Nur noch 60 Sekunden – OT: Gone in 60 Seconds (2000)

Zurzeit häufen sich die beruflichen und privaten Termine. Am Wochenende bedeutet das nun vermehrt liegengebliebene Hausarbeit nachzuholen. Auch davon abgesehen war heute ein nur wenig erfreulicher Tag, so dass der Film am Abend eine willkommene Ablenkung war: Die Wahl ist auf „Nur noch 60 Sekunden“ gefallen. Eine der wenigen Jerry-Bruckheimer-Produktionen der späten 1990er bzw. frühen 2000er Jahre, die ich bisher noch nicht kannte…

Nur noch 60 Sekunden (2000) | © Touchstone

Nur noch 60 Sekunden (2000) | © Touchstone

Vor knapp 20 Jahren war das Kino noch anders

Je häufiger ich Filme aus dieser Ära sehe, desto mehr muss ich zugeben, dass ich ihre Ästhetik sehr mag. Egal ob „Crimson Tide“, „Con Air“ oder „Staatsfeind Nr. 1“ – die Filme wirken zwar unglaublich bombastisch inszeniert, doch zugleich auf fast schon altmodische Art und Weise handgemacht. Diese Wahrnehmung hat sich bei mir aber auch erst in den letzten Jahren des CGI-Overkills ergeben, denn zur Entstehungszeit waren sie mir fast zu schnell geschnitten und zu treibend erzählt. Aus heutiger Sicht ist die Charaktereinführung extrem langsam (und klischeehaft), die Action übersichtlich und die Effekte herrlich analog. So kann sich der subjektive Eindruck ändern. Davon abgesehen bietet „Gone in 60 Seconds“ eine simple Geschichte, dumme Sprüche und viel plakative Action.

Neben der unverkennbaren Inszenierung eines Jerry-Bruckheimer-Films, stechen vor allem die Schauspieler heraus bzw. stehen sinnbildlich für die Ära der Entstehung: Nicolas Cage und Angelina Jolie beide mit blondierten Haaren, der großartige Robert Duvall als typische Vaterfigur und ein junger Christopher Eccleston (erst kürzlich in „The Leftovers“ zu schätzen gelernt) als völlig manischer Gangster mit Ambitionen als Hobby-Schreiner. So schön das Abtauchen in die 90er/00er Jahre auch war, so haben ein paar dümmliche Klischees und verletzende Sprüche über Minderheiten (z.B. die Asiatin, die nicht Autofahren kann) auch gezeigt, dass sich Filme heute in so mancher Hinsicht auch positiv weiterentwickelt haben. Da darf man sich auch von Nostalgie nicht blenden lassen.

Fazit

Nein, ein außergewöhnlich guter Film ist „Nur noch 60 Sekunden“ nicht. Aber ein sehr unterhaltsamer. Selbst für mich, der Autos rein als notwendiges Fortbewegungsmittel sieht. Wenn ihr auch ein Faible für das Action-Kino des frühen Jahrtausends habt, dann könnt ihr durchaus Spaß mit diesem Kracher haben. Für mich war das heute genau der richtige Film: 7/10 Punkte.

21 Gedanken zu “Nur noch 60 Sekunden – OT: Gone in 60 Seconds (2000)

  1. Der Streifen hat neben Eccleston generell ein interessantes Star-Aufgebot vor dem Durchbruch im Gepäck. Giovanni Ribisi war immerhin in dem Grauen namens AVATAR groß vertreten und hat seine eigene Amazonserie.
    Scott Caan spielt seit gefühlt 42 Jahren die Hauptrolle in HAWAII 5-0.
    Timothy Olyphant Gegenspieler von John McClane und Hauptrolle in der großartigen Serie JUSTIFIED (und jetzt der nicht großartigen Serie SANTA CLARITA DIET)
    Vinnie Jones, Michael Pena und Chi McBride sind auch keine Unbekannten und haben immer gut zu tun.
    Finde es immer spannend, in älteren Filmen Leute zu entdecken, die man heute quasi nicht mehr wegdenken kann. In dem Zusammenhang auch interessant, wohin es Nicolas Cage verschlagen hat. Hätte zu der Zeit wohl auch niemand gedacht.

    Was die Klischees und Sprüche angeht, würde ich aber eher sagen, dass sich die Gesellschaft weiterentwickelt und so eben die Filmlandschaft mit. Mich stört sowas aber nicht im Geringsten. Sind eben Zeichen der Zeit. Lustig ist aber natürlich meist anders.

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    • Ja, da waren noch etliche bekannte Gesichter mehr dabei. Stimmt! Bei Giovanni Ribisi darf man natürlich auch nicht seinen Durchbruch bei „Friends“ als Phoebes Bruder ein paar Jahre zuvor vergessen. Ha und danke für Michael Peña! Bei dem hatte ich mich noch gefragt, woher ich das Gesicht kenne. Rätsel gelöst… 😀

      Du hast vollkommen recht: Die Gesellschaft hat sich (hoffentlich) entsprechend weiterentwickelt. Fällt mir schon störend auf, kann ich aber ganz gut als Element der Entstehungszeit einordnen. Lustig war es auch damals schon nicht. Gut, dass wir heute weiter sind… 🙂

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      • Eben. Solche Witze waren schon immer unlustig, aber sie gehören halt zu der Zeit dazu und Geschichten sind ja in dem Sinne auch immer ein Stück weit historisches Zeitdokument. Und es gibt ja immer was, dass aus heutiger Sicht veraltet wirkt. Man schaue sich mal die meisten Frauenrollen in den 50er/60er Filmen an. Es geht eben immer irgendwie voran und die Entwicklung ist eher schleichend. Aber sowas zeigt dann wieder, dass es doch nicht so lange her ist, dass alles noch beschissener war.

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      • Das beschreibt es ziemlich treffend. Und dadurch fallen auch Filme positiver auf, die ihrer Zeit damals schon voraus waren. Deshalb ist es auch wichtig, zumindest ab und zu auch ältere Filme zu sehen, da gerade die Entwicklung das Spannende ist.

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      • Tritts du bei mir ja ohnehin offene Türen ein. Ich bevorzuge ja ohnehin ältere Filme. Unter anderem, weil ich es auch von einem technischen Standpunkt sehr spannend finde, wie Dinge damals gemacht wurden, als man noch nicht einfach alles aus den Computern auf die Leinwand rotzen konnte.
        Und eben auch, um den Zeitgeist besser zu verstehen. Und umso interessanter ist es dann natürlich, wenn bestimmte Filme mit den damaligen Gepflogenheiten auf die ein oder andere Weise brechen.

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      • Gerade was das angeht, hat es mich extrem überrascht, wie angenehm altmodisch dieser Film heute wirkt. Hätte ich nicht erwartet, da für mich 2000 immer noch sehr aktuell ist (was es natürlich nicht ist). Ist das dieses „Alter“ von dem man so viel hört? 🤔😁

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      • Mich wundert das gerade bei Filmen um die Jahrtausendwende rum auch hin und wieder. Liegt aber vermutlich an den Gegenbeispielen, die damals dann schon mit grottenschlechtem CGI zugekleistert waren. Da hatte sich das glücklicherweise nur noch nicht so etabliert. Schöne Zeiten waren es.

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      • Ja, das kann gut sein. Dennoch kamen mir die Filme damals unfassbar modern und schnell geschnitten und ganz anders vor, als die der 80er oder frühen 90er. Da finde ich es echt spannend, wie sich die Wahrnehmung ändert.

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  2. Oh Gott… dieser Film ist für mich schon soooo lange her. Muss ich mir aber auch mal wieder unbedingt angucken.

    Und ich verstehe, was du mit dem Look meinst. Das ist heute wirklich irgendwie anders geworden.

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