Letztendlich sind wir dem Universum egal – OT: Every Day (2018)

Heute war war ein extrem voller Tag: Von einem Kindergeburtstag bis hin zum Rasenmähen, Vertikutieren und Co. waren wir von früh bis spät bei herrlichstem Wetter draußen. Da hat es sich schon fast komisch angefühlt, sich abends nicht auf die Terrasse zu setzen, doch bis es soweit ist, wird es noch dauern. Also ab aufs Sofa und mit „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ die Verfilmung eines wunderbaren Romans angeschaut. Ob die Adaption der Vorlage gerecht werden konnte?

Letztendlich sind wir dem Universum egal (2018) | © Splendid Film/WVG

Letztendlich sind wir dem Universum egal (2018) | © Splendid Film/WVG

Alles eine Frage der Perspektive

Ich hatte von der Verfilmung gelesen, kurz nachdem ich den Roman „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ beendet hatte. Schon damals war ich eher skeptisch, ob und wie diese Geschichte für das Kino adaptiert werden kann, aber ich habe mich auch auf den Film gefreut. Danach habe ich ihn jedoch aus den Augen verloren, bis er mir neulich in einer Verkaufsaktion aufgefallen ist. Aber auch nur aufgrund des Titels, denn das Cover sieht verdächtig nach 08/15-Teenie-Film aus. Dennoch war ich zu neugierig, als dass ich mich davon hätte abschrecken lassen. Nach der Sichtung kann ich nun sagen: Es ist eine typische Buchverfilmung. Der Kern der Geschichte ist definitiv da, doch die feinen Nuancen und Besonderheiten der Vorlage haben es nur bedingt in das neue Medium geschafft.

Am deutlichsten fällt wohl der Wechsel der Perspektive auf: Im Buch wird die gesamte Geschichte durch die Augen von A erzählt. Rhiannons Perspektive bleibt uns fremd. Der Autor David Levithan hat diese in einem zweiten Roman „Letztendlich geht es nur um dich“ verarbeitet, welcher vermutlich auch mit Grundlage für das Drehbuch des Films war. Die Geschichte wirkt dadurch deutlich konventioneller, wenngleich ich es bemerkenswert finde, wie konsistent A von den unterschiedlichen SchauspielerInnen dargestellt wurde. Im Gegensatz zum Buch steht die Liebesgeschichte noch viel deutlicher im Mittelpunkt und wir Zuschauer bekommen nur wenig Einblick in das vorherige Leben von A. Das fand ich schade, bedingt diese Änderung doch klar die Wahrnehmung von „Every Day“ als weitere Teenie-Romanze.

Fazit

Auch wenn wir in „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ nur einen Teil der Geschichte zu sehen bekommen und der Fokus zu sehr auf der Romanze liegt, so empfand ich den Film durchaus als gelungene Adaption. Zumindest hat er bei mir Erinnerungen an den Roman geweckt. Mit mehr Mut hätte etwas richtig Großes daraus werden können, doch auch so besitzt Michael Sucsys Film immer noch eine schöne Botschaft. Im Zweifel jedoch lieber das Buch lesen: 7/10 Punkte.

Shape of Water: Das Flüstern des Wassers – OT: The Shape of Water (2017)

Heute haben wir uns in den Wahnsinn der Nürnberger Innenstadt während des Christkindlmarktes gestürzt, um noch ein paar Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Leider waren wir erfolglos, was die dafür aufgebrachte Zeit noch sinnloser erscheinen lässt. Eigentlich hätte ich heute auf der Geburtstagsfeier eines guten Kollegen sein müssen bzw. wollen, doch wäre mir das zuviel geworden. Also zu Hause „Shape of Water: Das Flüstern des Wassers“ in den Player geschoben und für zwei Stunden dem Alltag entflohen…

Shape of Water: Das Flüstern des Wassers (2017) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Shape of Water: Das Flüstern des Wassers (2017) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Zurecht ein großer Erfolg für Guillermo del Toro

Guillermo del Toro zählt zweifellos zu meinen Lieblingsregisseuren. Auch wenn ich nicht jeden seiner Filme bedingungslos gelungen finde (z.B. „Crimson Peak“), so besitzt doch jeder einzelne seinen unverkennbaren Stil. Dieser besticht vor allem durch seine audiovisuell perfekt umgesetzte Liebe für das Außergewöhnliche, das Phantastische und das zutiefst Menschliche (wunderbar nachzulesen in diesem Buch). Als ich erstmals von „The Shape of Water“ gehört hatte, war ich natürlich äußerst gespannt darauf. Dann hat er doch tatsächlich den Oscar als Bester Film gewonnen! Sollte Guillermo del Toro etwa auf seine Tugenden verzichtet haben, nur um einen typischen Oscar-Film vorzulegen? Insofern war ich extrem gespannt, was mich erwarten sollte.

Schon die ersten Einstellungen machen klar, dass man sich in einem Film del Toros befindet: Gelb- und Grüntöne überwiegen, die Kameraeinstellungen sind extremer als gewöhnlich und das Setdesign ist so detailliert, dass der Schmutz aus den Ritzen der Fliesen mit dem Putzwasser aus dem Fernseher ins Wohnzimmer zu schwappen scheint. Die Geschichte ist märchenhaft und doch glaubwürdig. Als würde „Die fabelhafte Welt der Amélie“ auf das Monsterkino der 50er Jahre treffen. Auch setzt del Toro weiterhin auf fast schon comichaft überhöhte Charaktere und drastische Gewaltspitzen, was in der Kombination nicht sonderlich massentauglich erscheint, den Film jedoch gerade deshalb aus der Masse an Oscar-Filmen heraushebt.

Somewhere Beyond the Sea

Der namenlose Amphibienmann ist großartig gestaltet und Doug Jones, der aus „Hellboy“ und „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ bereits Erfahrung mit Figuren dieser Art hat, haucht ihm gekonnt Leben ein. Sally Hawkins ist ein Traum und besonders habe ich mich gefreut, Richard Jenkins einmal wieder in einer größeren Rolle zu sehen. Michael Shannon scheint seinen Charakter aus „Boardwalk Empire“ noch einmal aufleben zu lassen, der hier zwar überzeichnet böse wirkt, was jedoch auch gut zur teils (alb)traumhaften Atmosphäre des Films passt. Insgesamt trägt das Ensemble den Film, der durch seine famosen Schauspieler, trotz der kunstvoll gestalteten Welt, auf seltsame Weise geerdet wirkt.

Fazit

Auch wenn ich vermutet hatte, dass mir „The Shape of Water“ gut gefallen würde, so war ich doch überrascht wie viel von Guillermo del Toro tatsächlich in dem Film zu finden ist. Er ist eine Ode an die Andersartigkeit, an die Menschlichkeit und die Liebe. Einfach ein wunderschöner Film, der sowohl inhaltlich als auch auf audiovisueller Ebene voll und ganz zu überzeugen weiß: 9/10 Punkte.

Escobar: Paradise Lost (2014)

Nach einem erfolgreichen Tag, stand heute Abend natürlich ein Film auf dem Programm. In den Player wanderte „Escobar: Paradise Lost“, der schon länger ungesehen im Regal stand. Ob sich der Blick auf Pablo Escobars Leben aus einer ungewohnten Perspektive lohnt, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Escobar: Paradise Lost (2014) | © Alive Vertrieb und Marketing

Escobar: Paradise Lost (2014) | © Alive Vertrieb und Marketing

Liebe macht blind – Der Film

Zunächst einmal fällt die nicht chronologische Erzählweise auf. Das ist an sich kein besonders ungewöhnlicher Kniff, doch ist es Regisseur Andrea Di Stefano nicht immer gelungen, die Zeitebenen klar zu definieren. Das liegt vermutlich auch an der ungewohnten Montage, bei der Schwarzblenden häufig recht unmotiviert wie harte Schnitte eingesetzt werden. Für manche mag das kunstvoll wirken, mich hat es öfter aus dem Film geworfen. Wenn wir schon bei den formalen Aspekten sind, bleibt zu erwähnen, dass die Schauplätze in schönen Bildern eingefangen werden. Man bekommt ein gutes Gefühl für örtliche Zusammenhänge und die Stimmung im Land. Wirklich schön. Der Score dagegen erschien mir ziemlich aufdringlich.

Inhaltlich ist der Film ähnlich unrund, wie in seiner Inszenierung. Die Liebesgeschichte überwiegt und Pablo Escobar verkommt fast schon zum reinen Setting. Eigentlich ein interessanter Ansatz, doch spielt Benicio Del Toro den Drogenbaron so großartig und charismatisch, dass ich gerne mehr von ihm gesehen hätte. Die eigentliche, von Josh  Hutcherson gespielte, Hauptfigur Nick wird dagegen so naiv gezeichnet, dass dies trotz seiner Verliebtheit zu Pablo Escobars Nichte fast ein wenig unglaubwürdig wirkt. Dennoch wusste mich der Film, als Nick endlich aufwacht, wirklich zu packen. Das Finale ist spannend inszeniert und bleibt ganz am Ende wunderbar bittersüß. Aber eben auch unspektakulär und vorhersehbar. Überraschungen sollte man somit auch lieber nicht erwarten.

Fazit

Insgesamt war „Escobar: Paradise Lost“ ein nett anzusehender und durchaus spannender Film, dem ein wenig mehr Fokus auf seine Stärken gut getan hätte. Diese besitzt der Genre-Mix nämlich durchaus. So bleibt am Ende jedoch das Gefühl, einen nur ganz netten Film mit einem herausragenden Benicio Del Toro und ein paar spannenden Einzelszenen gesehen zu haben: 6/10 Punkte.

Castle – Season 8

Einmal mehr verlässt mich eine Serie, die mich schon länger begleitet. Seit 2009 um genau zu sein. Damals habe ich eigentlich nur aufgrund von Nathan Fillion in die Serie reingeschaut, da ich nach „Firefly“ und „Dr. Horrible’s Sing-Along Blog“ bereits große Stücke auf den sympathischen Schauspieler hielt. Mit „Castle – Season 8“ stand nun mit einiger Verspätung das Finale des Krimi-Procedurals auf dem Programm. Ob der Charme des Hauptdarstellers und seiner Kollegin auch dieses Jahr wieder ausgereicht hat, um die Serie zu tragen?

Castle – Season 8 | © ABC Studios

Castle – Season 8 | © ABC Studios

Abschied von Castle und Beckett

Nachdem ich die siebte Staffel via Prime Video gesehen hatte, und die Verfügbarkeit mitten in der achten Staffel stoppte, war meine Motivation in diese unterhaltsame Krimi-Welt zurückzukehren doch eher gering. Typisch Streaming eben. Dennoch wollte ich die Serie nicht abschreiben und habe nur auf den richtigen Moment (sprich einen günstigen Preis für die DVD-Box) gewartet, um endgültig Abschied zu nehmen. Das Warten hat sich gelohnt, denn auch wenn „Castle“ im achten Jahr nichts mehr wirklich Neues bietet, so weiß die Chemie zwischen den Darstellern doch nach wie vor zu überzeugen und der Wortwitz, speziell von Nathan Fillions Charakter, ist ein steter Grund zur Freude. Dennoch sollte man sich keine Illusionen machen, denn mehr als ein recht formelhaftes Krimi-Procedural hat auch das große Finale nicht zu bieten.

Wie bereits in den Vorjahren, haben mir speziell die Einzelepisoden viel Spaß gemacht, die sich ihre Prämisse öfter der Popkultur entleihen (z.B. ein Setting wie in „Saw“ oder die Origin-Geschichte eines Superhelden). Weniger überzeugt hat mich dagegen der große Handlungsstrang rund um LokSat, weil dieser auf mich stets sehr forciert und unnötig ernsthaft wirkte. Somit ergibt sich für die letzte Staffel folgende Eingliederung in das Gesamtbild:

  1. „Castle – Season 4“ (8.8 Punkte)
  2. „Castle – Season 3“ (8.6 Punkte)
  3. „Castle – Season 5“ (8.5 Punkte)
  4. „Castle – Season 2“ (8 Punkte)
  5. „Castle – Season 6“ (7.9 Punkte)
  6. „Castle – Season 7“ (7.8 Punkte)
  7. „Castle – Season 1“ (7 Punkte)
  8. „Castle – Season 8“ (7.4 Punkte)

Fazit

Auch wenn die finale Staffel von „Castle“ keinerlei neue Aspekte bietet, so hatte ich doch wieder enorm viel Spaß mit diesem sympathischen Ermittlungsteam. Leider merkt man an der letzten Episode deutlich, dass eigentlich eine Fortsetzung geplant war und das tatsächliche Finale nur schnell hinterher geschoben wurde. Das hätte die Serie nicht verdient gehabt. Ich werde dieses Krimi-Procedural dennoch als eines der besten seiner Art in Erinnerung behalten: 7/10 (7.4) Punkte.

Die Taschendiebin – OT: Agassi – Extended Cut (2016)

Es hat sich recht spontan ergeben, dass beide Kinder heute außer Haus übernachten. Was also tun? Im Kino läuft zurzeit nichts Interessantes, also sind wir (wie die Rentner um 17:30 Uhr) essen gegangen und waren schon recht bald wieder zu Hause. Viel Zeit für eine passende Abendunterhaltung, weshalb wir uns für die Langfassung von Park Chan-wooks „Die Taschendiebin“ entschieden haben. Spoiler sind zu erwarten.

Die Taschendiebin (2016) | © Koch Media GmbH

Die Taschendiebin (2016) | © Koch Media GmbH

Es kommt ganz auf die Perspektive an

Eigentlich weiß man über den Film bereits zu viel, wenn man die Inhaltsbeschreibung auf dem Cover liest. Die erste Wendung ereilt uns unwissende Zuschauer jedoch bereits nach ca. einer halben Stunde, weshalb das noch zu verschmerzen ist. Danach hält uns der Film mit seinen unterschiedlichen Erzählperspektiven jedoch gehörig auf Trab. Ich wurde wirklich mehrfach überrascht und bin trotz der Laufzeit von beinahe drei Stunden stets aufmerksam am Ball geblieben. Inhaltlich ist „Die Taschendiebin“ wahrlich ergiebig. Zusammen mit der eleganten bis pompösen Inszenierung ergibt sich ein faszinierendes Gesamtbild, das beständig zwischen Arthouse und Exploitation schwankt. Zumindest wenn man den Film auf seine Extreme beschränkt. Dazwischen bietet die Geschichte jedoch etliche ergiebige Details, die viel Freude bereiten.

Während der ersten halben Stunde hat sich „Die Taschendiebin“ für mich noch etwas sperrig angefühlt. Eher nach südkoreanischem Kostümdrama als einem mitreißenden Mystery-Drama. Wie bereits in „Oldboy“ begibt sich Park Chan-wook jedoch auch hier schon bald in Abgründe und bereitet seinen Figuren so manch schmerzhaften Moment. Dabei hält der Film für die beiden Hauptcharaktere ein glückliches Ende parat. Das war für mich letztendlich wohl auch die größte Überraschung an „Die Taschendiebin“.

Erotik als fester Bestandteil der Geschichte

Park Chan-wook inszenierte seinen Film ziemlich explizit, gerade was die Sexszenen angeht. Selten hatte ich jedoch das Gefühl, dass diese weniger dem Voyeurismus dienen, als ein essenzieller Bestandteil der Geschichte sind. Die Männer spielen in diesem Film, auch wenn es zu Beginn anders wirken mag, eine eher untergeordnete Rolle. Und sie kommen nie zum Zug, was den sexuellen Befreiungsschlag der beiden Protagonistinnen in der Mitte des Films umso eindringlicher wirken lässt. Neben seiner erotischen Komponente, besitzt der Film auch Humor, viel Drama und lässt uns Zuschauer an mehreren Mysterien teilhaben. Eine sehr ungewöhnliche Mischung, gerade wenn man, wie ich, eher Hollywood-Kino gewöhnt ist.

Fazit

Trotz seiner Andersartigkeit, oder gerade deshalb, konnte mich „Die Taschendiebin“ in vielerlei Hinsicht überraschen. Der Genremix ist ziemlich unvergleichlich und führt nicht nur seine Charaktere auf die falschen Fährten. Umso erstaunlicher, dass sich der Film zu keiner Sekunde zäh oder langatmig anfühlt. Für mich ein wahrlich besonderes Filmerlebnis, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird: 9/10 Punkte.

Die Schöne und das Biest – OT: Beauty and the Beast (2017)

In der letzten Woche habe ich schon mehr Filme gesehen, als in den zwei Monaten zuvor. Was eine Abkühlung um 15 °C doch ausmacht. Gestern stand mit der Neuverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ ein Film auf dem Programm, den wir schon lange sehen wollten. Auch weil mir das Live-Action-Remake von „The Jungle Book“ ausgezeichnet gefallen hat, war ich sehr hoffnungsvoll…

Die Schöne und das Biest (2017) | © Walt Disney

Die Schöne und das Biest (2017) | © Walt Disney

How Does a Moment Last Forever

Im Gegensatz zu vielen anderen Disney-Klassikern, habe ich „Die Schöne und das Biest“ in meiner Jugend nicht sonderlich häufig gesehen. Ich kann mich tatsächlich nur an eine oder zwei Sichtungen erinnern. Der Film besitzt für mich demnach keinen überaus großen Stellenwert, wenngleich ich das Zeichentrick-Musical auch sehr mag und die meisten Songs wiedererkannt habe. Im Gegensatz zu „The Jungle Book“ orientiert sich Bill Condons Version sehr nahe am Animationsfilm, weshalb er sich noch mehr als Jon Favreau die Frage gefallen lassen muss: Warum überhaupt ein Remake? (Klar, für Disney ist viel Geld im Spiel.) Wenn man sich für den Film interessiert, sollte man diese Frage jedoch zunächst hintenanstellen. Schon alleine um nicht beständig zu vergleichen. Für mich hat diese neue Version tatsächlich einen Mehrwert geschaffen und das ohne den Zeichentrickfilm abzuwerten:

Auch wenn viel CGI im Spiel ist, so liebe ich den Look des Films. Das Dorf, das düstere  Schloss und speziell seine Bewohner haben es mir wirklich angetan. Auch die Musical-Nummern funktionieren größtenteils extrem gut und die inhaltlichen Erweiterungen geben den Figuren mehr Tiefe. Andere Elemente, wie z.B. die Ausgestaltung von „Be Our Guest“, haben auf mich ein wenig befremdlich gewirkt. Hier hätte der Film für mich besser funktioniert, wenn sich die Inszenierung mehr vom Original gelöst hätte. Die neuen Songs dagegen fügen sich wunderbar in die Geschichte ein.

Beauty and the Beast

Über die Besetzung, gerade von Emma Watson, wurde viel geschimpft. Ich kann das nicht nachvollziehen. Sicher entspricht sie nicht der Belle aus dem Animationsfilm, doch begrüße ich diese Änderung. Der Film bekommt dadurch einen frischen Wind und man löst sich vom beständigen Vergleich. Auch die anderen Schauspieler füllen ihre Rollen gekonnt aus, wobei ich am meisten Zeit benötigt habe, um mich mit Dan Stevens (David, „The Guest“) anzufreunden. Das Duo Luke Evans und Josh Gad fand ich herrlich. Und die CGI-Versionen von Lumière und Cogswort, dargestellt durch Ewan McGregor und Ian McKellen, sind perfekt getroffen.

Fazit

Auch wenn man sich über den Existenzgrund des Films trefflich streiten kann, so konnte ich mich der Magie von „Die Schöne und das Biest“ auch in der Neuverfilmung nicht entziehen. Es ist nicht alles perfekt und eine freiere Interpretation wäre teils wünschenswert gewesen. Davon abgesehen konnte mich Bill Condons Film jedoch überzeugen und ich habe jede (gesungene) Minute genossen: 8/10 Punkte.

The Big Sick (2017)

Als ich dem kranken Zappelinchen heute Nachmittag „Das geheimnisvolle Kochbuch“ einschaltete, sah ich, dass „The Big Sick“ inzwischen schon auf dem Streaming-Portal von Amazon verfügbar ist. Somit habe ich zum ersten Mal seit acht Monaten (damals war es der großartige „Paterson“) einmal wieder einen Film via Stream gesehen. Technisch war das nur bedingt ein tolles Erlebnis (es gab etliche Aussetzer), doch inhaltlich konnte mich Michael Showalter Film voll und ganz überzeugen…

The Big Sick (2017) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb Universum Film)

The Big Sick (2017) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb Universum Film)

Die sympathischste RomCom aller Zeiten?

Okay, das ist vermutlich etwas hoch gegriffen. Doch zumindest ist es die frischeste und sympathischste romantische Komödie, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Die lose auf den auto-biografischen Erlebnissen von Kumail Nanjiani (u.a. bekannt aus der TV-Serie „Silicon Valley“) basierende Geschichte ist so erfrischend und authentisch erzählt, dass es eine wahre Freude ist. Die Liebesgeschichte zwischen Kumail, der sich selbst spielt, und Emily, gespielt von der bezaubernden Zoe Kazan (u.a. bekannt aus „Ruby Sparks: Meine fabelhafte Freundin“), ist nur der Aufhänger für verschiedenste Themen. Am prominentesten wird der Konflikt zwischen Kumail und seiner pakistanischen Familie beleuchtet, die eine arrangierte Ehe für ihn vorgesehen hat. Weiterhin steht sein Karriere als Stand-Up-Comedian sowie die titelgebende Erkrankung Emilys im Zentrum der Geschichte.

All die angesprochenen Themen werden mit viel Humor und Herz verarbeitet. Die Dialoge sind authentisch und wirklich witzig geschrieben. Die Schauspieler (u.a. Holly Hunter und Ray Romano als Emilys Eltern) treffen den Ton genau und wissen Drama und Comedy perfekt zu vereinen. Der Film hätte aufgrund seiner Themenvielfalt leicht zu zerfasert, zu dramatisch oder auch zu lächerlich wirken können. Er nimmt jedoch alle Positionen ernst und erschafft dadurch ein herzliches und absolut unterhaltsames Gesamtbild. Einzig die Struktur der Geschichte orientiert sich doch recht stark an klassischen RomComs, was ich dem Film aber nur bedingt vorwerfen möchte.

Fazit

Für mich war „The Big Sick“ ein wirklich positives Erlebnis. Auch wenn es ein paar tolle Filme in dem Genre gibt, mache ich um klassische RomComs eher einen Bogen. Diese hier fällt jedoch aus dem Raster und weiß durch tolle Charaktere und viel Wortwitz zu überzeugen. Ich kann euch den Film nur ans Herz legen: 9/10 Punkte.

Whatever Works (2009)

Nach einem weiteren Tag voll banger Hoffnung, dass es uns den Urlaub nicht doch noch verhagelt, haben wir uns abends mit einem Film abgelenkt. Die Wahl ist auf „Whatever Works“ gefallen, der schon viel zu lange ungesehen im Regal stand. Meine filmischen Erfahrungen mit Woody Allen lassen sich bisher an einer Hand abzählen (z.B. „Midnight in Paris“) und ich war speziell aufgrund Larry Davids Hauptrolle gespannt auf den Film…

Whatever Works (2009) | © Universum Film GmbH

Whatever Works (2009) | © Universum Film GmbH

Curb Your Enthusiasm: The Movie

Okay, das mag ein wenig übertrieben sein. Andererseits aber auch wieder nicht. Denn Larry Davids Boris Yellnikoff hat schon viele charakterliche Gemeinsamkeiten mit seinem Alter Ego aus der großartigen HBO-Serie „Curb Your Enthusiasm“. Und damit passt er famos in Woody Allens New York. Die Philosophie des Misanthropen ist Whatever Works und damit lässt sich auch der gesamte Film erklären, der weniger von seiner Handlung, als den Charakteren und ihren Dialogen lebt. Typisch Allen eben. Dabei stößt es, gerade aus heutiger Perspektive, schon ein wenig bitter auf, dass ein Kernelement des Films wie eine Altherrenfantasie wirkt. Im Verlauf der Handlung wird dieser Aspekt zwar abgemildert, doch ist es für mich nach wie vor schwierig, den Künstler und die Kunst voneinander zu trennen.

Ich liebe Larry David in dieser Rolle. Auch das Durchbrechen der vierten Wand hat erstaunlich gut funktioniert. Dabei stehe ich diesem Stilmittel sonst eher skeptisch gegenüber. Auch die New-York-Atmosphäre und die restlichen Schauspieler konnten mich nahezu restlos überzeugen. Der Wortwitz ist vorhanden und wird durch Larry David großartig vorgetragen. Wer kein Fan ist, wird sich vermutlich weniger stark amüsieren. Wer ihn aber mag, sollte unbedingt reinschauen.

Fazit

Mich hat „Whatever Works“ über seine 90 Minuten wirklich famos unterhalten. Gerade gegen Ende hat sich der Film noch einmal positiv entwickelt. Larry David schafft es größtenteils auch, mich den autobiographischen Aspekt vergessen zu lassen und in ihm nur Boris Yellnikoff zu sehen. Dann gelingt es dem Film auch, einfach nur Spaß zu machen: 8/10 Punkte.

Passengers (2016)

Zeitumstellung! Die ideale Gelegenheit also, um sich mit einem Raumschiff auf eine 120 Jahre dauernde Reise zu begeben. Somit haben wir auf der Avalon eingecheckt und uns mit „Passengers“ auf die Reise nach Homestead II begeben. Ob sich die lange Reise gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Passengers (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Passengers (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter!

Morten Tyldums „Passengers“ hat nicht die besten Kritiken bekommen. Als Romanze im All verschrien, waren viele Sci-Fi-Fans wohl ziemlich enttäuscht. Meine Erwartungen waren folglich nicht zu groß und ich habe mir am ehesten schöne 3D-Bilder erhofft. Die bekam ich auch zu sehen, denn der Film sieht wahrlich fantastisch aus! Die Tiefe des Raums ist nahezu greifbar und Schauplätze, wie der Infinity Pool im Weltall, sorgen für so manchen Wow-Effekt. Audiovisuell ist „Passengers“ ein großes Vergnügen, doch die eigentliche Überraschung war, dass er mich auch inhaltlich zu überzeugen wusste.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich mit „The Dark Forest“ und seinem Nachfolger „Death’s End“ zurzeit ausführlich mit Hibernation und Langstreckenflügen unter Lichtgeschwindigkeit auseinandersetze. Die hier aufgemachte Prämisse fand ich somit sofort spannend und erzählenswert. Im Verlauf des Films kommt Drehbuchautor Jon Spaihts mit unzähligen Ideen um die Ecke, aus denen man eigene Filme hätte machen können. Vielleicht wirkt die Geschichte deshalb insgesamt ein wenig unrund und zusammengewürfelt. Für mich hat die Romanze nur einen kleinen Teil ausgemacht und das Drama um Jim Prestons (Chris Pratt) Entscheidung war für mich der Kern des Films. Hier hätte das Skript für mich gerne noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Jedoch fand ich die angedeuteten Konsequenzen spannend genug, um mich bei der Stange zu halten – und selbst das Ende konnte mich überzeugen, wenngleich ich Auroras bewusste Entscheidung, nicht mehr in die Hibernation zu gehen, ein wenig plakativ als Geste der Vergebung fand.

Fazit

Was hätte man alles aus der Geschichte machen können? Einen Mystery-Thriller, ein Beziehungsdrama oder einen Sci-Fi-Actionfilm. Letztendlich steckt von alldem alles ein wenig in „Passengers“ – und für mich hat dieser Mix, auch dank des famosen Zusammenspiels von Jennifer Lawrence („The Hunger Games“) und Chris Pratt („Guardians of the Galaxy“), fabelhaft funktioniert. Für mich eine durchwegs positive Überraschung, die zudem tolle Bilder bietet: 8/10 Punkte.

Viel Lärm um nichts – OT: Much Ado About Nothing (2012)

Solch einen drögen Samstag hatten wir schon lange nicht mehr. Alle angeschlagen bis krank und zu nichts zu gebrauchen. Da ich heute eh nur rumgelegen bin (von ein paar Brettspielen mit den Kindern einmal abgesehen), habe ich mich noch fit genug für einen Film gefühlt und „Viel Lärm um nichts“ in Joss Whedons Inszenierung in den Player geschoben. Eine gute Wahl?

Viel Lärm um nichts (2012) | © Edel Germany GmbH

Viel Lärm um nichts (2012) | © Edel Germany GmbH

Wenn Buffy auf Shakespeare trifft

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Ja, ich bin ein Whedon-Fanboy. Ich liebe seine Serien „Buffy the Vampire Slayer“ und „Angel“. Bis heute zählt „Firefly“ zu meinen absoluten Serien-Highlights und selbst „Dollhouse“ konnte ich einiges abgewinnen. Kein Wunder also, dass mich seine Shakespeare-Adaption, die er zusammen mit befreundeten Darstellern aus oben genannten Serien innerhalb von zwei Wochen in seinem Haus in Santa Monica abgedreht hat, ziemlich begeistert hat. Dabei ist es mir am Anfang eher schwer gefallen, mich auf den nahezu unveränderten Originaltext einzulassen, was mir allerdings auch schon bei Baz Luhrmanns „Romeo + Julia“ so ging. Nach ein paar Minuten hat es aber geklickt und ich hatte extrem viel Spaß mit dem Stoff.

Über die Qualität der Adaption kann ich nicht viel sagen, kenne ich doch weder das Stück noch Kenneth Branaghs bekannte Verfilmung aus dem Jahr 1993. Die Verlegung der Handlung in die heutige Zeit hat für mich recht gut funktioniert, doch hätte ich mir fast gewünscht, dass Whedon den Text an gewissen Stellen ebenfalls modernisiert. Das wäre natürlich ein Frevel gewesen, doch die Ansprache mit Graf usw. hat nicht wirklich gepasst. Auf der anderen Seite schafft Whedon sehr stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Bilder, die er teils mit Songs unterlegt, die auf Shakespeares Texten basieren. Das fand ich wiederum ziemlich großartig. Ebenso wie die bewusst ausgespielte Comedy (u.a. durch Nathan Fillion), die schon fast an Slapstick erinnert.

Fazit

Mir hat diese moderne Inszenierung von „Viel Lärm um nichts“ sehr viel Freude bereitet. Allerdings besitze ich auch keine Kenntnis vom Original und sehe die Inszenierung bewusst durch die Fan-Brille (der Film könnte auch eine Alternative-Universe-Episode von „Angel“ sein, in der Winifred und Wesley ein Happy-End gegönnt wird). Wenn ihr Joss Whedon mögt und Shakespeare nicht abgeneigt seid, dann solltet ihr unbedingt einmal reinschauen: 8/10 Punkte.