The Tree of Life (2011)

Mein erster Film im neuen Jahr stand schon geraume Zeit auf meiner imaginären Liste. Lange bin ich um „The Tree of Life“ herumgeschlichen. Nie sicher, ob er denn wirklich etwas für mich ist. Dann jedoch flatterte kurz vor Weihnachten ein Päckchen von Flo Lieb bei mir ins Haus, so dass ich nun keine Ausrede mehr hatte, die Sichtung noch weiter aufzuschieben. Im folgenden Eintrag werde ich den Film nun besprechen, doch möchte ich euch gleichzeitig Flo Liebs Essay auf seinem Zweitblog ans Herz legen, das viel mehr in die Tiefe geht und einige interessante Einblicke enthält.

tree-of-life-2011

Eine Vorahnung

Ich habe im Vorfeld bereits einiges über Terrence Malicks Film gelesen. In mir entstand somit ein Bild, ohne jedoch die genaue Handlung zu kennen. Letztendlich muss ich sagen, dass dieses Bild das Endprodukt ziemlich gut getroffen hat. Ich hatte teils große Hoffnungen, aber auch Befürchtungen, sowohl was die Form als auch die Narration des Films angeht. Am wichtigsten war mir jedoch, dass „The Tree of Life“ nicht zu artsy-fartsy sein dürfte und er mich emotional abholen können müsste – und das ist Terrence Malick tatsächlich gelungen. Das im Kern des Films stehende Familiendrama hat den Nerv bei mir exakt getroffen. Der größere Rahmen jedoch schien mir tatsächlich ein wenig zu aufgesetzt.

Das Leben

Ich liebe den naturalistischen Stil, in dem Kameramann Emmanuel Lubezki die alltäglichen Familienszenen einfängt. Mich wundert nicht, dass viel direkt am Set improvisiert wurde. Als Zuschauer nimmt man das Familienleben fragmentarisch durch die Augen der Kinder, speziell des ältesten Sohnes Jack wahr. Dabei gibt es kaum Dialoge. Der Film wirkt vor allem. Es sind Stimmungsbilder, die durch kleinere narrative Episoden zusammengehalten werden. Darüber hinaus gibt es eine starke Zweiteilung was den Einfluss der Mutter und den des Vaters angeht. Gnade, Liebe, die weiche Seite und die Natur mit ihren unbarmherzigen Regeln. Anfangs schien mir diese strikte Trennung fast ein wenig forciert, doch funktioniert sie im Kontext des Films und lässt am Ende die nötige Auflösung zu.

Durch die gemalten Stimmungsbilder konnten meine Gedanken während des Films wandern, jedoch nie abseits, sondern immer parallel zum Geschehen. Als Vater habe ich daran gedacht, wie meine Frau und ich wohl in unseren Rollen auf unsere Kinder wirken mögen. Natürlich gibt es bei uns keine so strikte Trennung (wir haben die 50er ja glücklicherweise hinter uns gelassen), doch vermitteln auch wir Rollenbilder, die das Aufwachsen unserer Kinder bis weit über ihre Kindheit hinaus prägen werden. Sehr spannend und emotional involvierend.

Das Universum und der ganze Rest

Was für mich leider nicht so gut funktioniert hat, sind die durchaus imposant anzusehenden Szenen, die die Entstehung unseres Universums und des erste Lebens auf der Erde zeigen. Inhaltlich mögen sie durchaus Sinn ergeben und das sehr kleine und persönliche Drama in einen größeren Kontext setzen, doch hat mich der Film hier emotional verloren. Hier hätte ich mir (ein Frevel, ich weiß) eine etwas stringentere Narration gewünscht, die näher an den Figuren dran ist und auch mehr Fokus auf den erwachsenen Jack legt. Dennoch entfaltet auch gerade das spirituell wirkende Finale eine große emotionale Wirkung, der ich mich nicht entziehen konnte.

Fazit

Zweifellos ist „The Tree of Life“ ein sehr besonderer Film, der sowohl inhaltlich als auch formal in jeder Hinsicht beeindruckend ist. Mich hat er durch seine klassischeren Elemente mehr zu überzeugen gewusst, als durch die an Kubricks „2001: A Space Odyssey“ erinnernden Montagen. Mir wird die Sichtung noch lange im Kopf bleiben und ich werde in den nächsten Tagen während unseres Familienalltags bestimmt noch öfter an den Film denken. Insofern ist vielleicht noch mehr an ihm dran, als ich nach dieser ersten Sichtung festzuhalten vermag: 8/10 Punkte.

10 Gedanken zu “The Tree of Life (2011)

  1. Na immerhin vermochte dich der Familienteil abzuholen. Dass manchem die allgemeineren Themen wie die Dinos und Co. nicht vollends überzeugten habe ich auch anderswo schon mitbekommen. Aber eine 8/10 ist dennoch zufriedenstellend – immerhin nicht deine Zeit vergeudet 😀

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    • Der Familienteil hat mich sogar tief beeindruckt. Die fragmentarische Erzählweise hat auch perfekt dazu gepasst, wie Erinnerungen nun einmal funktionieren. Hinzu kommt eine unglaublich dichte Atmosphäre, so dass man als Zuschauer ein wenig das Gefühl hat, diese Kindheit miterlebt zu haben. Die Dinos und Co. fand ich auch imposant anzusehen, doch hat das für mich zuviel Platz eingenommen. Da hätte ich gerne mehr vom erwachsenen Jack bzw. weitere Erinnerungen gesehen. Vergeudet war die Zeit auf keinen Fall. Vielen Dank noch einmal! 🙂

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  2. Obwohl ich eigentlich ein großer Freund von ruhigen Erzählweisen bin konnte ich mit den Film nicht viel anfangen. Es war der erste und letzte Film den ich vorgespult habe. Ich wollte zwar wissen wie es ausgeht aber die einzelnen Szenen über die Entstehung der Erde waren mir dann doch zu viel. Dafür war die Kameraführung wirklich schön!

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    • Ja, der Film spaltet doch sehr. Ich kann dazu sagen, dass ich ihn nach der Entstehung-der-Erde-Sequenz deutlich zugänglicher fand, auch thematisch. Danach hat er mich richtig abgeholt und nachhaltig beeindruckt.

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    • Ich fand sie sehr ästhetisch und beeindruckend umgesetzt, bewegt haben sie mich allerdings nicht – ganz anders als die Familienszenen. Interessant wie unterschiedlich der Film doch aufgefasst wird… 🙂

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