Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan (2006)

Wenn der Rest der Familie im Bett ist, versumpfe ich meist auf YouTube und hole die diversen US-Late-Night-Shows der Woche nach. Doch irgendwie ist das meist das gleiche und trägt auch nicht der Stimmung bei, so lustig die deprimierenden News auch verpackt werden. Gestern habe ich mit „Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan“ (oder auf deutsch „Borat: Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen“) jedoch noch recht spontan einen Film geschaut. Die gerade erschienene Fortsetzung ist zurzeit ja in aller Munde und ich kannte noch nicht einmal den ersten Teil. 🐔🐻

Borat (2006) | © 20th Century Fox

Borat (2006) | © 20th Century Fox

Abstoßend, unkorrekt und doch unfassbar witzig

Mir war Sacha Baron Cohens Kunstfigur natürlich ein Begriff und auch die grobe Geschichte des Films war mir im Vorfeld bewusst. Eben auch dieser Mix aus teils improvisierten Spielszenen und dokumentarisch umgesetzten Begegnungen. Die Grenze verschwimmt und ist nie hundertprozentig klar. Am ehesten lässt sich „Borat“ somit als Mockumentary beschreiben und als solche funktioniert der Film tadellos. Er ist oft unfassbar geschmacklos, teils entlarvend und bei all dem doch unfassbar lustig. Ich mochte ja die kleinen Details am liebsten: Wenn Borat z.B. seinen Koffer voller Enttäuschung hinschmeißt und es dann aus dem Inneren gackert. Oder der Kopf des Bären im Kühlschrank, der nur für ein paar Sekunden im Hintergrund zu sehen ist. Da merkt man, mit wie viel Bedacht dieser so spontan wirkende Film doch inszeniert wurde.

Auch wenn „Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan“ natürlich bewusst politisch unkorrekt ist und den Finger oft schmerzhaft in die Wunden legt, so ist die Intention Sacha Baron Cohens jedoch stets klar, nämlich seinem Gegenüber entlarvende Aussagen zu entlocken. Einzig den Umgang mit seinem kasachischen Heimatdorf sehe ich kritisch. Da diese Szenen ohnehin nicht in in Kasachstan gedreht wurden und die Leute den Medienrummel nicht einordnen konnten, hätte ich hier eine fiktive Nation mit Spielszenen als angemessener empfunden. Das trübt den Gesamteindruck etwas, doch der Hauptteils des Films, sprich Borats Trip durch die USA, ist schon großes Kino.

Fazit

Auch wenn ich late to the party bin, so macht „Borat“ auch noch 14 Jahre später enorm viel Spaß. Sacha Baron Cohen ist unfassbar in seiner Rolle. Die brandneue Fortsetzung werde ich bestimmt auch zeitnah sehen. Borat in Trumps Amerika. Wenn da nicht zusammenkommt, was zusammengehört, dann weiß ich auch nicht. Doch auch schon der erste Teil war schmerzhaft unterhaltend: 8/10 Punkte.

11 Gedanken zu “Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan (2006)

  1. Die Szene mit dem weißen Beutel zum Abendbrot hat sich unauslöslich in mein Gedächtnis geprägt. Andererseits ist es auch erschreckend, zu welchen Aussagen und Reaktionen Cohen seine Gegenüber bringt (was auch im neuen Film reichlich präsentiert wird, seine Serie „Who Is America?“ war in der Hinsicht ebenfalls sehr, sehr schmerzhaft). Ich frage mich da immer, wie er das Einverständnis der so Entblößten bekommen hat bzw. wie sich Leute verhalten, wenn doch deutlich sichtbar eine Kamera im Raum ist.

    Insgesamt eine echte Herausforderung für Zuschauer, für die Fremdschämen unerträglich ist. Ich kenne Menschen, die haben keinen Film von SBC bisher komplett ansehen können.

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    • Das kann ich auch gut verstehen. Die Fremdscham ist schon hart, aber hier trifft es irgendwie die Richtigen. Vielleicht hat auch der Alkohol geholfen. So oder so fand ich den Film richtig und eben schmerzhaft unterhaltsam, was aber auch die Qualität aus macht. Danke für den Tipp mit „Who Is America?“ Muss ich mir mal vormerken, wenn es hier verfügbar ist.

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      • „Who Is America?“ ist schon qualitativ schwankend, was die eigene Aufnahmefähigkeit anbelangt. Die Figur des israelischen ex-Antiterrorexperte Erran Morad ist großartig entlarvend, andere Charaktere hingegen waren mir zu plump auf Provokation angelegt bzw. wirklich nur unter Schmerzen anzuschauen.

        Von Morad gibt es ein offizielles Video von Showtime auf YouTube: [https://youtu.be/QkXeMoBPSDk]

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  5. Ich wollte den Film lange nicht sehen, wurde jedoch auf diese absurde Szene bei nem Rodeo in Texas die amerikanische Nationalhymne zu verarschen hingewiesen. Also habe ich mir den Film „angetan“ und war wie du begeistert.
    Den zweiten Teil werde ich sicherlich auch zeitnah nachholen.

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    • Dann wünsche ich dir viel Spaß mit dem zweiten Teil. Er ist teils deutlich anders als der erste, aber das musste nach all den Jahren wohl so sein. Dennoch wieder ziemlich gut, gerade was die Rahmenhandlung angeht. Hätte ich so nicht erwartet.

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