Review: The Last of Us – Staffel 1

Nach dem gegen Ende eher durchwachsenen Serienerlebnis mit „Manifest“, stand mir der Sinn nach qualitativ hochwertigerer Unterhaltung. Für mich stand dafür immer HBO, was Serien wie „The Wire“ oder „Game of Thrones“ zweifelsfrei bewiesen haben. Somit bin ich spät auf den Hype rund um „The Last of Us – Staffel 1“ aufgesprungen. Dabei muss ich vorausschicken, dass ich die Spiele nie gespielt habe, doch ein ganz gutes Verständnis von der gezeigten Welt und der grober Rahmenhandlung hatte. 🍄

The Last of Us – Staffel 1 | © HBO

The Last of Us – Staffel 1 | © HBO

Postapokalyptisches Storytelling par excellence

Bereits die erste Episode „When You’re Lost in the Darkness“ ist ein unglaublicher Ritt in die Dunkelheit. Wir erleben den Ausbruch der Pandemie und den schicksalshaften Auslöser, warum aus der männlichen Hauptfigur Joel der verbitterte Mann wurde, der er nach einem Zeitsprung von 20 Jahren ist. Wir treffen in einer Quarantänezone wieder auf ihn, wo er letztendlich die jugendliche Ellie kennenlernt. Dieses ungleiche Duo macht sich fortan auf den Weg durch die zerstörten USA, um einem MacGuffin-artigem Ziel hinterherzureisen bzw. um einfach nur zu überleben. Joel und Ellies Geschichte ist dabei gespickt mit Begegnungen, von denen die Infizierten, ganz im Gegensatz zu z.B. „The Walking Dead“, nur einen extrem kleinen Teil ausmachen. Im Fokus stehen die zwischenmenschlichen Beziehungen und wie Menschen jeden Alters ganz unterschiedlich vor dem Hintergrund der Apokalypse agieren. Das ist extrem spannend und emotional erzählt, selbst wenn „The Last of Us“ nur bereits bekannte Versatzstücke postapokalyptischer Erzählung aufgreift.

Die erste Episode, die mich dann komplett umgehauen hat, war „Long, Long Time“. In dieser wird eine unwahrscheinliche Liebesgeschichte in Spielfilmlänge erzählt, welche mir noch Tage nach der Sichtung nachgehangen hat. Ein Meisterwerk der Erzählkunst. Nick Offerman (bekannt als Ron Swanson aus „Parks and Recreation“) spielt unfassbar herzergreifend. Konnte es danach noch besser werden? Vielleicht nicht besser, doch auch „Endure and Survive“ hat mich komplett mitgerissen. Das Finale war ein solcher Schlag in die Magengrube, dass ich mich nur schwer davon erholen konnte. Mit „When We Are in Need“ erleben wir kurz vor dem Finale eine Ellie-zentrierte Episode, welche einfach nur eine emotionale Tour-de-Force ist. Apropos Ellie: Bella Ramsey (bekannt aus „Game of Thrones“) ist absolut fantastisch, gerade im Zusammenspiel mit Pedro Pascal (bekannt aus „Narcos“ oder „The Mandalorian“). Ihre Beziehung trägt die Serie, selbst wenn ihre gemeinsame Zeit auf dem Bildschirm eher begrenzt ist. Fantastische Figuren, die wahrlich perfekt ausgearbeitet sind.

Die beste aller Videospielverfilmungen

Das ist vermutlich eine gewagte Aussage für jemanden, der die Vorlage nicht kennt. Allerdings würde die Serie auch perfekt funktionieren, wenn es das Videospiel nicht gäbe und wir hier eine komplett eigenständige Geschichte erzählt bekommen würden. Dabei gibt es durchaus ein paar Sequenzen, die videospielartig wirken bzw. die man ohne die Vorlage vermutlich anders umgesetzt hätte. Ich denke hier z.B. an das Auftauchen des Bloaters, der dann doch eher wie ein weiterer Gegnertyp in einem Videospiel wirkt. Nicht störend, aber doch auffällig. Handlungstechnisch steht die Serie auf jeden Fall für sich bzw. ist „The Last of Us“ als Spiel so gut erzählt, dass es auch in einem anderen Medium perfekt funktioniert. Einzig was ich vom Finale „Look for the Light“ halten soll, weiß ich noch nicht so recht. Es wird, neben den großen Actionszenen und dem verstörenden Twist, einiges zwischen den Zeilen erzählt. Welche Motivation nun eher egoistisch und welche selbstlos getrieben ist, mag einfach erscheinen, doch steckt  einiges mehr an Komplexität dahinter, als sich auf den ersten Blick erschließen mag. Gerade was die Beziehung zwischen Joel und Ellie angeht, wird das noch spannend werden. Die Wartezeit auf die zweite Staffel wird hart.

Fazit

Wie ihr vermutlich schon rausgelesen habt, hat mich „The Last of Us“ begeistert, wie schon lange keine Serie mehr. Die Investition in die Ultra-HD-Blu-ray-Box hat sich definitiv gelohnt, schon alleine aufgrund der sehenswerten Extras. Die letzten zwei Wochen haben sich angefühlt, als hätte ich fast jeden Abend einen kurzen Film gesehen. So intensiv war die Immersion für mich. Für mich eine der besten, wenn nicht sogar die beste, unter den aktuell laufenden Dramaserien: 10/10 (9.6) Punkte.

27 Gedanken zu “Review: The Last of Us – Staffel 1

  1. Mir ging es bei der Sichtung ziemlich genau so, wie du es beschrieben hast.
    Erwartungen an die Serie waren sehr gering, da ich mir von TWD auch mehr erhofft hatte als dann tatsächlich geliefert wurde.
    The Ladt of Us schafft es so wunderbar die Charakteren in den Vordergrund zu stellen und den Zuschauer mitfühlen zu lassen, ohne dabei die Story zu schwach wirken zu lassen.
    Ich bin gespannt ob in Staffel 2 das Niveau gehalten werden kann.

    Gefällt 1 Person

    • Das stimmt, wobei ich TWD in den ersten vier bis fünf Staffeln auch noch richtig stark fand. „The Last of Us“ ist ja eher Charakterdrama und stellt die Infizierten tatsächlich in den Hintergrund. Das mochte ich sehr. Bin auch schon gespannt auf die zweite Staffel und habe das Vertrauen in die Macher, die Geschichte gut weiterzuführen. Die Spiele kennst du auch nicht?

      Like

  2. War nicht schlecht und man konnte es schauen.
    Irgendwie hatte ich da etwas mehr erwartet oder ich bin mit falschen Voraussetzungen an die Serie heran gegangen.
    Das Spiel kenne ich nicht. Hier besitzt niemand eine Playstation. 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. So ein Zufall, ich schaue meine (italienische) UHD-Box auch gerade. Habe gestern bei Long Long Time wieder geheult und nicht dafür geschämt, weil es Showrunner Craig Mazin auch jedesmal so ergangen ist nach 200-maligem Anschauen.

    Ich kenne die Spiele und hatte entsprechend noch mehr Spaß daran, die Unterschiede zu würdigen. Wobei ich die Clicker etwa gar nicht so furchteinflößend fand wie im Spiel – klar, da killen einen die Viecher desöfteren, untermalt von blutrünstigen Szenen. Insofern fand ich es gar nicht schlimm, dass die nicht so sehr präsentiert wurden wie in TWD. Die tiefschlagenden Momente sitzen allesamt perfekt wie im Spiel, vor allem die letzte Szene mit Ellies Frage haut einem eine rein, das man wie angewurzelt mit dem Gamepad in der Hand die Credits apathisch durchrollen lässt. Die Chemie zwischen Pascal und Ramsay stimmt, da sind großartige Momente dabei.

    Ich bin auch sehr gespannt auf die zweite Staffel, angeblich soll ja der zweite Spieleteil in zwei Staffeln erzählt werden. Und sollten die Macher da keine großen Änderungen vornehmen, wird es einiges an Aufschreierei geben. Mit dem Casting von Kaitlyn Dever ist ihnen schon mal ein Coup gelungen, die Darstellerin finde ich seit Justified super.

    Gefällt 1 Person

    • Oh, da kannst du als Spielekenner natürlich einiges ergänzen. Sehr cool! Kann mir auch vorstellen, dass die Infiziertenszenen im Spiel häufiger und intensiver sind. Habe das in der Serie aber auch gar nicht so sehr vermisst. Wie du schreibst gibt es dafür ja TWD. „The Last of Us“ hat da andere Schwerpunkte gesetzt. Die letzte Szene fand ich auch hart und bitter. Gerade auch, weil man so viel reininterpretieren kann (also ich jetzt, der die Spiele nicht kennt).

      Ich weiß um den groben Verlauf der Richtung, in die die zweite Staffel wohl gehen wird. Kenne aber keine Storydetails. Kaitlyn Dever finde ich auch super und freue mich darauf!

      Like

  4. Pingback: Media Monday #661 – Schlafhygiene, Chorauftritte und der Wüstenplanet | moviescape.blog

  5. Pingback: His Dark Materials – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3) | moviescape.blog

  6. Pingback: Fallout – Staffel 1 (2024) | moviescape.blog

  7. Pingback: Media Monday #698 – Weltpolitik, Jahresendspurt und HBO-Serien | moviescape.blog

  8. Pingback: Sweet Tooth – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3) | moviescape.blog

  9. Pingback: Mein Serienjahr 2024 mit 39 gesehenen Staffeln | moviescape.blog

  10. Pingback: Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste – OT: Maze Runner: The Scorch Trials (2015) (WS2) | moviescape.blog

  11. Pingback: 65 (2023) | moviescape.blog

Deine Meinung? (Indem du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.)

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..