Nur noch 60 Sekunden – OT: Gone in 60 Seconds (2000)

Zurzeit häufen sich die beruflichen und privaten Termine. Am Wochenende bedeutet das nun vermehrt liegengebliebene Hausarbeit nachzuholen. Auch davon abgesehen war heute ein nur wenig erfreulicher Tag, so dass der Film am Abend eine willkommene Ablenkung war: Die Wahl ist auf „Nur noch 60 Sekunden“ gefallen. Eine der wenigen Jerry-Bruckheimer-Produktionen der späten 1990er bzw. frühen 2000er Jahre, die ich bisher noch nicht kannte…

Nur noch 60 Sekunden (2000) | © Touchstone

Nur noch 60 Sekunden (2000) | © Touchstone

Vor knapp 20 Jahren war das Kino noch anders

Je häufiger ich Filme aus dieser Ära sehe, desto mehr muss ich zugeben, dass ich ihre Ästhetik sehr mag. Egal ob „Crimson Tide“, „Con Air“ oder „Staatsfeind Nr. 1“ – die Filme wirken zwar unglaublich bombastisch inszeniert, doch zugleich auf fast schon altmodische Art und Weise handgemacht. Diese Wahrnehmung hat sich bei mir aber auch erst in den letzten Jahren des CGI-Overkills ergeben, denn zur Entstehungszeit waren sie mir fast zu schnell geschnitten und zu treibend erzählt. Aus heutiger Sicht ist die Charaktereinführung extrem langsam (und klischeehaft), die Action übersichtlich und die Effekte herrlich analog. So kann sich der subjektive Eindruck ändern. Davon abgesehen bietet „Gone in 60 Seconds“ eine simple Geschichte, dumme Sprüche und viel plakative Action.

Neben der unverkennbaren Inszenierung eines Jerry-Bruckheimer-Films, stechen vor allem die Schauspieler heraus bzw. stehen sinnbildlich für die Ära der Entstehung: Nicolas Cage und Angelina Jolie beide mit blondierten Haaren, der großartige Robert Duvall als typische Vaterfigur und ein junger Christopher Eccleston (erst kürzlich in „The Leftovers“ zu schätzen gelernt) als völlig manischer Gangster mit Ambitionen als Hobby-Schreiner. So schön das Abtauchen in die 90er/00er Jahre auch war, so haben ein paar dümmliche Klischees und verletzende Sprüche über Minderheiten (z.B. die Asiatin, die nicht Autofahren kann) auch gezeigt, dass sich Filme heute in so mancher Hinsicht auch positiv weiterentwickelt haben. Da darf man sich auch von Nostalgie nicht blenden lassen.

Fazit

Nein, ein außergewöhnlich guter Film ist „Nur noch 60 Sekunden“ nicht. Aber ein sehr unterhaltsamer. Selbst für mich, der Autos rein als notwendiges Fortbewegungsmittel sieht. Wenn ihr auch ein Faible für das Action-Kino des frühen Jahrtausends habt, dann könnt ihr durchaus Spaß mit diesem Kracher haben. Für mich war das heute genau der richtige Film: 7/10 Punkte.

Mission: Impossible – Fallout (2018)

Heute war eigentlich ein eher ruhiger Samstag: Die Kinder waren auf einem Geburtstag und wir Eltern hatten frei. Allerdings standen viele Tätigkeiten im Haus an: Von einem neuen Duschschlauch im Bad über einen Leuchtmittelwechsel im Auto bis hin zur Komplettreinigung meines Fahrrads war alles dabei. Somit waren am Abend nicht nur die Kinder ausgepowert, sondern auch wir Eltern. Dass ich bei „Mission: Impossible – Fallout“ nicht eingeschlafen bin, werte ich somit als gutes Zeichen…

Mission: Impossible – Fallout (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Mission: Impossible – Fallout (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Ist schneller, höher und weiter immer besser?

Wie hat sich diese Filmreihe doch entwickelt. Zwar gab es schon immer einen gewissen Hype um die neuesten Episoden, doch so richtig ging es (meinem Gefühl nach) erst ab „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ in die Vollen. Mit der letztjährigen Auflage ist vorerst auch der Höhepunkt erreicht und ich war erstaunt, in wie vielen Bestenlisten dieser scheinbar schnöde Action-Streifen doch aufgetaucht ist. Und ja, ich muss zugeben, dass „Mission: Impossible – Fallout“ ein unfassbar unterhaltsamer Film ist. Gerade die handgemacht wirkende Action (inzwischen ein Markenzeichen der Reihe) ist extrem gut gelungen. Erinnert ihr euch noch, als Tom Cruise in „Knight & Day“ mit Cameron Diaz vor schlechtem Greenscreen auf dem Motorrad durch Sevilla gefahren ist? Nein? Gut! Denn diese Szenen sind exakt das Gegenteil von der mitreißenden Action in „Mission: Impossible – Fallout“. Hier werden eher Erinnerung an John Frankenheimer und „Ronin“ wach, was ein großes Kompliment ist.

Was die Handlung angeht, so erzählt der Film eine typische Agentengeschichte, die zwar irgendwie an den Vorgänger „Mission: Impossible – Rogue Nation“ anknüpft, letztendlich aber austauschbar ist und auch gut für sich alleine stehen kann. Der Humor wird ein wenig zurückgefahren und die einzelnen Set-Pieces dominieren. Dennoch wird es mir schwer fallen, in ein paar Wochen noch zu sagen, welche der Action-Szenen aus den letzten drei Teilen konkret welchem Film zuzuordnen sind. Die bombastischen Bilder sind teils im IMAX-Seitenverhältnis von 1,90:1 eingefangen, was ein wahrer Augenschmaus ist. Leider gibt es keine 3D-Fassung für das Heimkino, was ich persönlich sehr bedauerlich finde. Gerade die famosen Naturpanoramen des letzten Drittels hätten bestimmt von der zusätzlichen Tiefe profitiert.

Fazit

Wenig überraschend, hat mir „Mission: Impossible – Fallout“ sehr gut gefallen. Tom Cruise spielt hier die Rolle seines Lebens und es ist beeindruckend, wie sehr er sich für diese Filmreihe einsetzt. Inhaltlich ein wenig schwach auf der Brust, kann der inzwischen schon sechste Teil der Reihe mit echten Schauwerten punkten. Sie mag zwar nicht nachhaltig sein, doch satt gesehen habe ich mich an der Action noch nicht: 8/10 Punkte.

Alita: Battle Angel (2019)

Gestern hat sich für uns Eltern spontan ein freier Abend ergeben. Diese Gelegenheit haben wir natürlich sofort am Schopf gepackt und sind zum ersten Mal seit knapp einem Jahr ins Kino gegangen. Die Wahl ist auf „Alita: Battle Angel“ gefallen, der bei mir früher als James Camerons Traumprojekt durchaus auf dem Schirm war. Seit bekannt wurde, dass Cameron nicht die Regie übernehmen wird, habe ich das Thema nicht mehr weiter verfolgt. Ob sich der spontane Kinobesuch gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Alita: Battle Angel (2019) | © Twentieth Century Fox

Alita: Battle Angel (2019) | © Twentieth Century Fox

„Ghost in the Shell“ trifft auf „Rollerball“

Da sich die Gelegenheit für den Kinobesuch so spontan ergeben hat, habe ich im Vorfeld nicht einmal den Trailer des Films gesehen. Ein paar Stimmen, die ich auf Twitter mitbekommen habe, waren durchaus positiv und ich liebe Sci-Fi-Filme, die große Welten aufmachen. Nicht von ungefähr erinnert „Alita: Battle Angel“ ein wenig an die letzte große Anime- bzw. Manga-Verfilmung „Ghost in the Shell“, die eine ähnliche Thematik hat und ebenfalls mit großem Budget von einem westlichen Studio umgesetzt wurde. Dabei macht die von Robert Rodriguez inszenierte Adaption deutlich weniger philosophische Fragen auf und betont klar die beinahe schon phantastischen Aspekte dieser zukünftigen Welt. Auch die Action kommt nicht zu kurz, was sich speziell in den Sportsequenzen rund um Motorball manifestiert, welche doch sehr an „Rollerball“ erinnern.

Neben der vielfältigen Action, ist der Film in seiner ersten Hälfte erstaunlich ruhig inszeniert und legt einen großen Fokus auf die Beziehung zwischen Alita und ihrem Ziehvater Dr. Ido (Christoph Waltz in einer für ihn ungewohnten Rolle). Wir Zuschauer lernen diese unbekannte Welt durch Alitas große Augen kennen. Der von ihr erlebte Sense-of-Wonder überträgt sich dabei 1:1 auf uns Zuschauer. Zumindest mir ging es so und ich kann guten Gewissens behaupten, dass mich schon lange kein neuer Film mehr so intensiv in seine Welt gezogen hat. Die 122 Minuten sind wie im Flug vergangen und ich war danach hungrig nach mehr. Perfekter Eskapismus.

CGI auf dem nächsten Level

Auch wenn James Cameron die Regie an Robert Rodriguez übertragen hat, so hat er vermutlich das technische Zepter nicht ganz aus Hand gegeben. Die Welt von Iron City wird großartig und extrem lebendig dargestellt. Auch wenn viele Charaktere Cyborgs sind oder zumindest biomechanische Erweiterungen besitzen, so wirken sie doch nicht wie CGI-Figuren. Besonders fällt dies natürlich bei Alita auf bzw. eben auch nicht, denn dieser sehr menschliche CGI-Charakter ist trotz der großen Augen und des mechanischen Körpers einfach eine echte Person. Kein Uncanny-Valley-Effekt, kein seltsam unwirkliches Gefühl. Alita ist ein echter Charakter. Für mich der nächste Schritt in Sachen CGI, denn im Gegensatz zu Gollum und Co. ist Alita sehr nahe an einer menschlichen Figur dran – und dennoch absolut glaubhaft. Die hohe Qualität trifft übrigens auch auf die toll gestaltete Umgebung und die anderen Charaktere zu. Ein wahrer Augenschmaus.

Fazit

Auch wenn „Alita: Battle Angel“ vielleicht keine hohe Kinokunst ist, so hat mich doch schon lange kein aktueller Film mehr so begeistert. Ich würde gerne noch tiefer in diese Welt eintauchen und überlege mir sogar, den Manga zu lesen. Ich hoffe, Cameron und Rodriguez schaffen es die Fortsetzung in kürzerer Zeit umzusetzen, als sie für diesen ersten Teil der Adaption benötigt haben. Für solche Filme gehe ich gerne ins Kino. Ein echtes Erlebnis: 8/10 Punkte.

Jurassic World: Das gefallene Königreich – OT: Jurassic World: Fallen Kingdom (2018)

Heute habe ich endlich „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ nachgeholt. Kaum zu glauben, dass inzwischen selbst die Fortsetzungen meiner liebsten Filmreihen lange ungesehen im Regal stehen. Ob das der momentan überwältigenden Konkurrenz, der knappen Zeit oder der abnehmenden Qualität geschuldet ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Jurassic World: Das gefallene Königreich (2018) | Universal Pictures Germany GmbH

Jurassic World: Das gefallene Königreich (2018) | © Universal Pictures Germany GmbH

B-Movie-Drehbuch mit Big-Budget-Umsetzung

Auf „Jurassic World“ war ich damals so heiß, dass ich ihn sogar im Kino gesehen habe. Zwar wurde ich gut unterhalten, doch so ganz wollte der Funke nicht überspringen. Bei der Wiederholungssichtung im Heimkino war ich dagegen recht angetan. Nun also die erste Fortsetzung des soften Reboots. Der Trailer hat mich damals ziemlich enttäuscht, doch auf Regisseur J.A. Bayona halte ich nach „Das Waisenhaus“, „The Impossible“ und „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ziemlich große Stücke. Vielleicht kann aus „Jurassic World: Fallen Kingdom“ doch mehr werden als die zu erahnende Handlung vermuten lässt?

Leider kann auch die stimmungsvolle Inszenierung J.A. Bayonas den Film nicht vor seinem hanebüchenen Drehbuch retten. Vor 20 Jahren wäre so etwas mit Gummipuppen und Udo Kier als Bösewicht im Direct-to-Video-Regal verramscht worden. Wirklich unfassbar, wie wenig Mühe in die Geschichte und die Charaktere geflossen ist. Dabei hat der Film durchaus ein paar tolle Ansätze, doch gehen diese im viel zu vollgestopften und unausgegorenen Skript völlig unter. Puh. Das hat kaum noch etwas mit dem Original-Franchise zu tun und selbst der strukturelle Aufbau, der sich natürlich an „The Lost World: Jurassic Park“ orientiert, wirkt in seiner repetitiven und zwanghaft modernisierten Art und Weise selbst wie ein missglückter Klon der Vorlage.

Dino-Grusel trifft auf das Ende der Welt

Speziell die erste Stunde hat mich mit ihrer Formelhaftigkeit, die sich oftmals an die bestehenden Filme anbiedert, gelangweilt. Danach wird es interessanter, doch mag die zwanghaft neuartige Inszenierung als Gruselfilm nicht wirklich zum Franchise passen. Der Ausblick auf Endzeit mit Dinos weckt dagegen die Lust auf einen weiteren Teil. Dann aber bitte mit einem besseren Drehbuch. Ohne noch mehr Gen-Monster oder Gen-Töchter. Dafür mit mehr Charakteren und einem Gefühl für die Stimmung der bisherigen Filmreihe, denn diese wird hier leider so gut wie nie getroffen.

Fazit

Leider hat mich „Jurassic World: Fallen Kingdom“ doch ziemlich enttäuscht. Er hatte ein paar unterhaltsame Actionszenen und Ideen, aber oftmals wirkte die Geschichte einfach daneben. Letztendlich bleibt ein absolut durchschnittlicher Monsterfilm übrig, was für einen Film dieses Kalibers leider nicht als Lob zu verstehen ist: 5/10 Punkte.

Avengers: Infinity War (2018)

Ich habe es endlich getan. Nachdem die Filmwelt bereits vor einem Jahr über Marvels „Avengers: Infinity War“ ausgeflippt ist, habe ich das große Finale (oder zumindest den ersten Teil davon) auch endlich gesehen. Ob der Film wirklich so diskussionswürdig ist, wie es teils den Anschein hatte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Avengers: Infinity War (2018) | © Walt Disney

Avengers: Infinity War (2018) | © Walt Disney

Marvel dreht den Bombast einfach mal auf 11

Wow, es ist wirklich beeindruckend, was die Russo-Brüder (zuletzt verantwortlich für „Captain America: Civil War“) hier auf die Beine gestellt haben. Dabei meine ich weder die bombastische Action, noch das ach so schockierende Finale. Nein, ich spreche davon, dass wirklich alle bisherigen Charaktere des Marvel Cinematic Universe (MCU) ihren großen Auftritt haben und keiner wirklich zu kurz zu kommen scheint. Natürlich werden Schwerpunkte gesetzt, doch insgesamt empfand ich diesen Aspekt als sehr ausgewogen. Ebenso gut hat mir Thanos als Bösewicht gefallen. Nach den Trailern hatte ich eher vermutet, dass er ein wenig lächerlich wirkt, doch er war für mich bisher mit der stärkste Bösewicht des MCU.

Am besten hat mir die erste Hälfte des Films gefallen, da hier das Abenteuer im Vordergrund stand, wohingegen „Avengers: Infinity War“ in seiner zweiten Hälfte – welch eine Überraschung! – eher zum reinen Spektakel verkommt. All das ist zwar wunderbar unterhaltsam inszeniert, wirkt in seiner Geballtheit aber fast ein wenig ermüdend. Außerdem: Hatten wir nicht erst einen Kampf vor den Toren Wakandas?

Das schockierende Finale… (Spoiler)

…ist überhaupt nicht schockierend. Schließlich befinden wir uns in einer Comic-Welt, in der andauernd Helden sterben und zurückkehren. Das Auflösen in CGI-Partikel hat auf mich zudem weit weniger emotional gewirkt, als wenn ganz einfach ein echter Körper zurückgeblieben wäre. Da hatte ich mir tatsächlich mehr Dramatik erwartet. So wirkt alles doch sehr nach: „Wir drehen im nächsten Film noch einmal an der Zeitschraube und alles ist wieder wie davor. Zauberei!“ Ich finde das nicht weiter schlimm (wie gesagt befinden wir uns in einer Comic-Welt), aber entsprach das tatsächliche Finale für mich nicht der überzogenen Fan-Reaktion. Vermutlich hätte ich es besser wissen müssen. Perfektes Marvel-Marketing eben.

Fazit

Ja, „Avengers: Infinity War“ ist tatsächlich ein bombastisches Filmvergnügen und ein beeindruckender Blockbuster. Er zählt für mich auch zu den gelungensten Filmen des Franchises, doch einen wirklich besonderen Stellenwert besitzt er für mich nicht. Extrem unterhaltsam (unfassbar, wie schnell die zweieinhalb Stunden vergangen sind), aber letztendlich doch nur ein weiteres, typisches Marvel-Vehikel: 8/10 Punkte.

Black Panther (2018)

Die erste Arbeitswoche im neuen Jahr ist äußerst turbulent an mir vorbeigezogen. Abends wollte ich nur noch aufs Sofa und einen Film schauen. Mit „Black Panther“ haben wir uns nach „Thor: Ragnarok“ für den nächsten Film aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) entschieden…

Black Panther (2018) | © Walt Disney

Black Panther (2018) | © Walt Disney

Ganz anders und doch die typische Formel

Nach dem Film habe ich noch spontan eine Eisbar in der Nachbarschaft besucht, weshalb ich meine Gedanken zum Film noch ein wenig sammeln konnte. Ob sie nun klarer sind als davor, sei einmal dahingestellt. Der große Hype, den „Black Panther“ erfahren hat, ist in meinen Augen tatsächlich gerechtfertigt. Es ist bemerkenswert, hier einen schwarzen Superhelden zu sehen. Und nicht nur einen Superhelden, nein, die gezeigte Welt wirkt wie die Antithese des typischen Hollywood-Films: Der gesamte Cast ist schwarz, die Themen ebenso und der Sidekick? Der ist weiß. Natürlich besteht die Gefahr, dass man den Film nur darauf reduziert. Wie man es auch dreht und wendet, man kann diese Besonderheit nicht ignorieren und „Black Panther“ wirkt dadurch zeitgemäßer und einfach besonders.

In der ersten Hälfte erinnert „Black Panther“ beinahe an einen „James Bond“-Film: Es gibt eine ausführliche Erklärung der Sonderausstattung, eine Mission in einem Nachtclub und eine Actionsequenz im Auto. Selbst der Bösewicht Ulysses Klaue (toll gespielt von Andy Serkis) wirkt in seiner Übertriebenheit wie der typische Schurke. In der zweiten Hälfte kippt der Film jedoch und die Themen werden einerseits ernster und relevanter, die Action dagegen auch austauschbarer. Eine Art „Game of Thrones“ im Marvel-Universum. Das macht alles Sinn, war letztendlich aber wieder generischer, als es der Einstieg in diese Welt hätte vermuten lassen. Es kämpft ein goldener Black Panther gegen einen silbernen. Wie in „Iron Man“ oder „The Incredible Hulk“. Typisch Marvel eben. Action um der Action willen.

Fazit

Ich mochte Wakanda sehr. Auch die Charaktere und die Geschichte hatten es mir angetan. Ich verstehe die Bedeutung des Films und möchte ihn dafür würdigen. Leider jedoch ist der Rest zu generisch und geht in recht eintöniger Action und einem schon etliche Male gesehenem Finale unter. Insgesamt eben doch nur erwartbar gute Marvel-Unterhaltung: 7/10 Punkte.

Thor: Tag der Entscheidung – OT: Thor: Ragnarok (2017)

Weiter geht es mit dem Marvel Cinematic Universe (MCU): Nachdem vor zwei Tagen „Spider-Man: Homecoming“ auf dem Programm stand, folgte mit „Thor: Tag der Entscheidung“ heute der chronologische Nachfolger. Vom Trailer war ich damals genervt, doch Taika Waititi und gute Besprechungen haben mir Hoffnung gemacht. Wo sollte sich der Film in meiner Gunst letztendlich platzieren?

Thor: Tag der Entscheidung (2017) | © Walt Disney

Thor: Tag der Entscheidung (2017) | © Walt Disney

What We Do on Other Planets

Wow, Marvel hat das Humor-Level doch glatt auf 11 gedreht. Im Gegensatz zu den direkten Vorgängern „Thor“ und „Thor: The Dark World“ fühlt sich „Thor: Ragnarok“ eher wie eine Fortsetzung von „Guardians of the Galaxy“ an. Auch die vielen Fantasy- und Sci-Fi-Elemente tragen zu diesem Effekt bei. Die Erde spielt fast keine Rolle und Waititi darf sich auf den fremden Welten so richtig austoben. Der Humor funktioniert gerade in der ersten Hälfte des Films fantastisch und ich habe Lust bekommen, noch einmal Waititis „What We Do in the Shadows“ zu sehen. Einfach herrlich!

In der zweiten Hälfte nimmt die Action zu und auch die Geschichte wird weiter vorangetrieben. Der Film wirkt dadurch generischer und auch viel näher an der typischen MCU-Formel dran, als noch in den absurderen Momenten davor. Selbst wenn „Thor: Ragnarok“ nur wenig Handlung bietet, so ist das doch gerade seine Stärke. Denn, wenn wir einmal ehrlich sind, verlaufen alle Superhelden-Filme doch ohnehin nach dem gleichen Schema. Der differenzierende Faktor sind die Charaktere und in diesem Fall eben der Humor. Diese Mischung funktioniert gar ausgezeichnet und sorgt für äußerst unterhaltsame zwei Stunden.

Fazit

Es freut mich, dass Taika Waititi dem MCU, zumindest in weiten Teilen, seinen Stempel aufdrücken konnte. Damit gehört „Thor: Ragnarok“ für mich auch zu den Highlights des Franchises. Nachdem James Gunn von Disney gefeuert wurde, ist hier der letzte Regisseur am Start, der eine gewisse Eigenständigkeit mitbringt. Mal sehen, ob er das MCU auch weiterhin positiv beeinflussen kann: 8/10 Punkte.

Spider-Man: Homecoming (2017)

Nach einem recht entspannten zweiten Feiertag, an dem ich hauptsächlich mit der Einrichtung der neuen Xbox gekämpft habe, stand abends natürlich auch ein Film auf dem Programm. Die Wahl ist auf „Spider-Man: Homecoming“ gefallen, sprich nach meiner Sichtung von „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ im Januar, kehre ich beinahe ein Jahr später zum Marvel Cinematic Universe (MCU) zurück…

Spider-Man: Homecoming (2017) | © Sony Pictures Home Entertainment

Spider-Man: Homecoming (2017) | © Sony Pictures Home Entertainment

Die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft #3

Ja, mit Spider-Man habe ich schon die eine oder andere Stunde verbracht. Tatsächlich war es auch der erste Superheld, der mich an das damals fast noch verpönte Genre glauben ließ. Die Rede ist hier natürlich von Sam Raimis „Spider-Man“, der mit dem zweiten Teil seinen Höhepunkt erreichte, welcher für mich bis heute zu den besten Superhelden-Filmen überhaupt zählt. Um das erste Reboot „The Amazing Spider-Man“ hatte ich lange einen großen Bogen gemacht, doch letztendlich bot auch dieses sehr unterhaltsames Action-Kino. Nun also schon der dritte Auftritt der freundlichen Spinne. Dieses Mal ganz offiziell innerhalb des MCU. Auch mit dieser Sichtung habe ich mir Zeit gelassen und welcher Zeitpunkt könnte besser gewählt sein, als der parallele Kinostart von „Into the Spider-Verse“, einer weiteren Iteration dieses Superhelden?

Natürlich haben wir Tom Holland als Spider-Man bereits in „Captain America: Civil War“ kennengelernt. Bereits dort hatte er mir gut gefallen und dieser positive Eindruck bestätigt sich auch in „Spider-Man: Homecoming“. Die Szenen, die nur ihn beim Bekämpfen der Kleinkriminellen in Queens zeigen, sind großartig. Auch mochte ich die ganz bewusst an John Hughes angelehnten Highschool-Szenen. Coming-of-Age und Superhelden-Film in perfekter Kombination. Die Szenen mit Tony Stark dagegen fühlten sich für mich zu sehr nach Schema F an. Zwar ist die Action hier, wie immer bei Marvel, fast schon zu perfekt inszeniert, aber man hat das inzwischen eben doch schon tausendmal gesehen.

Fazit

Insgesamt hat mir die Eingliederung von Spider-Man in das MCU ziemlich gut gefallen. Leider jedoch wirkt die Mischung auf mich etwas unausgegoren und ich hätte gerne mehr Zeit mit Peter Parker als Spider-Man und weniger mit Peter Parker als Möchtegern-Avenger verbracht. Dennoch freue ich mich auf weitere Auftritte dieser freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft: 7/10 Punkte.

Small Soldiers (1998)

Welcher Film soll kurz vor Weihnachten noch in den Player wandern? Die Auswahl an in diesem Jahr noch nicht gesehenen Weihnachtsfilmen wäre groß gewesen und doch habe ich mich für „Small Soldiers“ entschieden. Warum das eine gute Entscheidung war, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Small Soldiers (1998) | © Koch Media GmbH

Small Soldiers (1998) | © Koch Media GmbH

Wenn „Gremlins“ auf „Toy Story“ trifft…

…dann dürfte das Ergebnis ziemlich nahe an „Small Soldiers“ dran sein. Man merkt von der ersten Sekunde, dass es sich hierbei um einen Film von Joe Dante handelt. Der Vater der „Gremlins“ treibt seine satirischen Querschläge hier auf die Spitze und geht dabei erneut nicht sonderlich subtil vor. Der Film wirkt somit über weite Strecken wie eine weitere Fortsetzung von „Gremlins“, was jedoch nur einen Teil der Geschichte ausmacht. Der andere erinnert eher an Jugendabenteuer à la Spielberg, was für die späten 90er Jahre eher ungewöhnlich erscheint. Die Mischung funktioniert nicht immer, doch mir waren beide Aspekte sehr sympathisch.

Man merkt dem Drehbuch an, dass man sich teils wohl bewusst zurückgehalten hat. Die Geschichte besitzt zwar düstere Anklänge, doch richtig dramatisch wird es für die menschlichen Figuren nie. Auch wenn die Unentschlossenheit, was den Ton der Geschichte angeht, teils unangenehm auffällt, so wurden die technischen Aspekte grandios gemeistert. Die Mischung aus praktischen Effekten und CGIs funktioniert auch heute noch tadellos. Vermutlich auch, weil die gerenderten Elemente tatsächlich aus Plastik sein sollen. Auch die abgehackt wirkende Animation passt perfekt zum Thema Spielzeug. Aus technischer Hinsicht wirklich sehr gut gealtert.

Fazit

Ich finde es schade, dass „Small Soldiers“ kein größerer Hit wurde. Auch wenn er kein perfekter Blockbuster ist, so würde ich ihm doch einen gewissen Kultstatus nicht absprechen. Vielleicht ist er ein paar Jahre zu spät gekommen. So oder so kann man sich diese „Gremlins“-Variante auch heute noch sehr gut anschauen: 8/10 Punkte.

Planet der Affen: Survival – OT: War for the Planet of the Apes (2017)

Ehe man es sich versieht, ist auch der zweite Urlaubstag vorbei – und mit ihm auch der letzte Schultag. Das bedeutet, es ging heute morgen für alle noch einmal früh raus (und der unvernünftig lang wach bleibende Papa hat wieder nur knapp fünf Stunden Schlaf abbekommen), doch das wird sich nun hoffentlich ändern. Abends waren wir noch zum großen Chorauftritt auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt, doch danach stand erneut ein Besuch des „Planet der Affen: Survival“ auf dem Programm… 🐵

Planet der Affen: Survival (2017) | © 20th Century Fox

Planet der Affen: Survival (2017) | © 20th Century Fox

Das Finale einer großartigen Trilogie

Nachdem mich „Dawn of the Planet of the Apes“ gestern erst extrem begeistert hat, habe ich mir zu viel zu später Stunde noch das faszinierende Making-of-Material angeschaut. Das hat dazu geführt, dass ich noch mehr von dieser Welt aufgesogen wurde. Somit war ich voller Vorfreude auf „War for the Planet of the Apes“ – und diese sollte sich auch auszahlen. Erneut saß Matt Reeves auf dem Regiestuhl, was man dem Film auch anmerkt. Die Charaktere (allen voran Caesar) werden konsequent weiterentwickelt, die Geschichte steuert auf ein konsequentes Finale zu und die Inszenierung ist ebenso hochwertig und stilsicher, wie bereits beim Vorgänger.

Zwischen Western und Gefängnisthriller

In der ersten Hälfte fühlt sich „Planet der Affen: Survival“ beinahe wie ein Western an, nur um in der zweiten Filmhälfte zu einem knallharten Gefängnisthriller zu wechseln. Das erklärt vielleicht auch die Wahl des Bildformats (2,40:1 im Gegensatz zu 1,85:1 wie beim Vorgänger), welches die weiten Landschaften vermutlich besser zur Geltung bringt, als die noch eher vertikalen Hochhausschluchten des zweiten Teils.

Inhaltlich gibt es etliche Überraschungen, welche uns genauso hart treffen, wie die Charaktere. Wenn ein Kriegsgefangener, den Caesar zwei Stunden vorher verschont hat, der Soldat ist, der ihn letztendlich niederstreckt, dann ist das eine ziemlich bittere Pille. Überhaupt ist „War for the Planet of the Apes“ ein sehr düsterer Film, der kaum Erholung für seine Figuren bietet. Einzig der als Comic-Relief eingesetzte Bad Ape sticht hier heraus, was aber auch nur bedingt gut funktioniert. Trotz dieser kleineren Schwächen, überwiegen die emotionalen Tiefschläge. Umso erstaunlicher, dass es Matt Reeves gelingt, ein zugleich schönes und doch tieftrauriges Ende zu inszenieren. Ich hatte zumindest nicht damit gerechnet, dass ich am Schluss heulend auf dem Sofa sitze. Der Beweis, dass Caesars Handlungsbogen einfach großartig erzählt war. Vom Anfang bis zum Ende.

Fazit

Letztendlich bestätigt sich meine gestern getroffene Vermutung und die Reboot-Trilogie rund um den „Planet der Affen“ ist eine der stärksten Blockbuster-Filmreihen, die in den letzten Jahren entstanden sind. Packend erzählt, technisch absolut auf der Höhe und inhaltlich relevant. Da stimmt wirklich (fast) alles. Ich bin restlos begeistert und wische mir mit diesen Zeilen noch die letzten Tränen aus den Augen: 9/10 Punkte.