Da das Wetter heute leicht am kippen ist und es keine Geburtstagsvorbereitungen zu treffen gilt, habe ich die Gelegenheit genutzt und zum ersten Mal seit drei Wochen einen Film geschaut. Die Wahl ist auf „Crawl“ gefallen, der schon länger auf der Liste stand. Mit 88 Minuten war er auch angenehm kurz, so dass es nicht schlimm war, dass wir doch erst wieder kurz vor 21 Uhr auf das Sofa gekommen sind… 🐊

Crawl (2019) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)
Bei Alexandre Aja horchen Horror-Fans natürlich auf. Der Franzose hatte mit „High Tension“ 2003 einen ultrabrutalen Überraschungshit gelandet, der sich unter Genrefans größter Beliebtheit erfreute. Mit seinem Wechsel nach Hollywood standen etliche Remakes auf dem Programm, die seinen Ruf als Horror-Regisseur festigten, wenngleich nach „The Hills Have Eyes“ auch keines mehr diese kompromisslose Wucht seines Debüts besaß. Nun hat sich Aja mit „Crawl“ dem Tierhorror zugewandt und ja, der Film läuft ziemlich genauso ab, wie man es von ihm erwarten würde: Die Inszenierung ist sehr stilsicher und die Kamera hält ordentlich drauf. Die gesamte Atmosphäre ist unglaublich dicht und man leidet wahrlich mit den Figuren.
Dabei ist das Setting (ein Kriechkeller während eines Hurrikans) durchaus frisch und unverbraucht. Der Rest der Geschichte hangelt sich dagegen von Genre-Konvention zu Genre-Konvention. Nett fand ich, dass man tatsächlich versucht hat, den Charakteren eine einigermaßen ausgearbeitete Hintergrundgeschichte zu geben. Diese ist zwar nicht sonderlich tiefschürfend, lässt uns aber doch stärker mit ihnen mitfiebern. Ansonsten spult der Film jedes Klischee ab, was dank der gelungenen Inszenierung dennoch unterhaltsam anzusehen ist. Ich mochte auch, dass er wunderbar ökonomisch erzählt wird und selbst keine Sekunde mehr für die Rettung der Protagonisten verschwendet. Auch hier merkt man Ajas Ankommen im System Hollywoods: Der positive Ausgang der Geschichte hat mich überrascht.
Fazit
Auch wenn „Crawl“ kein Film für die Ewigkeit ist, so bietet er für Tierhorror-Fans doch knapp 90 Minuten beste Unterhaltung. Vielleicht auch weil er Humor komplett ausspart, an dem der verwandte „Bait: Haie im Supermarkt“ gescheitert ist. Ein gelungener Film-Snack, nicht nur für die Alligatoren: 7/10 Punkte.