Moonrise Kingdom (2012)

Mit dieser Besprechung werde ich abermals den Unmut der filmischen Blogosphäre auf mich ziehen. Dabei war mir nach unzähligen Sichtungen des Trailers bereits im Vorfeld klar, dass ich eine weitere der üblichen Lobeshymnen schreiben würde. Ich wollte den Film lieben, doch leider hat mich „Moonrise Kingdom“ völlig kalt gelassen. Dabei hätte der märchenhafte Film rund um die erste Liebe aus Kinderperspektive bei mir doch ins Schwarze treffen müssen. Warum hat er es nicht?

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An Wes Andersons gewöhnungsbedürftigem Stil kann es kaum liegen, fand ich doch seinen weit seltsameren „The Life Aquatic with Steve Zissou“ großartig. Bei „Moonrise Kingdom“ hatte ich jedoch stets das Gefühl, Anderson hätte sich auf seinem artifiziellen Inszenierungsstil ausgeruht: noch eine ein bühnenhaftes Set, noch eine Einstellung in Zentralperspektive und noch einmal Bill Murray und Jason Schwartzman in absurden Rollen. Wir haben es ja verstanden. Die Geschichte an sich ist nett und hat einen emotionalen Kern, für den ich durchaus anfällig sein müsste, doch habe ich absolut keinen Zugang zu den Figuren gefunden. Zuviel künstlerische Spielerei, zu wenig Gefühl.

Einige Einzelszenen fand ich wunderbar anzusehen und wirklich unterhaltsam, z.B. das erste Kennenlernen, die Brief-Montage oder die Konfrontation mit den anderen Pfadfindern. Auch die Charaktere waren in ihrer verschrobenen Art amüsant, doch war die gefühlte Distanz zu groß, um mich auch nur annährend ernsthaft für sie zu interessieren. Der gesamte Film wirkt für mich, als hätte Anderson auf Teufel komm raus versucht der Geschichte seinen Stil aufzudrücken. Was bei „Die Tiefseetaucher“ wunderbar funktioniert hat, lässt mich hier zwar anerkennend nicken, doch mein Herz bleibt kalt.

Trotz meiner Kritik war der Film in seiner 60er Jahre Postkartenatmosphäre wunderschön anzusehen. Er hat mich oft schmunzeln lassen und ich musste Anderson für seine absurden Ideen loben, doch habe ich – und das ist für mich das Kriterium überhaupt – zu keiner Sekunde wirklich mitgefiebert oder war emotional in irgendeiner Weise involviert. Vielleicht war es der falsche Tag für den Film, vielleicht ist er auch einfach nicht mein Ding. Nett anzusehen, doch zu gewollt anders(on): 6/10 Punkte.

27 Gedanken zu “Moonrise Kingdom (2012)

  1. Wie witzig ich hab den auch erst gestern gesehen 😀 Und ich fand ihn klasse… hab von dem Regisseur bisher keinen anderen Film gesehen, aber man merkt schon, dass er etwas ganz eigenes hat.
    Für mich ist „das Kriterium“ eben nicht immer die Story an sich und das „mitfiebern“ sondern mehr die Atmosphäre und das ganze drum rum und was das angeht konnte der Film auf jeden Fall punkten. Und die Geschichte an sich was schon ganz süß…

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    • Mir geht es auch nicht um die Story, doch muss der Film und seine Charaktere mich in irgendeiner Art emotional an das was erzählt wird binden. Ja, die Atmosphäre war nett und die Geschichte an sich süß, doch hätte sie bei mir mehr gewirkt, wenn mich der Film an die Charaktere herangelassen hätte. Hat hier einfach nicht für mich funktioniert. Schlecht war er natürlich dennoch nicht.

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  2. Der Film liegt noch seit gestern in der Packstation, dauert bei mir also nicht mehr so lange bis zur Sichtung. Von daher hättest du ruhig ein paar Punkte mehr geben können… Das macht jetzt nicht grade Hoffnung.

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  3. Mit dieser Besprechung werde ich abermals den Unmut der filmischen Blogosphäre auf mich ziehen.

    Aber hallo. Hier werden Blockbuster wie Prometheus und Co. in Regelmäßigkeit mit 8/10 durchgewunken und wenn die international anerkannten Filmchen wie Headhunters oder Moonrise Kingdom um die Ecke kommen, zuckt bullion nur müde mit den Schultern. Ts, ts, ts. 🙂

    Bei mir schlug der Film (auch) erst bei der Zweitsichtung vollends eins. Am besten also sich vielleicht in 6 oder 8 Monaten nochmals ranwagen, wäre mein Tipp. Eventuell wird es ja Liebe auf den 2. Blick 😉

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    • Ich war mir bei dem Film eigentlich auch sicher, dass ich ihn mögen würde. War halt nicht so. Ob ich ihn mir noch einmal anschauen werde? Bei manchen Filmen soll es halt einfach nicht sein.

      Der Vergleich zu „Prometheus“ hinkt natürlich, doch wenn man ihn schon anstellt, dann kann ich auch voller Überzeugung sagen, dass mich dieser weit besser unterhalten hat, als „Moonrise Kingdom“ oder „Headhunters“ – künstlerischer Anspruch hin oder her. Besonders letzterer war ja eh nur ein ganz netter Krimi, der meiner Meinung nach auch als Fernsehfilm bestens funktioniert hätte. Aber so ist das halt mit den unterschiedlichen Meinungen… 😉

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  4. Bei mir steht der Film auch noch auf der Leihliste. Das macht mich doch gleich noch neugieriger, weil ich Wes Andersons Filme bisher auch immer sehr möchte. Bin mal gespannt, wie mich ‚Moonrise Kingdom‘ dann zurücklassen wird.

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    • Ich mochte meinen bisher einzigen Wes Anderson auch sehr. Doch zu „Moonrise Kingdom“ habe ich keinen Zugang gefunden, was gerade aufgrund der netten Prämisse schade ist. Bin gespannt, was du einmal dazu schreiben wirst…

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  5. Du hast außer Life Aquatic und Moonrise Kingdom noch keinen anderen gesehen? o.O
    Nicht mal „Royal Tenenbaums“, DER Anderson-Film schlechthin? 😀
    Nur Bottle Rocket und Moonrise Kingdom hab ich noch nicht gesehen, stehen noch auf meiner Liste. Mal sehen, wie ich die dann finde. Alle anderen sind wirklich sehr zu empfehlen.

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  6. Hm, mit etwas Abstand noch mal probieren, dann klappt’s vielleicht besser. Bei mir hatte er ja sofort eingeschlagen, aber das hat natürlich auch immer ein bisschen mit der Situation und dem aktuellen Gemütszustand zu tun. 😉

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    • Hmm, ich weiß nicht ob ich mich nochmal rantraue. Ich schaffe es ja kaum die Filme wiederholt zu sehen, die mir richtig gut gefallen haben. War mir zu affektiert, was für mich nicht sonderlich gut zur Geschichte gepasst hat.

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  7. Ich bin ja auch ein großer Fan des Films, kann dich auf der anderen Seite sehr gut verstehen. So langsam könnte sich auch ein Wes Anderson mal etwas experimentierfreudiger zeigen. Ich liebe „Moonrise Kingdom“, aber beim nächsten Mal gibt’s hoffentlich mal was Neueres.

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    • Ich mag die Art der Inszenierung und die verschrobenen Figuren ja eigentlich, doch wollte sich bei mir einfach keine Verbindung zu dem Film und seinen Charakteren herstellen. Finde ich selbst zwei Tage nach der Sichtung immer noch schade, doch man kann ja schließlich nicht jeden Film toll finden… 😉

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  8. Hm… ich hab ihn noch nicht gesehen (steht aber auf meiner Liste) und hab durch deine Kritik jetzt noch nur mehr Lust ihn zu sehen.
    Mein Herz ist ja nicht dein Herz und sonst hast du ja fast nur Pluspunkte genannt. Mal gespannt, wie er dann bei mir ankommt, Bin mir bei Wes Anderson ja nie so ganz sicher, wie ich ihn finde. Eigentlich fand ich alle gesehenen Filme (Die Royal Tenenbaums, die Tiefseetaucher und der fantastische Mr. Fox) ja ganz gut, aber irgendwie sind sie dann auch anstrengend und nach einem Trailer denke ich immer „Will ich mir das antun“?
    Der Trailer zu Darjeeling Limited hat mich zum Beispiel nie wirklich überzeugen können, hinzu kam dann noch Adrien Brody, den ich ja gar nicht mag (wenn man ihn nur hört, wie beim Mr. Fox, hab ich da aber kein Problem).
    Moonrise Kingdom sieht dann auch wieder nach einem Film aus, zu dem man in Stimmung sein muss.
    Und wo ich so darüber nachdenke; Mein Herz war bei Anderson-Filmen nie wirklich dabei, evtl. macht es genau das ja so anstrengend…

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    • Das hast du ganz gut beschrieben. Filme von Wes Anderson sind wirklich immer etwas anstrengend, zumindest die zwei, die ich kenne. Dabei hat der Trailer von „Moonrise Kingdom“ – im Vergleich zu „Die Tiefseetaucher“ – noch relativ leicht gewirkt. Vielleicht war ich auch deshalb so enttäuscht, dass er eher seine Spielereien in den Vordergrund stellt und nicht die Charaktere? Um einen Film richtig gut zu finden, muss eben mein Herz irgendwie involviert sein. Das Schlimmste, was passieren kann ist, dass mich ein Film kalt lässt und das war bei „Moonrise Kingdom“ leider der Fall. So interessant ich Bildsprache und Einfälle auch finde…

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    • Ja, ich weiß schon. Alle lieben den Film, nur der bullion versteht’s nicht. Ich fand ihn ja nicht schlecht und hab auch gegen den Stil nichts, doch in dem Film hat mir das einfach nichts gegeben.

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  9. Pingback: Review: Moonrise Kingdom (Film)

  10. „Moonrise Kingdom“ war ja meine Lieblingsfilmkomödie des Jahres 2012 (auch wenn @maloney gleich wieder behauptet, es sei keine Komödie). Gut, es war zu dem Kinostart tatsächlich mein erster Film von Wes Anderson, wodurch für mich alles irgendwie neu, anders und unkonventionell gelöst war.
    Zudem fand ich beide Hauptdarsteller so „putzig“, dass ich gar nicht anders konnte, als mit ihnen zu sympathisieren und mitzufiebern.

    Mittlerweile hat der Film auch den Weg in meine Sammlung gefunden und wartet darauf, ausgepackt zu werden.

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    • Alles andere hätte mich auch gewundert. Anscheinend bin ich wirklich der einzige Filmfreund, der nicht vollends begeistert von „Moonrise Kingdom“ ist. Wäre es mein erster Anderson gewesen, hätte ich das vielleicht auch anders gesehen, wer weiß?

      Bei mir ist der Film übrigens gerade dabei die Sammlung wieder zu verlassen… 😉

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      • Echt nicht? Meine Sammlung wäre a) viel zu groß würde ich jeden Film drin lassen und b) möchte ich eine Sammlung, in der nur Filme stehen, die ich mag und mir irgendwann noch einmal anschauen möchte. Alles andere wird verkauft. Das schont den Geldbeutel und den Platzanspruch der Sammlung.

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