Shutter Island (2010)

Nach einem langen Arbeitstag hat es mich gestern Abend einmal wieder in unser Fremdsprachenkino gezogen. Martin Scorseses „Shutter Island“ stand schon länger auf meiner Liste und war somit die perfekte Abendunterhaltung. Irgendwo zwischen Traum und Realität. Ein diffuser Wachzustand, von dem ein unbeschreibbarer Sog ausgeht.

Martin Scorsese baut in seinem undurchsichtigen Thriller bereits in den ersten Minuten eine so dichte Atmosphäre auf, dass man sich beinahe selbst auf der düsteren Klinikinsel wähnt. Getragen wird diese Atmosphäre nicht nur durch Robert Richardsons fantastisch stimmungsvolle Bilder, sondern auch durch den irritierenden Score, welcher die allgegenwärtige Paranoia hörbar macht. Stilistisch ist „Shutter Island“ – wie nahezu alle Scorsese Filme – ein wirklich großer Wurf. Bittersüßer Zucker für Augen und Ohren.

Auch inhaltlich braucht sich „Shutter Island“ nicht zu verstecken. Als Zuschauer wird man zusammen mit Leonardo DiCaprios Charakter Teddy Daniels immer tiefer in den Strudel aus Paranoia und Wahnsinn gezogen. Schon früh zeichnet sich der Ausgang der Geschichte ab und es ist wirklich angenehm, dass der Twist nicht mit dem Holzhammer inszeniert wurde. Es steht nicht die vermeintlich große Überraschung im Vordergrund, sondern die Emotionen der Charaktere. Eine Reise ins Herz der Finsternis.

Auch wenn „Shutter Island“ unspektakulärer erscheint, als die meisten anderen Filme des Regisseurs, so darf man jedoch nicht den Fehler machen ihn zu unterschätzen. Besonders für Genrefreunde bietet der Film großartige Unterhaltung und muss sich hinter verwandten Produktionen, wie „Angel Heart“ oder „The Machinist“ absolut nicht verstecken.

Wer einmal wieder einen mitreißenden, großartig gespielten und kunstvoll inszenierten Thriller sehen möchte, der kann zurzeit wohl keine besseren Film im Kino sehen, als „Shutter Island“. Mich wird diese Insel wohl noch länger verfolgen: 9/10 Punkte.

21 Gedanken zu “Shutter Island (2010)

  1. Wenn der Scorsese sich nicht hinter – dem meiner Ansicht nach durchschnittlichen – MACHINIST verstecken muss, hab ich ja nichts verpasst, wenn ich ihn ausgelassen hab 🙂

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  2. Selbst wenn dir „The Machinist“ nicht gefallen hat, vermute ich, dass du „Shutter Island“ zumindest besser einstufen würdest. „Memento“ könnte man als Vergleich auch noch ins Rennen schicken, wobei das mit Vergleichen ja auch immer so eine Sache ist…

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  3. Habe mir den Film etwa vor zwei Wochen angesehen.
    Der Film ist wirklich sehenswert. Super Atmosphäre und tolle Schauspieler die allesamt gute Leistungen bringen.

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  4. Er hat Memento gesagt!
    Immer noch einer meiner absoluten Lieblingsfilme.
    Shutter Island habe ich auch im US-Kino um die Ecke gesehen (nur in der Fassung spricht Leo stilvoll kurz deutsch). Fand den auch sehr gut, mit vielen schönen „Wassolldasjetzt?“-Momenten und einer gelungenen Auflösung. Vor allem der Schluss war doch sehr bewegend. Irgendwann werde ich auch das Buch dazu in Angriff nehmen, hoffentlich pünktlich zum DVD-Release.

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  5. @Christian & DarKesT: Ja, so ein Fremdsprachenkino ist schon fein. Ist zwar klein, das Equipment ist veraltet und die Filmauswahl ist gering, doch dafür bietet es Originalton bei aktuellen Kinofilmen und eine gemütliche Atmosphäre. Ziehe ich den Multiplexen immer gerne vor.

    @Flo Lieb: Ja, die Combo hat man in letzter Zeit fast schon zu oft gehabt, doch „Shutter Island“ hebt sich in meinen Augen von den bisherigen Werken positiv ab.

    @Inishmore: Hehe, ja DiCaprios deutsche Einlage fand ich auch sehr gelungen. Das Ende war wahrlich wunderbar bitter. Die Vorlage würde mich auch reizen, jedoch werde ich sie wohl aufgrund meiner Kenntnis der Geschichte erst einmal hinten an stellen. Buch nach Film finde ich immer schwierig, andersrum habe ich dagegen keine Probleme bereits Bekanntes visualisiert zu sehen.

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  6. Da sind man mal wie unterschiedlich die Meinungen sind. Mir gefällt „The Machinist“ zwar auch recht gut, doch fand ich „Shutter Island“ insgesamt gelungener. Die Themen die in beiden Filmen behandelt werden ähneln sich – wenn ich mich richtig erinnere – doch ziemlich.

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  7. DiCaprio hält sich zurück? Empfand ich nun nicht so, eher dass er die Paranoia wunderbar in den Vordergrund gespielt und nebenbei herrlich als 50er Jahre Cop aufgetreten ist. Aber da das Ergebnis stimmt, scheint sein Schauspiel ja bei uns beiden Eindruck hinterlassen zu haben… 😉

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  8. Hab den Film gerade eben fertig geguckt, aber will hier keinen großen Kommentar schreiben, weil: Im Großen und Ganzen kann ich deiner Bewertung zustimmen, und das obwohl ich kein großer „Psycho-Thriller“-Fan bin (oder wie man das Genre am besten beschreibt). Den Twist hab ich nur ansatzweise erahnt, hatte an was anderes gedacht. Aber gut.. War dennoch toll.

    Was mir aber am meisten im Gedächtnis bleiben wird: Die Stelle, an der die Patientin nach einem Glas Wasser fragt (während der Vernehmung). Sie greift danach, trinkt dann aber aus einem Glas, welches gar nicht existiert. Sie hält gar keines in der Hand. Stellt dann aber ein leeres Glas hin.

    Was mich daran allerdings stört, ist, ob das von Scorsese beabsichtigt war… :s

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  9. Der Twist war für mich in dem Film auch eher nebensächlich. Es geht um die Reise des Charakters. Erkenntnis und daraus gezogene Konsequenzen. Insofern auf jeden Fall ein Film zum öfter schauen. Die Blu-ray steht auch bei mir schon bereit.

    Die Szene mit dem Glas war wirklich verstörend. Hat mich etwas an meinem eigenen Verstand zweifeln lassen. Aber nur etwas… 😉

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