Jetzt, da es wieder kälter wird, komme ich langsam dazu, den sich bei mir aufgestauten Backkatalog an TV-Serien abzuarbeiten. Einer der großen Serien-Hypes im Jahr 2016 war „Westworld – Season 1“ und nun bin auch ich endlich dazu gekommen, mir selbst ein Bild von der Serie zu machen. Ob die HBO-Produktion Michael Crichtons 70er-Jahre-Film „Westworld“ gerecht wird?

Westworld – Season 1 | © Warner Home Video
Do Androids Dream of Electric Sheep?
Als nächstes großes Ding nach „Game of Thrones“ angekündigt, erweist sich „Westworld“ zunächst als deutlich sperriger als der große HBO-Hit. Die Geschichte ist komplex, die Handlungsebenen mehrschichtig und die Chronologie gebrochen. Man muss schon wirklich am Ball bleiben, um alles mitzubekommen. Zudem sollte man als Zuschauer auch ein gewisses Faible für Sci-Fi-Themen rund um künstliche Intelligenz mitbringen. Wer jedoch Michael Crichtons Original sowie die beiden Filme im „Blade Runner“-Universum mochte, der dürfte mit der Serie rund um den futuristischen Freizeitpark „Westworld“ mehr als nur glücklich werden.
Auf die Handlung mag ich im Detail gar nicht so sehr eingehen, da es ein paar Wendungen gibt, die nicht im Vorfeld verraten werden sollten. Aufmerksame Zuschauer sollten diese aber bereits im Vorfeld erahnen, so dass, zumindest bei mir, die großen Überraschungsmomente ausgeblieben sind. Vielleicht liegt darin aber auch die Stärke der Serie: Jonathan Nolan und sein Team verlassen sich eben nicht auf plumpe Twists, sondern erzählen ein komplexes Gesamtbild. Dieses ist nicht immer komplett schlüssig, erzeugt aber einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Nur selten wollen manche Erzählstränge (z.B. alles um Lee Sizemore) nicht so wirklich zünden. Gerade im Mittelteil der Staffel gibt es kleinere Schwächen, die vom starken Einstieg und Finale jedoch wieder mehr als wett gemacht werden.
Western trifft auf Science-Fiction
Die Inszenierung der Serie ist über jeden Zweifel erhaben. Landschaftsaufnahmen, die einem John-Ford-Western gut zu Gesicht stünden, wechseln sich mit High-Tech-Laboren ab. Alles wirkt extrem hochwertig produziert, was für uns Zuschauer eine reine Freude ist. Auch typisch für HBO ist der hohe Anteil an Sex und Gewalt, was jedoch nie aufgesetzt wirkt, zumal diese Elemente auch inhärenter Bestandteil der Geschichte rund um den Freizeitpark sind. Zudem fand ich besonders famos, dass die Serie sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch durchaus eine Fortsetzung des 1973er Films sein könnte.
Fazit
Nachdem ich nun das 90-minütige Finale gesehen habe, bin ich umso begeisterter von der Serie und würde am liebsten sofort weiterschauen. Zwar sind die Kritiken zur zweiten Staffel eher verhalten, doch werde ich mir definitiv selbst ein Bild davon machen. Die erste Staffel von „Westworld“ ist unbestreitbar sehr sehenswert, gerade für Sci-Fi-Fans, die mit dem 70er-Jahre-Kino aufgewachsen sind. Wie nicht anders zu erwarten, kann ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen: 9/10 (9.1) Punkte.







