Cobra Kai – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 6)

Mit dieser Serie ist ein neues Zeitalter bei uns angebrochen. Auch wenn ich schon Serien mit meinen Kindern gesehen habe, so waren dies eher Kinderserien und die Sichtung hat sich über einen langen Zeitraum gezogen. „Cobra Kai“ jedoch haben wir, zumindest zu Beginn unserer Sichtung in den Ferien, fast schon zusammen gebinged, wie es neudeutsch heißt. Jeden Abend zwei Episoden, was bei 30 Minuten Laufzeit zwar nicht sonderlich lang ist, aber doch ein neues Erlebnis, diese Art von serieller Erzählung zusammen mit den Kindern zu genießen. 🥋

Cobra Kai | © Netflix

Cobra Kai | © Netflix

Warum ausgerechnet „Cobra Kai“? Zuletzt haben wir erstmalig die „Karate Kid“-Reihe geschaut und speziell der erste Teil hat mich nachhaltig fasziniert. Ein herrlicher 1980er-Jahre-Film mit absurder Prämisse, aber fantastischer Stimmung und sympathischen Figuren. Somit war ich heiß auf die Serie und es hat nicht viel Überzeugungsarbeit gekostet, auch den Rest der Familie davon zu überzeugen. Inzwischen wurde mir sogar eine „Cobra Kai“-Mottoparty zuteil, woran man sieht, wie stark der popkulturelle Einfluss der Serie inzwischen (bei uns) ist. Nun aber zu den Besprechungen der einzelnen Staffeln:

Staffel 1: Cobra Kai stirbt nie

Ich bin wirklich erstaunt, wie gut es den Serienmacher:innen gelingt, das Gefühl der Filme einzufangen. Liegt es an den Originalschauplätzen? Den Schauspieler:innen? Oder Inszenierung, Themen und Soundtrack? Vermutlich ist es eine Mischung aller Aspekte. Der Clou, Johnny Lawrence zum Helden der Serie zu machen (wie bereits durch Barney Stinson vorweggenommen), ist ein geschickter Schachzug. Die Rivalität zwischen ihm und Daniel LaRusso ist noch alberner als im Originalfilm, doch wird diese mit einem großen Augenzwinkern erzählt. Inhaltlich arbeitet sich die Serie an den zu erwartenden Handlungselementen ab und kontrastiert Johnnys 80er-Jahre-Macho-Attitüde perfekt mit modernen Einflüssen. Hinzu kommt ein wenig Teenie-Soap und fertig ist der süchtig machende Mix, der überraschend gut funktioniert. Einzig der verstorbene Pat Morita als Mister Miyagi fehlt, obwohl sein Geist tatsächlich spürbar ist. Alles in allem hätte ich nie und nimmer gedacht, dass mir die Serie (dazu noch in der Synchro) so gut gefällt. Auch die Kinder sind begeistert: 9/10 (9.1) Punkte.

Staffel 2: Cobra Kai vs. Miyagi-Do

Mit dem Aufbau von Miyagi-Do als Konkurrenz-Dojo zu Cobra Kai wird die Rivalität zwischen Johnny Lawrence und Daniel LaRusso in der zweiten Staffel auf die Spitze getrieben. Eigentlich könnten die beiden ja ganz gut miteinander auskommen, wäre da nicht John Kreese, der die Rivalität stets befeuert. Diese schlägt auch zwischen den Karateschüler:innen durch, was speziell dem besonderen Beziehungsgeflecht von Miguel, Sam und Robby geschuldet ist. Auch der Teenie-Soap-Aspekt wird demnach auf die Spitze getrieben und ist dabei sehr unterhaltsam. Man könnte vermuten, dass inzwischen eine deutliche Gut-Böse-Einteilung stattfindet, doch alle Figuren sind erstaunlich differenziert gezeichnet. John Kreese vielleicht ausgenommen. Allein das Finale war mir etwas zu übertrieben, sogar für diese Serie. Ich hoffe sehr, dass die Drama-Aspekte in der kommenden Staffeln nicht alles andere in den Hintergrund drängen: 9/10 (9.1) Punkte.

Staffel 3: Eagle-Fang-Karate betritt die Bühne

Am Anfang der dritten Staffel haben sich meine Befürchtungen aus dem Vorjahr leider bestätigt. Es wird ziemlich dramatisch und die Nachwehen des High-School-Kampfes bestimmen einen Großteil der Handlung. Gerade Miguels schwere Verletzung fühlt sich wie ein Fremdkörper in der ansonsten eher cheesy-leichten Serie an. Aber diese Ausgangslange bringt ihn und Johnny Lawrence wieder enger zusammen. Seine Reha-Routine war für mir mich eines der Highlights der Staffel. Überhaupt hatte ich das Gefühl, die Episoden haben sich nach hinten raus wieder eher positiv entwickelt. Wobei ich auch sagen muss, dass ich keine Folge schlecht fand. Nur haben sie teils außerhalb des völlig übertriebenen Wohlfühlkosmos stattgefunden, den ich der Serie zuvor attestiert hatte. John Kreeses Hintergrundgeschichte fand ich teils unnötig, aber wer weiß, was sie noch daraus machen? Famos fand ich Ali Mills‘ (Elizabeth Shue) Rückkehr, welche natürlich komplett auf Nostalgie setzt, für mir aber gerade deshalb wunderbar funktioniert, obwohl ich überhaupt keine nostalgischen Gefühle haben dürfte. Schließlich kannte ich „Karate Kid“ zum Zeitpunkt der Sichtung erst seit ein paar Monaten. Das Finale wirkte auf mich auch wieder recht übertrieben, findet aber ein deutlich versöhnlicheren Abschluss als das des Vorjahres. Insgesamt hat mir die Staffel, gerade in der zweiten Hälfte, erneut sehr gut gefallen: 9/10 (8.8) Punkte.

Staffel 4: Eine neue Generation an Kämpfern

In der vierten Staffel taucht Terry Silver, der Bösewicht aus „Karate Kid III: Die letzte Entscheidung“, wieder auf und verbündet sich mit John Kreese. Die daraus entstehende Dynamik ist wenig spannend, doch fand ich es schön, dass auch schräge Nebenfiguren aus den Filmen ihren Platz in der Serie finden. Weiterhin betritt eine neue Generation an jüngeren Schülern die Arena. Daraus wird noch nicht sonderlich viel gemacht und gerade Anthony LaRusso ist als Figur ziemlich nervig. Das war es auch schon an neuen Elementen und der Rest darf sich wieder rund um Johnny vs. Daniel, Miguel vs. Robby, Sam vs. Tory und überhaupt Cobra Kai vs. Eagle Fang & Miyagi-Do drehen. Das sind alles super klischeehafte Zutaten und so langsam beginnen sich auch Abnutzungserscheinungen zu zeigen, doch habe ich einfach immer noch unfassbar viel Spaß mit dieser Serie und ihren Figuren. Die letzten beiden Episoden, die komplett auf dem All Valley Karate Tournament spielen, sind dann das erwartete große Finale. Einfach unsinnig viele Kämpfe, in denen die einzelnen Kämpfer:innen jedoch nahezu alle einen schönen Schlusspunkt ihrer Entwicklung innerhalb der Staffel bekommen: 9/10 (8.6) Punkte.

Staffel 5: Terry Silver gegen den Rest der Welt

Die Staffel beginnt mit einem Ausflug nach Mexiko, was ungewöhnlich erscheint, aber doch eine gute Grundlage ist, um die Spannungen zwischen Johnny, Robby und Miguel aufzulösen. Terry Silver mutiert zum Überbösewicht und das inzwischen sehr deutlich befreundete Trio aus Johnny, Daniel und Chosen versuchen ihm Einhalt zu gebieten. Das alles ist so völlig übertrieben und doch spannend und unterhaltsam erzählt, dass es eine wahre Freude ist. Es tauchen noch mehr Figuren aus „Karate Kid III: Die letzte Entscheidung“ auf, worüber ich mich sehr gefreut habe. Das große Finale ist wieder völlig drüber (inklusive abgehacktem Finger, was sehr deutlich gezeigt wurde), was man inzwischen ja von „Cobra Kai“ kennt. Am Ende ist John Kreese zurück und wird vermutlich erneut als Gegenspieler agieren. Nun bin ich sehr gespannt auf die finale Staffel, auf die wir leider länger warten müssen. Sehr gespannt bin ich auch, ob die Figuren aus „Karate Kid IV: Die nächste Generation“ ihren Platz in „Cobra Kai“ finden werden: 9/10 (8.8) Punkte.

Staffel 6: Das Sekai Taikai als finales Turnier

Fast zwei Jahre haben wir auf das Finale von „Cobra Kai“ warten müssen. Natürlich hätten wir die sechste Staffel auch gestückelt sehen können, doch wollten wir die 15 Episoden in einem Rutsch durchschauen. Wenn ich in einem Rutsch sage, dann meine ich natürlich alle paar Tage eine bis zwei Episoden. Insgesamt bietet die finale Staffel genau das, was man sich nach sechs Jahren „Cobra Kai“ erwartet: Eine große, emotionale Seifenoper mit völlig hanebüchenen Handlungselementen, viel Herz und Nostalgie. Ein paar Elemente, wie z.B. der kurze KI-Auftritt von Mr. Miyagi, waren unnötig und doch kann ich der Serie nicht böse sein. Auch der Ausflug nach Barcelona zum Sekai-Taikai-Turnier war an vielen Stellen zu langgezogen und drüber. Hinzu kommt ein seltsam kühles Color Grading, was für Spanien seltsam wirkt. Aber nun gut, spätestens bei der Trainingsmontage von Johnny und Daniel hatte ich am Ende Tränen der nostalgischen Rührung in den Augen. Für alle Figuren gibt es ein übertriebenes Happy End, was andere Serien komplett im Kitsch hätte versinken lassen, hier jedoch gut passt. John Kreese darf noch einmal den Helden spielen, bevor er mit Terry Silver in einem übertrieben großen Feuerball das Zeitliche segnet. Ach, „Cobra Kai“, du wundervollstes aller Legacy-Sequels. Ich werde dich vermissen: 9/10 (8.6) Punkte.

Fazit

Nun ist die lange Reise, die wir 2023 angetreten sind, endgültig vorbei. Ich habe die Serie unfassbar genossen. Seitdem ist viel passiert: Der Zwergofant hat das Judo-Training an den Nagel gehängt und ist zu Karate gewechselt. Ich bin mir sicher, dass „Cobra Kai“ daran durchaus seinen Anteil hatte. Nun hätte ich direkt Lust, mir noch einmal „Karate Kid“ samt Fortsetzungen anzuschauen. Auf den kommenden Kinofilm „Karate Kid: Legends“ freue ich mich auf jeden Fall sehr. Damit bin ich auch nicht alleine: Beide Kinder haben die Serie über alles geliebt. Das ist auch eine Leistung, gerade für solch einen Legacy-Sequel-Ansatz. Alles richtig gemacht: 9/10 (8.8) Punkte. (Zappelinchen: 10/10 Punkte; Zwergofant: 10/10 Punkte.)

Prädikat: Lieblingsserie

17 Gedanken zu “Cobra Kai – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 6)

    • Das ist doch schon einmal was. Die Serie ist zweifellos auch kitschig. Doch selbst das hat bei mir gezündet. Für mich definitiv die beste Karate-Soap-Opera, die ich je gesehen habe. 😄

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  2. Obwohl ich nie der große Karate Kid Fan war, haben wir die Serie auch geschaut. Manchmal fand ich sie extrem anstrengend, manchmal wirklich nett. Sie hat eine gute Entwicklung gemacht auf jeden Fall, war mir einfach an manchen Stellen etwas zu überspitzt und manchmal hatte ich das Gefühl die Charaktere entwickeln sich erst, nur um sich dann wieder zurück zu entwickeln.

    Aber ich bin tatsächlich neugierig auf den Film, der alle „Universen“ irgendwie zusammen bringt und Jacky Chan geht ja irgendwie immer.

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    • Ich verstehe, was du meinst: Die Serie war einfach eine große Seifenoper im „Karate Kid“-Kosmos. Aber das hat für mich gepasst und auch wohlige Soap-Opera-Gefühle ausgelöst. Objektiv betrachtet in vielerlei Hinsicht jedoch zu übertrieben oder stagnierend in der Entwicklung.

      Auf den Film bin ich auch gespannt. Jackie Chan war definitiv das Highlight des Remakes.

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    • Kommt halt auch immer darauf an, was man von der Serie erwartet. Ich mochte auch gerade die Seifenoper-Elemente sehr gerne, weil es auch so gut zu der albernen Geschichte gepasst hat. Wir haben die Serie ja quasi mit den Kindern als Vorabendprogramm geschaut. Auch das war perfekt. Insofern geht die Bewertung für mich völlig in Ordnung. 🙂

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