Atlanta – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 4)

In meinem Serienprogramm findet sich stets eine einstündige Dramaserie, das Hauptprogramm sozusagen, und eine halbstündige Comedy. Wenn es einmal etwas Leichtes braucht bzw. die Zeit einfach nicht reicht. Nach der kurzlebigen Comedy „Unstable“ habe ich mich mit „Atlanta“ an eine durchaus herausfordernde Dramedy gewagt, deren vier Staffeln mich über das letzte halbe Jahr begleitet haben. 🎙️

Atlanta | © FX

Atlanta | © FX

Im Grunde geh es um den Aufstieg eines Rappers, der von seinem Manager begleitet wird. Gerade in der ersten Staffel steht dieser Handlungsstrang noch im Zentrum. Danach entwickelt sich „Atlanta“ jedoch so unerwartet weiter, dass ich das hier kaum in Worte fassen kann: Es wird surreal, urkomisch, abstoßend, absurd und herzlich. Wenn ihr euch auch nur im Geringsten für schwarze Kultur bzw. Geschichte interessiert und bereit seid, einmal etwas ganz Anderes zu sehen, dann kommt hier meine große Empfehlung:

Staffel 1: The Big Bang

Ich muss gestehen, dass ich mir mit der Sichtung der ersten Staffel von „Atlanta“ teils schwer getan habe. Einerseits mochte ich die lakonische Erzählweise, die sich teils auch komplett auf Nebenfiguren konzentriert oder gesellschaftspolitische Themen in den Mittelpunkt stellt. In diese Aspekten hat mich die Serie an „Master of None“ oder auch speziell an „Reservation Dogs“ erinnert. Diese Serien waren für mich jedoch  insgesamt zugänglicher. Donald Glover konzentriert sich voll und ganz auf die fiktionalisierte Lebensrealität junger Afroamerikaner:innen und in diese kann ich als mittelalter weißer Mann nur bedingt nachvollziehen. Ich hatte oft das Gefühl, dass ich beinahe greifen kann, was die Aussage ist bzw. der Spiegel, der uns vorgehalten wird.  Es blieb für mich jedoch oft an der Oberfläche. Manche Szenen sind unfassbar witzig (Stickwort Drogentest), andere wiederum verwirrend oder deprimierend. Teils spielt Donald Glover auch mit surrealen Elementen, was mich ebenfalls an „Reservation Dogs“ erinnert hat. Für mich war die erste Staffel von „Atlanta“ ein durchaus lohnendes Erlebnis, wenn auch ein sperriges: 8/10 (8.0) Punkte.

Staffel 2: Robbin’ Season

Was habe ich da nur schon wieder gesehen? Die zweite Staffel von „Atlanta“ hat es mir nicht wirklich einfacher gemacht. Sie ist noch fragmentierter erzählt als die erste Staffel und so manche Einzelepisode könnte auch ein Kurzfilm sein. So wie die Episode „Teddy Perkins“, die sich anfühlt wie ein skurriler Horrorfilm, den auch Jordan Peele (u.a. bekannt für „Nope“) hätte inszenieren können. Ganz anders die Episode „Barbershop“, in der wir einer, ebenfalls extrem skurrilen, Komödie beiwohnen. Beinahe schon surreal wird es in der Episode „Helen“, in der unsere Figuren an einem Schmelztiegel deutscher Feste teilnehmen. Oktoberfest meets Fasching. Komplett abgefahren. Schön fand ich auch die Rückblende in die Jugend unserer Protagonisten mit der Episode „FUBU“. Zwischen all den abgefahrenen Einzelgeschichten steht weiterhin die Rap-Karriere Alfreds bzw. Paperbois im Zentrum. Dieser bricht am Ende samt seiner Entourage zu einer Europa-Tour auf. Insgesamt immer noch ein forderndes Seherlebnis, für das mir teils der Zugang fehlt, welches sich aber dennoch mehr als lohnt: 8/10 (8.3) Punkte.

Staffel 3: The Big Payback

Was für eine Staffel. Die erste, die mich so richtig begeistert hat. Sie führt die teils surrealen Einzelepisoden der zweiten Staffel weiter, nur auf elf gedreht. Fast fühlt sich „Atlanta“ im vierten Jahr an, wie eine Anthologie-Serie. Unsere Hauptfiguren tauchen vielleicht in der Hälfte der Episoden auf, in den anderen wird der Finger in die Wunde der strukturellen Probleme unserer bzw. der amerikanischen Gesellschaft gelegt. Das ist bitterböse und brillant erzählt. Zum Beispiel in der Episode „The Big Payback“, in der weiße Nachkommen von Sklavenhalter:innen Reparationen an die Nachkommen ihrer Sklav:innen zahlen müssen. Was die gesellschaftlichen Auswirkungen sind, wie strukturell etablierte Ungerechtigkeit sichtbar gemacht wird usw. All das ist unfassbar treffend und auch unterhaltsam erzählt. Nicht immer einfach im Feierabend nach einem anstrengenden Tag, doch stets lohnend. Selbst die Episoden rund um Earn, Paper Boi und Co. sind allesamt brillant. Ich ziehe meinen Hut vor Donald Glover und seinem Team. Die dritte Staffel von „Atlanta“ ist wirklich etwas ganz Besonderes und wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben: 9/10 (9.1) Punkte.

Staffel 4: The Most Atlanta

Die finale Staffel von „Atlanta“ ordnet sich inhaltlich irgendwo zwischen der zweiten und der dritten Staffel ein. Sie ist nicht mehr ganz so abgefahren erzählt, wie noch das Vorjahr, aber es gibt durchaus einige Episoden, die man nur als surreal bezeichnen kann. Alle wichtigen Figuren bekommen einen passend auserzählten Abschied spendiert, was ich wirklich schön fand. Dazwischen gibt es weiterhin ein paar für sich stehende Episoden, wie z.B. „The Goof Who Sat By the Door“, in der die fiktive Biographie des ersten schwarzen Disney-CEOs präsentiert wird. Großartig und, wie so oft bei „Atlanta“, völlig unerwartet. Das Serienfinale endet, ebenso unerwartet, mit einem „Inception“-Moment, was ich auch großartig fand. Diese finale Staffel besitzt so viele herzerwärmende, absurde, abstoßende und komische Momente, dass es einfach nur eine Freude ist. Rundum gelungen: 9/10 (8.8) Punkte.

Fazit

Ich hätte nach der ersten Staffel nie gedacht, dass mir „Atlanta“ einmal so sehr ans Herz wachsen würde. Dabei kratze ich mit meinem Verständnis der Serie höchstens an der Oberfläche und konnte mir so manche Bedeutung für die schwarze Gemeinschaft nur im Nachgang anlesen. Ich ziehe meinen Hut vor Donald Glover, der hier wahrlich Serienkunst geschaffen hat. Nicht immer einfach zu greifen und doch sehr wertvoll. Ich werde Earn, Van, Alfred und Darius wirklich vermissen: 9/10 (8.6) Punkte.

4 Gedanken zu “Atlanta – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 4)

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