Nach meinen letzten beiden Comedy-Marathons mit „Parks and Recreation“ und „Seinfeld“ habe ich das Beste aus beiden Welten genommen und direkt mit der Polit-Comedy „Veep“ mit Julia-Louis Dreyfus in der Hauptrolle weitergemacht. Vor neun Jahren hatte ich die ersten viereinhalb Staffeln schon einmal gesehen und dann, aus mir nicht mehr nachvollziehbaren Gründen, damit aufgehört. Dieses Mal bin ich jedoch dran geblieben und warum das eine famose Entscheidung war, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung. 🇺🇸

Veep | © HBO
Mit knapp zweieinhalb Monaten bin ich sehr schnell durch diese Serie gerannt. Selina Meyer und ihr Team sind mir dabei durchaus ans Herz gewachsen, auch wenn sie, gerade im späteren Verlauf der Serie, doch recht verachtenswert agieren. Aber das macht auch den Reiz der Serie aus. Wenn ihr also eine düstere und zynische Polit-Comedy sehen wollt (und damit quasi das Gegenstück zu „Parks & Recreation“), die zudem teils irrwitzig komisch ist, dann lest am besten direkt weiter:
Staffel 1: So läuft das also in der US-Politik!
Ich habe mich von der ersten Sekunde an wieder heimisch gefühlt im Büro der Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten und das obwohl meine erste Sichtung dieser Staffel bereits neun Jahre zurückliegt. Die Dialoge sind nach wie vor extrem schnell und man muss als Zuschauer*in aufpassen, Kontext und Wortspiele mitzubekommen. Das ist teils anstrengend, aber auch extrem befriedigend. Julia Louis-Dreyfus ist großartig in ihrer Rolle als Veep. Zum Zeitpunkt der Sichtung bin ich auch gerade einmal wieder dabei „Seinfeld“ abzuschließen und es ist manchmal kaum zu glauben, dass Elaine Benes und Selina Meyer von ein und der gleichen Schauspielerin verkörpert werden. Auch der restliche Cast ist fantastisch und das Beste ist: Dies war, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, noch die schwächste Staffel der Serie. Beste Unterhaltung: 9/10 (8.5) Punkte.
Staffel 2: Selina vs. POTUS
Die zweite Staffel macht das Umfeld rund Selina Meyer noch einmal größer. Speziell Personen aus ihrem Privatleben (ihre Tochter und ihr Ex-Mann) bekommen eine größere Rolle, was für diverse peinliche Momente sorgt. Doch speziell das Team rund um die Vizepräsidentin bekommt einiges mehr zu tun und das gipfelt in teils völlig absurden Szenen. Gerade weil es mit Kompetenz im Team nicht weit her ist und sich die meisten Situationen eher durch Glück oder Zufall auflösen. Doch das ist vermutlich genau der Punkt, den die Autoren mit der Serie auch machen wollen. Ansonsten habe ich mich noch über einen Gastauftritt von Allison Janney gefreut, die ich im US-Polit-Drama „The West Wing“ sehr zu schätzen gelernt habe. Wenn Selina durch eine Glastür stolpert, Presseanfragen auf Drogen beantwortet oder mit einem harmlosen Song diplomatische Katastrophen heraufbeschwört, dann sind das genau die Geschichten, die „Veep“ so sehenswert machen. Noch einen Tick besser als die ohnehin schon tolle erste Staffel: 9/10 (8.7) Punkte.
Staffel 3: Team Selina im Wahlkampfmodus
Die dritte Staffel von „Veep“ konnte mich noch mehr begeistern als die vorherigen. Auch hat sie mir dieses Mal noch besser gefallen als bei der ersten Sichtung. Diese Steigerung ist vor allem der rasanten Dynamik rund um den Wahlkampf zu verdanken und all der absurden Situationen, in die sich unser Veep-Team manövriert. Umso bezeichnender ist es, dass der größte Erfolg völlig ohne ihr zutun im Moment der größten Kommunikationskatastrophe stattfindet. Dabei zeichnet sich immer wieder ab, dass nahezu alle Figuren komplett egoistisch und opportunistisch agieren. Es ist fast schon ein Wunder, dass es den Schauspieler*innen dennoch gelingt, Sympathien für ihre Rollen zu wecken. Wenn auch nur 10% der Serie dem wahren Politzirkus entsprechen, dann wundert mich gar nichts mehr. Düster, absurd und teils zum Schreien komisch. „Veep“ konnte mich abermals komplett überzeugen und ich freue mich jetzt schon darauf, wie es mit Selina als amtierende Präsidentin im Wahlkampf weitergeht: 9/10 (9.2) Punkte.
Staffel 4: Präsidentin Selina Meyer
Selina ist immer noch Präsidentin und ihr gesamtes Team, bzw. was davon übrig ist, leidet unter der Doppelbelastung aus Präsidentschaft und Wahlkampf. Die gesamte Staffel besitzt ein enorm hohes Tempo und jede einzelne Episode ist vollgestopft mit unfassbaren Dialogen und Ereignissen. Mir hat die Staffel mindestens ebenso gut gefallen, wie damals bei der ersten Sichtung. Normalerweise mag ich es nicht, wenn sich Figuren in Filmen oder Serien allzu ordinär ausdrücken, doch hier ist es einfach ein wunderbarer Kontrast zum hohen Amt der Präsidentin. Neue Figuren, wie Karen (einfach unglaublich witzig, wie diese Rolle angelegt ist) oder Vizepräsident Tom James (großartig gespielt von Hugh Laurie), bereichern das „Veep“-Universum ungemein. Alles in allem beste Comedy-Unterhaltung und ich habe mehrfach laut gelacht. Einfach großartig mit einer weiterhin fantastischen Julia Louis-Dreyfus: 10/10 (9.5) Punkte.
Staffel 5: Der Niedergang von Selina Meyer?
Diese Staffel ist die erste, die ich nie komplett zu Ende geschaut habe. Warum auch immer. Schließlich stand die DVD-Box jahrelang im Regal. Vermutlich wollte ich warten, bis die Serie abgeschlossen ist. Wie auch immer: Die fünfte Staffel ist Comedy-Gold. Julia Louis-Dreyfus ist nach wie vor fantastisch und spätestens ab jetzt wird sie für mich mehr mit Selina Meyer verknüpft sein als mit Elaine Benes. Hat es jemals eine andere Schauspielerin geschafft, zwei so bahnbrechende Comedy-Rollen zu prägen? Ich bin wirklich begeistert. Die Nebenfiguren bekommen noch mehr Raum eingeräumt (z.B. Catherines neue Beziehung oder Mikes absurde Adoption) und obwohl jede einzelne ein(e) egoistische(r) Opportunist*in ist, so fühlt man doch mit ihnen mit. Wirklich unfassbar gut geschrieben. Am Ende wirkt es ein wenig so, als wäre die Serie auserzählt. Doch weit gefehlt! Ich freue mich schon unfassbar darauf, wie es mit den Figuren nach dem Wahldebakel weitergeht: 10/10 (9.7) Punkte.
Staffel 6: Selina nach der Präsidentschaft
Die sechste Staffel begleitet Selina Meyer und ihr zerfallenes Team in der Zeit nach ihrer verlorenen Präsidentschaft. Während sich Selina ziemlich im Mitleid suhlt und abermals extrem opportunistisch agiert, sieht Dan Egan Chancen im Network-TV. Kent und Ben verschlägt es witzigerweise in Jonahs Team, was für einige absurde Szenen sorgt. Der Rest des Teams versammelt sich schon alsbald erneut um die ehemalige Präsidentin, um ihre Bibliothek zu planen oder ihre Memoiren zu schreiben. Dabei geht natürlich alles schief, was nur schiefgehen kann. Dies kulminiert in der vorletzten Episode „A Woman First“, nur um am Ende völlig abstrus in eine positive Geschichte umzuschlagen. Völlig verrückt. Dabei habe ich noch vergessen, dass Selinas Tochter Catherine schwanger wird. Von Richard. Auch so ein absurder Handlungsstrang, wie ihn diese Staffel einige aufweist. Insgesamt fühlt sich die sechste Staffel sehr anders an, als die vorhergehenden, ist jedoch nicht uninteressant. Mir scheint es jedoch, als würde die Hochphase der Serie bereits hinter uns liegen. Dennoch nach wie vor beste Unterhaltung rund um den US-Politzirkus: 9/10 (8.8) Punkte.
Staffel 7: Auf ein Neues! (oder: Ein bitteres Finale)
Natürlich gibt sich Selina Meyer nicht mit einer Amtsperiode zufrieden und strebt erneut nach Macht. Die finale Staffel steht also wieder ganz im Zeichen des Wahlkampfes, was inzwischen fast schon ein wenig redundant wirkt. Vielleicht wird deshalb auch viel Zeit für Jonah Ryans völlig absurde Kampagne aufgewendet, welche für mich fast schon zu übertrieben war. Jonah verkommt endgültig zur Karikatur, was nicht immer gelungenen Humor mit sich bringt. Das klingt nun negativer als ich die siebte Staffel tatsächlich wahrgenommen habe. In nur sieben Episoden wird die Serie zu einem durchaus runden Abschluss gebracht, doch es ist auch gut, dass „Veep“ damit ihr Ende findet. Das Finale an sich ist unglaublich bitter und die eine wahrhaftige Beziehung der Serie findet hier ihr unrühmliches Ende. Selina hat alles erreicht und gleichzeitig alles verloren. Der letzte Zeitsprung wirkte dann zu sehr wie ein Gimmick und hat für mich nicht 100% für mich funktioniert. Dennoch insgesamt eine finale Staffel, mit der ich sehr gut leben kann: 8/10 (8.4) Punkte.
Fazit
Für Nicht-Sky-Abonnenten ist es nicht einfach, HBO-Content zu schauen. Die finale Staffel von „Veep“ hat es in Deutschland nie auf DVD geschafft, so dass ich zur Import-Version greifen musste. Das hat sich aber gelohnt, denn somit bin ich in den Genuss dieser wirklich urkomischen Serie gekommen. Wirklich beste Unterhaltung und eine der gelungensten Serien über US-Politik. Wird definitiv eine Lücke in meinem Programm hinterlassen: 9/10 (8.9) Punkte.
Stephen Colbert liebt diese Show abgöttisch und ich finde sie ebenfalls großartig. Leider natürlich für den deutschen Durchschnitts-Seriengucker zu schnell und zu sehr auf amerikanische Politik getrimmt. Dass Figuren wie Jonah am Ende fast schon wie Karikaturen wirken, bildet (siehe Trump) irgendwie auch nur die Realität des Politikbetriebs ab. Besonders putzig finde ich ja, dass die Show sowohl bei Demokraten als auch Republikanern gut ankommt – weil beide Parteien natürlich die schlimmsten Ausfälle beim politischen Gegner verorten.
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Ja, das mit den Karikaturen stimmt schon. Die Serie wurde irgendwie von der Realität eingeholt; dennoch empfand ich es als Bruch innerhalb des Serienuniversums. Nicht dramatisch, doch der Ton hat sich in den letzten beiden Staffeln geändert. Immer noch gut, aber nicht mehr so brillant, wie die vorhergehenden drei Staffeln.
Selina ist ja Demokratin; auf irgendeinem Wahlkampfslide hat man die Farbcodierung der Demokraten für sie erkennen können. In der Serie bekommt eh jede(r) sein/ihr Fett weg.
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Nachdem ich jetzt auch die letzten Folge gesehen habe, kann ich endlich deinen Artikel lesen. Wirklich eine tolle Serie und relativ einzigartig – jedenfalls in meiner persönlichen Historie. Hat mir fast durchgehend sehr gut gefallen, wobei die letzte Staffel auch bei mir die schlechteste Bewerung bekommen hat.
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Dann sind wir uns ja recht einig, was die Serie angeht. Und ich bin gespannt, was du über die finale Staffel schreiben wirst. Wird auch für mich immer ein Highlight und etwas Besonderes bleiben, schon alleine aufgrund von Julia Louis-Dreyfus.
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