Bohemian Rhapsody (2018)

Nach einem recht entspannten Samstag mit ein wenig Möbel aufbauen und einem netten Lauf, habe ich mich abends auf einen Film gefreut. Mit „Bohemian Rhapsody“ ist ein Werk im Blu-ray-Player gelandet, auf das ich mich zwar einerseits gefreut habe, andererseits hatte ich aber auch keine großen Erwartungen. Letztendlich ordnet das den Film auch ziemlich gut ein… 🎸🎹🎶

Bohemian Rhapsody (2018) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Bohemian Rhapsody (2018) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Eine Rock’n’Roll-Oper für die ganze Familie

Ich kenne mich mit Queen nicht besonders gut aus. Neben Freddie Mercury war mir bisher nur Brian May ein Begriff. Natürlich kenne ich alle populäre Songs und neben „Bohemian Rhapsody“ ist ausgerechnet der eher unbekannte „Breakthru“ mein Lieblingssong der Band. Auch mag ich Rockmusik in Filmen. Nichts kommt an „Almost Famous“ heran. Wenn ich an Musikerbiografien, dann fällt mir als erstes Oliver Stones „The Doors“ ein, der so ziemlich das Gegenteil von „Bohemian Rhapsody“ ist. Auch die leider nur kurzlebige HBO-Serie „Vinyl“ hat den Rock’n’Roll-Lifestyle zelebriert. In diesem Film wird er höchstens gestreift. „Bohemian Rhapsody“ ist übertrieben familienfreundlich erzählt und inszeniert, was einer der großen Schwachpunkte ist. Eben ein FSK-6-Biopic für die ganze Familie.

Wenn wir schon bei Schwächen sind, dann muss ich noch kurz auf die Struktur des Films eingehen: Die Dramaturgie ist so vorhersehbar, dass sie schon an Malen nach Zahlen erinnert. Angefangen vom Vater, der nicht an Freddie glauben mag, bis zur letztendlichen Anerkennung (natürlich!) kurz vor dem großen Live-Aid-Auftritt. Da ist es nur symptomatisch, dass auch Freddie Mercurys Kenntnis seiner AIDS-Erkrankung chronologisch für die perfekt durchkomponierte Dramaturgie vorgezogen wurde. In Kombination ergibt sich daraus ein Film, der extrem auf Nummer sicher spielt, was letztendlich viel Potenzial verschenkt.

Trotz Schwächen aufregend und mitreißend

Auch wenn ich bisher nur Kritik geäußert habe, so wurde ich doch blendend unterhalten, was vor allem den tollen schauspielerischen Leistungen zuzuschreiben ist. Rami Malek (bekannt aus der TV-Serie „Mr. Robot“) ist großartig als Freddie Mercury. Doch auch die anderen Bandmitglieder sind hervorragend besetzt. Den größten Schmunzler hatte für mich Mike Myers mit seiner Anspielung auf „Wayne’s World“, was vielleicht zu meta war, mich aber dennoch zu amüsieren wusste. Davon abgesehen ist natürlich die Musik einfach bombastisch. Es wurde mir noch einmal so richtig bewusst, was für eine einflussreiche Band Queen war. Speziell der finale Live-Aid-Auftritt, der beinahe komplett ausgespielt wird, ist großes Kino.

Fazit

Auch wenn „Bohemian Rhapsody“ viel Potenzial liegen lässt, und zu sehr nach dem Biopic-Baukasten erzählt wird, mochte ich den Film mehr als ich sollte. Er ist nicht überragend gut und es lassen sich, rein objektiv betrachtet, viele Fehler finden. Die rein emotionale Wirkung stimmt aber und für mich sind die 135 Minuten wie im Flug vergangen. Bestimmt ein bis zwei Punkte zu viel, aber dennoch: 8/10 Punkte.

32 Gedanken zu “Bohemian Rhapsody (2018)

  1. Ich bin ja großer Queen-Fan (die Band ist tatsächlich das einzige, wo ich mich wirklich als Fan bezeichnen würde) und daher sehr vertraut mit deren Werdegang, dem ganzen Drumherum und natürlich der Musik. Allerdings bin ich ja bekanntermaßen ebenfalls großer Befürworter davon, nicht jeden Kram immer mit dem gleichen Ablauf zu erzählen, weshalb ich in diesem Fall die dramaturgischen Änderungen durchaus gut fand. Und das sind zahlreiche. Angefangen bei Songs, die zu früh oder spät in der Chronologie aufgenommen werden (Killer Queen/We Will Rock You), über erfundene Streitigkeiten innerhalb der Band (Solo-Album), bis hin zu eben dem Vorlauf zum Live Aid Auftritt inklusive Mercurys HIV-Erkrankung. Leider lässt man den Mann nie so richtig von der Leine. Vor allem seine Partyexzesse werden hier stark zurückgedereht und die Biopic-Blaupause ist jederzeit erkennbar. Aber meine Herren, macht der Streifen Spaß, oder was? Queen hat halt auch zu allem einen passenden Song im Repertoire und die Figuren ergänzen sich einfach wunderbar. Mein größter Kritikpunkt ist tatsächlich, dass man die unfassbar experimentellen Jahre von Queen in den 70ern nur kurz anreißt und keine der wirklich abgefahrenen Songs aus der Zeit (man höre einfach mal das komplette Queen II Album) im Film untergebracht hat. Wegen mir könnte man jetzt gerne noch die Version machen, die Sasha Baron Cohen im Kopf hatte, als er noch die Rolle von Freddie spielen sollte, und komplett all-out gehen, was die Eskapaden angeht. Dann hätte man beide Welten und vermutlich zwei gute Filme.

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    • Da sehen wir ja einmal einen Film ähnlich versöhnlich, wer hätte das gedacht? Tatsächlich glaube ich auch, dass noch viele spannende Geschichten in der Band stecken – sowohl was ihre musikalische Entwicklung angeht, als auch das Leben daneben. Speziell Parties, Lifestyle und Co. schienen mir doch sehr brav inszeniert. Da hätte ich gerne mehr Mut gesehen bzw. einfach eine erwachsenere Inszenierung.

      Mensch, jetzt da du es sagt, fällt mir auch wieder ein, dass ich ja eigentlich immer von Sacha Baron Cohen als Freddie Mercury gelesen habe. Was ist daraus eigentlich geworden? Wäre bestimmt auch eine famose Besetzung. Kann ich mir zumindest echt gut vorstellen.

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      • Cohen wollte genau diesen extremen Partylifestyle ungeschönt im Film haben, inklusive Freddies Sexgeschichten (hatte ja unter anderem oft eine österreichische Pornodarstellerin in der Kiste, die der Film komplett unterschlägt). Das wollte aber die Band nicht und da die als Produzenten beteiligt waren, gab es dann eben diese zahme Version.

        Ganz anders soll das nebenbei im Elton John Biopic ROCKETMAN sein. Da hat John als Produzent wohl sogar dafür gesorgt, dass alles drin ist, was der sich so in seinen Drogen jahren reingeballert hat.

        Der Vorteil ist jetzt natürlich, dass man dadurch zwei unterschiedliche Filme hat. Sonst wäre ROCKETMAN vielleicht eher wie eine Kopie dahergekommen. So haben beide eine gewisse Eigenständigkeit.

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      • Ja, das scheint mir eine sehr realistische Erklärung. Ich fand Rami Malek ziemlich großartig, doch hätte ich Cohens Version auch gerne gesehen. Spannend!

        „Rocketman“ steht schon im Regal und ich habe mich gestern tatsächlich zwischen beiden Filmen entscheiden müssen. Folgt vermutlich nächste Woche und ich bin schon sehr gespannt darauf. Soll ja auch eher ein Musical sein und Taron Egerton soll selbst singen. Da freue ich mich schon sehr drauf! 🙂

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      • Ja, Malek ist super und man kann davon ausgehen, dass Cohen die Rolle komplett anders angelegt hätte. Hier ist es ja quasi eine möglichst genaue Kopie in der Gestik und Mimik usw. Cohens Version wäre vermutlich eher „düster“ geworden. Vielleicht kriegen wir ja noch irgendwann etwas in die Richtung. Vielleicht sollte er einfach seine Version mit einer fiktionalen Figur umsetzen, wenn Queen ihn nicht das Original nutzen lässt.

        Johns Bio soll auf andere Art und Weise ebenfalls fantastisch sein. Habe den auch zumindest auf der Liste. Nur kann ich mit seiner Musik weniger anfangen, deshalb bin ich da jetzt nicht so „ungeduldig“ wie bei Mercury, für den ich sogar einen meiner seltenen Kinobesuche gemacht habe.

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      • Ja, stimmt. Wäre vermutlich ganz anders angelegt worden, die Rolle und Figur. Ein typischer Alternate-Universe-Film. Was wäre wenn? Spannend!

        Bei Elton John vermute ich, dass es mir ähnlich gehen wird wie bei Queen: Erst über die Dauer des Films habe ich noch einmal ganz bewusst gemerkt, wie viele unfassbare Songs von ihnen stammen.

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      • Songs von John kenne ich jede Menge. Sie geben mir nur meist nicht viel. Aber der Titelsong, Tiny Dancer, I’m Still Standing, Bennie and the Jets etc. sind hat schon gut. Bei Queen gibt es nur insgesamt mehr, das mich abholt (eigentlich alles, außer ihre 80er Phase, weil die 80er musikalisch absolut jeden versaut haben; da waren nicht mal Queen oder Bowie vor sicher).

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      • Bowie ist ein ganz eigener Fall: Es soll bereits ein Biopic (ich glaube namens STTARDUST) in Produktion sein, das aber nicht offiziell ist und keinerlei Musikrechte hat. Dürfte also „speziell“ werden.
        Duncan Jones soll ein offizielles Biopic machen, weigert sich bisher aber (was auch irgendwie verständlich ist). Ist also ein ganz seltsamer Fall mit ihm. Dylan interessiert mich tatsächlich eher weniger. Ich glaube, der ist ein ziemliches Arschloch. Okay, wenn man das gut herausarbeitet, könnte es doch unterhaltsam werden.

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      • Inoffizielle Biopics sind, gerade wenn man keine Musik einbauen kann, sehr schwierig. Irgendwann kommt das bestimmt. Gerade die aktuelle Welle ist ja sehr erfolgreich, da wird der Rubel schon noch rollen… 😉

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      • Andererseits können die Macher da theoretisch experimentieren, um diese Limitierung irgendwie zu umgehen oder sogar aufzugreifen, was ja zu Bowie passen würde. Aber wer weiß, was genau dabei rumkommt.

        Jones hat letztes Jahr mal in den Raum geworfen, dass er gerne ein Animations-Bowie-Biopic geschrieben von Neil Gaiman unter der Regie des SPIDERVERSE-Regisseurs sehen würde. Da wäre ich dann vermutlich raus. Bevorzuge dann doch reale Versionen.

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      • Das mag ja alles recht reizvoll klingen, doch am Ende hätte ich doch am liebsten ein real gefilmtes Biopic, das sich trotz aller gesicherten Rechte und möglichen Freiheiten etwas traut.

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  2. Pingback: Media Monday #446 | moviescape.blog

  3. Schön auf den Punkt gemacht. Die Veränderungen in der Dramaturgie fallen vermutlich nur Queenfans und Cineasten auf. Sicher kein perfekter Film, aber durch die Musik und die Darsteller wirklich sehenswert.

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  4. Pingback: Rocketman (2019) | moviescape.blog

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