Nur noch 60 Sekunden – OT: Gone in 60 Seconds (2000)

Zurzeit häufen sich die beruflichen und privaten Termine. Am Wochenende bedeutet das nun vermehrt liegengebliebene Hausarbeit nachzuholen. Auch davon abgesehen war heute ein nur wenig erfreulicher Tag, so dass der Film am Abend eine willkommene Ablenkung war: Die Wahl ist auf „Nur noch 60 Sekunden“ gefallen. Eine der wenigen Jerry-Bruckheimer-Produktionen der späten 1990er bzw. frühen 2000er Jahre, die ich bisher noch nicht kannte…

Nur noch 60 Sekunden (2000) | © Touchstone

Nur noch 60 Sekunden (2000) | © Touchstone

Vor knapp 20 Jahren war das Kino noch anders

Je häufiger ich Filme aus dieser Ära sehe, desto mehr muss ich zugeben, dass ich ihre Ästhetik sehr mag. Egal ob „Crimson Tide“, „Con Air“ oder „Staatsfeind Nr. 1“ – die Filme wirken zwar unglaublich bombastisch inszeniert, doch zugleich auf fast schon altmodische Art und Weise handgemacht. Diese Wahrnehmung hat sich bei mir aber auch erst in den letzten Jahren des CGI-Overkills ergeben, denn zur Entstehungszeit waren sie mir fast zu schnell geschnitten und zu treibend erzählt. Aus heutiger Sicht ist die Charaktereinführung extrem langsam (und klischeehaft), die Action übersichtlich und die Effekte herrlich analog. So kann sich der subjektive Eindruck ändern. Davon abgesehen bietet „Gone in 60 Seconds“ eine simple Geschichte, dumme Sprüche und viel plakative Action.

Neben der unverkennbaren Inszenierung eines Jerry-Bruckheimer-Films, stechen vor allem die Schauspieler heraus bzw. stehen sinnbildlich für die Ära der Entstehung: Nicolas Cage und Angelina Jolie beide mit blondierten Haaren, der großartige Robert Duvall als typische Vaterfigur und ein junger Christopher Eccleston (erst kürzlich in „The Leftovers“ zu schätzen gelernt) als völlig manischer Gangster mit Ambitionen als Hobby-Schreiner. So schön das Abtauchen in die 90er/00er Jahre auch war, so haben ein paar dümmliche Klischees und verletzende Sprüche über Minderheiten (z.B. die Asiatin, die nicht Autofahren kann) auch gezeigt, dass sich Filme heute in so mancher Hinsicht auch positiv weiterentwickelt haben. Da darf man sich auch von Nostalgie nicht blenden lassen.

Fazit

Nein, ein außergewöhnlich guter Film ist „Nur noch 60 Sekunden“ nicht. Aber ein sehr unterhaltsamer. Selbst für mich, der Autos rein als notwendiges Fortbewegungsmittel sieht. Wenn ihr auch ein Faible für das Action-Kino des frühen Jahrtausends habt, dann könnt ihr durchaus Spaß mit diesem Kracher haben. Für mich war das heute genau der richtige Film: 7/10 Punkte.

Chicken Run: Hennen rennen (2000)

Frau bullion ist einmal wieder strawanzen und somit war der Filmabend mit den Kindern vorprogrammiert. Nur leider konnten sich die beiden nicht auf einen Film einigen. Das Duell zwischen „Ich: Einfach unverbesserlich 3“ (Zappelinchen) und „Asterix in Amerika“ (Zwergofant) wurde nach hartem Kampf letztendlich von mir entschieden: Mit „Chicken Run: Hennen rennen“ landete einer meiner Favoriten im Blu-ray-Player. So einfach. Wie diese Entscheidung bei den Kindern ankam, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Chicken Run: Hennen rennen (2000) | © STUDIOCANAL

Chicken Run: Hennen rennen (2000) | © STUDIOCANAL

„The Chicken Redemption“ oder „Chicken Break“?

Ich weiß noch als wäre es gestern gewesen: Es war die Zeit nach dem Abi. Ich war knackige 19 und hatte viel Zeit. Wilde Saufgelage, Partys und Frauen. Nicht. Natürlich ging es ins Kino. Die Sneak Preview gegen Mitternacht war ein fester Bestandteil meiner Woche. Wir setzten damals alle Hoffnung in „Pitch Black: Planet der Finsternis“ und bekamen stattdessen „Chicken Run: Hennen rennen“ vorgesetzt. Nach der ersten Enttäuschung und abfälligen Äußerungen, für die ich mich heute schäme, über diesen Kinderfilm wurden wir schnell eines Besseren belehrt. Dieses Stop-Motion-Abenteuer war ja unglaublich unterhaltsam! Unzählige Referenzen auf Gefängnisfilme, Doppeldeutigkeiten und eine enorme Detailverliebtheit. Wahnsinn! Ein paar Wochen später lief dann tatsächlich das heiß ersehnte Vin-Diesel-Spektakel, doch welcher Film mich letztendlich besser unterhalten hat, ist überhaupt keine Frage. Definitiv eine meiner denkwürdigsten Sneak-Preview-Vorstellungen.

Doch wie hat „Chicken Run“ nun meinen Kindern gefallen? Tatsächlich waren diese anfangs ein wenig skeptisch. Die Atmosphäre und Bilder sind teils durchaus düster und drastisch, was gerade dem Zwergofanten zu schaffen machte. Die Fluchtversuche der Hennen und die absurden Action-Szenen haben beide Kids jedoch sofort wieder für den Film eingenommen. Obwohl das Setting dem von „Shaun das Schaf“ ähnelt, ist diese Aardman-Produktion doch weit erwachsener und filmischer erzählt. Nicht nur deshalb wohl mein Lieblingsfilm des Animationsstudios, obwohl ich auch „Wallace & Gromit“ mehr als gelungen finde. Der Humor, die Referenzen, die Charaktere und ja, selbst die Liebesgeschichte passen hier einfach wie die Faust aufs Auge (der Bäuerin). Ein waschechter Gefängnisfilm. Nur eben mit Hühnern.

Fazit

Das enthusiastische Lachen der Kinder während des großen Finales sagt eigentlich alles: „Chicken Run: Hennen rennen“ ist ein zeitloser Film für alle Generationen. Habe ich schon den wunderbaren Score erwähnt? Und die liebevolle Ausstattung? Ein Film voller Details, die alle wertgeschätzt werden wollen. Deshalb gibt es von mir auch eine dicke Empfehlung: 9/10 Punkte.

Ein Königreich für ein Lama – OT: The Emperor’s New Groove (2000)

Die kurze Arbeitswoche nach Ostern ist wie im Fluge vergangen. Meine Familie war mit Feriendingen beschäftigt und ich habe das Wochenende herbeigesehnt. Zum Abschluss der Osterferien habe ich einen Familien-Filmabend einberufen, bei dem die Wahl auf „Ein Königreich für ein Lama“ gefallen ist. Einen unterschätzen Disney-Film, den ich sogar im Kino gesehen habe…

Ein Königreich für ein Lama (2000) | © Walt Disney

Ein Königreich für ein Lama (2000) | © Walt Disney

Eine Buddy-Slapstick-Comedy in Perfektion

Als „Ein Königreich für ein Lama“ damals im Kino lief, ging meine Zivildienstzeit gerade zu Ende. In der Feriengruppe unseres Behindertenwohnheims hatte ich damals einen netten Jungen betreut, dem ich zusammen mit einer Kollegin einen Kinobesuch zum Geburtstag geschenkt habe. So kam es, dass ich diesen Disney-Film im Kino sah. Heute kann ich mich mehr an die Begleitumstände (wie umständlich doch Bahn fahren mit Rollstuhl war) erinnern, als an den Film selbst. Ich weiß nur noch, dass wir eine gute Zeit hatten und ich den Humor für Disney sehr erfrischend fand. Etliche Jahre später habe ich den Film noch einmal auf DVD nachgeholt, doch „The Emperor’s New Groove“ hat nie zu den Disney-Klassikern gehört, die einen besonders großen Stellenwert bei mir hatten. Mit „Atlantis“ und „Der Schatzplanet“ wurden kurz danach auch die vorerst letzten klassisch animierten Filme des Studios veröffentlicht, die ich überhaupt noch gesehen habe.

Heute fällt „Ein Königreich für ein Lama“ schon alleine durch seinen ungewöhnlichen Look auf: teils sehr artifiziell und überstilisiert, knallbunt und seltsam kantig. Irgendwie frisch und ungewöhnlich. Auch der Humor samt Brechen der vierten Wand wirkt nicht wie typisch Disney. Das Tempo ist extrem hoch und eine Slapstick-Szene jagt die nächste. Man muss schon wirklich am Ball bleiben, um alles mitzubekommen. Da fällt es auch nicht wirklich ins Gewicht, dass die Geschichte überaus simpel ist. Die ohnehin schon knappen 75 Minuten vergehen wie im Flug. Sowohl meine Kinder als auch ich haben viel gelacht und waren sehr begeistert von diesem seltsamen Lama und seinen Abenteuern.

Fazit

Wenn man von Disney-Klassikern liest, dann wird „Ein Königreich für ein Lama“ meist leider vergessen. Dabei ist es ein wundervoll temporeicher und extrem witziger Film, der wie im Rausch an einem vorbeizieht. Es fehlen die klassischen Songs und der Disney-Kitsch, doch Humor und Stil sind große Klasse! Von mir gibt es dafür eine dicke Empfehlung: 9/10 Punkte.

The 6th Day (2000)

Vermutlich hätte ich nach dem heutigen Tag einfach gleich nach dem Abendessen ins Bett gehen sollen. Die anstrengende 6-Tage-Woche in Kombination mit einer hartnäckigen Erkältung fordert so langsam ihren Tribut. Dennoch habe ich mit „The 6th Day“ einen Film aus dem Regal gezogen, der mir zumindest die richtige Art der Unterhaltung zu bieten schien. Das letzte Mal habe ich ihn vor ca. 12 Jahren gesehen und wurde damals gut unterhalten. Komplett wach geblieben bin ich über die gesamte Laufzeit dieses Mal zwar nicht, doch kann ich das kaum dem Film ankreiden…

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Gedreht im Jahr 2000 wirkt „The 6th Day“ unglaublich stark wie ein Relikt der späten 90er Jahre. Schon alleine das Thema menschliche Klone hätte in dieser Form zu keinem anderen Zeitpunkt so umgesetzt werden können. Hinzu kommt ein Blick in die nahe Zukunft, die mit selbstfahrenden Autos und Internet-of-Things-Konzepten gar nicht so weit von der Realität entfernt scheint. Andere Annahmen dagegen, wie Sex-Hologramme oder die Entwicklung der Mode, verankern den Film eindeutig im Jahr seiner Entstehung. Dies gilt auch für die eingesetzten visuellen Effekte, die speziell was die grafischen Benutzeroberflächen angeht, unglaublich altbacken wirken. Da merkt man erst einmal, was sich seitdem auf diesem Gebiet getan hat.

Die zentrale Geschichte um einen Piloten, der erfahren muss, dass er geklont wurde und sich gegen einen mächtigen Konzern zur Wehr setzen muss, erinnert nicht von ungefähr an „Total Recall“ aus dem Jahr 1990. Selbst ein Teil des Konzerns nennt sich RePet und man erlebt erneut Arnold Schwarzenegger in einer Doppelrolle – dieses Mal sogar zeitgleich in mehreren Szenen. Aufgrund seiner Prämisse hätte „The 6th Day“ auch ein knallharter Sci-Fi-Thiller sein können, letztendlich ist es aber ein typischer Arnie-Film mit übertriebener Action, einfältigen Gegnern und strategisch geschickt platzierten Onelinern. Ein Unterhaltungsvehikel, das im Gegensatz zu Paul Verhoevens Vorbild aber auf einen jugendfreundlichen Gewaltlevel setzt.

Tatsächlich ist mir „The 6th Day“ wohl sympathischer, als es der Film eigentlich sein dürfte. Die Geschichte ist, von seiner spannenden Prämisse einmal abgesehen, äußerst vorhersehbar und bietet Action, wie man sie schon dutzendfach gesehen hat. Ich mag den doppelten Arnie speziell in seiner Verwirrungsphase und die Buddy-Movie-Anleihen in seinen Szenen mit Michael Rapaport („The War at Home“). Wenn ich nicht so unglaublich müde gewesen wäre, hätte ich vermutlich sogar noch mehr Spaß mit dem Film gehabt, so bleibt es jedoch bei einer Grundsympathie: 6/10 Punkte.

Farscape – Season 2

Nach der zweiten Sichtung der ersten Staffel hatte ich mich sehr darauf gefreut mit „Farscape – Season 2“ endlich auf weitere interstellare Abenteuer gehen zu können. Leider jedoch bin ich mit der Serie nicht so schnell vorangekommen, wie ich mir das gewünscht hätte – über ein Jahr habe ich für die Sichtung benötigt, was größtenteils daran liegt, dass ich die Serie alleine verfolge. Daran kann man gut erkennen, wie wenig Zeit ich tatsächlich alleine vor dem TV verbringe. Doch auch Serien machen zu zweit einfach mehr Spaß!

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In einigen Besprechungen hatte ich gelesen, dass „Farscape“ erst mit der zweiten Staffel zur Höchstform aufläuft. Insofern waren meine Erwartungen ziemlich hoch, was wohl der Grund dafür ist, warum ich nun ein wenig enttäuscht bin. Besonders die erste Hälfte der Staffel tritt ein wenig auf der Stelle und präsentiert Einzelepisoden, die teils zwar mit netten Ideen aufwarten, sich aber doch ziemlich ziehen. Hier merkt man wieder einmal, dass 22 Episoden vielleicht nicht das beste Format für Dramaserien sind und sich die Handlung oft in Nebensächlichkeiten verliert – besonders wenn die die Laufzeit der einzelnen Episoden mit ca. 46 Minuten auch noch großzügig bemessen ist. In der zweiten Hälfte verdichten sich jedoch die größeren Handlungsstränge, was auch den Charakteren zugute kommt.

„Farscape“ ist ein Hybrid zwischen immer gleich aufgebauten Einzelfolgen, wie man es hauptsächlich noch aus den 80er und 90er Jahren kennt, sowie einem großen Handlungsstrang, der sich über mehrere Episoden erstreckt. Die übergreifende Geschichte wird hier in mehreren Dreiteilern erzählt, die meist einen zentralen Schauplatz aufweisen und sich um die Verfolgung John Crichtons durch Scorpius drehen. Diese sind dann auch eindeutig die stärksten Elemente, wenngleich es durchaus auch ein paar sehr gelungene Einzelepisoden gibt. Aufgrund seiner episodenhaften Struktur wirkt „Farscape“ inzwischen ein wenig angestaubt und ich hätte mir insgesamt einen größeren Fokus auf die übergreifende Handlung gewünscht.

Alles in allem ist auch die zweite Staffel gute und außergewöhnliche Sci-Fi-Unterhaltung. Inzwischen befürchte ich jedoch, dass „Farscape“ nie zu meinen Lieblingsserien gehören wird, denn dazu ist ihr qualitativer Aufbau zu heterogen. Dennoch freue ich mich auf die noch kommenden zwei Staffeln und das Finale „The Peacekeeper Wars“ – mal sehen, ob mich die dritte Staffel mehr für sich vereinnahmen kann: 8/10 (7.5) Punkte.

Almost Famous – Extended Version (2000)

Es gibt als Filmfreund Zeiten, da schaut man Filme, die einen zwar gut unterhalten, die man nett findet, doch die einen nicht wirklich mitreißen. Manchmal geht das wochenlang so. Dann gibt es jedoch wieder diese Filme, die einem die Tränen in die Augen treiben. Einfach weil sie so schön sind. Zu diesen seltenen Werken gehört Cameron Crowes „Almost Famous“ – ein Film, der von unzähligen Kleinigkeiten lebt, der eine sehr persönliche Geschichte erzählt, und dabei dennoch epischer wirkt, als so mancher Historienstreifen. Ein Film, der mich daran erinnert, warum ich Filme liebe.

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Entdeckt habe ich „Almost Famous“ bereits vor etlichen Jahren. Zwar nicht mehr im Kino, aber die DVD ist öfter in den Player gewandert; bereits damals in der verlängerten Fassung, die auch als Untitled Version oder The Bootleg Cut bekannt ist. Ich kann mir auch gar keine andere Fassung mehr vorstellen und möchte keine der 161 Minuten missen. Man begibt sich mit William Miller (vom jungen Patrick Fugit großartig gespielt) auf eine Reise, die absolut bestimmend für sein Leben sein wird. So wie sie es auch für Cameron Crowe („Wir kaufen einen Zoo“) selbst war, der in dem Drehbuch seine eigenen Erfahrungen als junger Musikjournalist verarbeitet hat. Eine mehr als bedeutsame Reise, die jedoch so wunderbar leicht erzählt wird, dass es eine wahre Freude ist.

„Almost Famous“ ist ein waschechter Musikfilm. Sex, Drugs and Rock’n’Roll? Konzentrieren sich andere Filme dieses Genres häufig auf die beiden erstgenannten Aspekte, so wird hier eindeutig der Rock’n’Roll-Teil in den Mittelpunkt gestellt. Mit allem, was dazu gehört. Wir erleben diese verführerische Welt durch die Augen eines 15-jährigen Musikjournalisten/Fans, der das bunte Treiben so herrlich unverbraucht aufsaugt, dass man als Zuschauer nur staunen kann. Glücklicherweise wird sein Charater nicht naiv dargestellt; Crowes Alter Ego weiß was er will und meist auch wie er es erreichen kann. Er bleibt sich selbst treu und gewinnt dabei nicht nur die Herzen der schillernden Charaktere der fiktiven Band STILLWATER (u.a. Billy Crudup und Jason Lee).

Es gab mehrere Stellen im Film, in denen ich tatsächlich feuchte Augen hatte. Nicht weil er so traurig gewesen wäre, sondern weil manche Szenen (z.B. die TINY DANCER-Montage) so unglaublich mitreißend inszeniert oder manche Dialoge (nahezu alle Szenen zwischen Philip Seymor Hoffman und Patrick Fugit) so unglaublich auf den Punkt geschrieben sind. In „Almost Famous“ drückt uns Cameron Crowe auch keine schon unzählige Male gesehene Liebesgeschichte auf, sondern weckt durch Kate Hudsons Figur, die beinahe schon mystische Penny Lane, alle nur erdenklichen Bedürfnisse, was sie letztendlich tatsächlich zur wahren Muse macht – und jegliche körperliche Liebe der Liebe zur Musik unterordnet.

Auch wenn „Almost Famous“ in seiner erweiterten Schnittfassung eine recht stattliche Länge aufweist, so ist er zu keiner Sekunde langweilig. Neben den oben genannten Schauspielern erleben wir noch Frances McDormand und Zooey Deschanel („New Girl“) in bedeutenderen Rollen; ohnehin ist der Film unglaublich gut besetzt, was – trotz der teils märchenhaften Atmosphäre – zum Realismus der darsgestellten Welt beiträgt. Ich könnte nun noch ewig weiterschreiben, doch wenn ihr bis hier gelesen habt, auch nur ein wenig mit Gitarrenmusik anfangen könnt und Coming-of-Age nicht abgeneigt seid, dann schaut diesen Film: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

That ’70s Show – Season 3

Wie bereits angekündigt, habe ich „That ’70s Show – Season 3“ wieder deutlich schneller verschlungen, als die vorangegangene Staffel. Die Qualität hat sich nicht plötzlich (noch mehr) gesteigert, es liegt eher am zurzeit kürzeren Fernsehabend – 20 Minuten-Shows lassen sich eben eher unterbringen als ihre 40 Minuten-Pendants. Davon einmal abgesehen könnte ich die Serie sowieso nahezu am Stück schauen, doch lest selbst…

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Zu Beginn des dritten Jahres in Point Place werden die Ereignisse des Finales der zweiten Staffel aufgegriffen und Red darf hart durchgreifen, was er gut kann und ihm zudem große Freude bereitet. Hydes heldenhafte Tat soll für ihn auch nicht ohne Folgen bleiben und so wirft sich ihm die gerettete Jackie sprichwörtlich an den Hals. Neben diesem amüsanten Handlungsstrang wird Hyde auch mit seiner Vergangenheit konfrontiert, indem sein Vater wieder in sein Leben tritt. Allein anhand der Figur des Steven Hyde zeigt die Serie erneut, wie zielsicher sie zwischen Komödie und Drama (natürlich alles im Rahmen einer Sitcom) wandelt.

Fantastisch fand ich die diesjährige Halloween-Episode, in der nahezu jeder größere Film Alfred Hitchcocks zelebriert wird. Ein großer Spaß, besonders für Filmfreunde. Auch Musikfreunde kommen nicht zu kurz, da Donna einen Job beim örtlichen Radiosender annimmt. Dies sorgt für einige Verwicklungen und stellt insbesondere ihre Beziehung mit Eric auf die Probe – dahinter kann man jedoch klar den Konflikt mit der Wahrnehmung von Rollenbildern erkennen, was sich teils auch in den anderen Paaren (insbesondere den Eltern) widerspiegelt.

Trotz teils ernsthafter Themen, ist „Die wilden Siebziger!“ auch im dritten Jahr eine reinrassige Sitcom. Herrlich fand ich z.B. die Beziehung zwischen Fez und seiner Beinahe-Stalkerin oder die überraschende Begegnung von Vater und Sohn während eines romantischen Wochenendes. Es gibt alberne Momente, schöne Momente und – am wichtigsten – Momente, an die man sich noch aus seiner eigenen Jugend erinnern kann, ganz egal ob 70er oder 90er Jahre. Nach dem beinahe schon schwermütigen Finale freue ich mich nun sehr auf die, wenn ich mich recht erinnere, mir noch größtenteils unbekannte vierte Staffel: 9/10 (9.0) Punkte.

Vertical Limit (2000)

Nachdem der Urlaub in der bayerischen Bergwelt nun hinter mir liegt, wollte ich filmisch noch einmal in die Berge zurückkehren. Da ich „Cliffhanger“ das letzte Mal vor nicht einmal zwei Jahren gesehen habe, stand heute „Vertical Limit“ auf dem Programm. Manchmal entscheidet eben doch das Setting über die Filmwahl – und nicht Handlung und Drehbuch, wie ich es ansonsten gerne behaupte…

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„Vertical Limit“ dürfte ich das letzte Mal vor gut 10 Jahren gesehen haben. Damals in schrecklicher Qualität auf einer miesen Video-CD. An viel erinnern konnte ich mich nicht mehr, nur das schlechte Bild, tolle Landschaftsaufnahmen und viel Action. Zumindest das Bild war bei der heutigen Sichtung dank Blu-ray deutlich besser. Leider wurden dadurch auch die teils wirklich miesen Effekte hervorgehoben. Wirklich unglaublich. Besonders der Prolog wirkt wie im Hinterhof eines mäßig talentierten Filmstudenten zusammengebastelt. Glücklicherweise wird es über den Lauf des Films besser, doch insgesamt ist es Renny Harlin bereits 7 Jahre zuvor gelungen, die Berge in einem Actionfilm deutlich besser in Szene zu setzen.

Neben den Effekten haben mich besonders die erstaunlich schlechten Schauspieler aus der Handlung gerissen. Einzig Bill Paxton habe ich den arroganten Millionär abgenommen. Somit wundert es mich nicht, dass die beiden Hauptdarsteller Chris O’Donnell („Navy CIS: L.A.“) und Robin Tunney (Agent Lisbon, „The Mentalist“) ihr Dasein in mittelmäßigen Krimiserien fristen. Die Geschichte selbst entstammt dem Drehbuchbaukasten und bietet zumindest ein paar nette Ideen für aufwändige Actionszenen.

„James Bond“-Regisseur Martin Campbell („GoldenEye“ und „Casino Royale“) ist mit „Vertical Limit“ leider kein besonders guter Bergsteigerfilm gelungen. Einzig die Naturaufnahmen können wirklich überzeugen. Die Action wirkt überladen und die Handlung konstruiert. Spaß macht er dennoch größtenteils, zumindest wenn man sich auf einen reinen Actionfilm einstellt. Nächstes Mal darf Sly wieder John Lithgow bekriegen: 5/10 Punkte.

Coupling – Season 1 to 4

An meine erste Begegnung mit Steve Moffats bahnbrechender Comedy-Serie kann ich mich noch erinnern als wäre es erst gestern gewesen. Bei der deutschen Erstausstrahlung wirkte „Coupling – Season 1 to 4“ unglaublich frisch, frech und provokant – besonders im Vergleich zu anderen damals laufenden Sitcoms. Insofern war ich neugierig, wie sich die Serie heute – immerhin 10 Jahre nach der ersten Sichtung – so schlägt…

Mir war die Serie besonders durch ihre anzüglichen Witze in Erinnerung, die damals ein absolutes Novum darstellten. Heute dagegen ist man durch Serien wie „Californication“ o.ä. ganz andere Kaliber gewöhnt, doch überzeugt „Coupling“ auch heute noch durch den besonderen Wortwitz und die innovative Erzählstruktur. Ich gehe sogar soweit und behaupte, dass es Serien wie „How I Met Your Mother“ ohne die BBC-Produktion nicht in der Form gegeben hätte, wie wir sie heute kennen: Splitscreen, unzuverlässige Erzähler, unterschiedliche Erzählperspektiven usw. All dies kombiniert Moffat leichter Hand mit wunderbar geschriebener Beziehungs-Comedy und grandiosen Figuren. So dürften Jeff und Patrick wohl auch einen Serienfreunden nicht unbekannten Barney Stinson inspiriert haben…

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Reindeer Games – Director’s Cut (2000)

Es ist kurz vor dem zweiten Advent. Allerhöchste Zeit also, sich auch filmisch auf die Feiertage einzustimmen. Den Anfang macht John Frankenheimers „Reindeer Games“ im Director’s Cut, der inzwischen seit beinahe 10 Jahren zu meinem vorweihnachtlichen Filmprogramm gehört – auch wenn die letzte Sichtung bereits einige Zeit zurück liegt.

„Reindeer Games“ ist einer jener Filme, über die man kaum ein gutes Wort liest. Wenige Kinofreunde kennen den weihnachtlichen Actionthriller und noch weniger mögen ihn. Ich dagegen war bereits bei der ersten Sichtung äußerst angetan von der Atmosphäre des Films. Ähnlich wie Renny Harlins „The Long Kiss Goodnight“ bietet der Film trotz seiner actionlastigen Handlung eine seltsam weihnachtliche bzw. winterliche Stimmung, welche die Geschichte auf ganz besondere Art und Weise unterstützt.

Der Film erzählt eine relativ typische Räuberpistole, die sich allerdings sehr viel Zeit für ihre Charaktere und deren Einführung nimmt. „Reindeer Games“ ist im besten Sinne altmodisch erzählt, was auch auf seine Inszenierung zutrifft. Im Gegensatz zu hysterisch geschnittenen Gangstervehikeln, wie „3000 Miles to Graceland“ oder „Smokin‘ Aces“, bleibt Frankenheimer seinen Wurzeln treu und beglückt uns mit klassischen Verfolgungsjagden und stimmungsvollen Wortgefechten.

Natürlich ist der Film alles andere als perfekt – so ist die letzte Wendung dann doch sehr an den Haaren herbei gezogen und über Ben Affleck kann man bestimmt auch streiten – doch warum John Frankenheimers letzter Kinofilm überall so abgewatscht wird, mag sich mir beim besten Willen nicht erschließen: Gary Sinise gibt einen wunderbaren Psychopathen, Danny Trejo darf über das marktwirtschaftliche Bedeutung von Weihnachten schwadronieren und Ben Affleck wird von Dartpfeilen durchbohrt – das kann doch gar kein schlechter Film sein!

Für mich wird „Reindeer Games“ immer zu den kleinen, missverstandenen Filmen gehören, die einen ganz besonderen Platz in meinem Filmherzen gefunden haben. Auch bei der inzwischen bestimmt vierten Sichtung hatte ich immer noch enorm viel Spaß mit little drummer boy und seinen mörderischen Weihnachtsmännern: 8/10 Punkte.