Sneaky Pete – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Nach dem Ausflug in deutsche Seriengefilde sowie einer dicker Ladung Comedy, bin ich mit „Sneaky Pete“ wieder zu einer amerikanischer Drama-Serie zurückgekehrt. Dabei war die Serie zunächst eine Notlösung, da ich über den Sommer kein riesiges Projekt (z.B. „Justified“) angehen wollte und nach einer kürzeren, bereits abgeschlossenen Serie Ausschau gehalten habe. Wer hätte gedacht, dass ich ein solches Kleinod entdecken würde? 💸

Sneaky Pete | © Amazon Prime Video

Sneaky Pete | © Amazon Prime Video

„Sneaky Pete“ gehört zu den Serien, für die zunächst Pilot-Episoden produziert wurden, und die Amazon-Kunden letztendlich abstimmen konnten, welche davon wirklich in Serie gehen sollen. Nach der Sichtung kann ich nun sagen: Da habt ihr gut abgestimmt! 👍

Staffel 1: Wirklich sneaky, dieser Pete!

Zu Beginn wirkt „Sneaky Pete“ noch wie eine lockere Gauner-Komödie. Auch später sind diese Aspekte noch in der Serie zu finden, jedoch erinnert der Ton eher an die Filme der Coen-Brüder und ist somit doch düsterer als „Ocean’s Eleven“ und Co. Auch an Tarantino musste ich häufiger denken, gerade wenn Bösewicht Vince (gespielt von Bryan Cranston) ins Spiel kommt. Überhaupt wirkt es manchmal so, als hätte sich Cranston als Produzent der Serie, nach dem Erfolg von „Breaking Bad“, eine weitere Figur auf den Leib schreiben lassen. Über den weiteren Verlauf der Staffel gewinnen auch die Nebenfiguren an Charakter und es kommt eine richtig schöne Kleinstadt- bzw. Familienatmosphäre auf. Dieser Aspekt ergänzt die Gangster-Geschichte auch ziemlich gut, die am Ende zwar ein wenig konstruiert wirkt, aber auch viel Spaß macht. Damit wäre die Handlung eigentlich abgeschlossen und der Cliffhanger wirkt ein wenig forciert. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass die Abenteuer von Pete bzw. Marius auch weiterhin unterhaltsam bleiben: 9/10 (8.7) Punkte.

Staffel 2: This time it’s personal!

Der Plot der zweiten Staffeln hat sich für mich zu Beginn ein wenig gewollt angefühlt. Plötzlich taucht eine neue Bedrohung aus dem Nichts auf. Und natürlich zeigt diese, dass Pete bzw. Marius in Wirklichkeit doch ein netter Kerl ist, dem seine neue Familie durchaus am Herzen liegt. Über den weiteren Verlauf der Handlung erweist sich diese klischeehafte Entwicklung jedoch als geschickter Schachzug, da der neue Con mindestens ebenso stark von Petes Mutter Maggie (also dem richtigen Pete) wie von Marius abhängt. Durch die dadurch entstehende Spannung, sowie einem weiteren fiesen Gegenspieler, und viel Familiendrama auf Seite der Bernhardts, vollführt „Sneaky Pete“ eine Entwicklung, die mich an eine Mischung aus „Six Feet Under“ und „Ocean’s Eleven“ denken ließ. Die Geschichte ist weiterhin recht überkonstruiert, wenn man das der Serie jedoch abkaufen kann, dann macht „Sneaky Pete“ auch im zweiten Jahr enorm viel Spaß: 9/10 (8.6) Punkte.

Staffel 3: Ein rundum gelungener Abschluss

Hatte man in der vorhergehenden Staffel bereits die Familie Bernhardt mehr in den Vordergrund gerückt, so wird das in der finalen Staffel noch einmal gesteigert. In Kombination mit Marius‘ Vergangenheit (in Form von Lizzie) ergibt sich dadurch ein wunderbares Spannungsfeld. Die Verlagerung der Handlung nach Kalifornien trägt zudem dazu bei, dass sich die dritte Staffel irgendwie anders anfühlt und doch wie eine nur logische und konsequente Weiterentwicklung wirkt. Es ist gar nicht so einfach, bei den unterschiedlichen Betrügereien, die in der Staffel laufen, die Übersicht zu behalten. Noch in der vorletzten Episode waren alle Bälle in der Luft und ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass diese den Weg zurück in Petes bzw. Marius‘ Hände finden. Am Ende hat sich jedoch alles gut zusammengefügt. Eigentlich zu gut, aber das war seit jeher ein Problem der Serie. Doch die geerdeten und wunderbar gespielten Charaktere lassen auch die größten Zufälle verzeihen. Zumindest ich werde die Bernhardts und Marius sehr vermissen: 9/10 (9.0) Punkte.

Fazit

„Sneaky Pete“ ist eine dieser Serien, über die ich zuvor nie groß etwas gelesen habe. Mir ist sie nur aufgrund von Giovanni Ribisi, und weil sie eben eine Amazon-Produktion ist, aufgefallen. Und das ist sehr schade, denn sie steht anderen Serien in nichts nach und überzeugt durch wirklich famose Schauspieler und eine wunderbar dichte Atmosphäre. Kann ich wirklich nur empfehlen: 9/10 (8.8) Punkte.

4 Gedanken zu “Sneaky Pete – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

  1. Ich weiß genau, dass ich den Piloten gesehen habe, mir der aber wegen Giovanni Ribisi nicht gefallen hat. Weshalb ich etwas gegen Ribisi hatte, musste ich jetzt gerade eben recherchieren. Klar, den kennt man aus „Friends“, wo er ein bisserl nervig war. Entscheidend für mich war aber, dass er ein bis zwei Jahre vor „Sneaky Pete“ die wirklich spaßfreie Comedy „Dads“ mit Seth Green abgedreht hatte. Brrr. Das Ding stammte aus der Feder von Seth MacFarlane und schnitt nicht gut bei mir im Seriencheck ab:

    „Seth, das ging aber mal voll in die Hose. Es tut einem schon fast leid um die Darsteller. Vor allem Seth Green („Robot Chicken“) und Giovanni Ribisi („Friends“) werden dermaßen in die Witzwüste geschickt und dort schmerzlichster Gagdürre ausgesetzt, dass das Zuschauen alleine schon wehtut. Unter diese Qual legt man dann auch noch ein Lachband, wo eigentlich tödliche Stille angesagt wäre. Es gibt nichts Schlimmeres für eine Comedy, als wenn der Betrachter sich ernsthaft fragt, ob bei Erstellung des laugh tracks ohne Rücksicht auf das Gebotene einfach mechanisch alle 10 Sekunden Gelächter aufgespielt wurde. Bei den Vätern (Martin Mull, „Arrested Development“ / Peter Riegert, „Damages“) hat man sich zumindest im Piloten noch minimale Mühe gegeben. Spätestens mit der zweiten Folge ist aber alles verloren. Die rangiert nämlich qualitativ auf einer Höhe mit RTL oder SAT1-Spielfilmproduktionen.“

    Nach deinem Review fühle ich mich jetzt aber schlecht, der Show keine echte Chance gegeben zu haben. Gerade wegen Bryan Cranston.

    Gefällt 1 Person

    • Ohje, das klingt ja wirklich grausam. Dennoch würde ich vermuten, dass „Sneaky Pete“ (schon alleine aufgrund des gänzlich anderen Genres) bei dir keine Assoziationen zu „Dads“ wecken dürfte. Trotz humorvoller Elemente ist „Sneaky Pete“ eher eine Mischung aus teils erstaunlich hartem Ganster- und emotionalem Familiendrama. Aber manchmal halten einen eben die seltsamsten Gründe vom Schauen von Serien ab (sage ich, der bisher noch kaum eine Netflix-Show geschaut hat).

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