Thor (2011)

Irgendwie habe ich mich bei meiner filmischen Vorbereitung zu Marvels „The Avengers“ doch deutlich verschätzt. So sah ich gestern mit „Thor“ bereits den vorletzten Prolog zu Joss Whedons Superheldenepos. Wer hätte gedacht, dass meine Begeisterung für diese Art von Film so lange anhält? Teils hatte ich beinahe schon das Gefühl eine überlange Episode einer imposant inszenierten TV-Serie zu sehen. Marvel ist mit dieser übergreifenden Filmstruktur wirklich ein Coup gelungen – und das nicht nur aus Marketing-Sicht.

Als ich hörte, dass Kenneth Branagh die Regie von „Thor“ übernimmt, war zumindest mein Interesse geweckt. Was hatte man bei dieser seltsam anmutenden Kombination zu erwarten? Nachdem ich den Film nun gesehen habe, macht die Wahl Branaghs durchaus Sinn. Die Szenen in Asgard wirken fast schon wie eine Parodie auf die Shakespeare-Verfilmungen, für die der Regisseur und Schauspieler bekannt ist. Man kann die Inszenierungsfreude in jeder Szene spüren und ich bin mir sicher, dass es für Branagh ein großer Spaß war Thor, Odin, Loki und Co. ihre Wortgefechte austragen zu lassen.

„Thor“ ist anders, als die bisherigen Marvel-Verfilmungen. Zu Beginn wähnt man sich eher in einem klassischen Fantasyfilm, der mit bombastischen Bildern und übermäßigem CGI-Einsatz auftrumpft. Die Schlacht auf Jotunheim ist großer Actionquatsch, der einfach nur Spaß macht. Im krassen Gegensatz zu diesem effektüberladenem Prolog, ist Thors Ankuft in einem kleinen Kaff in New Mexico beinahe schon intim inszeniert. An dieser Stelle wird der Film zunächst zur Komödie, die ihren Humor größtenteils aus dem Zusammenprall der Kulturen zieht. Mit Natalie Portman, Stellan Skarsgård und Kat Dennings trifft unser gefallener Gott zudem auf ein merkwürdiges Trio, dessen Besetzung stellvertretend für den gesamten Film zu sein scheint.

Innerhalb des Marvel-Universums knüpft „Thor“ direkt an „Iron Man 2“ an und man bekommt erstmals einen Eindruck, wie groß und mächtig S.H.I.E.L.D. tatsächlich zu sein scheint. Durch die Aufteilung der Handlung auf zwei große Schauplätze – die Erde und Asgard/Jotunheim – kam es mir vor, als hätte ich jeweils nur einen Bruchteil der Geschichte gesehen. Als der Film zu seinem wenig einfallsreichen Showdown einsetze und kurz danach auch schon wieder vorbei war, hatte ich das Gefühl maximal die ersten zwei Akte gesehen zu haben. Das konnte es doch nicht schon gewesen sein? Trotz seiner teils absurden Handlung und Inszenierung hatte ich folglich enorm viel Spaß mit dem Film und die Zeit ist nur so verflogen.

Wie soll ich „Thor“ nun bewerten? Es ist sicherlich die experimentellste der bisherigen Marvel-Verfilmungen und auch eine der kurzweiligsten. Leider fühlt sich der Film über weite Strecken sehr gehetzt an und ich hätte von beiden Schauplätzen und ihren Charakteren gerne mehr gesehen. Die Bilder sind teils kitschig, teils beeindruckend bombastisch und teils einfach nur irritierend. Die Schauspieler in ihren Rollen zwar oft verschenkt, doch man merkt die Spielfreude in jeder Szene. Ich zücke zunächst vorsichtig die 7/10 Punkte – mit deutlicher Tendenz nach oben…

24 Gedanken zu “Thor (2011)

    • Ja, da sind wir wirklich mal wieder auf einer Linie. Wie so oft bei den bisherigen Marvel-Verfilmungen. Bin auch schon auf „Captain America“ gespannt, doch nach deiner Kritik dürfte das ja auch ein großer Spaß sein!

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  1. Ja, war ein unterhaltsamer Film. Aber irgendwie auch vollkommen belanglos und auf der Erde teils echt lahm inszeniert. Viel hängen geblieben ist auf jeden Fall bei mir nicht. Ich bleibe lieber bei Branaghs Shakespeare Verfilmungen…

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    • Ja, die Erdsequenzen waren größtenteils recht belanglos, das stimmt. Dennoch hat mich der Film sehr gut unterhalten, weil man gemerkt hat, dass er sich nicht allzu ernst nimmt. Branagh sei Dank!

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  3. In der Tat, die guckst du ja jetzt weg als ob morgen die Welt untergehen würde 😀

    Unter Einbezug unseres obligatorischen Punkts Differenz sehen wir das gar nicht so unähnlich. Wobei ich die Szenen auf der Erde ziemlich uninteressant fand, mich unterhielt eher das Familiendrama im Outer Space.

    Beschert der Captain dann den Wochenendausklang oder gibt’s den erst nächste Woche? Vielleicht schaffst es ja dann doch noch zur Kinoauswertung von Whedons kolportiertem Meisterstück (insofern sich ein Babysitter findet).

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    • Die Asgard/Jotunheim-Szenen stellten auch sicher das Highlight des Films dar. Hat man so eben noch nicht gesehen und Branagh konnte aus dem Vollen schöpfen. Eine intergalaktische Soap Opera eben und als solche funktioniert der Film sehr gut. Die Erdszenen waren für mich zumindest noch okay, denn irgendwie musste man Thor ja zu den anderen Avengers bringen.

      „Captain America“ wird wohl erst irgendwann nächste Woche folgen und Kino sieht im Moment auch schlecht aus, da die relevanten Babysitter zurzeit alle im Urlaub sind. Aber mal sehen. Wird ja noch eine Weile laufen…

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  4. @Flo_Lieb: Single sein hat nichts mit der deutschen Rechtschreibung zu tun ;p

    Als ich den Film im Kino gesehen habe, war ich sehr enttäuscht (und das, obwohl ich nicht mal viel erwartet habe…) Ok, das lag wohl daran, dass es die Synchronfassung und zusätztlich 3D war. Die nachträgliche 3D-Bearbeitung war ziemlich schlecht…
    Die BluRay-Sichtung hat es dann doch noch gerettet. Da fand ich den Film auf einmal sehr amüsant. Ich würde sogar 7,5 Punkte geben. 😉

    Was den Captain angeht… Der Film fand ich zwar nicht schlecht, aber irgendwie… meh, es ist halt Captain America. War noch nie mein Lieblingssuperheld.
    Ich bin nur froh, dass kein Hawkeye-Film geplant ist (hoffe ich zumindest…).

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    • In der Synchro hätte es der Film bei mir auch schwerer gehabt. 3D ist für mich sowieso kein Thema, da „Avatar“ bisher das einzige gelungene Erlebnis dieser Art für mich darstellte.

      Ich bin bei den ganzen Superhelden unvoreingenommen, da ich die Comics nie gelesen habe. Insofern kann mich auch „Captain America“ theoretisch überzeugen, doch dies muss sich noch zeigen…

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  5. Du erinnerst dich vielleicht, wie Avatar bei mir damals ausgefallen ist (auch 3D-technisch)… 😉
    Bei mir war es Avengers, der mich zum ersten mal halbwegs von 3D überzeugt hat. Die Tiefenwirkung durch den ganzen Film durch grandios. Also bei den Szenen, die einem nicht unbedingt ins Gesicht springen. Aber eben die Szenen, die das tun, waren dann das Problem… Die sahen teilweise schon ziemlich lächerlich künstlich aus.

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    • Ja, ich kann mich noch gut daran erinnern, wie du dich damals über „Avater“ ausgelassen hast… 😉

      So oder so würde ich „The Avengers“ schon ganz gerne im Kino sehen. Auch 3D würde mich nicht stören, da es ja ganz ordentlich gelöst sein soll. Allerdings werde ich wohl keine O-Ton-Fassung erwischen und das ist für mich – besonders bei einem Joss Whedon-Film – schon ein K.O.-Kriterium. Aber ich kann warten…

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  6. Schön mal endlich jemanden zu treffen, der nicht über die „Thor“-Verfilmung abkotzt. Ich hatte schon das Gefühl, ich wäre der einzige, der Brannagh zu seinem Film beglückwünschen würde. Klar ist er mal so überhaupt kein Comic-Action-Regisseur, aber zur Thematik Götter und Menschen passt doch kein besserer als ein Shakespeare-Regisseur 😉

    Ich fand den Film auf jeden Fall auch recht unterhaltsam und es war mal was anderes… zumal das auch meine allererste Berührung mit „Thor“ überhaupt war. Ich kann also nicht wirklich meckern, wenn irgendwas fehlt oder falsch dargestellt wurde.

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    • Ich glaube sowieso, dass man hier wahrlich keine begründete Kritik am falsch dargestellten Thor-Mythos vortragen kann. Immerhin ist es eine Comicverfilmung und als solche funktioniert sie tadellos und fällt zudem angenehm aus dem Einheitsbrei heraus. Nach „Iron Man“ in meinen Augen bisher auch der stärkste Marvel-Film.

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