Vielleicht lieber morgen – OT: The Perks of Being a Wallflower (2012)

Auch wenn ich nach dieser Woche noch kaum Energie für einen Film aufbringen konnte, so habe ich mich doch vor die Filmsammlung gestellt und – nach einer langwierigen Entscheidungsphase – die Literaturverfilmung „Vielleicht lieber morgen“ aus dem Regal gezogen. Eine gute Entscheidung, denn selbst ohne die Unterbrechungen in Form von weinenden Kindern (ja, wir haben wieder gut 30 °C in der Wohnung) wäre ich nicht eingeschlafen – und das hätte heute wahrlich nicht jeder Film geschafft…

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Bemerkenswert an „The Perks of Being a Wallflower“ (so der fantastische Originaltitel) ist zunächst, dass Stephen Chbosky – der Autor der Vorlage – nicht nur das Drehbuch verfasst, sondern auch Regie geführt hat. Das sieht man nicht oft in Hollywood und hat sich hier wohl ausgezahlt. Obwohl ich den Roman nicht kenne, wirkt der Film flüssig erzählt und lässt keine Elemente vermissen oder andere zu sehr in den Vordergrund treten. Wirklich rundum gelungen. Neben der Handlung hat Chbosky auch inszenatorisch Großes vollbracht und die Atmosphäre der frühen 90er Jahre dicht und glaubwürdig auf die Leinwand übertragen. Vom fantastischen Soundtrack einmal ganz zu schweigen.

„Vielleicht lieber morgen“ ist auf jeden Fall auch ein Schauspielerfilm. Besonders beeindruckt hat mich das Ensemble der drei jugendlichen Hauptdarsteller: Logan Lerman, Ezra Miller und Emma Watson (Hermine, „Harry Potter“-Reihe) spielen allesamt hervorragend. Doch auch die Nebendarsteller sind nicht zu verachten. So geben u.a. Mae Whitman (Amber, „Parenthood“), Paul Rudd oder Tom Savini (Sex Machine, „From Dusk Till Dawn“) ihr Stelldichein und verleihen ihren Rollen das gewisse Etwas.

Der Film hätte für mich wohl perfekt als Coming-of-Age-Geschichte funktioniert. Ein Außenseiter, der sich nach dem Tod seines besten Freundes wieder in der Welt zurechtfinden muss. Dabei lernt er eine Gruppe von außergewöhnlichen Leuten kennen, die ihm zeigen, dass das Leben lebenswert ist. Emotional, mitreißend und toll erzählt. Leider zieht der Film gegen Ende (Andeutungen gab es schon vorher) noch ein paar Handlungselemente aus dem Hut, die meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wären. Zuviel Drama für meinen Geschmack. Teen Angst in Kombination mit dem Tod des Freundes wären für mich Motivation genug für die Geschehnisse gewesen.

Auch wenn „The Perks of Being a Wallflower“ letztendlich nicht so perfekt ist, wie ich zu Beginn gehofft hatte, so macht er wirklich viel Freude. Schauspieler, Atmosphäre und Sountrack sind großartig und auch emotional konnte mich der Film packen. Sicher einer der gelungensten High-School-Filme der letzten Jahre. Sollte man nicht nur als Literatur- und Musikfreund auf jeden Fall gesehen haben: 8/10 Punkte.

16 Gedanken zu “Vielleicht lieber morgen – OT: The Perks of Being a Wallflower (2012)

  1. Pingback: Vielleicht lieber morgen (2012) | Film-Blogosphäre

  2. [SPOILER]

    Ich hätte in der Geschichte gut auf das Inzest-Drama verzichten können, da es für mich letztlich unerheblich für die Erzählung ist. Die Geschichte hätte man genauso glaubwürdig ohne es erzählen können, ausschließlich motiviert durch den Suizid des Freundes.

    [/SPOILER]

    Ansonsten eine nette, aber keineswegs originelle Coming-of-Age-Story.

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    • Da sind wir – auch wenn es sich in Punkten evtl. anders ausdrücken mag – tatsächlich einmal wieder einer Meinung, denn auf exakt dieses Handlungselement hätte ich aus den von dir genannten Gründen auch verzichten können. Der Rest ist sicher nicht sonderlich originell, aber sympathisch und konsequent erzählt und wird von einer fantastischen 90er Jahre Atmosphäre getragen.

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  3. Ich dachte am Anfang des Films, dass es wirklich ein Film ist, bei dem Erfahrungen geschildert werden, die ich auch erlebt habe. Dann verlor mich der Film leider nach dem ersten Drittel, weil es in ein doch nicht so emotional passende Erzählung geartet ist, die wirklich nicht der Rede wert war. Das ganze muss einen einfach emotional packen, denke ich, um zu funktionieren. Ansonsten ist das – wie Flo Lieb schon schrieb – eine nicht allzu originelle Story.

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    • Für mich hat der Film bis auf die von Flo erwähnten Handlungselemente sehr gut funktioniert. Mich hat der Film sowohl emotional gepackt, als auch von seiner Handlung her gesehen überzeugt. Das alles war sehr nachvollziehbar inkl. dem einen vergebenen Mädchen usw. Sicher nicht super originell, doch gerade da man die verschiedenen Versatzstücke in der einen oder anderen Form vermutlich selbst irgendwie erlebt hat (vom getöteten Freund und der Tante einmal abgesehen), konnte mich der Film begeistern.

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      • Brauchst mich ja nicht überzeugen. Wie gesagt, es kommt halt darauf an ob man da mitfühlen kann. Ich find es ja immer gut, wenn andere da so aufgehen können, hätte ich ja auch gern so gehabt 😉

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      • Natürlich muss ich hier Überzeugungsarbeit leisten. Wo kämen wir denn hin, wenn ich hier jede kundgetane Meinung einfach unkommentiert im Raum stehen lassen würde? 😉

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  4. Mich hat der Film bis auf das schon angesprochene Ende auch begeistert – jedenfalls wollte ich gleich nach dem Film gerne durch einen Tunnel fahren und dazu David Bowie hören. 😉 Ich erwartete einen Coming-of-Age-Film und bekam ihn – und gewisse Versatzstücke gehören hier meines Erachtens dazu. Allerdings würde mich sehr interessieren, wie die besagte „letzte-Drittel-Geschichte“ in dem Roman eingebaut ist. Aber er schlummert noch auf meiner Leseliste.

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    • Hehe, wer wollte das nach der Tunnel-Bowie-Szene nicht? 😉

      Ich fand auch, dass die Coming-of-Age-Elemente sehr schön erzählt waren. Ich mag dieses Genre sowieso sehr gerne, solange es seine Figuren und ihre Probleme ernst nimmt. Im Buch scheint es – siehe Xanders Kommentar – wohl ähnlich zu sein. Da das Buch auch eher kurz ist, könnte ich mir vorstellen, dass alle Handlungselemente nahezu 1:1 übernommen wurden. Aber vielleicht lese ich auch selbst einmal rein.

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  5. Super Film das.
    Mich störte auch das Ende nicht, vermutlich, da ich das Buch vorher kannte und wusste, worauf das hinausläuft. Wer die Vorlage nicht kennt, für den mag das etwas unpassend wie aus dem Hut gezaubert wirken.

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    • Ergänzend zu Sonjas Frage: Wie genau wurde das denn ins Buch eingeflochten? Wurde das auch erst am Ende aufgelöst, oder gab es davor schon stärkere Andeutungen? Ich fand einfach es war für die Geschichte nicht nötig. Ansonsten ja: super Film das.

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      • „Stärkere“ Andeutungen würde ich jetzt nicht sagen, aber man merkte schon, mit dem stimmt was nicht, nicht nur wegen dem Selbstmord seines Freundes. Und durch die Beschreibungen Chboskys von Charlies Gefühlen (im Buch ist er ja auch gefühlt auf jeder zweiten Seite am heulen) wirkt es auch noch intensiver nach.

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      • Okay, danke für die Info. Im Film ist ja auch beständig mitgeschwungen, dass Charlie Probleme hat – allerdings hätte ich dies tatsächlich am Selbstmord des Freundes bzw. Ableben der Tante festgemacht. Hätte mir ohne wohl besser gefallen, aber wäre dann natürlich nicht die Geschichte, die der Autor erzählen wollte.

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  6. Pingback: Media Monday #110 | Tonight is gonna be a large one.

  7. Ich hab den Film gestern gesehen und fand in großartig. Tolle Charaktere, tolle Schauspieler, überragender Soundtrack, kriegt von mir eine 9,x/10.

    Ob es den letzten Teil so gebraucht hätte? Nicht unbedingt, aber als Erklärung für die Blackouts durchaus angebracht.

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