Radio Rock Revolution – OT: The Boat That Rocked

Da uns das Wetter – ich weiß nicht zum bereits wievielten Mal – den Biergartenbesuch verhagelt hat, haben wir uns spontan für einen Kinobesuch entschieden. Zu sehen gab es Richard Curtis‘ „Radio Rock Revolution“ in der Originalfassung. Da ich zuvor nur sehr wenig von dem Film wusste, war die positive Überraschung letztendlich umso größer. Selten hatte ich soviel ausgelassenen Spaß im Kino.

radio_rock_revolution_1

Eine stringente Geschichte sucht man in „The Boat That Rocked“ vergeblich. Ab und an blitzt so etwas wie eine Rahmenhandlung auf, doch das sind dann auch die schwächsten Momente des Films. Es geht hier auch gar nicht darum etwas zu erählen. Es geht um Musik und das damit verbundene Lebensgefühl in den späten 60er Jahren. Dabei legt Richard Curtis weniger Wert darauf ein stimmiges Zeitportrait zu schaffen, als die reinen Emotionen zu transportieren. Dies gelingt ihm hervorragend. Die Figuren sind allesamt einen Tick zu übertrieben gezeichnet, als dass man sie in der Realität verankert vermuten würde. Es sind überlebensgroße Klischees und dadurch funktioniert der Film. Es geht um Musik, Lebensfreude und ganz viel albernen Spaß. Herrlich!

Neben der gekonnten Regie überzeugen vor allem die Schauspieler. Curtis ist es wahrlich gelungen einen Traumensemble zu versammeln: Nick Frost („Spaced“) ist göttlich, wenn er versucht sein Wissen um die holde Weiblichkeit weiterzugeben. Bill Nighy („Shaun of the Dead“) spielt den Chef des schwimmenden Piratensenders dermaßen lässig, dass man am liebsten selbst anheuern würde. Chris O’Dowds („The IT Crowd“) Portrait eines gehörnten Jungvermählten ist so herzzerreißend, dass es einem vor Lachen die Tränen in die Augen treibt. Das Duell der zwei Radio-Ikonen spielenden Philip Seymour Hoffman und Rhys Ifans besitzt zudem mehr Coolness, als die gesamte „Matrix“-Trilogie.

Leider schwächelt der Film immer etwas, wenn versucht wird eine Handlung zu etablieren. So spielen Kenneth Branagh und Jack Davenport die piratenbekämpfenden Staatskörper zwar durchaus mit Humor, doch wirken diese Szenen stets etwas wie Fremdkörper. Auch das teils zu dramatisch inszenierte Ende lässt etwas die lockere Ausgelassenheit vermissen, wenngleich es glücklicherweise mit dem nötigen Humor aufgeheitert wird. Allein die FATHER AND SON-Szene ist ein Musterbeispiel an gekonnter Musikauswahl und herzerfrischendem Humor.

Für Freunde von rockiger Popmusik und britischen Filmen bzw. Serien ist „Radio Rock Revolution“ eine kleine Offenbarung. Der Film macht unglaublich viel Spaß. Zwar hätte ihm eine Straffung nicht geschadet, doch sind die Schwächen insgesamt vernachlässigbar. Wer sich einfach einmal wieder gut unterhalten lassen will, sollte sich auf jedem Fall auf dem rockenden Boot anheuern: 8/10 Punkte.

13 Gedanken zu “Radio Rock Revolution – OT: The Boat That Rocked

  1. Oh, im Original gesehen, du Glückspilz! Im deutschen sind die Stimmen teilweise grässlich, z.B. hat Chris O’Dowd eine Piepsstimme!

    Und dass Shaun of the Dead Bill Nighys definierender Film war, finde ich sehr erstaunlich!

    Gefällt mir

  2. Ja, ein Fremdsprachenkino in der Nähe zu haben ist wirklich eine schöne Sache. Zwar mit Abstrichen in Bild- und Tonqualität, aber manchmal muss man eben Prioritäten setzen… 😉

    Ich fand Nighy in „Shaun of the Dead“ einfach wunderbar. Die restlichen Filme mit ihm, die ich kenne („Fluch der Karibik“, „Per Anhalter durch die Galaxis“, „Underworld“ etc.), haben den Schauspieler für mich weniger definiert. Achja, in „Tatsächlich… Liebe“ hatte er ja auch mitgespielt. Nein, bleibe bei meinem liebsten Zombiefilm.

    Gefällt mir

  3. Ich habe hier tatsächlich lange überlegt, welchen allgemein als cool erachteten Film ich hier einsetze. Wie sich zeigt bin also nicht nur ich beim Schreiben über diese Stelle gestolpert… 😉

    Gefällt mir

  4. Im ersten Absatz hast du alles wesentliche zu dem Film gesagt. Vollste Zustimmung also. Ein herrlich musikalischer Spaß für zwischendurch, ganz ohne Hintergedanken.

    Ich habe hier tatsächlich lange überlegt, welchen allgemein als cool erachteten Film ich hier einsetze.

    Nun ja, ob cooler Film, oder nicht. Wenn es um eine Rolle geht, in der der Nighy ähnlich lässig und cool rüberkommt, hätte man wohl durchaus „Tatsächlich…Liebe“ anführen können. 😉

    Gefällt mir

  5. Nighy ist in „Tatsächlich… Liebe“ meinem Radar wohl tatsächlich entschlüpft. Sollte ich demnach wirklich noch einmal ansehen. Die bisher einzige Sichtung liegt nun auch schon etliche Jahre zurück. Wird für die Weihnachtszeit definitiv vorgemerkt!

    Gefällt mir

  6. Als ich den Trailer gesehen habe, wollte ich den Film auch sehen… allerdings nicht auf deutsch. Und da es hier kein Kino gibt, welches die Filme im Original zeigt, wird halt auf die DVD gewartet. Deshalb les ich auch den Artikel gar nicht weiter. 😉

    Gefällt mir

  7. Ich würde an deiner Stelle auch auf die DVD warten. Nach der Sichtung wage ich zu behaupten, dass der Originalton Pflicht ist und stark zum Gesamterlebnis beiträgt. Am besten mit mehreren Freunden schaun. Gute Stimmung ist dann nahezu vorprogrammiert! 🙂

    Gefällt mir

  8. Als (eventuell einziger Bestand-) Teil der deutschen Murray Hewitt-Fanbase würde mich interessieren, wie sich Rhys Darby in seiner Rolle geschlagen hat.

    Spielte laut IMDB einen Typ namens Angus.

    Gefällt mir

  9. Ini, ich fand ihn ganz großartig, aber kann natürlich nur über die deutsche Version berichten. Hast du den YouTube-Kanal gesehen? Dort gibt es einige Behind the Scenes-Folgen – sehr witzig!

    Da fällt mir aber eine Frage an die Orignalgucker ein: Hat jener Rhys mit neuseeländischem Akzent gesprochen und der andere mit walisischem?

    Gefällt mir

  10. Ich fand ihn bzw. seine Rolle auch wunderbar. Sehr sympathisch und doch für einige Lacher gut. Allerdings kenne ich „Flight of the Concords“ nicht, was mir einen Vergleich erschwert – dafür schiebt sich diese Serie nun immer drängender auf meinen Radar. Wird demnächst folglich einmal angegangen.

    Gefällt mir

  11. Pingback: Media Monday #142 – St. Patrick’s Day-Special | Tonight is gonna be a large one.

Deine Meinung? (Indem du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.