Bad Apples (2025)

Wir hatten dieses Wochenende kinderfrei, sprich die Kinder waren mit ihren beiden Cousins und ihrer Cousine zum Übernachten bei den Großeltern. Frau bullion und ich hatte uns vorgenommen, endlich einen Essensgutschein einzulösen und das direkt mit einem Kinobesuch zu verbinden. Eigentlich hatte ich „Das Ende der Sterne“ geplant, doch stolperte ich über „Bad Apples“, der sogar im Originalton lief und dank Kinofest selbst im Deluxe-Saal für einen annehmbaren Preis. Der Hauptgrund war allerdings die Prämisse des Films, doch dazu mehr in der folgenden Besprechung… 🍎👩‍🏫

Bad Apples (2025) | © Sony Pictures

Bad Apples (2025) | © Sony Pictures

Unfassbar bedrückend, verstörend und witzig

„Bad Apples“ ist das perfekte Gegenstück zu Zack Creggers „Weapons: Die Stunde des Verschwindens“. Im Zentrum der Geschichte steht eine Lehrerin (unfassbar gespielt von Saoirse Ronan), die mit einem schwierigen Schüler zu kämpfen hat. Danny macht nicht nur ihr das Leben schwer, er sorgt dafür, dass die gesamte Klasse aus dem Gleichgewicht gerät. Eine Situation, die traurig nah an der Realität ist, wie Frau bullion zu bestätigen wusste. Aufgrund einer Eskalation kommt es dazu, dass die Lehrerin Danny bei sich zu Hause im Keller einsperrt. Dies mag unrealistisch klingen, doch ist es so nachvollziehbar erzählt, dass ich dies dem Film hoch anrechne. Es ist immer klar, dass das Verhalten der Lehrerin falsch ist. Auch Marie, so heißt Saoirse Ronans Figur, ist sich dessen bewusst. Aber es bleibt stets nachvollziehbar. Durch diesen Kniff und das behutsam und durchdacht geschriebene Drehbucht, bleibt „Bad Apples“ in einer möglichen Realität verankert.

Der Ton des Films ist dabei stets satirisch, aber nie übertrieben. Die Inszenierung ist extrem geerdet und man weiß dadurch nie, in welche Richtung die Geschichte schlägt. Es hätte genauso gut in Richtung Thriller oder sogar Horror kippen können. Doch „Bad Apples“ wird eher zu einer schwarzen Komödie. Im späteren Verlauf spielt noch Pauline, die Musterschülerin der Klasse, eine größere Rolle. Diese wird grandios von Nia Brown verkörpert, welche im letzten Drittel für gleichzeitig verstörende als auch unfassbar witzige Szenen sorgt. Ich musste teils laut lachen und war damit weit nicht der Einzige im Kino. Die Romanadaption sagt viel über das Schulsystem, Lehrer:innen, Eltern und Gesellschaft aus. Ich möchte nicht alles vorwegnehmen, doch kann ich nur noch einmal meinen Punkt vom Anfang bestärken: „Bad Apples“ würde sich perfekt zu einem Double-Feature mit „Weapons“ eignen. Ein wahrlich herausragender Film, der leider nur einen sehr kleinen Kinostart bekommen hat.

Fazit

Ich bin schwer begeistert von „Bad Apples“ und kann ihn euch nur ans Herz legen, sollte der Film bei euch laufen. Er ist absolut packend und besitzt so einige Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte, auch wenn sie im Verlauf des Films bereits angelegt sind. Saoirse Ronan und die Kinderdarsteller:innen sind fantastisch und Jonatan Etzler Regie auf den Punkt. Ein wirklich großartiger Film. Solltet ihr euch unbedingt anschauen: 9/10 Punkte.

Renfield (2023)

Nachdem wir heute Nachmittag die Kids bei den Großeltern abgesetzt hatten, habe ich noch ein wenig gearbeitet. Gegen 18 Uhr haben Frau bullion und ich beschlossen, noch einen Abendspaziergang zu machen. Dieser wurde mit über 6 km etwas länger, und mittendrin haben wir uns noch Döner bzw. Falafel geholt. Danach habe ich mit „Renfield“ einen Film ausgesucht, den wir mit den Kindern (noch) nicht hätten schauen können und der nach seichter Unterhaltung aussah. Wie er uns gefallen hat? 🧛

Renfield (2023) | © Universal Pictures

Renfield (2023) | © Universal Pictures

Sehr kurzweilig, doch viel zu überdreht

Wenn man die Serie „What We Do in the Shadows“ (und natürlich auch den Film) gesehen hat, dann ist der Goldstandard moderner Vampir-Komödien bereits bekannt. Ich kann es direkt vorwegnehmen: „Renfield“ kommt nicht annähernd an den Humor der beiden Werke heran. Damit will ich es auch beim Vergleich belassen, denn „Renfield“ kann durchaus für sich stehen. Den Aufhänger, die Beziehung zwischen Dracula und Renfield als toxisches Arbeitsverhältnis darzustellen, fand ich schon recht witzig. Auch Nicolas Cage und Nicholas Hoult harmonieren wunderbar miteinander. Da hätte der Film gerne noch mehr in die Tiefe gehen können. Mehr ruhige Szenen. Weniger übertriebene Action. Aber dann wären wir ja doch wieder bei „What We Do in the Shadows“, wo die Beziehung zwischen Vampir und Familiar ebenfalls ein wichtiger Handlungsstrang ist. Nur eben viel besser umgesetzt.

Vermutlich hätte mir „Renfield“ auch (noch) besser gefallen, wenn die Welt nicht so comichaft übertrieben gewesen wäre. Auch das macht die oben bereits mehrfach erwähnte Serie so viel besser. Aber ich wollte ja nicht mehr vergleichen. Nicholas Hoult spielt Draculas Diener großartig, nur das Mutieren zum Superhelden fand ich seltsam. Die damit verbundene Action, die splattermäßig ordentlich zur Sache geht (leider mit viel CGI-Blut), macht Spaß und war mir teils dennoch zu viel des Guten. Auch hier wieder zu comichaft. Besser haben mir die ruhigeren Szenen gefallen, wenn das Bild mal länger stehen bleibt und wir Draculas Verlies z.B. länger zu sehen bekommen. Leider peitscht Regisseur Chris McKay die Geschichte ziemlich durch, was gar nicht nötig gewesen wäre. Ansonsten spielen sich Awkwafina und Ben Schwartz selbst bzw. so, wie sie all ihre Rollen spielen. Dafür hat es mich gefreut, Shohreh Aghdashloo zu sehen, die ich seit „The Expanse“ liebe.

Fazit

„Renfield“ ist ein netter und sehr kurzweiliger Film. Leider zündet der Humor nicht immer und die Action ist zu übertrieben. Mit einer balancierteren Inszenierung hätte er deutlich besser sein können. Nun sag ich es doch noch einmal: Zur Not lieber zu „What We Do in the Shadows“ greifen. Hat man Film und Serie aber schon x-mal gesehen, dann macht auch „Renfield“ durchaus Spaß: 6/10 Punkte.

Bloodline – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Nachdem ich zuletzt eher kürzere Dramaserien geschaut hatte, und die zweite Staffel von „Fallout“ für mich leider eine kleine Enttäuschung war, hatte ich Lust auf eine längere und abgeschlossene Serie. Dabei ist mir „Bloodline“ eingefallen, eine der Prestigeserien, die damals zum Deutschlandstart von Netflix in den Medien waren. Also sind wir über die letzten Wochen zu den Florida Keys abgetaucht… 🏝️

Bloodline | © Netflix

Bloodline | © Netflix

Ich liebe ausschweifend erzählte Familienserien. Speziell „Parenthood“ und „This Is Us“ haben es mir angetan. Auch „Brothers & Sisters“ konnte mich überzeugen und „Bloodline“ sollte eben auch eine Familienserie sein. Während der ersten Staffel konnte die Serie ihr Versprechen auch einlösen, doch danach hat sie sich leider in Thriller-Wirrungen verloren. Ob sich all das dennoch lohnt? Das könnt ihr in den folgenden Besprechungen der einzelnen Staffeln lesen:

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The Ritual (2017)

Draußen hat es heute erneut gut 33 °C. Ich habe zunächst ein wenig auf der Terrasse gelesen, doch dann wurde mir auch zu warm. Der Zwergofant hat sich mit seinen Freunden ins Freibad verabschiedet, Frau bullion ist mit ihrer Mama einkaufen und das Zappelinchen sitzt im kühlen Keller (gerade in diesen Moment auch neben mir) und arbeitet an ihrem Referat. Folglich habe ich die Gelegenheit ergriffen und mit „The Ritual“ einmal wieder einen Horrorfilm geschaut. Am helllichten Tage traue sogar ich mich das. Wie mir David Bruckners Film gefallen hat? 🌲

The Ritual (2017) | © Netflix

The Ritual (2017) | © Netflix

Dichte Atmosphäre im Horror-Wald

Warum habe ich mich ausgerechnet für „The Ritual“ entschieden? In meiner bevorzugten Filmpodcast-Blase wurde nun schon mehrfach positiv darüber gesprochen. Zudem ist der Schauplatz die Wildnis, was ich stets reizvoll finde. Wie kann ich „The Ritual“ nun am besten beschreiben? Er hat mich etwas an eine männliche Version von „The Descent“ erinnert oder auch an die Eröffnungsszene von „The Empty Man“, gewürzt mit „The Blair Witch Project“. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen vier Freunde, die ein traumatisches Ereignis verbindet. Bei einer Wanderung durch die nordschwedische Wildnis kommen sie von ihrer Route ab und verlieren sich in den Wäldern. Doch dort sind sie nicht allein. Das mag nun nicht sonderlich spannend klingen, doch ist es David Bruckners Inszenierung, die „The Ritual“ für mich über andere Genrevertreter hebt.

Nach nur 10(!) Minuten haben wir die Freundesgruppe kennengelernt, das traumatische Ereignis miterlebt und befinden uns bereits auf der Wanderung. Unfassbar effizient erzählt und doch fühlt sich die Geschichte nicht überhastet an. Auch wenn ich so meine Probleme mit der Dynamik innerhalb der Freundesgruppe hatte (warum müssen Männerfreundschaften immer so oberflächlich bis toxisch sein?), so funktioniert die Zusammenstellung doch auch ganz gut. Schnell wird klar, dass es um Traumaverarbeitung geht und dies wird auch nicht gerade subtil erzählt. Oft wirken Szenen im Wald etwas unfilmisch, doch David Bruckner schafft es die Isolation und Bedrohung wunderbar einzufangen. Die Atmosphäre ist zu Beginn wirklich beunruhigend und ich konnte mich trotz Hitzewelle gut in die Figuren einfühlen. Am Ende ging es mir fast etwas schnell und die konkrete Darstellung der Bedrohung ließ mich den Horror nicht mehr so recht spüren. Aber nun gut, so ist das ja oft auf der Zielgeraden innerhalb dieses Genres.

Fazit

„The Ritual“ ist ein packender Horrorfilm in einem spannenden Setting. Die dichte Atmosphäre hat es mir wirklich angetan. Auch die Dynamik zwischen den Figuren funktioniert recht gut, selbst wenn diese auf alle nur erdenklichen Klischees zurückgreift. Die Auflösung des Horrors schwankt dann zwischen innovativ und schon dutzende Male gesehen. Dennoch kann ich den Film nur empfehlen, auch an heißen Sommertagen: 7/10 Punkte.

Faculty: Trau keinem Lehrer! – OT: The Faculty (1998)

Da es heute in Strömen regnet, habe ich den Zwergofanten mit dem Auto vom Karate-Training abgeholt. Auf dem Rückweg schnappten wir uns noch etwas zu essen. Falafel war leider aus, also gab es nur zwei Döner für die Kids. Da Frau bullion ausgeflogen war, haben wir heute nicht mit dem MCU weitergemacht. Dafür habe ich die Kinder mit „The Faculty“ wieder mehr an meine Jugend und das Horror-Genre herangeführt. Wie das allen Beteiligten gefallen hat? 🧑‍🏫

The Faculty (1998) | © STUDIOCANAL

The Faculty (1998) | © STUDIOCANAL

Die Körperfresser an der High School

Schon wenn während einer der ersten Szenen „The Kids Aren’t Alright“ von The Offspring erklingt, fühlte ich mich so sehr in meine Jugend zurückversetzt, dass ich fast etwas nostalgisch wurde. „The Faculty“ ist eben komplett ein Werk dieser Zeit. Kurz nach „Scream“, ebenso von Kevin Williamson geschrieben und von Robert Rodriguez teils schön eklig inszeniert. Ein wahre Freude! Eine solche ist auch der Cast, denn es tummeln sich viele große Stars der späten 1990er und frühen 2000er Jahre: Elijah Wood (Frodo aus „Der Herr der Ringe“), Josh Hartnett (u.a. „Sin City“), Famke Janssen (u.a. die „X-Men“-Filme), Robert Patrick (T-1000 aus „Terminator 2“), Salma Hayek (u.a. „From Dusk Till Dawn“) Jon Stewart(!), Usher(?) und viele mehr. Aus heutiger Sicht eine beeindruckende und wilde Mischung, die wunderbar funktioniert.

Inhaltlich übersetzt Kevin Williamson die typische Körperfresser-Geschichte in eine High School. Das macht er mit solch einem Augenzwinkern, dass es eine wahre Freude ist. Hier bleibt kein Klischee aus und wird im besten Falle noch gebrochen. Robert Rodriguez inszeniert all das mit hohem Tempo und einem Gespür für seine Figuren. Auch die Actionszenen machen viel her. Kaum zu glauben, dass er zuletzt die teils vermurkste Action in „The Book of Boba Fett“ inszeniert hat. Gerade die Paranoia zwischen den High-School-Kids wird wunderbar eingefangen und es macht Spaß mit der ungleichen Gruppe unterwegs zu sein. Die Effekte sind zwar offensichtlich, doch besser gealtert, als ich dies in Erinnerung hatte. Und dass Rodriguez am Ende auf einen typischen Horrorfilm-Twist verzichtet, rechne ich ihm hoch an.

Fazit

Ich hatte wieder enorm viel Spaß mit „The Faculty“. Genau meine Zeit, genau mein Ding. Die Kinder fanden den Film nicht zu gruselig oder hart (da waren sie durch „Stranger Things“ schon gut vorbereitet), nur etwas eklig. Ansonsten mochten sie die Geschichte und speziell das High-School-Setting. Kann man sich auch nach knapp 30 Jahren immer noch sehr gut anschauen. Wer hätte das gedacht? 8/10 Punkte. (Zappelinchen: 7/10 Punkte; Zwergofant: 7/10 Punkte.)

Cliffhanger: Nur die Starken überleben (1993) (WS2)

Das Zappelinchen ist heute Abend bei einer Freundin, Geburtstag feiern. Nachdem ich mit dem Zwergofanten vom Karate-Training zurück war, und wir Pizza gegessen hatten, gab es mit „Cliffhanger“ noch einen späten Filmabend. Nach unserem Urlaub in den Bergen hatten ich wieder Lust auf diesen Film. Zudem wollten wir ohnehin einmal testen, ob der Zwergofant, nach ersten Härten im Rahmen von „Stranger Things“, auch bereit für mehr filmische Gewalt ist. Wie das funktioniert hat? 🧗🏻

Cliffhanger: Nur die Starken überleben (1993) | © Studiocanal

Cliffhanger: Nur die Starken überleben (1993) | © Studiocanal

Ein irrwitziges Kletterabenteuer mit viel Action

Seit ich dieses Blog betreibe, ist das bereits meine dritte Sichtung von „Cliffhanger“. Die letzte liegt schon knapp 15 Jahre zurück. Auch der Film selbst hat bereits 33 Jahre auf dem Buckel. Von diesen stand er 20 Jahre lang auf dem Index. Inzwischen ist Renny Harlins Action-Kracher ab 16 Jahren freigegeben. Da ich den Film bereits sehr gut kenne, hatte ich bereits vermutet, dass auch der Zwergofant ihn mit dreizehneinhalb Jahren verkraften kann. Quasi die nächste Steigerung nach „James Bond“ und „Indiana Jones“. Dennoch habe ich im Vorfeld mit ihm über den gesteigerten Gewaltgrad gesprochen und es war klar, dass wir jederzeit abbrechen können. Aber was erzähle ich da? Auch ich habe damals zu früh 16er Filme gesehen, die ich niemals abgebrochen hätte und von denen ich ihm dennoch nicht jeden zumuten würde. Ich denke da nur an „Das Schweigen der Lämmer“, den ich eindeutig zu früh gesehen habe. Soviel zu den Rahmenbedingungen der Sichtung und nun endlich zum Film selbst:

Ich liebe Renny Harlins Actionfilme. Seine Werke wirken stets handgemacht und echt, auch wenn ich weiß, dass gerade in „Cliffhanger“ viel innovative Computertechnik eingesetzt wurde. Echte Schauplätze und fantastische Schauspieler machen für mich diesen Film aus. Ich habe erstmals die 4K-Restaurierung (allerdings nur auf Blu-ray) gesehen und der Film hat auch heute noch beeindruckende Bilder zu bieten. Einzig ein paar Studioaufnahmen gegen Ende fallen negativ auf. Dieser Umstand schmälert den Unterhaltungswert allerdings nicht, denn die Hatz durch die Berge ist ein großer Spaß, was auch an Sylvester Stallone, noch mehr aber an John Lithgow liegt, dessen Eric Qualen einer der besten Bösewichte des 80er/90er Actionkinos ist. Ein immer noch herrlich unterhaltsamer Film. Was sagt der Zwergofant? Wir haben ein paar Mal über die Gewalt des Films gesprochen, doch er ist sehr gut mit damit klargekommen. Die Figuren und die Jagd durch die Berge waren für ihn die dominierenderen Elemente.

Fazit

Auch heute noch macht mir „Cliffhanger“ unglaublich viel Spaß. Definitiv einer meiner liebsten Stallone-Filme. Der Schauplatz in den Bergen, John Lithgow als Bösewicht und das persönliche Drama zwischen den Figuren, all das überzeugt mich doch jedes Mal. Kann ich mir alle paar Jahre wunderbar anschauen. Nach diesem erfolgreichen Experiment sehe ich schon Sichtungen von „True Lies“ und „Stirb langsam“ in nicht allzu ferner Zukunft auf uns zukommen. Ein weiterer Kracher von Renny Harlin: 8/10 Punkte. (Zappelinchen: war auf einer Geburtstagsfeier; Zwergofant: 8/10 Punkte.)

Stranger Things – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 5)

Wir sind gerade erst am Bahnhof angekommen. Den Hype Train haben wir längst verpasst. Also warum nicht direkt in den Bummelzug einsteigen und noch einmal ganz gemächlich alle vorherigen Stationen abfahren? Genau das haben wir als Familie mit „Stranger Things“ gemacht. Wir sind zu viert nach Hawkins aufgebrochen und haben uns über die letzten gut drei Monate noch einmal die komplette Serie angeschaut. Das war ein unglaubliches Erlebnis und ich bin froh, dass wir uns für diesen Ansatz entschieden haben. Auch den Kindern wird diese Erfahrung wohl als eines der einprägsamsten popkulturellen Ereignisse ihrer Jugend im Gedächtnis bleiben. Begleitet mich nun also gerne bei unserer langen Reise durch das Upside Down… 👹

Stranger Things | © Netflix

Stranger Things | © Netflix

Den Duffer-Brüdern ist mit „Stranger Things“ etwas gelungen, was heute nicht mehr so häufig passiert: Ein neues, popkulturelles Phänomen. Etwas Originelles, das zum eigenen Franchise wird. Man kann diese Entwicklung über die fünf Staffeln wunderbar verfolgen. Gerade die erste Staffel steht ein wenig für sich und ist in vielen Dingen, sowohl inszenatorisch als auch handlungstechnisch, kaum mit der fünften Staffel vergleichbar. Dennoch fügen sich die unterschiedlichen Schwerpunkte erstaunlich gut zusammen und der emotionale Kern bleibt recht konsistent. Was genau ich meine? Das führe ich weiter in meinen Besprechungen der einzelnen Staffeln aus:

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Last Night in Soho (2021)

Nach einem Tag, den ich ich komplett draußen verbracht habe (Rasenmähen und etwas auf der Terrasse lesen) habe ich mich abends aufs Sofa gefreut. Der Zwergofant hatte seine Cousins zum „James Bond“-Schauen eingeladen, weshalb ich für Frau bullion, das Zappelinchen und mich „Last Night in Soho“ ausgesucht habe. Edgar Wrights Thriller stand schon lange auf meiner Liste und heute war es endlich soweit. 👗

Last Night in Soho (2021) | © Universal Pictures Germany GmbH

Last Night in Soho (2021) | © Universal Pictures Germany GmbH

Gefangen zwischen brillant und plump erzählt

Ich liebe Edgar Wrights Filme. Und seine Serie „Spaced“, die letztendlich die Blaupause für seine Cornetto-Trilogie war. Mit „Baby Driver“ konnte ich dagegen nicht so viel anfangen. Der Film hatte mich leider ziemlich kalt gelassen. Umso gespannter war ich also, was Wright aus einem ernsthaften Thriller-Stoff macht. Während der ersten Stunde hatte mich „Last Night in Soho“ komplett für sich eingenommen. Ich war mit Eloise (fantastisch gespielt von Thomasin McKenzie) auf der Reise und konnte mich wunderbar mit ihr identifizieren. Schon früh lässt der Film die Bedrohung durch Männer in den Vordergrund treten. In vielen kleinen Szenen, wie z.B. der Taxifahrt oder den unangenehm sexuell aufgeladenen Begegnungen im Wohnheim. Damit ist „Last Night in Soho“ aktueller denn je und ich war gespannt, wohin uns die Reise durchs nächtliche Soho führt. Zunächst einmal in die 1960er Jahre.

„Last Night in Soho“ besitzt eine fantastische Komponente: Eloise begegnet in ihren Träumen Sandie (ebenfalls großartig gespielt von Anya Taylor-Joy), welche zu Beginn all das zu verkörpern scheint, das Eloise verwehrt bleibt. Quasi „Lippels Traum“ in düster. Ab der Hälfte des Films wird „Last Night in Soho“ sehr plakativ und fast schon plump in seiner Aussage. Die Bilder sind weiterhin stark und Edgar Wright inszeniert die unausweichliche Bedrohung gekonnt. Inhaltlich mochte ich gerade die Entwicklung im letzten Drittel nicht so gerne: Ist Eloises Wahrnehmung nur so stark, weil sie an einer psychischen Erkrankung leidet? Nein, Männer verhalten sich einfach bedrohlich und übergriffig. Auch der finale Twist untergräbt die starke Botschaft des Films in meinen Augen etwas. Es gibt eine Szene, in denen die Männer als reine Opfer gezeigt werden, was mich für einen kurzen Moment wirklich geärgert hat. Glücklicherweise dreht Wright den Ausgang der Szene noch. Mit einem schlüssigeren und ja, auch konsequenteren Finale, hätte „Last Night in Soho“ ein herausragender Film werden können. So entscheide ich mich, ihn dennoch als meisterhaft inszenierten Thriller zu sehen, mit dessen inhaltlicher Ausrichtung ich nicht immer komplett einverstanden war. Muss ich aber auch nicht, denn am Ende verbleibt ein extrem spannender Psycho-Thriller mit interessanter Prämisse und tollen Figuren.

Fazit

Mir hat „Last Night in Soho“ wirklich viel Spaß gemacht. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass ich ihn beim zweiten Mal noch mehr genießen kann, da ich den Ausgang der Geschichte schon kenne. Auch meinen beiden Mitschauerinnen hat der Film sehr gut gefallen. Definitiv sehenswert. Edgar Wright kann also auch Thriller: 8/10 Punkte. (Zappelinchen: 8/10 Punkte; Zwergofant: hat mit seinen Cousins „James Bond 007: Spectre“ geschaut)

Weapons: Die Stunde des Verschwindens (2025)

Gestern waren die Kinder auf der Geburtstagsfeier ihrer Cousine, welche sich bis weit in den späten Abend gezogen hat. Uns hatte spontan eine Freundin besucht, die noch bis zum Abendessen geblieben ist. Danach hatten wir die Gelegenheit einmal wieder einen Film zu sehen, der für Kinder nicht geeignet ist. Meine Wahl fiel auf „Weapons: Die Stunde des Verschwindens“, den ich schon ewig sehen wollte. Ob Zach Creggers Film seiner Prämisse gerecht werden konnte? 🤡

Weapons: Die Stunde des Verschwindens (2025) | © Warner Bros

Weapons: Die Stunde des Verschwindens (2025) | © Warner Bros

„Magnolia“ als Horror-Groteske

Die Prämisse kannte man bereits aus dem Trailer: In einer amerikanischen Kleinstadt verschwinden um Punkt 2:17 Uhr morgens alle Kinder aus einer einzelnen Schulklasse. Alle bis auf eines. Sie verlassen die Häuser und rennen (siehe Bild oben) in die Nacht und waren nicht mehr gesehen. Mehr erfährt man im Trailer nicht. Auch im Film wird dieser Teil der Geschichte innerhalb der ersten fünf Minuten abgehandelt. Doch was passiert danach? Dann geht der Film erst richtig los. Zach Cregger erzählt „Weapons: Die Stunde des Verschwindens“ wie „Magnolia“ oder auch „Pulp Fiction“, sprich als Episodenfilm, dessen Geschichten zusammenhängen und sich überschneiden. Dadurch entstehen teils absurde Szenen, die man zunächst überhaupt nicht einordnen kann. Am Ende wird alles zusammengeführt, so dass es inhaltlich überraschend viel Sinn ergibt und alles erstaunlich schlüssig erklärt wird.

Was „Weapons: Die Stunde des Verschwindens“ so interessant macht, ist der Ton des Films: Das Mysterium ist wirklich mysteriös und dramatisch. Die Kleinstadt wird dadurch komplett in Mitleidenschaft gezogen. Zugleich ist der Film sehr unheimlich. Cregger gelingt es, ein paar extrem stimmungsvolle und absurd gruselige Szenen aufzubauen. Dabei gibt es nur wenige Jump Scares, die jedoch sehr effektiv sind und eher durch existierende Elemente im Bild und weniger durch laute Soundeffekte ausgespielt werden. Auch als gegen Ende eigentlich klar wird, worauf alles hinaus läuft, bleibt der Film spannend und verstörend. Neben all dem ist „Weapons: Die Stunde des Verschwindens“ auch noch erstaunlich witzig. Ja, richtig gelesen. Cregger setzt Humor gekonnt ein und ließ mich teils laut auflachen (z.B. der Spritzenangriff im Zelt oder auch Teile des Finales). Solch eine Mischung sollte eigentlich nicht funktionieren, und ich bin mir sicher, dass sie auch nicht für jede:n Zuschauer:in funktioniert, doch mich hat der Film komplett abgeholt.

Mit den eigenen Waffen geschlagen

Heute leben viele Horrorfilme davon, möglichst nihilistisch zu sein. Happy End? Keine Chance. Umso erfrischender fand ich es, dass Creggers Film tatsächlich ein extrem befriedigendes Ende bietet. Nein, auch hier ist das Trauma nicht weggewischt und alle leben glücklich bis an ihr Lebensende. Aber dass das Böse so gekonnt von seinen eigenen Waffen, und das im wortwörtlichen Sinne, geschlagen wird, fand ich einfach nur grandios. Insgesamt ist „Weapons: Die Stunde des Verschwindens“ ein in jeder Hinsicht extrem überraschender Film, der famos erzählt ist und einfach nur Spaß macht. Die 4K-Version überzeugt durch ein knackiges Bild, das die stimmungsvolle Inszenierung zum Leben erweckt. Kann ich nur empfehlen:

Fazit

„Weapons: Die Stunde des Verschwindens“ hat mich noch mehr begeistert, als ich das zuvor für möglich gehalten hätte. Genau mein Ding: Ich habe mich sehr gegruselt, die Geschichte hat mich in den Bann gezogen, die Figuren fand ich famos geschrieben, ich habe viel gelacht und wurde überrascht. Was will man mehr? So sollte Kino sein und ich freue mich jetzt schon darauf, den Film noch einmal zu sehen: 9/10 Punkte.

Fallout – Staffel 2 (2025)

Nach der zweiten Staffel von „The Last of Us“, ging es direkt mit der zweiten Staffel einer postapokalyptischen Videospielverfilmung weiter: Auf „Fallout – Staffel 2“ hatte ich mich durchaus gefreut, auch wenn meine ganz große Begeisterung, die direkt nach der Sichtung der ersten Staffel durchaus vorhanden war, etwas abgeklungen war. Knapp zwei Jahre Abstand waren vielleicht doch etwas lang… ☢️

Fallout – Staffel 2 | © Amazon Prime Video

Fallout – Staffel 2 | © Amazon Prime Video

Mehr Handlungsstränge und weniger Fokus

Ich komme direkt mit einem etwas seltsam anmutenden Vergleich: Die zweite Staffel von „Fallout“ verhält sich zur ersten Staffel, wie die zweite Staffel von „Wednesday“ zur deren erster Staffel. Für mich hat auch hier der Fokus gefehlt. Es gab zu viele Handlungsstränge ohne wirkliche Verbindung oder Weiterentwicklung. Da war die Balance im ersten Jahr deutlich gelungener. Durch das wilde Hin- und Herspringen habe ich als Zuschauer zu wenig Zeit mit einzelnen Figuren verbracht, bevor es schon wieder weiterging zu einem Handlungsstrang, den man zuletzt zwei Episoden zuvor verlassen hatte. Das fand ich sehr anstrengend. Disclaimer: Dieser Eindruck mag aber auch daran liegen, dass ich bei nahezu jeder Episode mit dem Schlaf zu kämpfen hatte und teils sogar für ein paar Minuten weggenickt bin. Inwiefern dies der Serie direkt anzukreiden ist, oder eher meinem momentanen Gesamtzustand, kann ich schwer sagen.

Auf der Habenseite steht weiterhin das famose Produktionsdesign und der generell stimmige audiovisuelle Gesamteindruck. Einzig die Songs der 1950er/60er Jahre wirken auf Dauer, so innovativ dieses Konterkarieren in der ersten Staffel auch gewesen sein mag, etwas ermüdend. Auch die Figuren mochte ich weiterhin, speziell Walton Goggins als Ghoul hat mir immer besser gefallen. Auch die Kapitalismus- und Militarismuskritik ist scharf und böse, blitzt aber zu selten in dieser Form auf bzw. wird von anderen, teils eher ermüdenden, Handlungssträngen überlagert. Am Ende der zweiten Staffel hat sich handlungstechnisch gar nicht so viel weiterentwickelt. Vielleicht habe ich aber auch wichtige Details verpasst? Das mag ich gar nicht ausschließen. Das Gefühl der Ermüdung kann ich jedoch nicht abschütteln.

Fazit

War ich von der ersten Staffel noch überaus begeistert, so hat mich die zweite Staffel doch etwas enttäuscht. Momentan bin ich mir noch nicht einmal sicher, ob ich in eine dritte Staffel überhaupt reinschauen würde. Trotz Müdigkeit kämpfe ich bei anderen Serien nicht so sehr mit dem Schlaf. Definitiv keine schlechte Staffel, aber das seltsame Pacing hat sie für mich zu anstrengend gemacht und das bei recht zielloser Geschichte: 7/10 (7.2) Punkte.