Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels – OT: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

Wie beginnt man eine Kritik zu einem Film, auf den man sein halbes Leben lang gewartet hat? Vermutlich mit dem Titel: „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ – so also sollte Indys neues Abenteuer heißen. Als ich den Titel das erste Mal las, war ich bitter enttäuscht. Vielleicht weil ich insgeheim doch noch auf eine Verfilmung von „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“ gehofft hatte. Irgendwann freundete ich mich schließlich mit dem Titel an und selbst teils vernichtende Kritiken konnten meine Vorfreude nur schwer zügeln – somit war meine Erwartungshaltung trotz aller guten Vorsätze gestern erschreckend hoch. Spoiler sind zu erwarten.

Zunächst einmal möchte ich auf die positiven Eigenschaften des Films eingehen: Harrison Ford. Wunderbar. Ich hatte ja wirklich große Zweifel, dass er Indiana Jones heute noch genauso spielen kann, wie früher – doch er kann es! Anfangs ist es sicher ungewohnt, doch mit zunehmender Laufzeit sieht man einfach nur noch Indy auf der Leinwand. Zwar älter, aber unverkennbar Indy. Zusammen mit John Williams grandiosem Score gibt es somit ein paar wunderbar nostalgische Momente. Neben Harrison Ford muss ich auch den restlichen Cast loben. So ist es natürlich besonders schön Karen Allen als Marion Ravenwood wieder neben Indy zu sehen. Die größte Überraschung war für mich jedoch Shia LaBeouf, der mit Mutt Williams eine nette neue Figur ins Indy-Universum einführen durfte. Von seiner Leistung war ich wirklich positiv überrascht.

Der gesamte Film lebt von Anspielungen. Bereits die erste Location ist das wohlbekannte Lager für übernatürliche Geheimnisse aus „Raiders of the Lost Ark“ – inklusive einem Cameo-Auftritt der Bundeslade. Indys Angst vor Schlangen wird genauso wenig ignoriert, wie das Verbleiben von Marcus Brody und Indys Vater. Doch auch abseits der eingestreuten Reminiszenzen beschwört „Kingdom of the Crystal Skull“ den Geist der klassischen Trilogie herauf: Die Action-Szenen sind größtenteils wunderbar altmodisch inszeniert, was man besonders an Indys Kampfstil merkt, der immer noch unverkennbar ist. Auch der Besuch in der Gruft lässt Erinnerungen an die Klassiker – insbesondere „The Last Crusade“ – wach werden. Nur „Temple of Doom“ wird weitgehend ignoriert.

Man könnte den Eindruck gewinnen, Indys jüngstes Abenteuer sei genau der Film, auf den Fans 19 Jahre lang gewartet haben. In vieler Hinsicht kann man dieser Meinung auch sein – gäbe es da nicht die Geschichte, die all die wunderbaren Szenen zusammenhält. Ich komme gleich zum Punkt: Aliens. Really? Für mich war das keine große Überraschung, hatte ich doch schon den ein oder anderen Spoiler gelesen. Ich war vorbereitet. Über weite Strecken konnte ich auch darüber hinwegsehen, doch das Ende ist dann wirklich zu viel des Guten. Gegen diesen Hokuspokus mutet das Finale aus „Jäger des verlorenen Schatzes“ äußerst durchdacht und in jeder Hinsicht logisch an. Was hat Spielberg und Lucas nur geritten, auf dieses Skript zurückzugreifen? Mich würde zu sehr Frank Darabonts („The Shawshank Redemption“) Version interessieren – selbst wenn es in dieser bereits Aliens gegeben hätte.

Neben der ziemlich uninspirierten und nicht wirklich zur Franchise passenden Auflösung gibt es noch einige andere Faktoren, die mir kurzeitig den Spaß am Film vermiest haben. Zum einen Indys Kühlschrankabenteuer. War das in irgendeiner Hinsicht nötig? Hätte man das Geld nicht besser nutzen können? Ebenso Mutt Williams Tarzan-Imitation. Was in aller Welt sollte diese Szene? Einfach nur deplatziert. Die leuchtenden Kristallschädel haben mich auch größtenteils irritiert und John Hurts Figur war über große Strecken einfach nur nervig. Dafür fand ich Cate Blanchetts klischeebehaftete Darstellung der KGB-Agentin mindestens ebenso spaßig, wie die der Nazis in der klassichen Trilogie.

Und nun? War der Film für mich doch eine einzige Enttäuschung? Ich denke der Film hat das Pech ein Teil der „Indiana Jones“-Reihe zu sein. Die gesteckten Erwartungen konnte er einfach nicht erfüllen. Andererseits hat der Film das Glück ein Teil der „Indiana Jones“-Reihe zu sein, da es einfach unglaublich toll ist einmal wieder mit Indy auf Tour zu gehen, dem grandiosen Score zu lauschen und einfach nur altmodischen Spaß zu haben. Die letzte Szene (ein Windstoß weht Indys Hut vor Mutts Füße, dieser hebt ihn auf und befindet sich im Begriff ihn aufzusetzen – doch im letzten Moment nimmt Indy seinen Hut an sich, lächelt Mutt verschmizt an und setzt ihn selbst auf) hat mich wirklich zum Schmunzeln gebracht und sind wir einmal ehrlich: Sollte Indy doch noch einmal auf die große Leinwand zurückkehren werde ich ihm sicher folgen. Schließlich ist es Indiana Jones, der Held meiner Kindheit.

Alles in Allem vermute ich, dass der Film mit weiteren Sichtungen wachsen wird. So wie es sich für einen „Indiana Jones“-Film gehört. Vielleicht werde ich irgendwann auch über die eklatanten Schwächen im Drehbuch hinwegsehen können und die Aliens akzeptieren. Wer weiß. Neben teils großer Enttäuschung überwiegt bei mir die Freude ein neues Abenteuer meines Lieblingsarchäologen auf der großen Leindwand gesehen zu haben. Ich darf nur nicht daran denken, welche Möglichkeiten man außer Acht gelassen hat. Von mir gibt es heute zögerliche 7/10 Punkte.

18 Gedanken zu “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels – OT: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

  1. Wieder wie gewohnt alles treffend analysiert in deinem Review. Harrison Ford war in der Tat klasse, Shia werde ich wohl nie lieb gewinnen und Cate war mir als Bösewicht doch ein wenig zu blass. Mit der Kühlschranksequenz konnte ich mich arrangieren (Indy vor dem Atompilz machte doch schon was her), aber die Tarzanszene hätte wirklich nicht sein müssen.

    Die Story ist der große Knackpunkt. Gibt es irgendwo eine Petition, wo man die Verfilmung des Atlantis-Adventures verlangen kann? Dort würde ich blind unterschreiben. Vielleicht kommt das ja, wenn man den jungen Harrison am Computer erstellen kann.

    Den Gesamteindruck zieht meiner Meinung nach das sehr enttäuschende Finale runter, da habe ich mir wirklich mehr erwartet. Gerade auch mit Blick auf die Nummer mit dem Schatz und der Erkenntnis.

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  2. Da sind wir uns ja – er hätte es gedacht? – weitgehend einig. Bei einer Petition für das Atlantis-Abenteuer wäre ich auch sofort dabei, so wie vermutlich jeder, der mit dem Lucas Arts-Klassiker aufgewachsen ist. Das war eine tolle Story Mr. Koepp!

    Ich hoffe Lucas und Co. lernen aus ihren Fehlern, wenn wir in zwei Jahrzehnten das nächste Indy-Abenteuer bewundern dürfen…

    PS: Ich wollte schon immer ein toller Mensch sein… 😉

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  3. die möglichkeit mit den spoilern hatte ich nicht – und dann sind die aliens wirklich ein dicker schock.

    aber ansonsten stimme ich mit deiner meinung überein, der film wäre nicht schlecht, wenns kein indy wäre – aber von indy erwarte ich definitv mehr!

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  4. Ja, ich glaube auch dass die Aliens ohne Vorkenntnis noch unpassender im Indy-Universum wirken. Ich bin wirklich gespannt, ob sich dieser Eindruck bei der Zweitsichtung relativiert.

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  5. Was genau stört dich denn eigentlich an der Auflösung der Story? Dass es Aliens sind bzw. ein UFO oder die Darstellung der Auflösung oder etwas anderes?

    Nun ich war mir sicher, dass der Film die Geister scheidet, ähnlich wie die Star Wars Prequels. Mir allerdings haben die Aliens gefallen und sie passen auch zum Film, zur Zeitepoche und der Kristallschädel ist ein idealer Aufhänger dafür. Sicher, die Story insgesamt ist löchrig wie ein Schweizer Käse, die Tarzan-Szene war auch für mich zu viel des Guten und anders als in den alten drei Filmen sagt mir die Musik von John Williams bis auf das Raiders-Theme überhaupt nicht zu, noch dazu ruiniert die deutsche Synchro definitiv ein paar Witze. Aber insgesamt war es doch ein schickes und für mich passendes Indy-Abenteuer.

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  6. Mich stört a) dass es Aliens sind. Ich finde das passt nicht sonderlich gut zu Indiana Jones, wenngleich ich den kontemporären Zusammenhang durchaus verstehe. Doch damit hätte ich leben können, vielmehr stört mich b) wie die Sache aufgelöst wurde. Meinetwegen hätte man irgendwelche Energiestrahlen aus den Kristallskeletten kommen lassen können etc. Doch ein echtes Alien zeigen, dann das Ufo? Da konnte ich mich – zumindest bei dieser ersten Sichtung – nicht wirklich mit anfreunden.

    Mir hat der Film gefallen, wirklich. Doch die oben genannten Punkte waren – neben Tarzan-Mutt etc. – einfach zuviel des Guten. Ich denke bei einer weiteren Sichtung wird sich aber der Indy-Effekt einstellen und man genießt einfach nur das Abenteuer.

    Am meisten ärgert mich wohl die lange Zeit, die für dieses äußerst mittelmäßige Skript draufgegangen ist…

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  7. Ich beziehe mich mal nur auf Punkt a) denn da kann ich Gegenargumente anbringen. 😉 Denn ich denke, dass die Aliens durchaus zu Indiana Jones passen. Und das hängt eben genau mit der kontemporären Einordnung zusammen. Der jeweilige Mythos, also der McGuffin für die Handlung in jeden Film (Bundelade im ersten Film, Sankara-Steine im zweiten Film und der Gral im dritten) stehen auch sinnbildlich für die Zeitthemen in der amerikanischen Schundliteratur, der sogenannten „Pulp Fiction“ (Heftchenromane/Groschenromane, billige Hollywood-B-Movies, Comics) in den 1930er Jahren. Da herrschten Themen über Okkultismus, Religiösität vor dem Hintergrund des drohenden Zweiten Weltkrieges vor. Die Indiana Jones-Filme haben sich dieser Thematiken bedient und sie natürlich immer etwas parodistisch überhöht dargestellt. Diese Zeitthemen in der „Pulp Fiction“ ändern sich aber in den 1950er Jahren zu Storys über Agenten, fiesen KGB-Infiltranten, Angst vor psychologischen Experimenten durch die Regierung an der Bevölkerung und eben auch einer gewissen Alien-Hysterie. Und diese Themen bedient Indy 4 allesamt sehr gut. Das reißt für mich eigentlich den ganzen Film raus, denn es steckt hier einfach etwas mehr dahinter, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Die Einordnung in der 1950er Jahre ist grandios gelungen, genauso wie die Einordnung der ersten drei Filme in die 1930er Jahre, und damit steht Indy 4 auch den alten Filmen im Grunde in nichts nach.

    Na ja, und zu b) kann ich nur sagen, dass ich die Szene audiovisuell sehr beeindruckend fand (ähnlich wie den Atompilz – obwohl ich mich dabei auch erst gefragt habe, warum das nun unbedingt im Film sein musste).

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  8. Ich bin mir der zeitgenössischen Bezüge und der Intention Indy als Hommage an die pulp serials zu etablieren durchaus bewusst. Dennoch haben Lucas/Spielberg mit Indiana Jones eine eigene Welt geschaffen, die weiter reicht und anders ist als die der Groschenromane – und in dieser Welt sind Aliens meiner Meinung nach nicht das bestmögliche Mysterium. Allerdings hätte mich das – wie gesagt – nicht so sehr gestört, wäre das Drehbuch besser gewesen. Ich bin sehr gespannt wie die ganze Sache bei der nächsten Sichtung auf mich wirkt, denn die kommt bestimmt.

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