Freude ist!

Fazit

Nach knapp 80 Minuten ist der Spaß auch schon wieder vorbei und jede Sekunde ist, wie man es von Pixar kennt, wichtig für die Handlung. Ich liebe die Figuren und die kreierte Welt. Der Zwergofant ist nach der Hälfte ausgestiegen, waren ihm die Szenen beim Nachbarsjungen samt Hund und entstelltem Spielzeug doch zu gruselig. Das Zappelinchen jedoch war ähnlich begeistert wie ich und fragte mich nach dem Film:

„Papa, werden meine Spielzeuge vielleicht auch lebendig, so wie in dem Film?“ (Das Zappelinchen nach dem Film)

Mehr muss man vermutlich nicht sagen. Die Magie ist übergesprungen und am liebsten hätte sie sofort den zweiten Teil angeschaut. Das heben wir uns dann aber wirklich für einen der bestimmt kommenden, verregneten Nachmittage auf: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

The Big Short (2015)

Nachdem wir heute aufgrund des famosen Wetters zum ersten Mal in diesem Jahr draußen zu Abend gegessen haben, sind wir nur widerwillig ins Haus zurückgekehrt. Sommer ist es dann eben doch noch nicht. Somit bin ich aber endlich in den Genuss von „The Big Short“ gekommen, der mir bereits häufig ans Herz gelegt wurde. Spätestens seit Wulfs Besprechung wartete Adam McKays Film nun an vorderster Position in meinem Filmregal auf seine Sichtung…

Inzwischen habe ich mit „Wall Street“ und „The Wolf of Wall Street“ bereits mehrere Filme über die gierige Finanzwelt gesehen. Dieser hier unterscheidet sich von den beiden genannten und ähnelt ihnen zugleich. Adam McKay beschreibt ziemlich genau, wie es zur Finanzkrise 2008 kommen konnte und begleitet dabei eine Gruppe von Außenseitern, die als einzige die platzende Blase vorausgesehen haben. Oder besser, die zuvor nicht davon profitiert und die Immobilienblase somit nicht leichtfertig hingenommen haben. Wie es überhaupt soweit kommen konnte, ist auch nach der Sichtung des Films nur schwer verständlich. Diese Art von ungezähmter Gier in einer Welt ohne Moral wohnt allen drei Filmen inne.

Auch die Helden dieser Geschichte profitieren vom Platzen der Blase – und doch werden sie reflektierter gezeichnet als Gordon Gekko oder Jordan Belfort: Es gibt keine Exzesse, doch das große Geld lockt auch sie. Mit Christian Bale, Steve Carell und Ryan Gosling in den Hauptrollen, ist „The Big Short“ hochkarätig besetzt und weiß seine Trümpfe auch auszuspielen. Geschickt flechtet McKay bewusst vereinfachende Erklärbär-Clips ein, die uns Zuschauer unterhaltsam komplexe Sachverhalte beschreiben. Dennoch hätte ich mir an mancher Stelle mehr Tiefe gewünscht, schienen mir die Zusammenhänge oft doch zu vereinfacht dargestellt.

Auch vor den Auswirkungen der Finanzkrise scheut der Film nicht zurück. Hier bleibt er jedoch sehr plakativ und behält seinen oft zynischen Ton bei. Teils erinnerte mich der Film hier ein wenig an „Lord of War“, auch wenn dieser ein komplett anderes, wenn auch nicht weniger verruchtes Geschäft in den Mittelpunkt stellt. Die Balance aus Unterhaltung, Erklärung und leichtem Drama hält „The Big Short“ auf jeden Fall famos.

Insgesamt bin ich wahrlich sehr angetan davon, wie spielerisch es dem Film gelingt eine komplexe Geschichte temporeich, äußerst unterhaltsam und doch packend zu erzählen. Er bietet famose Schauspieler und ein paar wirklich denkwürdige Szenen. Ob er mir darüber hinaus jedoch noch lange im Gedächtnis bleiben wird, muss sich erst noch zeigen: 8/10 Punkte.

Die City-Cobra – OT: Cobra (1986)

Nach einer sehr intensiven Arbeitswoche war ich heute wirklich froh, mich ins wohlverdiente Wochenende verabschieden zu können. Die Frau ist unterwegs, die Kinder im Bett. Was also mit der gewonnenen Zeit anfangen? Richtig, mit „Die City-Cobra“ einen mir noch unbekannten Action-Kracher der 80er anschauen. Was Sylvester Stallone angeht habe ich ohnehin noch einiges nachzuholen…

Ach, wie herrlich simpel ist doch das Action-Kino der 80er Jahre. Keine Grauzone, kein doppeltes Spiel. Es reicht ein markiger Held mit dem stets passenden Oneliner auf den Lippen. Dazu eine entsprechende Ästhetik und Synthie-Score, der sich auch einmal in Power-Balladen entladen darf. Brigitte Nielsen gibt das ungewohnt hilflose Opfer und Sylvester Stallone darf den reaktionären Einzelkämpfer mimen. Die Geschichte rund um den mörderischen Kult ist zudem so flach, dass man diesen Aspekt des Films wirklich nicht ernst nehmen kann. Spaß macht das Werk dennoch.

Ich mochte die Atmosphäre des Films und die herrlich naiven Versatzstücke der 80er, die in „Cobra“ verarbeitet werden. Ernst nehmen kann man das alles aus heutiger Sicht ohnehin nicht mehr. Kein Thrill, keine Spannung, nur das anachronistische Wohlfühlen in dieser inzwischen schon 30 Jahre alten Filmwelt. Trotz des dämlichen Axt-Klapper-Kults schafft Regisseur George P. Cosmatos ein paar wirklich atmosphärische Bilder, welche die City der Cobra gekonnt einfangen. Auch hat mir die Interaktion zwischen den Charakteren Spaß gemacht. Und natürlich Cobras Technik Pizza zu schneiden.

Nein, ein wirklich gelungener Film ist „Die City-Cobra“ nicht. Aber vermutlich ist er heute besser als früher, kann man ihn in seinem überzogen reaktionären Ton einfach nicht mehr ernst nehmen. Ich für meinen Teil wurde dennoch weitgehend gut unterhalten und freue mich, diesen Kultfilm aus schummrigen Videotheken-Tagen endlich nachgeholt zu haben: 6/10 Punkte.

The Summit: Gipfel des Todes (2012)

Mit dem Dokumentarfilm „The Summit: Gipfel des Todes“ geht mein Wochenende auf dem K2 (ganz bequem vom Sofa aus) zu Ende. Wie bereits Graham Bowleys Buch „Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2“ verarbeitet auch Nick Ryans Film die Tragödie der Saison 2008, bei der 11 Bergsteiger in nur zwei Tagen ums Leben kamen. Ob der Film neue Erkenntnisse auf die Ereignisse wirft? Ich war sehr gespannt auf die bebilderte Rückkehr zum gefährlichsten Berg des Karakorum…

Anders als der Dokumentarfilm „K2: Siren of the Himalayas“ aus dem gleichen Jahr, verlässt sich Nick Ryan nicht nur auf dokumentarische Aufnahmen, sondern stellt Schlüsselszenen am Berg nach. In diesen Momenten erinnert „The Summit“ ein wenig an „Sturz ins Leere“, in dem ebenfalls auf nachgestellte Szenen zurückgegriffen wurde. Dies ist dem Film allerdings nicht abträglich, hatten die Bergsteiger gerade in den dramatischen Momenten einfach keine Kamera zur Hand. Dem Zuschauer helfen die Aufnahmen jedoch, Zusammenhänge zu verstehen und unterschiedliche Versionen der Geschehnisse zu visualisieren. Die endgültige Wahrheit, das wird einem schnell klar, kann auch diese jüngste Rekonstruktion der 2008er Expedition nicht belegen.

Da ich erst ein paar Stunden zuvor das Buch „Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2“ beendet hatte, war es für mich besonders spannend die einzelnen Personen quasi live zu erleben. Hier wird deutlich, dass Graham Bowley diese sehr gut beschrieben und die unterschiedlichen Charaktere ziemlich treffend wiedergegeben hat. Auch wenn ich den Ausgang der Geschichte bereits im Detail kannte, so haben mich die einzelnen Schicksale doch wieder gepackt. Hier ist das Medium Film doch noch einmal emotionaler als die faktenbasierte Aufbereitung des Buches.

Wie auch der Dokumentarfilm „K2: Siren of the Himalayas“ rückt Nick Ryan, parallel zu den 2008er Ereignissen, eine historische Expedition in den Fokus. Leider wirken diese Szenen sehr beliebig und der Zusammenhang erzwungen. Ich hätte hier lieber detailliertere Aufnahmen der aktuellen Expedition und weitere Gespräche mit den Überlebenden gesehen. Gerade gegen Ende werden die Ereignisse doch recht schnell abgehandelt. Wirklich schade, denn für den Zuschauer ensteht dadurch leider kein wirklicher Mehrwert.

Auch wenn „The Summit“ kein perfekter Film ist, so arbeitet er die Tragödie am K2 doch umfassend auf und lässt uns Zuschauer hautnah an den dramatischen Szenen teilhaben. Die Bergsteiger werden einem nahe gebracht und gerade in Kombination mit Graham Bowleys Buch ergibt sich daraus ein sehr rundes Bild der Katastrophe. Ich für meinen Teil nehme nun vorerst Abschied vom Karakorum, werde dieses ganz im Zeichen der Kletterei stehende Wochenende jedoch nicht allzu schnell vergessen: 8/10 Punkte.

K2: Siren of the Himalayas (2012)

Im vergangenen Herbst haben der Film „Everest“ und Jon Krakauers Buch „In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest“ mein Interesse an den Besteigungen der Achttausender geweckt. Nach dem Mount Everest ist nun der zweithöchste Berg auf meinem Radar gelandet: Aktuell lese ich „Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2“ und somit war es nur eine Frage der Zeit, bis die entsprechenden Dokumentarfilme mein Interesse wecken würden. Den Anfang macht „K2: Siren of the Himalayas“, den es in Originalsprache auf Amazon Prime zu sehen gibt…

Regisseur Dave Ohlson hat im Jahr 2009 den Kniff gewählt, eine Besteigung exakt 100 Jahre nach dem Versuch des Herzogs der Abruzzen zu dokumentieren. Dabei greift er auf Originalaufnahmen der 1909er Expedition zurück, was für eine faszinierende Gegenüberstellung sorgt. Im Gegensatz zu anderen Dokumentarfilmen über das Klettern, wie z.B. „Sturz ins Leere“ oder auch „Meru“, steht das menschliche Drama nicht im Vordergrund. Auch die 2009er Expedition wird sehr detailliert begleitet und man ist vom Basislager bis zum endgültigen Versuch den Gipfel zu erreichen live dabei.

Die Bilder sind famos und für mich war es spannend, bedeutende Fixpunkte auf dem Weg zum Gipfel, wie den Flaschenhals, aus nächster Nähe zu sehen zu können. Die drei porträtierten Bergsteiger Gerlinde Kaltenbrunner, Fabrizio Zangrilli und Jake Meyer sind charismatische Persönlichkeiten, denen es glaubhaft und nachvollziehbar gelingt, ihre ganz persönliche Faszination an dieser gefährlichen Sportart zu vermitteln.

Insgesamt hat mir „K2: Siren of the Himalayas“ sehr gut gefallen, was vor allem meiner persönlichen Faszination für die Achttausender und ihre Bezwinger zuzuschreiben ist. Demnächst folgt noch „The Summit“, der die Tragödie von 2008 dokumentiert, welche auch Inhalt des Buches ist, das ich gerade lese. Ihr werdet mich also noch ein wenig durch das Karakorum begleiten dürfen: 8/10 Punkte.

X-Men: Apocalypse (2016)

Es geht wirklich Schlag auf Schlag: Nachdem ich vergangene Woche „Wolverine: Weg des Kriegers“ nachgeholt habe, stand gestern „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ auf dem Programm und heute war sogleich „X-Men: Apocalypse“ an der Reihe. Damit habe ich nun – bis auf den aktuell im Kino laufenden „Logan“ – alle Filme der Reihe gesehen und bin gespannt, wann uns der nächste Reboot ereilt… 😉

Nach der epischen Zeitreise der Vorgängers zur Bekämpfung der fiesen Sentinels, habe ich mich tatsächlich gefragt, welche Bedrohung denn unsere Helden überhaupt noch zu schockieren vermag. Tatsächlich entpuppt sich diese neue Bedrohung recht schnell als Oberbösewicht und allmächtiger Endgegner in einem. Der gute Apocalypse ist so mächtig, dass seine Darstellung häufig an der Karikatur vorbeischrammt. Speziell bei den Szenen in Ägypten musste ich an Roland Emmerichs „Stargate“ oder auch Stephen Summers „Die Mumie“-Filme denken. Dass „X-Men: Apocalypse“ dennoch funktioniert, hat der Film seiner Comic-Herkunft zu verdanken, die eben auch solche Elemente erlaubt.

Im direkten Vergleicht zu „X-Men: Days of Future Past“ fällt die Handlung leider ziemlich ab. Dennoch hat mir die 80er-Jahre-Atmosphäre viel Vergnügen bereitet und die Anspielung auf „Star Wars: Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ hat gezeigt, dass die Autoren durchaus Humor besitzen. Meine liebste Szene gehört abermals Quicksilver, der zu Eurythmics „Sweet Dreams“ Professor Xaviers gesamte Schule evakuieren darf. Überhaupt ist „X-Men: Apocalypse“ immer dann am stärksten, wenn unsere bekannten Mutanten ein wenig mehr Hintergrundgeschichte bekommen und ihre Fähigkeiten einsetzen dürfen. Dann macht auch dieser bisher finale Teil des „X-Men“-Universums deutlich mehr Spaß als in den großen Konflikten.

Das Finale übertrifft, was CGI-Brimborium angeht, seinen Vorgänger leider noch einmal um Längen. Zudem gibt es hier keine coolen Kampfszenen mit den Sentinels zu sehen, sondern nur umherfliegende Materie. Und noch mehr Materie. Das ermüdet schnell und erinnerte mich doch sehr an die viel zu ausführliche Materialschlacht am Ende von „Man of Steel“. Trotz dieser Kritikpunkte reiht sich „X-Men: Apocalypse“ nicht auf dem letzten Platz meiner persönlichen Gesamtrangliste ein, ist aber – wie schon „X-Men: Der letzte Widerstand“ – eindeutig der schwächste Teil seiner Trilogie:

  1. „X-Men 2“ (2003)
  2. „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ – Rogue Cut (2014)
  3. „X-Men“ (2000)
  4. „X-Men: Erste Entscheidung“ (2011)
  5. „Wolverine: Weg des Kriegers“ – Extended Cut (2013)
  6. „X-Men: Apocalypse“ (2016)
  7. „X-Men: Der letzte Widerstand“ (2006)
  8. „X-Men Origins: Wolverine“ (2009)

Wie bereits nach der gestrigen Sichtung des Vorgängers, hätte ich nun gute Lust die Filmreihe von vorne zu beginnen. Realistisch gesehen werde ich aber vorerst auf die Heimkino-Veröffentlichung von „Logan“ warten und dann weitersehen. Bis dahin behalte ich die X-Men in guter Erinnerung und hoffe sehr, dass man nun aufgrund des Erfolgs nicht unzählige weitere Teile nachschiebt: 7/10 Punkte.

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit – OT: X-Men: Days of Future Past – Rogue Cut (2014)

Wie schnell ist bitte diese Woche vergangen? Das ist der Vorteil, wenn man viel zu tun hat. Ich hoffe das Wochenende lässt sich nun etwas mehr Zeit. Nachdem ich erst vergangenen Samstag mit „Wolverine: Weg des Kriegers“ zu der Superhelden-Saga zurückgekehrt bin, stand heute endlich „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ im längeren Rogue Cut auf dem Programm. Kürzlich berichtete auch Wulf über den Film und hat die Vorfreude noch einmal geschürt. Somit war ich mehr als gespannt, ob er auch bei mir entsprechend einschlagen würde…

Den Vorgänger „X-Men: Erste Entscheidung“ fand ich damals ziemlich famos und habe mich nun auf das Aufeinandertreffen mit den klassische „X-Men“ gefreut. Bryan Singer hält sich nicht lange mit Erklärungen auf, sondern wirft uns direkt in imposante und enorm aufwändige Action-Sequenzen. Ich musste mich hier erst einmal orientieren, hatte ich doch weder die einzelnen Mutanten im Kopf, noch konnte ich zuordnen, ob dies ein komplett neuer Handlungsstrang war oder er in den vorherigen Filmen bereits angerissen wurde. Man sollte sich innerhalb einer Filmreihe wahrlich nicht zu viel Zeit mit der Sichtung des nächste Teils lassen. Ein Grund, warum ich inzwischen vor dem Marvel Cinematic Universe kapituliert habe.

Sobald es in die Vergangenheit geht, macht „X-Men: Days of Future Past“ unglaublich viel Spaß. Es ist eine große Freude, die nur allzu bekannte Zeitreisethematik in einem Superhelden-Film verarbeitet zu sehen. Die Geschichte erzählt an sich nichts Neues, doch sind die Charaktere gut ausgearbeitet und gerade das Spannungsverhältnis zwischen Vergangenheit und Zukunft bringt die nötige Würze in den Film. Speziell das Finale ist sehr emotional geraten, was mir wirklich gut gefallen hat. Danach hatte ich direkt Lust mir die gesamte bisherige Reihe noch einmal anzusehen. Aber ich belasse es vorerst wohl bei der direkten Fortsetzung, denn sonst kann ich mich wieder nicht an die aktuellen Geschehnisse erinnern.

Audiovisuell ist Bryan Singers Film wirklich beeindruckend. Es passiert unglaublich viel und die Action ist gekonnt inszeniert. Teils war mir der digitale Look jedoch ein wenig zu übertrieben und insgesamt wäre mir weniger CGI-Geschwurbel in so mancher Szene lieber gewesen. Auch wenn Filme heutzutage eben so gemacht werden, ist mir die Künstlichkeit der Bilder an ein paar Stellen doch negativ aufgefallen. Dies ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt an einem ansonsten packenden und toll aussehenden Film.

Der Rogue Cut ist, wenn man sich den Schnittbericht anschaut, vermutlich die leicht gelungenere Fassung. Ich kann das nun schwer beurteilen, mochte aber die Szenen rund um Rogue und auch die teils ein wenig härteren Kämpfe. So langsam festigt sich mein Eindruck, dass ich die „X-Men“-Reihe von allen Superhelden-Filmen am liebsten mag. Mal sehen, ob sich dieser Eindruck auch durch das Finale der neuen Trilogie bestätigen lässt: 8/10 Punkte.

Wolverine: Weg des Kriegers – OT: The Wolverine – Extended Cut (2013)

Alle Welt redet von „Logan“ und auch ich bekomme nach den positiven Besprechungen Lust auf den Film. Da es mit dem Kinobesuch aber nichts werden wird, habe ich mir mit „Wolverine: Weg des Kriegers“ den direkten Vorgänger im Extended Cut angesehen. Somit bin ich nach dem famosen „Toni Erdmann“ gestern doch noch zum gewünschten Popcorn-Film an diesem Wochenende gekommen…

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In letzter Zeit habe ich so überhaupt keine Lust mehr auf Superhelden-Filme – und das obwohl noch ein paar ungesehene Werke des Marvel Cinematic Universe (MCU) bei mir im Regal stehen. Die „X-Men“-Filme mochte ich allerdings schon immer ein wenig lieber, wobei ich auch hier keinen Film seit „X-Men: Erste Entscheidung“ mehr gesehen habe. Inzwischen stehen jedoch auch die beiden Fortsetzungen im Regal, die ich vermutlich in naher Zukunft endlich einmal nachholen werde. Und was ist mit dem ersten Teil der Spin-off-Trilogie „X-Men Origins: Wolverine“? Dieser stellte für mich bisher den Tiefpunkt der Reihe dar und somit war ich nun gespannt, wie sich die offizielle Fortsetzung denn schlagen würde.

Mir hat „The Wolverine“ tatsächlich viel Spaß gemacht: Ich mochte das Setting in Tokyo und die damit einhergehenden atmosphärischen Bilder. Zudem hat es James Mangold geschafft ein paar wirklich unterhaltsame Actionsequenzen zu inszenieren, die zudem eine angenehme Härte besitzen, speziell im Extended Cut (siehe Schnittbericht). Die Geschichte ist natürlich ziemlich an den Haaren herbeigezogen, doch mochte ich die erzählerische Klammer, die in Logans Vergangenheit begründet liegt, recht gerne. Im Mittelteil des Films wird natürlich ein Weg gefunden, den Charakter kurzzeitig verwundbar zu machen, was die Spannung tatsächlich steigert. Ein billiger Kniff, aber im Rahmen der ohnehin abstrusen Comic-Geschichte doch absolut passend.

Insgesamt ist „Wolverine: Weg des Kriegers“ kein herausragender Film, doch hat er mich nach den eher verhaltenen Kritiken doch positiv überrascht. Der Nachfolger soll ja noch einmal gelungener sein, weshalb ich mich jetzt schon auf einen weiteren schönen Heimkino-Abend mit Logan in ein paar Monaten freue: 7/10 Punkte.

Toni Erdmann (2016)

Nach einer kurzen, aber intensiven Arbeitswoche hatte ich mich eigentlich auf einen Popcorn-Film zum Wochenausklang gefreut. Dann habe ich jedoch in der letzten Nerdtalk-Sendung erfahren, dass es „Toni Erdmann“ ganz frisch bei Amazon Prime gibt und hatte zudem noch die positive Besprechung im Sneakpod im Kopf. Also alle Pläne umgeworfen und mich für die diesjährige deutsche Oscar-Hoffnung entschieden. Erwartet habe ich ein anstrengendes Filmerlebnis, bekommen jedoch…

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Habe ich gerade wirklich einen 160-minütigen Film gesehen? Zudem einen, der den Ruf hat ein wenig sperrig zu sein? Kaum zu glauben. Meine Motivation Maren Ades jüngstes Werk zu sehen entsprang eher einer cineastischen Neugier, als der Hoffnung wirklich einen unterhaltsamen Film zu sehen. Ich stellte mich also auf eine fordernde Sichtung ein, die ich zudem – ja, die Fastenzeit hat begonnen – ohne Knabbereien und Alkohol über mich ergehen lassen würde. Bekommen habe ich jedoch einen Film, der wie im Flug vergangen ist, der mich mehrmals laut lachen ließ, der mich zu Tränen rührte und der teils schmerzhaft anzuschauen war. Ein emotional aufgeladenes, kunstvolles und dabei doch unglaublich unterhaltsames Werk. Damit hätte ich nun wahrlich nicht gerechnet.

Mit einer Vater-Tochter-Beziehung im Fokus, drückt „Toni Erdmann“ bei mir natürlich einige Knöpfe. Hinzu kommt die teils schon schmerzhaft treffende Darstellung der Big-Business-Welt mit all ihren Buzzwords und unsinnigen Ritualen. Die Kamera ist oft fast schon dokumentarisch und verpackt das Geschehen in sehr echt wirkende Bilder. Zunächst lernen wir Vater Winfried Conradi kennen und bleiben für gut eine Stunde in seiner Erzählperspektive, bevor wir Tochter Ines Conradi in ihrem beruflichen Umfeld kennenlernen. Hier wechselt die Perspektive, was für eine interessante Dynamik sorgt. Oberflächlich betrachtet beginnt nun eine Art Verkleidungskomödie, in der Winfried als Kunstfigur Toni Erdmann die Tochter in peinliche Situationen bringt. Der Kniff dabei ist aber, dass Ines schon bald auf das Spiel ihres Vaters eingeht und ihm nie wirklich böse sein kann, selbst wenn es ihr schwer fällt. Dies ist von Peter Simonischek und Sandra Hüller so wunderbar gespielt und von Maren Ade so leicht und doch bewegend inszeniert, dass es eine Freude ist.

Neben den schmerzhaften Einblicken in diese beiden so unterschiedlichen und doch so eng verknüpften Leben, birgt der Film auch einige Überraschungen, die nicht nur die handelnden Figuren irritieren. In diesen Szenen ist „Toni Erdmann“ wunderbar komisch, wobei er seine Protagonisten nie der Lächerlichkeit preisgibt. Die Dramödie enthält viele große und kleine Szenen, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Das Ende des Films ist zudem großartig und setzt nicht auf aufgesetztes Drama (meine größte Befürchtung war der Tod des Vaters), sondern auf einen kurzen Moment der Wahrhaftigkeit. Jeder von uns weiß, dass man die besonderen Momente im Leben erst hinterher zu schätzen weiß. Gerade als Elternteil. Auch ich mache mir über dieses Konstrukt häufiger ganz bewusst Gedanken – und doch bin auch ich getrieben von Dingen, die einfach erledigt werden müssen. Und selbst mit diesem Bewusstsein kann man nichts daran ändern, was schön damit verbildlicht wird, dass Winfried die Kamera eben nicht rechtzeitig holen kann. Der Moment ist vorbei.

Ich bin wirklich froh, die Gelegenheit wahrgenommen zu haben „Toni Erdmann“ zu sehen. Es war ein rundum gelungenes Erlebnis und ich kann den Film jedem Interessierten nur ans Herz legen. Allerdings glaube ich auch, dass er nicht für jeden Zuschauer funktionieren wird, dafür ist er zu speziell und andersartig. Er lässt sich in keine Schublade stecken, doch gerade das macht ihn so wunderbar: 9/10 Punkte.

Ich bin dann mal weg (2015)

Da unser Zwergofant am heutigen Rosenmontag unbedingt in den Kindergarten wollte (als Batman wohlgemerkt), haben wir den Nachmittag ganz entspannt auf einem Waldspielplatz verbracht. Mehr war heute nicht drin. Morgen steht dafür, sollte das Wetter mitspielen, ein Tagesausflug auf dem Programm. Der Jakobsweg wäre etwas weit, weshalb wir ihm mit „Ich bin dann mal weg“ zumindest einen filmischen Besuch abgestattet haben. Hape Kerkelings Vorlage kenne ich nicht, doch finde ich die Idee dieser Wanderung durchaus faszinierend. Was also hat der Film zu bieten?

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Wenn es um die filmische Verarbeitung von Selbstfindungstrips geht, dann habe ich in dieser Nische durchaus einiges an Erfahrung: Bereits 2010 hat Emilio Estevez seinen Vater in „Dein Weg“ auf den Jakobsweg geschickt und ich muss sagen, dass mir diese Reise wirklich ausgezeichnet gefallen hat. Zuletzt habe ich Cheryl Strayed in „Wild: Der große Trip“ begleitet und war von diesem Abenteuer ebenso angetan. Nun also Julia von Heinz‘ Verfilmung des Bestsellers „Ich bin dann mal weg“. Wie zu erwarten ist die Fallhöhe deutlich geringer als bei den oben genannten Werken: Hape Kerkeling muss nicht den Tod seines Sohnes bzw. eine durch einen persönlichen Verlust ausgelöste Drogensucht verarbeiten. Er ist nur ausgebrannt. Tatsächlich war mir das als Beweggrund aber völlig ausreichend.

Devid Striesow spielt Hape Kerkeling wirklich überzeugend und ich bin mit ihm gerne auf diese Reise gegangen. Auch die eingestreuten Rückblenden in Kerkelings Kindheit und Jugend empfand ich als gelungen und schön in die Wanderung eingeflochten. Das Voice-over war mir dagegen ein wenig zu viel des Guten (dabei stehe ich auf Voice-over) und die auf dem Weg geflochtenen Beziehungen schienen mir viel zu gewollt und dennoch oberflächlich. Auch viele Bilder wirkten viel zu künstlich und nachbearbeitet, was wirklich schade ist, denn die Landschaft hätte auch ohne exzessive Farbkorrektur gewirkt. In Summe lässt das den Film leider zu sehr wie einen Film wirken. Hier hätte ich mir gerne mehr ruhige Momente, die nicht alles bis ins letzte Detail erklären oder zu sehr nach Postkartenidylle schreien, gewünscht.

Insgesamt hat mir auch Hape Kerkelings Reise auf dem Jakobsweg gut gefallen, doch war mir diese manchmal einfach zu viel. Gerade im Vergleich zu „Dein Weg“ offenbaren sich die Schwächen deutlich und ich würde Emilio Estevez‘ Film jederzeit den Vorzug geben. Dennoch mochte ich auch Kerkelings Geschichte und bin davon überzeugt, dass in der Vorlage mehr drin steckt als in der sehr poliert wirkenden Verfilmung: 6/10 Punkte.