Nach der kurzlebigen Serie „English Teacher“ war ich auf der Suche nach einer neuen Half-Hour-Comedy bzw. Dramedy. Da die neue Staffel von „Abbott Elementary“ noch nicht komplett verfügbar war, bin ich kurzerhand zu Netflix abgebogen, wo ich auf die Serie „Younger“ gestoßen bin. Eine abgeschlossene Dramedy mit sieben Staffeln? Da wollte ich doch mal einen Blick riskieren… 📚

Younger | © TV Land
Während der ersten paar Episoden der ersten Staffel, wollte ich eigentlich schon wieder ausschalten. Zu viel Seifenoper. Aber genau dieser Aspekt hat mich bzw. uns dann doch am Ball gehalten und letztendlich haben wir die 84 Episoden der sieben Staffeln innerhalb von nur drei Monaten durchgesuchtet. Selbst im Urlaub auf dem Tablet haben wir ein paar Folgen geschaut, obwohl ich das sonst nie mache. Die Serie ist am ehesten wohl eine Workplace-Dramedy im Verlagsgeschäft mit starkem Romantik-Fokus. Die seichteste Unterhaltung, die man sich vorstellen kann, welche dennoch ein paar relevante Themen (Altersdiskriminierung, Sexismus usw.) behandelt. Ich hätte nie und nimmer gedacht, dass mich die Serie so hookt:
Staffel 1: Wir werden alle nicht jünger (oder doch?)
Zunächst einmal muss ich kurz auf den Look der Serie eingehen: „Younger“ sieht schon sehr nach Seifenoper aus. Die Serie ist viel zu gut bzw. gleichmäßig ausgeleuchtet, es gibt ein paar feste Schauplätze (Büro, Wohnung und Bar) und Übergänge werde mittels Stock Footage von New York City gebastelt. Nach einer Weile hatte ich mich daran gewöhnt. Genauso wie an die Handlung der Serie: Sie wirkt sehr auf ein weibliches Zielpublikum zugeschnitten. Ich musste häufiger an „Californication“ denken, welche klar ein männliches Publikum im Fokus hat. Vermutlich sind beide Serien ähnlich unrealistisch und doch auf ihre Art und Weise unterhaltsam. Speziell Hauptdarstellerin Sutton Foster macht ihre Sache wirklich gut. Sie hat mich häufiger an Lauren Graham (u.a. „Gilmore Girls“ oder „Parenthood“) erinnert. Ansonsten plätschert die Handlung rund um die Verjüngungslüge einigermaßen seicht vor sich hin. Die zweite Hälfte der Staffel fand ich deutlich gelungener, vielleicht auch weil mich die Serie inzwischen genug eingelullt hatte. Bestimmt nicht herausragende Unterhaltung, aber dafür eben doch erstaunlich unterhaltsam: 8/10 (7.5) Punkte.
Staffel 2: Zwischen Comfort-Food-TV und WTF?!?
Das Gefühl des Einlullens setzt sich in der zweiten Staffel direkt fort. Die Handlung wird ein wenig tiefer, sprich auch in der Publishing-Welt tut sich etwas und es gibt neue berufliche Herausforderungen. Das fand ich recht angenehm. Weiterhin bekommt Lizas Verjüngungslüge Risse bzw. erweitert sich der Kreis der Personen, der davon wissen. Das sorgt für allerlei Drama und gerade Liza verhält sich, gerade ihrer ehemaligen Kollegin gegenüber, auch ziemlich naiv. War doch klar, dass sie nun erpresst wird. Sei es drum. Auch ihre Beziehung zu Josh bekommt Risse und es scheint ohnehin der Masterplan zu sein, dass Liza irgendwann mit ihrem Chef anbandelt. Oder eben auch nicht, denn war die Serie bis zur Mitte der Staffel noch sehr vorhersehbar, nimmt sie in der zweiten Hälfte doch ein paar unerwartete Wendungen. Ich sage nur Stichwort Schaf oder auch Thad. Insgesamt hat mich die zweite Staffel noch besser unterhalten als die erste. Ich bin wirklich gespannt, welche Absurditäten den Autor:innen noch einfallen und ob sich all das tatsächlich über sieben Staffeln trägt: 8/10 (7.7) Punkte.
Staffel 3: Seifenoper trifft auf absurde Komödie
War ich während der ersten Staffel noch nicht sicher, ob wir die Serie wirklich komplett durschauen werden, so bin ich nun komplett darin gefangen. Wie bereits in der zweiten Staffel tritt mit Edward L.L. Moore eine Parodie auf George R.R. Martin (der Autor von „A Song of Ice and Fire“) auf und sorgt für allerlei Chaos. Weiterhin betritt ein typischer Tech-Start-up-Typ die Bühne und soll der neue Investor werden, der Empirical Press rettet. Das alles ist weiterhin herrlich absurd und an den Haaren herbeigezogen. Neben diesen Handlungselementen wird natürlich wieder viel Fokus auf das Beziehungsgeflecht aller Figuren und Lizas Verjüngungslüge gelegt. Man merkt inzwischen, dass die Autor:innen neue Elemente einführen müssen, denn die Glaubwürdigkeit beginnt langsam aber sicher zu leiden. Aber das macht irgendwie auch den Charme der Serie aus: Der Aufbau auf diesem einen Lügenkonstrukt. Dieses beginnt nun zu bröckeln und das soll mir recht sein, solange die Serie es schafft, uns weiterhin so gut zu unterhalten: 8/10 (8.0) Punkte.
Staffel 4: Eine inhaltliche Weiterentwicklung
Nach dem großen Bang! des Finales der dritten Staffel, müssen sich die Figuren nun zwangsweise weiterentwickeln. Zwischen Liza und Josh ist es nun wohl wirklich vorbei, Kelsey geht auf Distanz und die schwelende Romanze zwischen Liza und Charles, auf die alles rauszulaufen scheint, kommt in Schwung. Ich fand es tatsächlich angenehm, dass Josh nun nicht einfach weg vom Fenster ist, sondern er mehr sein darf, als nur das junge Love Interest von Liza. Sollte sich hier gar eine gesunde Freundschaft entwickeln können? Das Staffelfinale deutet eher auf eine ungesunde Freundschaft hin. Auch auf der beruflichen Ebene gibt es viel Trubel, denn Charles‘ Ex-Frau taucht plötzlich wieder auf und hat einen Roman im Gepäck. Natürlich wird Liza ihre Lektorin. Das sorgt für allerlei Spannungen, was in allerlei Beziehungschaos gipfelt. Die Nebenfiguren haben mit ihren eigenen Herausforderungen zu kämpfen, was ich recht erfrischend fand. Auch wenn die Serie weiterhin keine große Kunst ist, so mag ich sie inzwischen wirklich gerne und befürchte nun einen qualitativen Abfall in den weiteren Staffeln. Die Hauptgeschichte hätte hier gut und gerne fertig erzählt werden können und alles Weitere wird sich wie ein Herauszögern anfühlen. Doch wer weiß, vielleicht kann mich die Serie ja überraschen? 8/10 (8.2) Punkte.
Staffel 5: Eigentlich ein sinnvoller Schlussakt
Im fünften Jahr macht „Younger“ einen inhaltlichen Sprung, der eigentlich ein passender Abschluss für die Serie gewesen wäre: Charles erfährt endlich von Lizas Lügenkonstrukt, er ist entsprechend sauer und am Ende kommen beide dann doch noch zusammen. Quasi RomCom 101. Inzwischen wissen auch so viele Figuren von Lizas initialer Lüge, dass es überhaupt keinen Sinn mehr macht, diese aufrecht zu halten bzw. solch ein Drama darum zu veranstalten. Aber nun gut, so ist die Serie eben. Wenn man all das nicht sonderlich ernst nimmt, dann gibt es weiterhin wirklich unterhaltsame Geschichte zu erleben. Die Verlagswelt wird sehr speziell gezeichnet und als es tatsächlich auf die Frankfurter Buchmesse ging, musste ich laut lachen. Hier wird wirklich ein Klischee nach dem anderen ausgepackt (Bier, Lederhosen usw.), was den Unterhaltungswert noch einmal steigert. Dianas Handlungsstrang mit Klempner Enzo mochte ich sehr, da er viel Herz besitzt. Davon abgesehen verhalten sich die Figuren oft wirklich dämlich und ich weiß gar nicht, warum mich die Serie so unfassbar gut unterhält. Tut sie aber, selbst in der fünften Staffel noch: 8/10 (7.8) Punkte.
Staffel 6: Die Seifenoper wird immer seifiger
In der sechsten Staffel gibt es eigentlich keine Konflikte mehr, was dazu führt, dass diese auf Biegen und Brechen heraufbeschworen werden. Natürlich erfährt nun auch Diana von Lizas Lüge, was so sehr wie eine Seifenoper inszeniert wurde, dass ich laut auflachen musste. Eine Bedeutung für die größere Handlung hatte dies natürlich nicht. Auch die eigentlich stabile, freundschaftliche Beziehung zu Josh wird recht forciert in Frage gestellt, was auch Lizas Beziehung zu Charles schadet. Seifenoper eben. Das die Serie durchziehende Thema von beruflich erfolgreiche Frauen wird immer noch gespielt, doch hatte ich das Gefühl, dass es unter den oft irrational geschriebenen Figuren leidet (z.B. Torpedierung des eigenen Erfolgs durch zu viel Alkohol oder Sexting). Das ist schade, denn „Younger“ kann durchaus mit spannenden, weiblichen Charakteren aufwarten. Aber das ist wohl auch ein Symptom dessen, dass die Serie für ihre Prämisse viel zu sehr in die Länge gezogen wurde. Sprich auch hier zeigt sich der Seifenoper-Effekt. Dieser hat aber auch einen Vorteil, denn die Serie lässt sich unfassbar gut wegschauen und ist dabei nach wie vor sehr unterhaltsam. Wer hätte gedacht, dass mich diese Show einmal so hookt? 8/10 (7.7) Punkte.
Staffel 7: Der Absturz kommt im Finale
Die finale Staffel der Serie macht eigentlich genau so weiter, wie die zwei vorherigen, nur dass die Entscheidungen der Figuren noch dümmer werden. Aber was soll ich sagen? Die Seifenoper hatte mich weiterhin voll im Griff. Am meisten hat mich wohl Charles genervt, der ursprünglich mal eine recht coole Figur war, nun aber seltsam unentschlossen und fahrig agiert. Hier merkt man sehr deutlich, dass die Serie durch künstliches Drama noch gestreckt werden sollte. Besser gefallen haben mir die Nebenfiguren, z.B. Maggie, doch tatsächlich nötig waren auch diese Geschichten nicht mehr. Josh bekommt so gut wie überhaupt nichts mehr zu tun und Kelsey mäandert auch seltsam vor sich hin. Wie gesagt: Hauptsache noch eine weitere Staffel. Aber ja, ich war größtenteils weiterhin gut unterhalten, auch wenn Diana schmerzlich gefehlt hat. Die Finalepisode hat mich allerdings richtig genervt. Die inhaltliche Entwicklung hat die letzten beiden Staffeln komplett unnötig gemacht. Das war so unelegant erzählt, dass ich mir nur noch an den Kopf fassen konnte. Hier hat selbst das seifenopernhafte Einlullen nicht mehr funktioniert. Zumindest hat uns der Autor und Showrunner mit einem Fußtritt aus der Serie katapultiert, so dass der Abschied doch nicht so schwer fällt, wie zunächst befürchtet: 6/10 (6.4) Punkte.
Fazit
Was war denn das? Ich hätte niemals gedacht, dass mich „Younger“ über sieben Staffeln so gut unterhält. In den letzten Wochen war meine mentale Kapazität nicht die beste und somit war es wunderbar, in diese Seifenoper abzutauchen. Die Themen der Serie sind sogar recht relevant und ich mochte die dargestellte Verlagslandschaft sehr gerne. Alles in allem seichte Unterhaltung, die mir über die letzten drei Monate erstaunlich viel Spaß gemacht hat: 8/10 (7.6) Punkte.