Mr. Mercedes – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Über die letzten zwei Monate habe ich eine Serie geschaut, die eher zufällig in meinem Programm gelandet ist. Im Oktober habe ich einige Stephen-King-Podcasts gehört, in denen auch „Mr. Mercedes“ Erwähnung fand, die Buchvorlage der Serie. Zudem liest Frau bullion gerade den Nachfolgeroman „Holly“, wodurch ich einen Bezug zur Serie hatte. Als diese auf Netflix veröffentlicht wurde, schien mir das ein Zeichen, dass wir einmal in die Serie reinschauen sollten… 🚘

Mr. Mercedes | © Audience Network

Mr. Mercedes | © Audience Network

Bei Stephen King denken die meisten an übernatürlichen Horror. Auch ich. Durch die gehörten Podcasts wusste ich jedoch, dass „Mr. Mercedes“ eher im Thriller-Genre angesiedelt ist. Die erste Staffel kann ich allen Thriller-Fans nur empfehlen. Danach? Wenn ihr Gefallen an Bill Hodges gefunden habt, bleibt ruhig dran. Für mich hat es sich gelohnt, wie ihr im Folgenden lesen könnt:

Staffel 1: Ein faszinierender Slow-Burn-Thriller

Man sagt von vielen Serien, dass sie langsam erzählt seien. Ich denke hier nur an „The Wire“, „Mad Men“ oder „The Sopranos“. Bei keiner anderen Serie ist mir die langsame Erzählweise jedoch so stark aufgefallen, wie bei der ersten Staffel von „Mr. Mercedes“. Vielleicht liegt dieser Effekt auch daran, dass es sich um einen Thriller handelt, der an Serienkiller-Geschichten erinnert. Eigentlich ein oft schneller erzähltes Genre. Mit Bill Hodges (grandios gespielt von Brendan Gleeson, bekannt u.a. aus „Brügge sehen… und sterben?“) begleiten wir einen pensionierten Detective, dem ein alter Fall in den Knochen steckt: Ein sich „Mr. Mercedes“ nennender Killer (Harry Treadaway, bekannt u.a. aus der Serie „Penny Dreadful“) hat mit einem Mercedes dutzende Menschen überfahren und danach noch perfide Spiele mit den Hinterbliebenen getrieben. Beide Figuren liefern sich nun ein Duell, das über 10 Episoden anhält. Wir erleben beide Erzählperspektiven, was teils durchaus verstörend ist. Trotz Autor Stephen King besitzt die Staffel keine übernatürlichen Elemente und der Horror ergibt sich alleine aus der perfiden Gedankenwelt des Killers. Eine sehr gelungene erste Staffel, die vor allem von ihren fantastischen Figuren und Schauspielenden lebt: 9/10 (8.5) Punkte.

Staffel 2: Wo sind nur Mulder und Scully?

Eigentlich hatte ich erwartet, dass der Fall um „Mr. Mercedes“ in der zweiten Staffel abgeschlossen ist. Spoiler: Ist er nicht. Um das zu bewerkstelligen, geht die Geschichte plötzlich in eine Richtung, die ich so nicht erwartet hatte: War die erste Staffel noch eine recht geerdete Kriminalgeschichte, so gibt es in der zweiten plötzlich verrückte Doktoren, eine Wunderdroge und übernatürliche Elemente. Normalerweise würde ich sagen, dass die Autor:innen die Serie über den Hai haben springen lassen. Doch die Geschichte entspringt Autor Stephen King; die Showrunner haben nur die Reihenfolge der Adaptionen des zweiten und dritten Buchs vertauscht. Warum all der Irrsinn dennoch funktioniert? Die Serie ist weiterhin gut geschrieben und die Figuren famos gespielt. Die suspension of disbelief funktioniert erstaunlicherweise. Im Grunde fühlt sich die gesamte Staffel so an, wie eine Episode „Akte X“. Schon alleine, dass ich als Zuschauer diese Richtung akzeptiert habe, ist ein kleine Kunststück. Das Finale ist ein wenig unbefriedigend, was sich auch in Bill Hodges widerspiegelt. Hier zeigt sich erneut, dass „Mr. Mercedes“ eher eine Charakterserie ist und als solche auch weit besser funktioniert, als sie eigentlich sollte: 8/10 (7.8) Punkte.

Staffel 3: Pulpige Fiktion à la Stephen King

Die dritte Staffel von „Mr. Mercedes“ macht einen komplett neuen Fall auf: John Rothstein, ein bekannter Autor (Stephen Kings Alter Ego?), wird ermordet und dabei werden bisher unveröffentlichte Manuskripte gestohlen. Rund um den toten Autoren spinnt sich ein Netz aus absurdem Kult und Fantum, was letztendlich für weitere Morde sorgt. Das alles erinnert an die Filme der Coen-Brüder, ist dabei aber viel pulpiger erzählt. Dennoch war dieser Handlungsstrang wirklich unterhaltsam. Zusätzlich ist auch die Geschichte um „Mr. Mercedes“ immer noch nicht komplett abgeschlossen, denn der Antagonist der ersten beiden Staffeln taucht in Form von Visionen wieder auf, wenn auch nicht von Harry Treadaway dargestellt, und hat Einfluss auf das Leben unserer Protagonist:innen. Selbst mit dem Fall um John Rothstein hängt seine Geschichte zusammen. Noch mehr als in den vorhergehenden Staffeln wird der Gewaltlevel hochgeschraubt und die Gangster verhalten sich noch psychopathischer als der Mercedes-Killer selbst. Brendan Gleesons Bill Hodges samt seiner Crew macht wieder viel Spaß und ich freue mich, dass es quasi ein Happy End für alle Beteiligten gibt. Zumindest soweit das möglich ist: 8/10 (7.8) Punkte.

Fazit

„Mr. Mercedes“ ist wahrlich eine ungewöhnliche Serie, die über die drei Staffeln wild in den Genres umherspringt, dabei jedoch ihren Figuren erstaunlich konsistent verpflichtet bleibt. Das sollte eigentlich nicht funktionieren. Warum es dennoch klappt, schreibe ich vor allem den tollen Schauspieler:innen, allen voran Brendan Gleeson, zu. Sein Bill Hodges ist eine Figur, die ich wirklich vermissen werde: 8/10 (8.0) Punkte.

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