Making a Murderer – Staffel 1 bis 2

Nach dem vorläufigen Abschied aus Hawkins, habe ich mich einer weiteren Serie zugewandt, die kurz nach ihrer Ausstrahlung auf Netflix einen großen Hype erfahren hat. Die Rede ist von „Making a Murderer“, einer Dokumentarserie, die einen unglaublichen Kriminalfall begleitet. Eine ganz andere Art von Unterhaltung also und manchmal sogar fraglich, ob es denn überhaupt Unterhaltung ist… 👨‍⚖️

Making a Murderer | © Netflix

Making a Murderer | © Netflix

Vorab schon einmal der Hinweis, dass „Making a Murderer“ auch nach seinen zwei Staffeln nicht auserzählt ist. Oder vielleicht doch? Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Warum sich die Sichtung dennoch lohnt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung:

Staffel 1: Eine unfassbare Geschichte

Das Leben schreibt die besten Geschichten. Es ist wirklich so. Wenn der Fall rund um Steven Avery verfilmt worden wäre, dann hätte ich dem Drehbuch vermutlich angekreidet, dass es viel zu unrealistisch sei. Dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass auch gerade der dokumentarische Ansatz manipuliert und Emotionen hervorruft, was z.B. durch gezielten Musikeinsatz besonders auffällt. Doch auch wenn „Making a Murderer“ sehr einseitig erzählt ist, so bin ich doch davon überzeugt davon, dass hier bei den Ermittlungen, bei der Verhandlung und beim Urteil einiges schief gelaufen ist. Vermutlich kommt das im Justizsystem der USA gar nicht so selten vor, doch die geballten Umstände plus Averys vorherige Verurteilung für ein Verbrechen, das er bewiesenermaßen nicht begangen hat, machen aus diesem Fall etwas Besonderes bzw. Erschreckendes. „Making a Murderer“ entwickelt dabei eine seltsame Sogwirkung, welche ich zugleich faszinierend als auch abstoßend fand. Es ist auch die Geschichte sozialer Unterschiede und Außenseiter, was den Blick auf das Land der Freiheit noch weniger rosig erscheinen lässt: 9/10 (8.8) Punkte.

Staffel 2: Fast schon eine Meta-Dokumentation

Die zweite Staffel von „Making a Murderer“ ist fast noch interessanter als die erste. Gar nicht so sehr auf den eigentlichen Fall des Mordes an Teresa Halbach bezogen, sondern vor allem aufgrund des Fakts, dass sie nur existiert, weil es eine erste Staffel gab. Wer weiß, wie es mit Steven Avery und Brendan Dassey weitergegangen wäre, wenn der Fall nicht nach all den Jahren noch einmal diese mediale Aufmerksamkeit bekommen hätte? Stevens neue Anwältin Katherine Zellner hätte sich wohl nie mit dem Fall beschäftigt, wenn er nicht solch eine Publicity erfahren hätte. Neben diesem spannenden Meta-Aspekt, ist die zweite Staffel über weite Strecken ermüdend und repetitiv erzählt. Dadurch wird auch deutlich wie anstrengend und zerrüttend die zähen Entwicklungen für alle Beteiligten sind: Für Steven Avery und Brendan Dassey samt ihres Clans, doch auch für die Familie des Opfers. Mit jedem neu gefundenen Beweisstück vermutet man eine Wendung, doch letztendlich bleibt alles beim Alten. Das macht die Serie, rein auf ihren Unterhaltungswert heruntergebrochen, ein wenig unbefriedigend, ist aber natürlich auch der tatsächliche Stand der Dinge. Wie man es auch dreht und wendet: Es ist viel falsch gelaufen in der Aufarbeitung dieses Falls. Die Tatsache, dass das den damaligen Ermittlern über die Jahre alles so durchgegangen ist, ist das eigentlich Erschreckende daran: 8/10 (8.4) Punkte.

Fazit

Leichte Unterhaltung ist „Making a Murderer“ gewiss nicht, auch wenn sich in der zweiten Staffel ein gewisser Doku-Soap-Charme einstellt. Gerade im Kontrast mit der dahinterliegenden Geschichte, wirkt dies umso befremdlicher. Die erste Staffel erzählt dagegen eine unfassbare Geschichte, die einen als Zuschauer ziemlich desillusioniert zurücklässt. Eine anstrengende, aber doch lohnende Erfahrung: 9/10 (8.6) Punkte.

30 Gedanken zu “Making a Murderer – Staffel 1 bis 2

  1. Die erste Staffel hat bei mir seinerzeit krachend eingeschlagen. Umso mehr, als ich ja zwei Staatsexamen Jura hinter mich gebracht habe und nun mitansehen musste, wie das von mir studierte Recht in den USA gehandhabt wird. Gerade die Behandlung und Verurteilung von Brendan war da oftmals wie ein Schlag ins Gesicht.
    Klar ist die zweite Season schwächer, viele Zuschauer fanden es eher langweilig (auch weil die „Bösen“ ihre Mitwirkung untersagen ließen), aber ich bin da weiter drangeblieben. Den wahren Ablauf der Ereignisse wird man wohl nie erfahren und darum alleine geht einem die Serie auch nach der letzten Einstellung nach.

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    • Oh ja, das glaube ich, dass die Serie einem mit juristischem Hintergrund noch stärker involviert. Mich hat Brendans Geschichte auch noch mehr mitgenommen, da man alleine aus den Videoaufnahmen sehen kann, dass die verhörenden Agenten die Geschichte für ihn zusammenbasteln.

      Auch wenn ich die zweite Staffel schwächer bewertet hatte, so fand ich sie dennoch aus ganz anderen Gründen spannend. Eben weil sich der Fall auch aufgrund der Serie so weiterentwickelt hat, wie er es eben hat. Ziemlich spannend. Bin sehr gespannt, ob die ganze Geschichte irgendwann tatsächlich noch aufgedröselt wird.

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      • Oha 😀 Also wir haben gerade die erste Staffel Dardevil (Netflix) beendet. Die war spannend, aber auch sehr brutal. Ansonsten schauen wir immer noch White Collar (Staffel 4 ) und auch sehr viel News Girl (Staffel 4). Letzteres kann man aber auch sehr schnell weggucken. 😉 Was steht denn bei dir zur Wahl für die nächste Serie? Hast du schon was ins Auge gefasst?

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      • Ah, eine Marvel-Netflix-Serie! Die reizen mich tatsächlich so gar nicht. „New Girl“ dagegen wollte ich auch noch irgendwann fertig schauen, aber momentan bin ich noch mit „Modern Family“ komplett ausgelastet, was Comedy angeht.

        Nach „Mindhunter“ ist die 10. Staffel von „Shameless“ dran. Bis die durch ist, bin ich noch offen für weitere Tipps… 😉

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      • Ich hätte Daredevil auch nicht ausgesucht, aber ich war nicht an der Reihe mit dem Aussuchen. 😅 Tatsächlich ist die Serie aber spannender und auch mit mehr Überraschungen, als ich vorab gedacht hatte. Und da es nur drei Staffeln sind, kann man sich das ganz gut geben. Ich überlege aber auch schon, was es danach werden soll. Vielleicht tatsächlich Mindhunter. Wenn du nur was Kurzes für zwischendurch suchst, kann ich dir immer noch The Queen‘s Gambit ans Herz legen. 😉

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      • Oh, ihr wählt also abwechselnd? Spannend! Bin jetzt selbst fast durch mit der ersten Staffel von „Mindhunter“ und bin sehr angetan. Ist aber eine anstrengende Serie, die nicht klassisch unterhaltend ist. Inzwischen vermute ich, dass ich nach „Shameless“ mit „His Dark Materials“ weitermache. Aber mal sehen… 😉

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      • Ja, hier herrscht Seriendemokratie. Meistens. 😉 Shameless hab ich auch schon ewig auf dem Zettel, His Dark Materials sagte mir gar nichts. Hab kurz gegoogelt und glaube leider nicht, dass das mein Ding ist. Und dem Herrn Koch muss ich mit Fantasy gar nicht kommen. Dem ist Science-Fiction schon zu unrealistisch (und dabei liebe ich Weltraumfilme doch so…). 😉

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      • Von „Shameless“ hättest du dann auch gleich 10 Staffeln. Wäre also ein Großprojekt. Von „His Dark Materials“ habe ich die Bücher gelesen und war von diesen extrem begeistert. Wurde ja schonmal als „Der goldene Kompass“ verfilmt, was aber leider nur bedingt funktioniert hat. Ich werde so oder so berichten. Und auf Sci-Fi hätte ich auch mal wieder Lust… 🙂

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      • Ich glaube, in der aktuellen Situation sind 10 Staffeln Shameless einfach keine gute Wahl für mich. Ich komme bei Dawson’s Creek schon null voran, weil ich das alleine gucke. 😀 Liebäugele gerade mit der Miniserie „Unorthodox“ auf Netflix. Hast du die zufällig schon gesehen?

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      • Ja, 10 Staffeln sind schon ein Brett. Ich hätte gerne eine schöne Serie mit 3-5 Staffeln, die abgeschlossen ist. Etwas, in dem man versinken kann, was sich aber nicht ewig hinzieht, deshalb sind Serien wie „Suits“ und Co. für mich auch raus. „Unorthodox“ habe ich noch nicht gesehen und mir wäre die Serie momentan wohl auch zu kurz. Brauche da zurzeit mehr Routine in meinem Feierabend… 😉

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      • Und ich dacht du kommst jetzt mit dem perfekten Tipp um die Ecke! 😅 Ja, SFU wäre perfekt. Habe auch überlegt mich mal an „Outlander“ zu wagen, da Frau bullion die Vorlage sehr mag und ich ihr nicht schon wieder etwas wie „Mindhunter“ vorsetzen will. Aber die ist halt noch nicht abgeschlossen…

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      • Puh, Outlander reizt mich ja so gar nicht. Historischer Stoff – ganz, ganz schwierig… Mit dem ultimativen Tipp kann ich aktuell leider nicht dienen, glaube ich. Vor allem nicht, wenn die Serie abgeschlossen sein muss. Hast du mal The Good Fight auf Prime gesehen? Das ist fantastisch, aber auch noch nicht abgeschlossen.

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      • Hmm, mich reizt „Outlander“ auch nur bedingt, aber habe ja die letzten drölftausend Serien gewählt, d.h. wäre durchaus nett von mir und soll ja auch sehenswert sein.

        „The Good Fight“? War das nicht das „The Good Wife“-Spin-off? Müsste dann ja erst einmal diese Serie schauen… 😉

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      • Ach so, bei euch wird also nicht das Wechsel-Prinzip praktiziert? Okay, dann ist deine Frau definitiv mal dran mit dem Aussuchen! 😀

        The Good Fight kann man auch gucken, ohne The Good Wife gesehen zu haben. Die Serie übernimmt nur wenige Figuren (allen voran den wunderbaren Charakter der fantastischen Christine Baranski) und setzt eigentlich kein Wissen voraus. Aber wenn du dir auch die Originalserie geben willst – mach das. The Good Wife mochte ich wirklich sehr. Das schlimmste daran ist definitiv der Serienname, der suggeriert, die Hauptfigur wäre eine biedere Hausfrau. 😉

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      • Nein, kein Wechselprinzip, wobei ich schon immer darauf achte etwas zu wählen, was uns beiden gefällt. Zuletzt war es mit „Making a Murderer“ und „Mindhunter“ aber doch ein wenig düster und monothematisch.

        Von „The Good Wife“ habe ich auch schon viel Gutes gehört. Sind aber auch mindestens 7 Staffeln oder? Außerdem Anwaltsserien? Seit „Ally McBeal“ habe ich da irgendwie kein Bedürfnis mehr, noch einmal tief einzusteigen.

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      • Ja, es sind einige Staffeln. Ich mag Anwaltsserien ja ganz gerne, aber wenn das Thema für dich durch ist, dann passen The Good Wife und The Good Fight natürlich nicht. Dann ist Suits allerdings auch dauerhaft raus bei dir, oder könntest du da noch mal schwach werden? 😅

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  3. Dann kann ich mich bei dir bedanken, dass du mir die Frage beantwortet hast, ob sich die zweite Staffel lohnt. 😉 Denn nachdem ich die erste gesehen habe und sehr von den ganzen aufeinandertreffenden Fakten und Sachverhalten rund um Avery und seine Familie geflasht war, konnte ich mir nicht vorstellen, was eine zweite Staffel verändert. Und wenn die Antwort „nichts“ ist, dann schaue ich das wahrscheinlich nicht weiter … aber die erste Staffel hat bei mir schon ein unangenehmes aber immerhin spannendes „War er’s? War er’s nicht?“ ausgelöst. Ging dir das ähnlich?

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    • Ach, ich würde schon sagen, dass sich die zweite Staffel lohnt. Aber am Ende ist das Gefühl halt noch leerer, denn tatsächlich ändert sich nix. Die Fakten, die im Laufe der zweiten Staffel aufgedeckt werden (also zumindest die, die gezeigt werden), sprechen noch mehr für Averys (und Dasseys) Unschuld. Insofern hat mein Gefühl schon eher Richtung „Er war’s nicht“ tendiert, wobei das natürlich auch das Ziel der Doku gewesen sein könnte. Auf jeden Fall ist bei mir das Gefühl geblieben, dass das System ziemlich fragil ist und es leicht für sich genutzt werden kann – sowohl in die eine als auch die andere Richtung.

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  4. Pingback: Mindhunter – Staffel 1 und 2 | moviescape.blog

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