All Is Lost (2013)

Nach einem zweiwöchigen Kraftakt in vielerlei Hinsicht, habe ich mich mit letzter Energie in den sicheren Hafen des Wochenendes gerettet. Was lag also näher, als mit „All Is Lost“ ein Survival-Drama anzuschauen? Nichts, völlig richtig. Folglich habe ich Robert Redford begleitet, wie er gegen die Naturgewalten kämpft. Ob er verloren oder gewonnen hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

All Is Lost (2013) | © Universum Film GmbH

All Is Lost (2013) | © Universum Film GmbH

Der alte Mann und das Meer

Ich mag Filme, die eine aufs Nötigste reduzierte Prämisse besitzen. Auch kammerspielartige Schauplätze finde ich spannend. Oft gelingt es Filmemachern gerade aus der auferlegten Beschränkung viel herauszuholen. Ob das J. C. Chandor auch gelungen ist? In meinen Augen ja. Auch wenn der Vergleich hinken mag, so hat mich „All Is Lost“ wohl am ehesten an „Gravity“ erinnert, denn der von Robert Redford großartig gespielte namenlose Segler kommt, wie Sandra Bullocks Figur in dem Sci-Fi-Thriller, wortwörtlich oft vom Regen in die Traufe. Das mag in der hohen Schlagzahl der Katastrophen anstrengend wirken, ist jedoch unglaublich packend inszeniert. Gerade Redfords stoische Art mit den Problemen umzugehen (zumindest noch am Anfang) ist einfach großartig.

Ich mag da Meer als Schauplatz ohnehin sehr gerne und J. C. Chandor fängt es wunderbar ein: einerseits bedrohlich, andererseits auch wunderschön. Der Mensch als Spielball der Natur. Nach dem Kinostart haben Segler anscheinend viel am Realismus des Films auszusetzen gehabt. Mir als ungeübtem Zuschauer sind allerdings keine Logiklöcher aufgefallen, zumal ich es auch nur nachvollziehbar finde, dass der Segler nicht in allen Stresssituationen sofort die richtige Entscheidung trifft.

Fazit

Für mich war „All Is Lost“ eine intensive Seherfahrung, bei der ich es spannend fand, wie minimalistisch J. C. Chandor seinen Film inszeniert hat (so gibt es z.B. kein emotionales Payoff am Ende des Films) und wie sehr sich Redfords Schauspiel daran orientiert. Eine beeindruckende One-Man-Show, die jedoch nicht auf den Effekt setzt. Kann ich nur empfehlen: 8/10 Punkte.

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro (2014)

Aktualisierung: Ich habe „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ am 30. Juli 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem ich letztes Wochenende den ersten Teil gesehen habe, folgte heute mit „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ die Fortsetzung des kurzlebigen Reboots der beliebten Superheldenreihe. Die Kritiken zu diesem waren eher verhalten, ich habe mich dennoch über eine Rückkehr von Andrew Garfield als freundliche Spinne aus der Nachbarschaft gefreut. Zurecht?

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro (2014)

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro (2014) | © Sony Pictures Home Entertainment

Erinnerungen an „Spider-Man 3“ werden wach

Die erste Hälfte des Films hat mich wieder voll und ganz überzeugt. Nach wie vor mag ich Spider-Mans Sprüche und die Action rund um den jugendlichen Superhelden. Auch Electro samt Entstehungsgeschichte fand ich zunächst noch spannend, da hier ein persönlicher Konflikt im Mittelpunkt der Geschichte steht. Keine Allmachtsfantasien oder völlig übertriebene Massenangriffe, wie man sie aus den anderen Marvel-Filmen kennt. Auch Peter Parkers Beziehung zu Gwen Stacy bot Unterhaltungswert, selbst wenn das ewige Hin und Her ein wenig an den Nerven gezerrt hat. Comic-Romanze eben. Aber nicht unsympathisch.

Mit der Verwandlung Harry Osbornes in den Green Goblin wird alles in dem Film etwas zu viel. Die Action nimmt überhand, es gibt Sprünge in der Handlung und die Motivation der Figuren bleibt auf der Strecke. Dabei fand ich Dane DeHaan (jüngst in „Valerian: Die Stadt der tausend Planeten“ gesehen) als Gegenspieler durchaus gelungen. Was die plötzliche Überfrachtung angeht, musste ich tatsächlich an Sam Raimis „Spider-Man 3“ denken, der damals ein ähnliches Problem hatte. Auch die Dramaturgie nach Gwen Stacys Tod (warum hat man die Brücke durch einen Turm ersetzt?) fand ich vom Timing her nicht perfekt. Da wollte man am Ende zu schnell auf einen positiven Abschluss hinaus. Schade, denn in vielen Szenen stand dieser zweite Teil seinem Vorgänger in nichts nach.

Fazit

Auch wenn „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ bei Weitem nicht perfekt ist, so ist er keinesfalls der Totalausfall, als der er oft beschrieben wird. Marc Webb hätte gut daran getan, den Film nicht so voll zu stopfen und sich lieber auf eine Storyline konzentriert. Trotz allem bietet der Film viele tolle Szenen und Andrew Garfield ist mir als Spider-Man noch mehr ans Herz gewachsen. Schade, dass nach diesen beiden Auftritten mit Tom Holland schon wieder ein neuer Spider-Man folgte: 7/10 Punkte.

The Amazing Spider-Man (2012)

Aktualisierung: Ich habe „The Amazing Spider-Man“ am 8. Juni 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach einem relativ entspannten Samstag, an dem ich mich wieder einmal an einen längeren Lauf versucht habe, war meine Hoffnung abends lange wach zu bleiben nicht sonderlich groß. Also habe ich mit „The Amazing Spider-Man“ zum zweiten Mal einen 3D-Film in den Player geschoben. Der Vorteil: Man kann sich nicht hinlegen, was die Chancen den gesamten Film zu sehen deutlich erhöht. Lacht nicht. Auch ihr kommt noch in mein Alter… 😉

The Amazing Spider-Man (2012)

The Amazing Spider-Man (2012) | © Sony Pictures Home Entertainment

Ist ein Reboot nach nur 5 Jahren sinnvoll?

Mich hat der Reboot des Franchises nur fünf Jahre nach „Spider-Man 3“ nie wirklich gereizt. Ich mochte Tobey Maguire in der Rolle des Peter Parker und gerade „Spider-Man 2“ ist bis heute einer meiner liebsten Superheldenfilme. Warum also so schnell  eine Neuauflage? Wie vermutlich die meisten Filmfans wissen, hängt es mit den Rechten zusammen. Inzwischen haben Sony und Disney sogar einen richtigen Deal ausgehandelt, so dass unsere freundliche Spinne aus der Nachbarschaft nun ganz offiziell bei den Avengers mitspielen darf. Bis zum dritten Reboot dauerte es folglich also nur drei Jahre. Um es kurz zu machen: Mir war das alles zu doof und ich dachte stets, ich bräuchte keinen neuen Spider-Man. Sollte ich damit falsch gelegen haben?

Tatsächlich muss ich nach der Sichtung gestehen, dass „The Amazing Spider-Man“ gar großartige Unterhaltung bietet. Andrew Garfield passt wunderbar in diese Rolle (auch wenn er für Peter Parker ein wenig zu cool ist) und Marc Webbs (u.a. Regisseur von „(500) Days of Summer“) Inszenierung bringt die Spinnen-Action auch gekonnt auf ein neues Level. Es macht einfach Spaß dem sympathischsten Superhelden zuzusehen, wie er Gangster vermöbelt, durch Straßenschluchten schwingt (besonders in 3D) und dabei immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat. Da stört es auch kaum, dass der Bösewicht ein wenig zu klischeehaft ist und man die Handlung in abgewandelter Form schon einmal gesehen hat.

Fazit

Ich bin froh, nun auch den (inzwischen nicht mehr ganz so) neuen Spider-Man kennengelernt zu haben. Die modernisierte Origin-Story funktioniert perfekt und ich bin jetzt schon gespannt, wie mir „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ gefallen wird, über den man ja die verschiedensten Meinungen liest. Manchmal muss man seine Vorurteile fallen lassen und wird dann mit einem wirklich gelungenen Filmerlebnis belohnt. Ein klasse Auftritt: 8/10 Punkte.

Valerian: Die Stadt der tausend Planeten – OT: Valerian and the City of a Thousand Planets (2017)

Gestern Abend hatten wir sturmfrei. Die Kinder waren bei den Großeltern und wir konnten tun und lassen was wir wollten. Natürlich haben wir die Gelegenheit ergriffen, sind lecker essen gegangen und danach ins Kino. Einzig die Wahl des Films gestaltete sich als schwierig, denn so richtig interessante Filme liefen leider nicht. „The Circle“ reizt mich zwar durchaus, doch leider sind die Kritiken alle vernichtend. Dann lieber irgendwann das Buch. Schließlich haben wir uns aufgrund mangelnder Alternativen für „Valerian: Die Stadt der tausend Planeten“ entschieden. Dieser sollte dank IMAX 3D und Dolby Atmos immerhin audiovisuell beeindruckend sein. Ob das gereicht hat?

Valerian: Die Stadt der tausend Planeten (2017)

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Black Sea (2014)

Die erste Arbeitswoche nach dem Urlaub ist vorbei. Wie zu erwarten, war sie sehr anstrengend und ich freue mich nun wirklich auf das Wochenende. Nach einem kurzen Spaziergang und leckerer, selbstgemachter Calzone war es schon wieder recht spät, doch ein Film musste einfach noch sein: Die Entscheidung fiel auf „Black Sea“, der eigentlich nur deshalb den Weg in die Sammlung fand, weil wir dieses Jahr am Schwarzen Meer Urlaub gemacht hatten. Ob das eine gute Wahl war?

Black Sea (2014)

„Das Boot“ trifft „Jäger des verlorenen Schatzes“

Ich war zu Beginn wirklich erstaunt, dass man zunächst eine Art Sozialdrama zu sehen bekommt. Die Hauptfigur Robinson (gespielt von einem ausnahmsweise nicht attraktiv in Szene gesetzten Jude Law) verliert den Job und bekommt über zwei Ecken eine abenteuerliche Geschichte serviert: Ein verschollenes Nazi-U-Boot mit einem Haufen Gold an Bord, ein mysteriöser Investor und eine bunt zusammengewürfelte Crew. Fertig ist das Rezept zu einem Abenteuerfilm mit ungewöhnlichem Setting.

In der zweiten Filmhälfte jedoch, spitzen sich die Konflikte zu, so dass „Black Sea“ eher einem klaustrophobischen Thriller gleicht. Ich mochte die raue Atmosphäre auf dem alten, verkommenen U-Boot wirklich sehr. Auch die zusammengewürfelte Crew und die Aussicht nach dem großen Gewinn hatte seinen Reiz. Als die unterschwelligen Spannungen dann aber an die Oberfläche treten, wurde es mir fast schon zuviel. Der Twist wirkte zudem sehr unmotiviert und die Rettung in letzter Sekunde roch für mich zu sehr nach Deus ex machina.

Fazit

Regisseur Kevin Macdonald (u.a. „Sturz ins Leere“ oder „Der letzte König von Schottland“) hat mit „Black Sea“ einen atmosphärisch dichten U-Boot-Thriller inszeniert. Leider driftet der Film im letzten Drittel zu sehr in klischeehafte Gewässer ab, als dass er sich mit großen Genre-Klassikern würde messen können. Hat mir insgesamt dennoch wirklich gut gefallen: 7/10 Punkte.

Jurassic World (2015) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Jurassic World“ am 7. Dezember 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einem turbulenten Tag, den wir aufgrund des regnerischen Herbstwetters in einem Indoor-Spielplatz verbracht haben, sind wir abends müde aufs Sofa gefallen. Die perfekte Gelegenheit also, die 3D-Fähigkeiten des neuen Fernsehers zu testen. Im Player landete „Jurassic World“, den ich vor etwas mehr als zwei Jahren bereits im Kino gesehen hatte. Damals allerdings nur in 2D und mit mäßiger Begeisterung. Wie der Film bei der Zweitsichtung wirkt, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Jurassic World (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Jurassic World (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Ein Film wie ein Besuch im Freizeitpark

Dieses Mal wusste ich ja schon ziemlich genau, was mich erwartet. Somit blieb die Enttäuschung darüber aus, einen viel zu vollgestopften Film zu sehen, der sich an jede mögliche Zielgruppe anbiedert. Ich hatte sogar extrem viel Spaß damit: Wie bei einem Freizeitpark sollte man sich einfach auf die Attraktionen einlassen, denn dann weiß „Jurassic World“ auch zu unterhalten. Durch verschiedenste Meta-Anspielungen scheint durch, dass die Drehbuchautoren sich dessen auch bewusst waren. Für mich hat diese Mixtur heute sehr gut funktioniert, wenngleich einige Elemente, wie z.B. die trainierten Raptoren, immer noch ziemlich lächerlich wirken.

Tatsächlich begeistert war ich vom 3D-Effekt, der das Freizeitpark-Gefühl noch einmal mehr unterstreicht. Hat mir deutlich besser gefallen, als meine bisherigen Erfahrungen mit 3D im Kino. Vielleicht liegt es am kleineren Bild oder der generell besseren Qualität. Da werde ich bestimmt noch den einen oder anderen Film in 3D nachholen. Selbst meine Frau war begeistert.

Fazit

Auch wenn von „Jurassic World“ nur wenig hängen bleibt, so war die Fahrt selbst äußerst unterhaltsam. Bryce Dallas Howard und Chris Pratt harmonieren sehr gut zusammen, die Effekte wissen zu überzeugen und es gibt massenhaft Dinos zu sehen. Das aufdringliche Drehen an der Nostalgie-Schraube hätte sich Colin Trevorrow sparen können, ich komme jedoch nicht umhin zuzugeben, dass es auch bei mir wieder funktioniert hat. Nun freue ich mich tatsächlich auf den zweiten Teil: 7/10 Punkte.

The Fall (2006)

Ein verregneter Freitagabend (hier seht ihr den Sturm aufziehen) hat dafür gesorgt, dass ich meinen neuen Fernseher endlich mit einem Film einweihen konnte. Nur was schauen? Natürlich ein bildgewaltiges Epos. Folglich ist „The Fall“ in den Blu-ray-Player gewandert, der ohnehin schon viel zu lange auf meiner Liste der dringend nachzuholenden Filme stand. Ob sich das gelohnt hat?

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The Fall (2006) | © Capelight Pictures

Ein fantasievoller Bilderrausch

Von Regisseur Tarsem Singh kenne ich bisher nur „The Cell“, den ich unglaublich packend fand. Träume faszinieren mich schon immer und die düsteren Welten, die Singh in dem Film kreiert, haben mich tief beeindruckt. An dem Psycho-Thriller wurde jedoch die gleiche Kritik geübt, wie an „The Fall“: Der Film besäße nur schöne Bilder, die Geschichte wäre dünn und generell sei das alles ja nur style over substance. Wen wundert es also, dass auch Tarsem Singhs zweiter Langfilm unglaubliche Bilder bietet? Und ja, selbst als Bilderrausch würde der Film bereits eine Daseinsberechtigung besitzen. Doch tatsächlich bietet „The Fall“ mindestens noch zwei weitere Ebenen.

„Die Braut des Prinzen“ Reloaded?

Mit seiner Rahmenhandlung und der Geschichte in der Geschichte erinnerte mich „The Fall“ doch stark an Rob Reiners Fantasy-Klassiker „Die Braut des Prinzen“. Tatsächlich basiert Tarsem Singhs Film allerdings auf einem bulgarischen Kinderfilm mit dem Titel „Mein Freund, der Pirat“ aus dem Jahr 1981, der ziemlich genau die gleiche Handlung erzählt – und diese funktioniert gar wunderbar: Lee Pace als depressiver Stuntman und die junge Catinca Untaru als verletztes Mädchen spielen großartig zusammen. Viele ihrer Szenen wirken improvisiert und sehr roh gespielt. Für mich hat das ausgezeichnet funktioniert und ich war emotional voll involviert.

Die letzte Ebene ist die Liebeserklärung an das Kino selbst und die Macht seiner Geschichten. Es ist großartig zu sehen, was Alexandria aus den Worten des Stuntmans kreiert und wie sich daraus absurde und traumhafte Welten ergeben, die keinerlei Logik in Hinblick auf Raum und Zeit zu verfolgen scheinen: Man erlebt die Geschichte dadurch direkt aus den Augen eines Kindes.

Fazit

Auch wenn ich ganz am Anfang noch vom neuen Seherlebnis abgelenkt war, so hat mich die Geschichte doch schnell in ihren Bann gezogen. Ich liebe die Bilder und auch die ruhigen Momente in der realen Welt. Das Märchen ist dabei nichts für Kinder, spricht dunkle Themen an und verpackt diese in teils drastische Bilder. Dabei wurden auch Erinnerungen an „Pans Labyrinth“ wach, der jedoch in jeder Hinsicht noch ein bis zwei Schritte weitergeht. Sollte ich nicht der letzte Filmfreund gewesen sein, der „The Fall“ für sich entdeckt, dann kann ich euch nur empfehlen, den Film selbst endlich nachzuholen: 9/10 Punkte.

The Shallows: Gefahr aus der Tiefe (2016)

Eigentlich war das Wetter heute nach einer Woche Dauerregen endlich einmal wieder gut genug, um einen gemütlichen Abend auf der Terrasse zu verbringen. Da wir aber wieder den ganzen Tag unsere alte Wohnung gestrichen haben, sind wir erst spät und total platt nach Hause gekommen. Also schnell geduscht und aufs Sofa gefallen. Um wenigstens ein wenig Sommer zu haben, sind wir mit „The Shallows: Gefahr aus der Tiefe“ ans Meer gefahren, wo uns ein fieser Weißer Hai überraschte. Ob das eine gute Alternative zum Bier auf der Terrasse war?

The Shallows (2016)

Der Weiße Hai kehrt zurück

Während des Prologs kam tatsächlich ein wenig Urlaubsstimmung auf. Die Werbeclip-Ästhetik trägt zudem ihren Teil dazu bei, dass man Nancy am liebsten bei ihrem Wellenritt begleiten würde – allerdings haben wir Zuschauer natürlich einen Wissensvorsprung, der jede Szene im Wasser von einem unguten Gefühl begleiten lässt: Da draußen lauert irgendwo ein Weißer Hai. Auch wenn sein Name nicht Bruce ist, so ist er doch mindestens ebenso schlecht gelaunt, wie sein großes Vorbild. In meinem Kopf wurde auch ständig John Williams‘ großartiges Theme angespielt, was deutlich zeigt, wie einflussreich Steven Spielbergs Klassiker auch heute noch ist. Ohne „Der Weiße Hai“ hätte es „The Shallows“ vermutlich nie gegeben.

Jaume Collet-Serras Film ist immer dann am stärksten, wenn es ums nackte Überleben geht bzw. wenn sich die Spannung in der Szene aufbaut. Der Hai selbst erinnert leider weniger an Bruce, als an die genetisch veränderten Artgenossen aus „Deep Blue Sea“ – das CGI  ist oft leider ziemlich offensichtlich und mag nicht zum ansonsten so realistischen Setting passen. Im letzten Drittel mutiert der tierische Gegenspieler sogar noch zum klassischen Bösewicht, da ihm mehr und mehr Charakter verliehen wird. Passend dazu entledigt sich unsere geschundene Heldin der Gefahr durch eine ziemlich lächerliche, aber doch unglaublich befriedigende Aktion.

Fazit

Nein, „The Shallows“ ist nicht die große Genre-Innovation, doch der Film ist unglaublich effektiv und unterhaltsam. Ein B-Movie in Hochglanzoptik, mit dem man für knapp 90 Minuten wirklich viel Spaß haben kann. Blake Lively mimt dabei sehr überzeugend die geschundene Surferin und ihr Charakter bietet genau das richtige Maß an Identifikationspotenzial, um uns Zuschauer bei der Stange zu halten. Kein großes Kino, doch wirklich mitreißende Unterhaltung: 7/10 Punkte.

Toy Story (1995) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Toy Story“ am 23. Mai 2025 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als wir heute früh vom Regen geweckt wurden, hatte ich den Kindern leichtfertig versprochen, dass wir heute ja einen Film zusammen anschauen könnten. Kurz darauf waren die Wolken verschwunden und wir verbrachten den ganzen Tag im Freien. Das Gedächtnis der Zwerge ist jedoch exzellent. Somit haben wir uns gegen 18 Uhr auf dem Sofa eingefunden und ich habe „Toy Story“ in den Blu-ray-Player geschoben. Den Kindern war die Filmreihe bisher noch nicht bekannt, ich jedoch freute mich schon enorm auf ein Wiedersehen mit Woody, Buzz Lightyear und Co.

Toy Story (1995) | © Walt Disney

Toy Story (1995) | © Walt Disney

Wie bereits in meiner ersten Besprechung des Films beschrieben, verbinde ich sehr persönliche Erinnerungen mit der Filmreihe: 1995 im Kino hat mich dieser erste vollständig 3D-animierte Film noch ziemlich kalt gelassen, doch während der Nachtschichten meines Zivildienstes haben mir die ersten beiden „Toy Story“-Filme ein paar wunderbar unterhaltsame Stunden geschenkt. Nun war es also für mich soweit, die Freude daran an meine Kinder weiterzugeben – und ich selbst war tatsächlich gespannt, ob „Toy Story“ auch heute noch für mich funktioniert. Wenn man sich Filmbilder anschaut, fällt doch auf wie beinahe schon altmodisch Texturen, Licht und Modelle inzwischen wirken – gerade im Vergleicht zu „Toy Story 3“ und anderen modernen Animationsfilmen.

Alle Sorge war völlig unbegründet: Die weniger detaillierten Texturen fallen überhaupt nicht auf und vermitteln zudem einen ganz besonderen Charme, der perfekt zur kreierten Spielzeugwelt passt. Was Animationen, Licht, Tempo und Handlung angeht, kann es „Toy Story“ auch heute noch mit jedem Animationsfilm aufnehmen. Einzig die Modelle der Menschen und das des Hundes fallen ein wenig aus der Reihe, allerdings macht es sogar inhaltlich Sinn, dass diese Lebewesen wie Fremdkörper in der Welt der Spielzeuge wirken. Tatsächlich jedoch macht man sich während des Films auch überhaupt keine Gedanken dazu, denn die Geschichte ist so temporeich und mit Anspielungen versetzt, dass es eine wahre Freude ist!

Fazit

Nach knapp 80 Minuten ist der Spaß auch schon wieder vorbei und jede Sekunde ist, wie man es von Pixar kennt, wichtig für die Handlung. Ich liebe die Figuren und die kreierte Welt. Der Zwergofant ist nach der Hälfte ausgestiegen, waren ihm die Szenen beim Nachbarsjungen samt Hund und entstelltem Spielzeug doch zu gruselig. Das Zappelinchen jedoch war ähnlich begeistert wie ich und fragte mich nach dem Film:

„Papa, werden meine Spielzeuge vielleicht auch lebendig, so wie in dem Film?“ (Das Zappelinchen nach dem Film)

Mehr muss man vermutlich nicht sagen. Die Magie ist übergesprungen und am liebsten hätte sie sofort den zweiten Teil angeschaut. Das heben wir uns dann aber wirklich für einen der bestimmt kommenden, verregneten Nachmittage auf: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Ich bin dann mal weg (2015)

Da unser Zwergofant am heutigen Rosenmontag unbedingt in den Kindergarten wollte (als Batman wohlgemerkt), haben wir den Nachmittag ganz entspannt auf einem Waldspielplatz verbracht. Mehr war heute nicht drin. Morgen steht dafür, sollte das Wetter mitspielen, ein Tagesausflug auf dem Programm. Der Jakobsweg wäre etwas weit, weshalb wir ihm mit „Ich bin dann mal weg“ zumindest einen filmischen Besuch abgestattet haben. Hape Kerkelings Vorlage kenne ich nicht, doch finde ich die Idee dieser Wanderung durchaus faszinierend. Was also hat der Film zu bieten?

ich-bin-dann-mal-weg

Wenn es um die filmische Verarbeitung von Selbstfindungstrips geht, dann habe ich in dieser Nische durchaus einiges an Erfahrung: Bereits 2010 hat Emilio Estevez seinen Vater in „Dein Weg“ auf den Jakobsweg geschickt und ich muss sagen, dass mir diese Reise wirklich ausgezeichnet gefallen hat. Zuletzt habe ich Cheryl Strayed in „Wild: Der große Trip“ begleitet und war von diesem Abenteuer ebenso angetan. Nun also Julia von Heinz‘ Verfilmung des Bestsellers „Ich bin dann mal weg“. Wie zu erwarten ist die Fallhöhe deutlich geringer als bei den oben genannten Werken: Hape Kerkeling muss nicht den Tod seines Sohnes bzw. eine durch einen persönlichen Verlust ausgelöste Drogensucht verarbeiten. Er ist nur ausgebrannt. Tatsächlich war mir das als Beweggrund aber völlig ausreichend.

Devid Striesow spielt Hape Kerkeling wirklich überzeugend und ich bin mit ihm gerne auf diese Reise gegangen. Auch die eingestreuten Rückblenden in Kerkelings Kindheit und Jugend empfand ich als gelungen und schön in die Wanderung eingeflochten. Das Voice-over war mir dagegen ein wenig zu viel des Guten (dabei stehe ich auf Voice-over) und die auf dem Weg geflochtenen Beziehungen schienen mir viel zu gewollt und dennoch oberflächlich. Auch viele Bilder wirkten viel zu künstlich und nachbearbeitet, was wirklich schade ist, denn die Landschaft hätte auch ohne exzessive Farbkorrektur gewirkt. In Summe lässt das den Film leider zu sehr wie einen Film wirken. Hier hätte ich mir gerne mehr ruhige Momente, die nicht alles bis ins letzte Detail erklären oder zu sehr nach Postkartenidylle schreien, gewünscht.

Insgesamt hat mir auch Hape Kerkelings Reise auf dem Jakobsweg gut gefallen, doch war mir diese manchmal einfach zu viel. Gerade im Vergleich zu „Dein Weg“ offenbaren sich die Schwächen deutlich und ich würde Emilio Estevez‘ Film jederzeit den Vorzug geben. Dennoch mochte ich auch Kerkelings Geschichte und bin davon überzeugt, dass in der Vorlage mehr drin steckt als in der sehr poliert wirkenden Verfilmung: 6/10 Punkte.