Greatest Showman – OT: The Greatest Showman (2017)

Heute war irgendwie ein unbefriedigender Tag. Fast die ganze Familie ist erkältet und somit haben wir schweren Herzens die Sonntagspläne gestrichen. Um überhaupt etwas zu machen, haben wir mit den Kindern einen Film geschaut und ein Brettspiel gespielt. Auf „The Greatest Showman“ war das Zappelinchen schon lange heiß, da sie und der Zwergofant „A Million Dreams“ bereits mit ihrem Chor gesungen haben. Ob der restliche Film mit dem Hit mithalten konnte?

Greatest Showman (2017) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Greatest Showman (2017) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

A million dreams is all it’s gonna take

Was für ein Publikumsliebling! „The Greatest Showman“ bietet die perfekte Show. Ziemlich passend für den Film. Da sitzt jede Note, jede Choreografie ist bis ins Detail perfekt und die Songs besitzen alle Ohrwurmqualität. Natürlich sollte man Musicals mögen, um dem Film etwas abgewinnen zu können. Aber dann zaubert er eine bombastische Show nach der anderen hervor. Unfassbar. Die Schauwerte stimmen also schon einmal und nein, man sollte nicht die Annahme treffen, hier einer realistischen Biografie von P. T. Barnum beizuwohnen. Das hier ist eindeutig ein Märchen. Eine kunterbunte Show, die einfach nur Freude machen soll. Als solche bleibt sie, wie die Zirkus-Show im Film, aber auch recht oberflächlich.

Hinter der schönen Fassade steckt leider nicht allzu viel. Einzig die fiktionalisierte Version von P. T. Barnum (toll gespielt von Hugh Jackman) besitzt ein wenig Profil. Die restlichen Figuren bleiben leider ziemlich blass. Gerade die außergewöhnlichen Akrobaten und Artisten sind nur Schmuckwerk und der Film hätte enorm gewonnen, wenn er eine gewissen Interaktion zwischen ihnen erlaubt hätte. Dafür hätte man gerne auf eine der Musical-Nummern verzichten können. Somit ist „The Greatest Showman“ letztendlich mehr Schein als Sein.

Fazit

Mir hat „The Greatest Showman“ wirklich ziemlich gut gefallen. Leider werde ich ihn schon bald wieder größtenteils vergessen haben und nur die mitreißenden Songs werden bleiben. Der Rest der heutigen Zuschauerschaft war noch ein wenig begeisterter als ich, doch von mir gibt es vorerst zurückhaltende 7/10 Punkte.

Barry Seal: Only in America – OT: American Made (2017)

Was gibt es über den heutigen Samstag zu sagen? Nicht viel: Die Kids waren viel außer Haus, ich habe mich zu einem langen Lauf aufgemacht, ein paar Geburtstagsdinge erledigt und am Abend noch zwei Brettspiele gespielt. Das war es dann auch. Dennoch sind wir erst gegen 21 Uhr aufs Sofa gekommen. Mit „Barry Seal: Only in America“ stand der Film glücklicherweise schon fest, da ich auf diese für mich neue Geschichte rund um das Medellín-Kartell gespannt war… ✈

Barry Seal: Only in America (2017) | © Universal Pictures Germany GmbH

Barry Seal: Only in America (2017) | © Universal Pictures Germany GmbH

Eine (zu) leichtfüßige Gaunergeschichte

Eigentlich hat mich der Film nie sonderlich interessiert. Bis Barry Seal in der Serie „Narcos“ aufgetreten ist. Ich erinnerte mich an das Tom-Cruise-Vehikel und wollte mehr über diese Figur erfahren. Im Gegensatz zur genannten Serie ist „American Made“ (so der Originaltitel) allerdings wie eine eine lockere Gaunergeschichte erzählt. Ich musste eher an „Catch Me If You Can“ denken, als an die Gräueltaten der Drogenbarone rund um Pablo Escobar. Und irgendwie funktioniert das alles auch ganz gut. Mit Tom Cruise ist Barry Seal natürlich als ewig strahlender Sonnyboy besetzt, der (so scheint es) kinderleicht an das große Geld kommt. Der Film rennt durch das beinahe 10 Jahre umfassende Abenteuer, als gäbe es kein Morgen. Alles ist in Bewegung, die Flugzeuge düsen über Kolumbien hinweg und Tom Cruise grinst.

So amüsant auch der Aufstieg Barry Seals anzusehen ist, so kommt der Film doch erst mit seinem Fall so richtig in Fahrt. Das Ende mag letztendlich auch nicht so richtig zur komödiantischen Inszenierung der vorangegangenen 90 Minuten passen. Aber vielleicht war Barry Seal auch einfach so: Immer unbedarft, bis ihn letztendlich sein unausweichliches Schicksal eingeholt hat.

Fazit

Vermutlich hätte mir „Barry Seal: Only in America“ besser gefallen, hätte ich nicht direkt zuvor die komplette Serie „Narcos“ gesehen. Im direkten Vergleich wirken Barry Seals Abenteuer unfassbar oberflächlich und zahm. Für sich betrachtet durchaus unterhaltsam, aber lange in Erinnerung bleiben wird mir der Film nicht: 6/10 Punkte.

The LEGO Ninjago Movie (2017)

Nachdem Frau bullion und das Zappelinchen heute Abend strawanzen sind und sich ein Konzert anschauen, hatten der Zwergofant und ich einen Männerabend. Wie so etwas aussieht? Zuerst haben wir uns mit „The LEGO Ninjago Movie“ einen lang ersehnten Film angeschaut und uns dann zusammen ins Bett gekuschelt, um noch ein wenig einem Ninjago-Hörspiel zu lauschen. Männerabend eben. Inzwischen hört der Zwergofant das Hörspiel alleine zu Ende (wenn er nicht dabei einschläft) und ich berichte euch, wie uns der Film gefallen hat… 🥋🔥💧🥶🥬

The LEGO Ninjago Movie (2017) | © Warner Home Video

The LEGO Ninjago Movie (2017) | © Warner Home Video

Ein Franchise für die Kids von heute

Nicht erst seit unserem Besuch im Legoland liebe ich die beiden „The LEGO Movie“-Filme. Mit Ninjago hatte ich selbst noch nicht allzu viele Berührungspunkte, doch der Zwergofant ist großer Fan. Er besitzt etliche Spielsachen, ein paar Hörspiele und schaut mit Vorliebe die Serie. Mich erinnert das bunte Ninja-Treiben immer ein wenig an die „Teenage Mutant Ninja Turtles“ meiner Kindheit, weshalb ich durchaus eine Verbindung zum LEGO-Franchise herstellen kann. Bereits im Vorfeld hat mir der Zwergofant genauestens erklärt, was er von der Geschichte weiß und wer die Figuren sind. Somit habe ich mich einigermaßen in der Welt zurechtgefunden, zumal der Film ohnehin kein Vorwissen voraussetzt. Allerdings kann es auch nicht schaden, denn die Hintergründe und Figuren bleiben doch ziemlich flach.

Der Stil des Films steht den anderen beiden LEGO-Movies in nichts nach. Auch die Verknüpfung mit Realszenen (u.a. mit Jackie Chan) ist wieder sehr gelungen. Somit war der Einsatz der ultimativen Waffe samt auftauchendem Monster auch mein Highlight des Films. Davon abgesehen sind die Gags sehr nett, die Geschichte bietet einige imposante Kampfszenen (war mir schon fast zu viel) und einen amüsanten Vater-Sohn-Konflikt. An die Innovationskraft, die vor allem der erste „The LEGO Movie“ ausstrahlt, kommt „The LEGO Ninjago Movie“ jedoch nicht ran. Dennoch mochte ich den Film schon alleine weil der Zwergofant am Ende des Abends verlauten ließ:

„Papa, diesen Abend werde ich nie vergessen!“

Wie soll man da noch objektiv über einen Film urteilen?

Fazit

Auch wenn sich die LEGO-Formel inzwischen ein wenig abnutzt und die Ninjago-Welt deutlich beschränkter ist, als das komplett freie Universum der bisherigen Filme, so hatte ich doch viel Spaß mit „The LEGO Ninjago Movie“. Am meisten freut es mich jedoch, die Begeisterung meines Sohns mitzuerleben und daran teilhaben zu können: 7/10 Punkte.

One Cut of the Dead – OT: Kamera wo tomeruna! (2017)

Noch vor ein paar Tagen habe ich eine Liste mit meinen heiß erwarteten Filmen 2020 veröffentlicht. Unter diesen befand sich sich auch „One Cut of the Dead“. Dass es mit der Sichtung letztendlich so schnell ging, hätte ich nicht gedacht. Ob der Film meine hohen Erwartungen erfüllen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung. Spoiler sind zu erwarten. Wirklich. Schaut zuerst den Film!

One Cut of the Dead (2017) | © Koch Media GmbH

One Cut of the Dead (2017) | © Koch Media GmbH

Selten hat sich Durchhaltevermögen so ausgezahlt

Auf dem Cover wird die japanische Zombie-Komödie doch tatsächlich mit „Shaun of the Dead“ vergleichen. Damit wird sogleich nach den Sternen gegriffen. Umso enttäuschender wirken die ersten 35 Minuten des Films, in denen wir einen One-Take zu sehen bekommen. Eben wie „Victoria“ nur in der trashigen Zombie-Variante. Trashig ist hier auch das Stichwort, denn etliche Szenen wirken seltsam daneben. Ich wurde davon ganz gut unterhalten, aber war doch recht enttäuscht. Allerdings hatte ich davor schon gelesen, dass der Film nach seinem ersten Drittel einen ganz anderen Weg einschlagen sollte. Das hat mich einerseits darin bestärkt dranzubleiben, andererseits wäre die Überraschung ohne dieses Wissen vermutlich noch größer gewesen.

Das zweite Drittel zeigt, wie es zu dem One-Take kam und damit quasi den ein Making-of der Vorproduktion. Hier musste ich an Filme wie „Living in Oblivion“ denken, denn es gibt unzählige schräge Charaktere und wir lernen auch die filmverrückte Familie des Regisseurs kennen. So richtig dreht „One Cut of the Dead“ allerdings im letzten Drittel auf, in der wir dem Dreh des One-Takes aus anderer Perspektive beiwohnen. Was hier abgefeuert wird, ist so herrlich absurd und kunstvoll, dass es eine wahre Freude ist. Zudem endet der Film auf einer so positiven und sympathischen Note, dass ich fast Lust bekommen habe, mich selbst einmal wieder mit dem Filmen zu beschäftigen.

Fazit

„One Cut of the Dead“ ist eine extrem sympathische und gut gemachte Komödie über das Filmemachen. Am besten ihr wisst davor noch gar nichts über die Handlung (jetzt ist es zu spät, sorry). Mit Kenntnis des gesamten Films gibt es vermutlich sogar im ersten Drittel viel Lustiges zu entdecken. Vielleicht also am besten gleich noch einmal schauen? Wenn das mal kein Lob ist: 8/10 Punkte.

Happy Deathday – OT: Happy Death Day (2017)

Da wir Halloween in der Therme Erding verbracht haben, musste ich den #Horrorctober auf den November ausweiten. Mit „Happy Deathday“ wanderte heute somit ein Film in den Blu-ray-Player, der sowohl zum Gruseln als auch zum Miträtseln einlud. Ein Slasher-Film mit nur allzu bekanntem Twist… 👺🔪

Happy Deathday (2017) | © Universal Pictures Germany GmbH

Happy Deathday (2017) | © Universal Pictures Germany GmbH

Und täglich grüßt der Maskenkiller

Ich liebe Zeitschleifen. Ganz egal ob den, auch in „Happy Deathday“ ganz offensiv zitierten, Klassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“, die Sci-Fi-Varianten „Edge of Tomorrow“ oder „Source Code“, Episoden in Serien wie „Buffy the Vampire Slayer“ oder den großartigen Roman „Replay: Das zweite Spiel“, der so ziemlich das Beste in diesem Genre darstellt. In Anbetracht der Fülle an bereits erzählten Geschichten mit mehr oder weniger ähnlicher Prämisse, wirkt diese Variante nun nicht sonderlich originell. Die Kombination mit einem, sehr an Wes Cravens „Scream“ erinnernden, Slasher bringt zwar ein wenig frischen Wind, doch letztendlich habe ich mich wieder an den gleichen Dingen erfreut, wie bei den anderen Geschichten dieser Art.

Wie beim erwähnten Bill-Murray-Klassiker geht es vor allem darum, dass die Hauptfigur eine Entwicklung durchmacht, wodurch es ihr gelingt, der Zeitschleife zu entfliehen. Den letzten Twist hatte ich dabei nicht kommen sehen und fand ihn rundum gelungen. Auch davor gibt es einige kleinere Überraschungen sowie nette visuelle Ideen. Die Baby-Maske fand ich zudem extrem creepy. Aber ich bin auch anfällig für Slasher dieser Art. In Kombination mit dem beinahe schon satirischen Humor eine gelungene Mischung.

Fazit

„Happy Deathday“ ist wahrlich kein Meisterwerk, aber dennoch ein sehr sympathischer Vertreter der modernen Horrorwelle. Wenn ihr das Genre mögt und zudem noch auf Zeitschleifen steht, dann solltet ihr Christopher Landons Film nicht verpassen: 7/10 Punkte.

Black-ish – Season 4

Abermals geht mit „Black-ish – Season 4“ eine Serienstaffel zu Ende. Nachdem ich nach der dritten Staffel direkt weitergeschaut habe, steht nun auf jeden Fall eine längere Pause an. Und das finde ich trotz der schweren Themen der letzten Episoden fast ein wenig schade… 😢

Black-ish – Season 4 | © ABC Studios

Black-ish – Season 4 | © ABC Studios

Wie viel Drama verträgt Comedy?

Der Großteil der Staffel führt genau das weiter, was bereits in den drei vorhergehenden Jahren etabliert wurde. Sprich es gibt etliche sozialkritische Themen, die humorvoll aufbereitet werden. Das ist weiterhin sehr formelhaft, aber nach wie vor extrem unterhaltsam. Während der letzten vier Episoden schlägt die Staffel jedoch so ernste Töne an, wie wir es selbst in „Black-ish“ davor noch nicht erlebt haben. Ganz konkret geht es um die Ehe von Dre und Bow, die auf dem Spiel steht. Ich war wirklich erstaunt wie ernst und ausführlich dieser Erzählstrang angegangen wurde. Diese Kombination aus Drama und Comedy sieht man in solch einem Sitcom-Format eher selten. Und ja, „Black-ish“ war hier schon immer Vorreiter, doch so konzentriert habe ich es selbst in dieser Serie noch nicht erlebt.

Wie ist dieser Vorstoß nun zu bewerten? Ich fand ihn teils anstrengend und hätte mir manchmal ein leichteres Comedy-Format gewünscht, aber (und das ist ein großes ABER) ich finde es bemerkens- und bewundernswert. Das ist richtig und wichtig. Diese Episoden werden mir auch länger im Gedächtnis bleiben als viele leichte Comedys, die man so über die Jahre sieht. In dieser vierten Staffel wurde sogar eine Episode mit dem Titel „Please, Baby, Please“ nicht ausgestrahlt, weil sie dem Sender zu kontrovers war.

Fazit

„Black-ish“ ist weiterhin eine relevante, sozialkritische und unterhaltsame Comedy-Serie. Auch wenn die Formel nicht mehr ganz neu ist, so weiß die Serie dennoch weiterhin zu überraschen. Nicht jede Episode trifft ins Schwarze (no pun intended), doch insgesamt bleibt die Serie weiterhin extrem spannend: 8/10 (7.8) Punkte.

Future Man – Season 1

Über die letzten Wochen habe ich einmal wieder eine recht aktuelle Serie nachgeholt. Die Prämisse klang für mich spannend, dennoch hätte ich nach der ersten Episode beinahe abgeschaltet. Warum es sich dennoch lohnt bei „Future Man – Season 1“ dranzubleiben, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Future Man – Season 1 | © Hulu

Future Man – Season 1 | © Hulu

„The Terminator“ trifft auf Pups-Komödie

Wenn unser Held (Josh Hutcherson aus „The Hunger Games“) in der ersten Episode eine Ladung Sperma auf die Zeitreisenden (u.a. Eliza Coupe aus „Happy Endings“) ejakuliert, dann fand ich das nicht sonderlich witzig, sondern eher befremdlich. Einzig die vielversprechende Prämisse (quasi die Handlung von „The Terminator“ als Comedy) hat mich dazu gebracht, doch noch in die zweite Episode reinzuschauen. Was soll ich sagen? Obwohl der Humor nicht viel subtiler wird, hatte ich doch viel Spaß mit der Serie. Im weiteren Verlauf der Staffel gewinnen unsere anfangs noch völlig comichaft überzogenen Charaktere an Tiefe, was der gesamten Serie zugute kommt. Nicht jeder Witz zündet und nicht jedes Zeitreiseklischee wird clever eingesetzt, doch insgesamt strotzt „Future Man“ nur vor absurden Ideen, die Genre-Freunden ein Lächeln aufs Gesicht zaubern (können).

Meine Lieblingsepisode war wohl „Pandora’s Mailbox“, in der unsere drei Helden im Jahr 2023 in das Haus von James Cameron eindringen, um den Wundertreibstoff Cameronium zu klauen. Dabei werden sie von einer künstlichen Intelligenz namens SIGORN-E in Schach gehalten, welche eine ganz besondere Beziehung zum bekannten Regisseur und seinen Werken pflegt. Herrlich! Doch auch etliche andere Episoden sind voll von Anspielungen an „Zurück in die Zukunft“ und weitere Klassiker der 1980er Jahre. Da verwundert es auch nicht, dass es unsere Helden selbst in dieses Jahrzehnt verschlägt, wo sie gar wundersame Abenteuer erleben.

Fazit

Auch wenn „Future Man“ eindeutig eine Comedy-Serie ist, so besitzt sie doch auch einen hohen Sci-Fi-Anteil. Auf seltsame Art und Weise ist das Worldbuilding sogar erstaunlich ernsthaft und in sich konsistent. Vermutlich nicht die reifeste Serie, doch auf jeden Fall eine der innovativsten Comedys, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Um herauszufinden, ob man sich mit dem Humor wohl fühlt, solltet ihr der Serie zumindest einmal drei bis vier Episoden geben. Dann besteht durchaus die Chance, dass „Future Man“ richtig bei euch richtig einschlägt: 8/10 (8.0) Punkte.

Downsizing (2017)

Unfassbar, wie schnell diese Woche vorübergegangen ist. Viel Arbeit, viele Termine. Aufgrund des schönen Wetters habe ich heute früher Feierabend gemacht und war noch eine Runde Radfahren. Danach war ich eigentlich viel zu müde für einen Film und dennoch will keine Möglichkeit verschenkt werden. Somit ist „Downsizing“ in den Player gewandert, dessen High-Concept-Prämisse mich sehr gereizt hat…

Downsizing (2017) | © Paramount (Universal Pictures)

Downsizing (2017) | © Paramount (Universal Pictures)

Kleine Menschen, große Probleme?

Es ist wirklich erstaunlich. Wenn man sich so umsieht, findet man beinahe nur glühende Besprechungen des Films. Zumindest von den Kritikern. Das Publikum jedoch hat kaum gute Worte für Alexander Paynes „Downsizing“ übrig. Ein echter Kritikerliebling also? Verkopftes Arthouse-Kino, mit dem das gemeine Volk nichts anzufangen weiß? Vielleicht. Aber nur ein bisschen. Die Prämisse, Menschen zu schrumpfen, um der Überbevölkerung und der damit einhergehenden Probleme Herr zu werden, finde ich nach wie vor großartig. Im Film wird diese scheinbar abstruse Idee auch völlig glaubwürdig durchgezogen. Ohne schlechte Witze oder naheliegende Actionszenen. Nein, da gibt es keine riesigen Katzen oder Vögel, die den kleinen Menschen gefährlich werden. Definitiv kein zweiter „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“. Wer solch einen Film erwartet, ist hier an der falschen Adresse.

Das erste Drittel von „Downsizing“ fand ich großartig. Eine perfekte Einführung in diese Welt, wunderbare satirische Spitzen und toll umgesetzt. Fantastisch! Das zweite Drittel, in dem unsere von Matt Damon gespielte Hauptfigur seinen Nachbarn Dušan (einfach herrlich: Christoph Waltz) kennenlernt und durch ihn von der ehemaligen, vietnamesischen Freiheitskämpferin Ngoc Lan Tran, die ihr Geld inzwischen als Reinigungskraft verdingen muss, einen neuen Sinn im Leben bekommt, war teils ein wenig forciert, hat aber schön die ebenfalls geschrumpften Probleme dieser neuen Welt aufgezeigt. Das esoterisch angehauchte letzte Drittel samt unnötiger Liebesgeschichte war mir dann zu plump und dröge. Hier hat sich Alexander Payne in meinen Augen tatsächlich übernommen und zu viel in seinen Film stecken wollen.

Fazit

„Downsizing“ ist leider nicht das proklamierte Meisterwerk, aber bei weitem auch kein schlechter Film. Die spannende Grundidee wird bis zum Ende konsequent durchgezogen und trotz satirischer Elemente, bleibt die Welt stets glaubhaft. Ein Fest für Sci-Fi-Freunde. Die Aussage und Geschichte im weiteren Verlauf können leider jedoch nicht mit der tollen Prämisse mithalten. Somit bleibt am Ende ein äußerst sehenswerter Film, dem es jedoch an Stringenz mangelt: 7/10 Punkte.

Shameless (US) – Season 8

Jedes Jahr steht ein neuer Besuch bei der Familie Gallagher an. Jedes Jahr erwarte ich, dass die Qualität einbricht. Jedes Jahr werde ich aufs Neue positiv überrascht, was sich die Autoren haben einfallen lassen. Auch „Shameless – Season 8“ bricht nicht aus dem gewohnten Muster aus, was schon jetzt die Vorfreude auf das nächste Jahr steigert…

Shameless – Season 8 | © Warner Home Video

Shameless – Season 8 | © Warner Home Video

Sex, Drugs & the Church of Gay Jesus

Schon nach ein paar Minuten war ich wieder voll drin in der absurd komischen und doch auch tragischen Welt der Gallaghers. Die in der siebten Staffel begonnenen Handlungsstränge werden konsequent weitergeführt und ich war wieder einmal erstaunt, wie viele unterschiedliche Geschichten die Autoren in den einzelnen Episoden unterbringen. Andere Serien würden damit ganze Staffeln füllen.

Der große Vorteil an dieser Vielfalt ist der enorme Unterhaltungswert. Auch wenn nicht jeder Handlungsstrang perfekt ausgearbeitet ist, und nicht jede Figur eine enorme Entwicklung durchmacht, so ist jeder doch zumindest maximal unterhaltsam:

  • Frank, der eine Turbo-Karriere in der Arbeitswelt durchläuft, dann den Job verliert und über einen Umweg als Schleuser bzw. Fluchthelfer wieder dort ankommt, wo man ihn kennt.
  • Fiona, die ihr neues Leben als Vermieterin genießt und dabei mit ganz speziellen Herausforderungen klarkommen muss.
  • Debbie, die ihre Ausbildung als Schweißerin abschließt und durch einen unglücklichen Job drei Zehen verliert (fachmännisch entfernt durch Frank).
  • Carl, der Junkies entführt, von ihren Familien Geld erpresst, dadurch seine zukünftige Frau kennenlernt, die sich als komplett verrück entpuppt.
  • Lip, der alle wichtigen Personen (außerhalb seiner Familie) verliert und sich dabei selbst findet.
  • Ian, der als YouTube-Star die Church of Gay Jesus ins Leben ruft und damit für enormes Aufsehen sorgt.
  • Kev, der gegen Brustkrebs kämpft und dadurch indirekt mit seiner Hillbilly-Familie wiedervereint wird.

…und das waren weit noch nicht alle Geschichten aus der inzwischen bereits achten Staffel von „Shameless“. Auch wenn es am Ende keinen großen Cliffhanger gibt, so verlasse ich die Gallaghers nur sehr wehmütig und freue mich jetzt bereits auf das neunte(!) Jahr mit dieser chaotischen und doch irgendwie liebenswerten Familie.

Fazit

So schnell ich wieder im Chaos der Gallaghers versunken bin, so schnell sind die 12 Episoden auch schon wieder vorbei. Das ist weiterhin ein extrem gutes Zeichen, haben sich selbst im achten Jahr immer noch keine Abnutzungserscheinungen gezeigt. Die jährliche Frequenz ist vermutlich auch genau die richtige Dosis. Also werte Serienfans, dann packt eure Koffer und quartiert euch bei den Gallaghers ein: 9/10 (9.4) Punkte.

Molly’s Game (2017)

Nachdem wir gestern Nachmittag erst bowlen waren (169 Punkte war meine beste Runde) und danach noch ein Asia-Buffet leer gefuttert haben, waren wir abends eigentlich ziemlich platt. Dennoch wollten wir nicht auf einen Film verzichten. Die Wahl ist auf „Molly’s Game“ gefallen, auf den wir schon länger heiß waren…

Molly's Game (2017) | © Universum Film GmbH

Molly’s Game (2017) | © Universum Film GmbH

Aaron Sorkins famoses Regiedebüt

Genau so habe ich mir Aaron Sorkins (u.a. Drehbuchautor von „The West Wing“ und „The Social Network“) Regiedebüt vorgestellt. Schon alleine die ersten zehn Minuten erfordern eine extrem hohe Aufmerksamkeit des Zuschauers. Wohl der beste Beweis, warum Voice-overs eben nicht immer ein bequemes Stilmittel sind. Hier wird aus vollen Rohren geschossen und ich hatte mich direkt in den Film verliebt. Das erste Drittel fand ich großartig und war mir sicher, hier einen neuen Lieblingsfilm vor mir zu haben. Der zweite Akt hat ein wenig Fahrt rausgenommen, war dennoch weiterhin sehr faszinierend und ich mochte die Annäherung zwischen Molly Bloom (Jessica Chastain) und Anwalt Charley Jaffey (Idris Elba). Hier hat Aaron Sorkin wahrlich ein Händchen für die Besetzung beweisen, denn beide SchauspielerInnen füllen ihre Rollen perfekt aus und harmonieren großartig miteinander.

Im letzten Drittel wird der Film leider deutlich schwächer, was sowohl an der Geschichte als auch an der Inszenierung liegt. Es wirkt ein wenig so, als hätte Sorkin sein Feuer bereits zuvor verschossen gehabt. Meine Vermutung ist, dass die Geschichte zu sehr aus Molly Blooms Perspektive (kein Wunder, basiert der Film doch auf ihrer Biografie) und damit eben auch sehr einseitig erzählt wird. Gerade in der Konfrontation mit ihrem Vater (Kevin Costner) wird auf Biegen und Brechen eine Erklärung für ihre Charakterzüge und ihre Motivation gesucht (und gefunden). Das Finale ist auch viel zu versöhnlich und Molly Bloom wird beinahe wie eine Heilige in Szene gesetzt. Wirklich schade, denn dadurch wurde in meinen Augen viel Potenzial liegen gelassen.

Fazit

Mir hat „Molly’s Game“ über weite Strecken wirklich extrem gut gefallen. Aaron Sorkin kann nicht nur großartige Drehbücher schreiben, sondern hat auch ein Händchen für eine Inszenierung, welche die Dynamik seiner Worte perfekt einfängt. Auch die Geschichte ist faszinierend, wenngleich sie im letzten Drittel ein wenig ins Straucheln gerät. Dennoch kann ich euch den Film nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.