Silver Linings – OT: Silver Linings Playbook (2012)

Nach nur drei Filmen – und unzähligen unglaublich unterhaltsamen Interviews – schickt sich Jennifer Lawrence an, sich einen Platz unter meinen absoluten Lieblingsschauspielern zu sichern. So war ihr Mitwirken bei „Silver Linings“ wohl auch einer der Gründe, warum der Film – nach „Winter’s Bone“ und „The Hunger Games“ – überhaupt mein Interesse geweckt hat. Natürlich darf man auch die stets positiven Kritiken nicht vergessen. Oder die Aufmerksamkeit, die dem Film bei den Academy Awards zuteil wurde. Zu Recht?

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Einerseits bin ich beinahe etwas sauer, dass so ein Trubel um „Silver Linings Playbook“ herrschte. All die Oscar-Nominierungen. Als Filmfreund kam man ja gar nicht an dem Film vorbei. Dabei ist David O. Russells wunderbare Liebesdramödie genau die Art von Film, die man gerne entdecken würde. Ein Geheimtipp, von dem man begeistert seinen Freunden berichtet. Ein Film, der sich einem tief ins Herz spielt. Doch keine Chance, denn „Silver Linings“ hat sein Publikum bereits erobert. Und irgendwie freue ich mich ja auch darüber. Insofern sei der Academy in diesem Fall verziehen.

Inszeniert wie eine Indie-Film, ist „Silver Linings Playbook“ doch gespickt mit großen Namen: Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Robert De Niro, Julia Stiles, Chris Tucker – alles Schauspieler, von denen man auf jeden Fall gehört hat. Sie betreten hier jedoch neues Terrain und leisten allesamt vorzügliche Arbeit. Allen voran natürlich die beiden fantastischen Hauptdarsteller – und besonders Robert De Niro, der hier endlich einmal wieder zu großer Form aufläuft. Ein wunderbares Ensemble in einem Film, der größtenteils von seinen Charakteren und ihrer Darstellern lebt.

Die Handlung ist ungewöhnlich für einen Liebesfilm und schwankt zwischen dramatischen Szenen, wirklich lustigen Momenten und herzerwärmenden Darbietungen. Die psychischen Probleme der beiden Hauptfiguren stehen dabei nicht im Mittelpunkt, sondern sind Teil der Charaktere – und das ohne diese zu Witzfiguren oder abstrakten Klischees verkommen zu lassen. Wirklich sehr schön und mit viel Feingefühl gelöst. Während des Abspanns fand ich es bereits schade diese Welt und ihre Figuren zu verlassen.

Zwar ist der Film nicht frei von Fehlern, doch auch wenn so manche Hinführung zu gewissen Ereignissen ein wenig Erzwungen wirkt, überwiegt bei weitem das gute Gefühl, das einem der Film gibt. Mehr als nur ein Silberstreifen am Horizont. Hinzu kommt der wunderbare – und für ihn ungewöhnliche – Score von Danny Elfman und ein perfekt gewählter Soundtrack, der die Stimmung des Films absolut passend untermalt. Kein Geheimtipp mehr, doch auf jeden Fall ein dicker Tipp: 9/10 Punkte.

22 Gedanken zu “Silver Linings – OT: Silver Linings Playbook (2012)

  1. Pingback: Silver Linings (2012) | Film-Blogosphäre

  2. Hey bullion,
    mir hat der Film auch ziemlich gut gefallen.
    Das teilweise die Szenen erzwungen rüberkamen ist mir ebenfalls aufgefallen, fand ich auch etwas störend. Ich finde das hat dem Film etwas an glaubwürdigkeit genommen.
    Die Handlung fand ich im vergleich zu anderen Liebesfilmen mal etwas anderes und deshalb so besonders.
    Liebe Grüße
    Miss Grimm

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    • Mich hat der Film so gut unterhalten und emotional berührt, dass seine dramaturgischen Schwächen bzw. Abkürzungen zwar aufgefallen sind, mich jedoch nicht gestört oder abgelenkt haben. Denn es kam stets die nächste wundervolle Szene. Man redet ja oft davon, doch dies war wirklich ein Feel-Good-Movie… 🙂

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  3. Pingback: Silver Linings (Film-Kritik - Fianna) » Review Corner

  4. Pingback: Media Monday #103 | Tonight is gonna be a large one.

    • Das kenne ich irgendwoher. Ich muss mich auch bewusst hinsetzen und sagen ‚Jetzt schau ich einen Film!‘, damit ich überhaupt dazu komme. Die langen Sommerabende machen es nicht gerade einfacher… 😉

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  5. Bei dem Film habe ich mich im Kino bei dem Wunsch erwischt, dass es doch bitte ein genregemäßes Ende geben sollte – und ich habe mich dann auch gleich dafür geschämt. 😉 Sehr schön finde ich den Gedanken, dass dies ein Film ist, den man eigentlich entdecken möchte. Da gebe ich Dir voll und ganz recht, denn die vielen guten Kritiken und der Preisverleihungshype haben meines Erachtens teilweise zu überhöhten Erwartungen geführt. Denn letztlich ist „Silver Linings“ eine nette, charmante „kleine“ romantische Komödie.

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    • Hehe, ja das Happy Ending hatte ich mir auch gewünscht, war aber auch fast sicher, dass der Film bzw. seine Figuren eines bekommt. Warum auch nicht? Es muss ja nicht immer alles in dunkler Schwermut enden, um gut oder anspruchsvoll zu sein. Also kein Grund sich zu schämen! 🙂

      David O. Russell ist eh ein Guter. Zwar habe ich seinen „The Fighter“ noch nicht gesehen, doch bereits „Flirting With Desaster“ und „Three Kings“ haben die Genrekonventionen auf wundervolle Art und Weise gebrochen.

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  6. Mir hat der Film gefallen, das lag aber zu 90 Prozent an den beiden Hauptdarstellern, allen voran Cooper hat mich überrascht (nachdem ich kurz zuvor The A-Team gesehen hatte umso mehr), Jennifer Lawrences Fähigkeiten waren mir schon zuvor bewusst.

    Dennoch die Handlung fand ich eher lahm, die Charaktere verschroben tragisch-komisch, aber so ganz kamen bei mir die Emotionen nicht an. Dennoch guter Film.

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    • Ich stimme dir voll und ganz zu, dass der Film von seinen Schauspielern lebt. Bradley Cooper hatte mir bereits in „Limitless“ (übrigens auch mit De Niro an der Seite) gut gefallen und spätestens jetzt hat er gezeigt, dass er sowohl Comedy als auch Drama kann. Jennifer Lawrence ist ohnehin klasse, keine Frage.

      Die Handlung fand ich erfrischend und die Emotionen haben mich durch das Schauspiel, den wunderbaren Score und die Gefühlvolle Inszenierung voll erwischt. Aber kann ja nicht immer bei jedem Film so sein… (mich hatte dafür „Moonrise Kingdom“ kalt gelassen, obwohl der Film ja auch nicht schlecht ist)

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      • Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich die Scores von Danny Elfman an sich sehr mag, mir aber von Silver Linings wirklich gar nicht im Gedächtnis geblieben sind. Um fair zu bleiben: Es ist auch schon einige Monate her, dass ich den Film gesehen habe, da vergisst man schon einmal Details.

        Tatsächlich erinnere ich mich nur noch sehr gut an eine Szene, eine der ersten Tanzstunden von Cooper und Lawrence, in der im Spiegel die Beine vom Kameramann zu sehen sind. Und Filmfehler fallen mir meist erst bei Zweit- und weiteren Sichtungen auf…

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      • Ich war ganz froh, dass es kein typischer Elfman-Score war. Normalerweise erkenne ich diese, doch dieser hier war erfrischend anders und hat somit den Film exzellent untermalt.

        Mir sind keine Filmfehler aufgefallen, was für mich auch für den Film spricht. Wenn man so in die Welt hineingesogen wird, dann stört mich so etwas nicht. Wäre eher ein Zeichen für Langeweile, wenn mir Film- oder Anschlussfehler direkt ins Auge springen.

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  7. Pingback: Review: Silver Linings (Film) - Medienjournal

  8. Von mir gibt es acht Punkte weniger. Ein absolut furchtbares Seherlebnis, das ich nur zu Ende geschafft habe, weil ich die zweite Stunde mit anderthalbfacher Geschwindigkeit geschaut habe. Die Charaktere sind eine Katastrophe nicht zuletzt dank dem grausamen Spiel der Darsteller und das leider durch die Bank. Die Handlung ist anstrengender als eine Rektaluntersuchung bei all dem sinnlosen Geschrei die ganze Zeit. Umso anstrengender, da nichts passiert, was man sich 20 Meilen gegen den Wind riecht. Ganz schlimmer Film für mich, der es problemlos in die Liste der 10 schlechtesten Filme des 21. Jahrhunderts schaffen würde. Die ganzen positiven Stimmen sind mir ein Rätsel. *duckundweg* 🙂

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    • Nachdem ich nun hier recht lange nichts von dir gelesen habe, war eigentlisch schon klar, dass du irgendwann mit solch einer konträren Meinung um die Ecke kommst. Dieses Mal nur eben noch extremer als sonst. Deine angesprochenen Kritikpunkte kann ich nicht nachvollziehen, da sie bei mir zu den positiven Eindrücken (Schauspueker, Charaktere usw.) zählen. Anstrengende Handlung? Konnte ich auch absolut nicht ausmachen. Aber bei dieser Differenz in der Bewertung würde jegliche Diskussion wohl sowieso nicht weiterführen… 😉

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      • Naja, außer Urlaubsfotos und Gerenne sowie Media Monday war hier ja auch nicht viel zuletzt 😀 Und das ich die 4. Staffel „The Shield“ eher so lala fand, ist dir ja bekannt 😉 Zur 5. gibts dann meine Bestätigung, dass Forest Whitaker eine tolle Ergänzung ist und ansonsten gilt: Swim, Fatboy, Swim! 😉

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      • Na aber hallo, seit „Silver Linings“ ist hier doch Einiges passiert – nicht dass du dich für ausgebliebene Kommentare rechtfertigen müsstest… 😉

        Ich fand es nur lustig, dass du dich gerade mit solch einer Fehleinschätzung einem Verriss zurückmeldest. Bei „The Shield“ muss ich übrigens zustimmen: Forest Whitaker ist wahrlich eine Bereicherung. Großartig und bisher finde ich die 5. Staffel auch am stärksten. Schwimmen war ich übrigens auch, allerdings sollte man das eher Planschen nennen. Mit den Kids halt.

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