Der Staatsfeind Nr. 1 – OT: Enemy of the State (1998)

An manchem Filmen sieht man erschreckend deutlich, wie schnell doch die Zeit vergeht. Tony Scotts „Staatsfeind Nr. 1“ aus dem Jahr 1998 gehört unzweifelhaft zu dieser Art von Film. Dabei erinnere ich mich noch, als wäre es gestern gewesen, dass ich vor inzwischen über 15 Jahren aus dem Kino kam und mich ob der Bilderflut ein wenig überfordert fühlte. Überhaupt war mir die ganze Inszenierung zu modern und das Drehbuch zu übertrieben. Wie sieht es 2014 aus?

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Das Actionkino der späten 90er Jahre stand ganz im Zeichen von Jerry Bruckheimer. Auch in „Enemy of the State“ ist deutlich sein Einfluss spürbar, wenngleich auch die Handschrift Tony Scotts zu erkennen ist. Was mir damals noch zu modern und schnell geschnitten vorkam, wirkt heute eher zeitgemäß. Einzig an der verwendeten Technik – Computer, Mobiltelefone, Speichermedien – lassen sich die vergangenen 15 Jahre nur allzu deutlich ablesen. Und inhaltlich, ja inhaltlich hat die schöne neue Welt den Film wohl überholt:

The government’s been in bed with the entire telecommunications industry since the forties. They’ve infected everything. They get into your bank statements, computer files, email, listen to your phone calls… Every wire, every airwave. The more technology used, the easier it is for them to keep tabs on you. It’s a brave new world out there. At least it’d better be. (Gene Hackman als Brill)

Aus heutiger Sicht wirkt der Inhalt des Films somit weniger paranoid und auch nachvollziehbarer. Natürlich bleibt „Staatsfeind Nr. 1“ auch weiterhin ein recht glatt gebügelter Actionthriller, doch besitzt er weit mehr Substanz und Inhalt als so manch moderner Film des Genres. Die Schauspieler machen ihre Sache gut (Will Smith) bis sehr gut (Gene Hackman) und es ist erfreutlich zu sehen, dass selbst kleinste Nebenrollen mit bekannten Gesichtern (u.a. Jason Lee, Jack Black, Anna Gunn, Seth Green) besetzt sind.

Erstaunlicherweise hat mir „Enemy of the State“ heute deutlich besser gefallen, als noch damals vor 15 Jahren. Das Actionkino der 80er und 90er Jahre ist eben durch nichts zu ersetzen und wirkt aus heutiger Sicht angenehm klassisch. Zwei wirklich äußerst unterhaltsame Stunden – danke Tony Scott: 8/10 Punkte.

16 Gedanken zu “Der Staatsfeind Nr. 1 – OT: Enemy of the State (1998)

  1. Ich muss den Film unbedingt noch einmal sehen – hatte ihn immer nur teilweise gesehen, wenn er mal wieder im Fernsehen lief. Danke für’s dran Erinnern, der scheint ja selbst heute noch beeindruckend zu sein 🙂

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    • Ja, den kannst du dir ruhig noch einmal anschauen. Funktioniert auch heute noch tadellos, wenngleich du ja doch ein paar Jahre jünger bist – also wunder dich nicht über die klobigen Mobiltelefone und Bildschirme… 😉

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      • Die klobigen Mobiltelefone und dicken Bildschirme kenne ich sogar noch 😀 Und ich muss zugeben, dass selbst ich mich manchmal alt fühle, wenn ich mitbekomme, dass es jetzt schon Kinder gibt, die weder Walkmans noch VHS-Kassetten kennen….

        Aber werde ich mal auf meine Liste setzen, die unaufhörlich größer wird 😉

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      • Auch dass sich die kommenden Generationen kein Leben mehr ohne Internet oder mobiler Internetnutzung vorstellen können, ist unglaublich. Auch für uns ist es inzwischen ganz normal, dass ich aus der Arbeit mal schnell ein Video an meine Kids schicke oder eines von ihnen bekomme, sich die gesamte Kommunikation verändert hat usw. Wenn ich dagegen an meine Jugend denke… 😉

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  2. Schöne Review, hab den Film tatsächlich noch nie gesehen. Allerdings deswegen, weil mir selbst als kleiner Bub das moderne Actionkino schon derbe auf den Sack ging, was sich bis heute gehalten hat. Vielleicht kann mich der hier ja eines besseren belehren 🙂

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  3. Der primäre Grund den Film zu schauen, wäre wegen seiner Cast-Flut (Barry Pepper! Gabriel Byrne! Lisa Bonet!), die einzigen Szenen, die ich dagegen noch im Kopf hab, sind Jason Lee’s Tod und der Mexican Stand-off (den ich etwas deplatziert als Auflösung fand). So ad hoc würde ich den Film daher in den 6-7er Bereich einordnen 🙂

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    • Ja, die von dir erwähnten Cast-Mitglieder waren natürlich auch eine Freude. Der Mexican Stand-off war eben auch typisch für die Zeit und Scott hatte ihn ja bereits in „True Romance“ erfolgreicher eingesetzt. Deine Wertung überrascht mich auch so gar nicht… 🙂

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  4. Ja, man könnt glatt meinen, dass der Film seiner Zeit deutlich voraus war. Damals konnte man die Geschichte noch als reichlich fiktiv in die Ecke stellen, doch hat sich ziemlich viel bewahrheitet.
    Den Film habe ich tatsächlich schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen, fand ihn damals aber auch ziemlich spannend gemacht. Die Auflösung am Ende fand ich allerdings auch ziemlich konstruiert.. Aber eine 8/10 würde mich durchaus noch einmal dazu animieren die Erinnerungen aufzufrischen. 😉

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    • Ich hatte bei der Sichtung auch das Gefühl, dass der Film seiner Zeit damals voraus war. Dies in Kombination mit der typischen 90er Jahre Bruckheimer-Action ist schon ein interessanter – und wahrlich unterhaltsames – Erlebnis! Die Auflösung ist im Blockbuster-Sinne tatsächlich ziemlich konstruiert, aber das gehört auch irgendwie dazu. Für mich somit zwar kein großer Klassiker, doch ein Film, den man sich auch heute noch wirklich gut anschauen kann.

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