Winter’s Bone (2010)

Seltsamerweise hatte mich der Film bis zur heutigen Sichtung nicht sonderlich interessiert. Obwohl „Winter’s Bone“ größtenteils sehr gut besprochen wurde, brachte ihn erst die kürzlich vermehrte Medienpräsenz von Jennifer Lawrence auf meinen Radar. Und obwohl mir nach einer vollen Arbeitswoche eher nach seichter Unterhaltung war, habe ich mich letztendlich an die düstere Literaturverfilmung herangewagt. Ob das die richtige Entscheidung war?

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Wenn ich den Film mit nur wenigen Worten beschreiben wollte, dann wären diese wohl: bedrückend und doch hoffnungsvoll. Bedrückend ist das Setting, die Lebensumstände der gezeigten Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Hoffnungsvoll ist einzig und allein die von Jennifer Lawrence („Die Tribute von Panem: The Hunger Games“) fantastisch gespielte Hauptfigur Ree – doch ihr aufopferungsvolles und zugleich anpackendes Wesen ist genug, um diesen Aspekt des Films zu tragen und ein Gegengewicht zu all der bedrückenden Trostlosigkeit zu schaffen.

„Winter’s Bone“ ist kein fröhlicher Film und doch hat er seltsam schöne Szenen. Selbst die ausgewaschenen Landstriche besitzen eine gewisse Ästhetik, der man sich nur schwer entziehen kann. Rees Suche nach ihrem Vater ist alles andere als effekthascherisch inszeniert und doch wirkt ihre Reise unwahrscheinlich bedeutend. Das Ergebnis der Suche ist dabei beinahe schon vernachlässigbar und im Mittelpunkt stehen eher Begegnungen und einzelne Situationen. Der dokumentarische Look unterstreicht dabei die Unmittelbarkeit. Auch wenn die eigentliche Geschichte am Ende des Films abgeschlossen scheint, so habe ich diese Welt, die einem im Unterhaltungskino sonst nicht gezeigt wird, mit sehr gemischten Gefühlen verlassen.

Weder die Handlung noch die Inszenierung sind sonderlich aufregend. Der Film lebt in meinen Augen von seinem Setting, den tollen Schauspielern (größtenteils Laien aus der Region) und eben dem dokumentarischen Erzählstil. Unbedingt sehenswert, jedoch kein Film, den ich mir einmal im Jahr anschauen würde: 8/10 Punkte.

25 Gedanken zu “Winter’s Bone (2010)

  1. Interessant, mal wieder einer der seltenen Filme, die du schlechter besprochen hast als ich 🙂
    Ich persönlich finde die Handlung ja aufregender als bei den Avengers, Batman und Konsorten, aber wie die unterschiedliche Rezeption damals gezeigt hat, ist Winter’s Bone wohl keine Geschichte für Jedermann (auch wenn du den Film natürlich mit 8/10 noch sehr gut besprochen hast).

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    • Ich habe deine Kritik nach dem Verfassen meines Eintrags gestern auch noch gelesen und es hat mich gefreut, wie sehr dir der Film gefallen hat – und viel schlechter (wenn man das in diesem Zusammenhang überhaupt so sagen kann) habe ich den Film ja tatsächlich auch nicht besprochen.

      Für mich war schon relativ schnell klar, dass die verschiedenen Personen eher sich selbst schützen wollen und eine eigene Agenda verfolgen. Auch das Schicksal des Vaters hatte ich so erwartet und war für mich keine Überraschung, insofern war es in erster Linie Rees Reise und die Begegnungen, die mich beeindruckt haben, was jedoch keinesfalls abwertend gemeint ist.

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  2. Hast du dir schon Silver Linings, auch mit Jennifer Lawrence, angeschaut? Den fanden wir einfach nur sehenswert … würde ich mir auch ein zweites oder drittes Mal angucken.

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  3. „Winter’s Bone“ hat mir sehr gut gefallen und ist eine der besten Literaturverfilmungen, die ich kenne. Debra Garnik hat die Atmosphäre von Daniel Woodrells Buch sehr gut eingefangen – und falls Du Dich grundsätzlich für solche Geschichten begeistern kannst und von Woodrell noch nichts gelesen hast, kann ich ihn Dir nur ans Herz legen.

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    • Danke für den Tipp. Werde ich mir mal vormerken, da ich diese Welt durchaus faszinierend finde. Die Bücher spielen wohl alle in den Ozarks, doch weißt du ob es abgeschlossene Geschichten sind oder man auch immer mal wieder die gleichen Charaktere trifft?

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  6. [Das Ergebnis der Suche ist dabei beinahe schon vernachlässigbar] > Wirlich? Vielleicht solltest du dir nocheimal ein paar kleine Gedanken darüber machen, warum in Winter´s Bone das passiert, was passieren muß. Nämlich weil sich die Gesellschaft trotz allem gewolltem Selbstschutz endlich verändern muss. 😉 Und letzten Endes ist die unaufgeregte Inszenierung nur der perfekte Kontrapunkt zu all den aufgeregten, hibbeligen und effekthaschigen US-amerikanischen Blockbustern der letzten Zeit, die unter all der digital austauschbaren Farbgebung bald schon nichts mehr interessantes mehr über ihre Figuren zu erzählen wissen. Nur immer wieder den selben Heldenkrma. Ebenso ist es beabsichtigt, das der Film dich mit gemischten Gefühlen, also einer Melancholie im Herzen am Ende zurücklässt. Das ist bei den illustrierten Verhältnissen in Winter´s Bone doch gar nicht anders zu erwaqrten. Das Leben ist halt nun mal kein Ponyhof. Winter´s Bone hat eine Menge an Filmen halt etwas wichtiges voraus.

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    • Ehrlich gesagt habe ich den exakten Ablauf der Handlung nicht mehr genau im Kopf, doch hatte ich nach meiner Sichtung weniger das Gefühl, dass sich die Gesellschaft im Umbruch befindet, als dass es Hoffnung für einzelne Charaktere (u.a. eben Ree) gibt.

      Die unaufgeregte Inszenierung habe ich auch als positiv empfunden. Alles andere hätte sowieso nicht zur Geschichte gepasst. Das Leben ist kein Ponyhof. Du hast vollkommen recht und eigentlich hätte man den Film (zumindest in Deutschland, wo man so etwas ja gerne macht) mit dieser Tagline versehen müssen… 😉

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      • @bullion: [doch hatte ich nach meiner Sichtung weniger das Gefühl, dass sich die Gesellschaft im Umbruch befindet, als das es die Hoffnung für einzelne Charaktere gibt…] Beides ist richtig, denn gerade deswegen, weil jemand wie Ree durch die Aufdeckung des schlimmen, was im Ort Missouri vor sich geht, geht ein Umbruch / Umdenken in der Gesellschaft von statten, das niemand für möglich gehalten hat. Und genau daraus resultiert das Gefühl der Hoffnung, mit dem uns Debra Granik am Ende zurücklässt…

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      • Dann habe ich die Geschehnisse wohl einfach pessimistischer interpretiert. Für mich hat sich durch Wissen, das Ree erlangt hat, kaum etwas geändert. Jeder wusste doch ohnehin Bescheid und hat nichts getan. Für sie mag es einen Umbruch darstellen, da sie nun Gewissheit hat – und natürlich hat sie auch ihre Mitmenschen durch ihre Interaktion mit ihnen beeinflusst.

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  7. @bullion: Das Leben ist kein Ponyhof als „Tagline“ für Winters Bone empfinde ich schon als sehr aufgesetzt (erhobener moralischer Zeigefinger, auf den Gott sei Dank verzichtet wurde. Obwohl es rein thematisch; als Gedanke passt… Hab halt laut gedacht… 🙂

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  8. @bullion: ok, alles klar! *g

    [Dann habe ich die Geschehnisse wohl einfach pessimistischer interpretiert. Für mich hat sich durch Wissen, das Ree erlangt hat, kaum etwas geändert. Jeder wusste doch ohnehin Bescheid und hat nichts getan. Für sie mag es einen Umbruch darstellen, da sie nun Gewissheit hat – und natürlich hat sie auch ihre Mitmenschen durch ihre Interaktion mit ihnen beeinflusst….] Ja, und vor allem hat sie die jüngeren Menschen wie ihre Geschwister aber auch die Nachkommenschaft anderer im Ort, welche bald volljährig sein wird, beeinflusst…Ihre Taten sprechen sich ja rum… 🙂 Aber auch diejenigen werden durch Sie zur Reflektion gezwungen, die im Ort knapp über 30 und 40 Jahre, also noch nicht stocksteif geworden sind und einen Zauselbart besitzen 🙂 Also ganz so schlimm ist alles am Ende dann doch nicht… Aber eben auch nicht „happily living after“…Gott Sei Dank… Schmierig ktischige Hollywood-Enden braucht man halt nicht immer…

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    • Ja, das macht nun auch für mich absolut Sinn. Scheint so, als müsste ich mir den Film noch einmal anschauen. Doch für dieses Vorhaben gibt es wahrlich schlechtere Filme. Danke für deine aufschlussreichen Kommentare! 🙂

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