Paul (2011)

Manchmal ist es wahrscheinlich tatsächlich von Vorteil, wenn man einen Film nicht auf dem Höhepunkt seines Erfolgs sieht. Um Greg Mottolas „Paul“ entwickelte sich vor dem Kinostart ein gnadenloser Hype, dem man sich als nerdiger Filmfreund kaum entziehen konnte. Die meisten Kritiken waren jedoch ziemlich verhalten, was meine Erwartungshaltung auch deutlich dämpfte. Vermutlich konnte ich die Sci-Fi-Komödie deshalb umso mehr genießen…

Zunächst einmal sollte ich festhalten, dass ich Simon Pegg und Nick Frost bereits seit ihrer TV-Serie „Spaced“ vergöttere. Ihr erster gemeinsamer Film „Shaun of the Dead“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen und auch „Hot Fuzz“ konnte mich ausgezeichnet unterhalten. Doch leider lässt „Paul“ ein nicht unwichtiges Element vermissen, nämlich den Regisseur und kreativen Kopf hinter den oben genannten Serien und Filmen: Edgar Wright, der lieber bei der letztjährigen Comic-Verfilmung „Scott Pilgrim vs. the World“ die Zügel in die Hand nahm und hier den Weg für Greg Motolla („Superbad“) freimachte.

„Paul“ ist weit davon entfernt die erzählerische Finesse eines „Shaun of the Dead“ zu erreichen, doch das stört in diesem Fall nicht sonderlich. Die Geschichte um das gestrandete und sehr menschliche Alien Paul ist äußerst bodenständig und wird dementsprechend geradlinig erzählt. Somit bekommen wir als Zuschauer einen relativ klassischen Roadmovie zu sehen, der in seinen besten Momenten an die Filme erinnert, die er zu parodieren versucht. Dabei nutzt sich der Gag, dass Paul recht gerne flucht und auch sonst kein Problem mit Obszönitäten hat, doch relativ schnell ab. Glücklicherweise ist die Geschichte mit mehr Herz ausgestattet, als man dies nach dem Trailer erwarten würde.

Auch wenn der Film nicht mit so vielen Gags aufwartet, wie sich viele Zuschauer gewünscht hatten, so muss ich doch sagen, dass mich das Gesamtpaket außerordentlich gut zu unterhalten wusste. Besonders die subtilen Anspielungen auf die großen Sci-Fi-Klassiker à la „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“ oder „Star Wars“ haben mir ausgezeichnet gefallen. Hinzu kommt das Nerd-Setting, welches wunderbar mit einem Besuch der Comic-Con eingefangen wurde und Gastauftritte von etlichen Schauspielern, die ich außerordentlich gerne sehe (u.a. Jane Lynch und Jeffrey Tambor). Insgesamt also ein wirklich unterhaltsamer Film, der mit der richtigen Erwartungshaltung unglaublich viel Spaß machen kann: 8/10 Punkte.

13 Gedanken zu “Paul (2011)

  1. Definitiv, fand den Film auch besser als ich zunächst erwartet hatte. Es sind die kleinen Nerd-Gags, das nette Schauspiel von Rogen als Paul und die immer wieder funktionierende Chemie zwischen Pegg und Frost, die den Film gut machen.
    Naja, und der Abgang von der Weaver am Ende ist großartig. 🙂

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  2. Hehe, stimmt. Der kam wirklich unerwartet. Leider wurde ihr Auftritt bereits im Vorfeld verraten. Ansonsten hätte auch dieser für eine positive Überraschung bei mir gesorgt. Insgesamt war ich aber wirklich mehr als zufrieden mit dem Film, was natürlich auch an Seth Rogens Performance als Paul liegt. Keine Frage.

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  3. Paul fand ich auch ganz gelungen. Ich habe mir den auf dem Höhepunkt seines Hypes angeschaut und war schon ein wenig enttäuscht. Aber im großen und ganzen ist es schon eine gelungene und vor allem unterhaltsame Komödie, die sehr viele liebevolle Seitenhiebe auf andere Sci-Fi-Klassiker bietet.

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  4. Habe ihn jetzt auch erst vor knapp einer Woche angeschaut (Amazon sei Dank, das Steelbook gabs an dem einen Tag ziemlich günstig und sieht super aus), und kann dir eigentlich voll und ganz zustimmen. Er hat mich nicht umgehauen, aber er war sehr unterhaltsam. Unerwartet für mich war diese doch sehr atheistische und relligionsfeindliche Einstellung. Fand ich ehrlich gesagt sehr lustig 😉

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  5. Stimmt, das Steelbook war auch recht günstig. Dennoch habe ich beim noch günstigeren Keep Case zugeschlagen. Seit Blu-ray hat sich meine Sonderverpackungssammelwut ziemlich gelegt… 😉

    Die religionsfeindlichen Szenen wurden meiner Meinung nach durch die extreme Form des dargestellten religiösen Glaubens relativiert. Hat gut in den Film gepasst, ohne jedoch zu aufgesetzt zu wirken. Dennoch dürften sich einige Leute davon angepisst fühlen. Ein humorvoller Gott dürfte darüber lachen… 🙂

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  6. Bei „Fanboys“ konnte ich mich mit der tödlichen Krankheit als Beweggrund nie anfreunden. Dafür war mir der restliche Film zu albern. Hat für mich einfach nicht zusammen gepasst. „Paul“ dagegen war für mich eine runde Sache.

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